Saison 2018/19

Nervenkitzel bis zum Ende

Heimkampf gegen Uplengen-Hollen, 24.3.2019

Sind die so behämmert oder tun die nur so? Diese Frage stellte sich vermutlich jeder Gegner, der es bisher mit den Lütje Holtern zu tun hatte. Aber wenigstens sehen sie allesamt unglaublich gut aus.

Jens Ufken betrachtete hier das "Gemächt" seines Teamkollegen Sven Frerichs (v.l.). Leider ging sein komplettes "Holz-Skrotum" im Laufe des Wettkampfes verloren. Simon Hanssen wollte dem kugeligen Gehänge ein Wasserbad gönnen.

Ingo Aulig, Dirk Tunder, Ragnar Hoffmann (verdeckt), Dieter Bohlen (im Graben liegend), Gina Wild (auf dem Roller stehend), Philipp Harms und Steffen Lengert (v.l.) diskutierten dagegen mit voller Inbrunst die Frage, ob man in diesem Jahr vorwiegend fest oder mehlig kochende Kartoffeln ausbringen sollte.

25.3.2019

 

Nun hatte die Ostfrieslandliga also ihr Herzschlagfinale; und dass im doppelten Sinne. Bei herrlichem Sonnenschein und fröhlichem Vogelgezwitscher waren Meister- und Abstiegsfrage vollkommen ungelöst. Lütje Holt hatte dabei genauso wie Willen die Luxussituation, mit dem ganzen Kram nichts mehr zu tun zu haben und konnte demzufolge frei aus der Hose werfen.

Personell konnte Lütje Holt dabei aus dem Vollen schöpfen, lediglich Meistertischler Chistian Smid schraubte im heimischen Hildesheim an seiner Welttischlerkarriere und sollte es in dieser Saison also nur auf lediglich 10 Wettkämpfe bringen.

Da in Gummi 6 gesunde Menschen zur Verfügung standen, wurde entschieden, dass Ingo Aulig zuerst als Holz-Backup fungieren sollte, während Mannschaftsführer Steffen Lengert seinen Platz für den wiedergenesenen Hendrik Bents räumte.

Da war er wieder an Bord: Nach seinem ausgedehnten Trip durch Südeuropa war Eugen Pernak wieder ins tropische Westerende zurückgekehrt und fotografierte nach Herzenslust und aus allen Rohren.

Die Entscheidung, wer bei den Holzköppen anwerfen würde, war schnell getroffen: Jens Ufken haderte mit seinem Finger, wohingegen Roland Harms tolle Probewürfe anbot. Der Fall war klar: Opa Harms schritt voran, Simon Hanssen folgte auf der 2, Sven Frerichs ging auf die 3 und der 36-Jährige beschloss das töffelige Boßel-Quartett, das ostfrieslandweit auch unter den Namen "Die vier lustigen Fünf" bekannt geworden ist.

Entgegen seiner Einwerfperformance entschied sich Roland Harms zum Wettkampfstart für eine so-called "Wurst" und stellte Simon Hanssen als zweiten Werfer fast an den Abwurfpunkt.

Da Uplengen auch sichtlich nervös agierte, konnte sich Simon Hanssen, der im Übrigen am 25.3. seinen 23. Geburtstag feiert, seinen obligatorischen "De-oll-Deert-schmiet-ick-mui-boben-rut"-Wurf gönnen, ohne dass auch nur der Hauch einer Schötgefahr bestand.

Sven Frerichs und Jens Ufken komplettierten die Runde des absoluten Boßelwahns und so fand sich Anwerfer Roland Harms noch kurz nach dem neugeteerten Stück wieder; glücklicherweise hielt Uplengen zu diesem Zeitpunkt immer noch nur die Führung in den Händen.

Ufken, seines Zeichens 1. Vorsitzender des Zuchtvereins flugunfähiger Brieftauben e.V., ließ es sich auch nicht nehmen, die zynische Bemerkung "Also noch schlechter können wir nicht werfen. Da müsst ihr euch schon anstrengen!" in Richtung des Meisterschaftsfavoriten zu bringen. Uplengen war extrem nervös - das konnte jeder Blinde mit Krückstock sehen.

"Kartoffelsalat". Jens Ufken erklärte Sven Frerichs (v.r., sind überdies Frisurenvettern im Geiste), worauf es im Leben ankommt. Frerichs zeigte Anerkennung für diese weisen Worte und gemeinsam priesen sie fortan seine tolle Plauze.

Mit dem Wurf von Opa Harms begann das Wurfgebaren der Auricher aber deutlich besser zu werden: Er stellte Simon Hanssen in den Rechtsknick. Dieser setzte Sven Frerichs dann ein ordentliches Stück auf die Gerade, eher die Dampfmaschine wieder einen rausholte, den Westerender Schlusswerfer in die Biegung in Richtung Kanal stellte und damit auch die Führung holte, da sein Wurf komplett oben am Straßenkamm entlangen gelaufen war. Uplengen hatte derweil in Person von Hendrik Manssen, dem Boßelobmann des KV Leer, sehr gut bis auf die Kanalgerade vorgelegt, jedoch schaffte es Ufken mit Hilfe der Kanalbande, die Führung in den eigenen Reihen zu halten.

Mit mehr Glück als Verstand erreichte Markus Kasper auf Seiten der Blauen dann eine Strecke von 130 Metern. Seine Kugel lief dabei mehr im Grün als auf der Straße. Bei der kleinsten Unebenheit wäre die fröhliche Hängepartie bereits nach 50 Metern beendet worden.

Der Team-Opa zauberte dann einen Sahnewurf aus den gichtdurchfressenen Armen, als er die Kugel so schön sanft über den Strich legte, dass sie sich immer wieder am Mittelstrich stieß und mehr als 2/3 des Kanals absolvierte.

Sieht aus wie 65, ist aber locker zwanzig Jahre älter und kann aber noch mit den 18-Jährigen mithalten: Roland "Opa" Harms.

Hier sieht man den Teamdinosaurier bei seinem Zauberkanalwurf. Die Markierungen zeigen die Diskrepanz.

Simon Hanssen ballerte die Kugel dann weit über den gepflasterten Kanalweg und die brandneue Kugel verabschiedete sich für immer von ihren menschlichen Weggefährten. Da Uplengens Thomas Manssen, die Kugel ein bisschen weiter nach links zirkelte, blieb es beim Unentschieden.

Sven Frerichs' Wurf in Richtung Rechtsknick ließ dann etwas an Fahrt vermiss, sodass Jens Ufken unmittelbar vor diesen gestellt wurde. Es machte sich Unzufriedenheit in den Reihen der Roten ob der vertanen Schötchance breit, doch die Uplengener hielten eine Überraschung bereit und erreichten die Markierung nicht, sodass plötzlich das 1:0 bejubelt werden konnten.

Markus Kasper und Jens Ufken standen nun vis-à-vis vor der Kurve und während der Blaugekleidete die Kugel ultraknapp durch den Knick knallte, griff der Daumen des an diesem Sonntag eher glücklos agierenden Jens Ufken nicht und das Spielgerät schoss geradeaus in die Beete. Die Führung war weg, jedoch sollte diese durch gute Würfe seiner Teamkollegen bis zur S-Kurve wieder zurückerobert werden.

Hier erwarf Sven Frerichs das 1:0. Hendrik Manssen blieb nur das Nachsehen.

Bis zur Wende passierte nicht mehr viel. Es gab auf beiden Seiten Unzulänglichkeiten, die lediglich Führungwechsel ermöglichten, jedoch nicht mehr.  So verzog Roland Harms seinen Fingerwurf auf der Geraden nach der Stine-Uden-Kurve, Simon Hanssen ballerte die Kugel geradewegs ins Gebüsch und Jens Ufken trüllte ohne Sinn und Verstand (O-Ton Simon Hanssen: "Hast du die Kugel fallen lassen?").

Alle Würfe blieben jedoch ohne unmittelbare Folgen, da Uplengen sich anzupassen wusste.

Die Wende brachte die Wende: Simon Hanssen donnerte ein feines Pfund in Richtung Neu-Ekelser Hauptstraße, eine Straße, auf der vermutlich auch im nächsen Jahr Ostfrieslandliga-Boßelsport gezeigt wird, wenn Moordorf den Aufstieg schaffen sollte.

Auf der anschließenden Meisterfeier wurden die gegnerischen Teams schon eines Besseren belehrt, als sich diese über den Verkehr auf der Holzlooger Straße beschweren wollten und man auf das weitaus schlimmere Pendant von den Nachbarn aus Moordorf verweisen konnte.

Könnte auch beim Weitsprung agieren: Simon Hanssen, das süßeste Bübchen seitdem es Bangstede gibt.

Nachdem Sven Frerichs mit seinem Wurf die Führung zurückgeholt hatte und Jens Ufken wieder Kopf-an-Kopf mit Markus Kasper stand - dieses Mal ca. 20 Meter vor dem Vorfluter - ging es darum, wer besser um die scharfe Rechtsbiegung kommen würde.

Der Championstour-Teilnehmer legte souverän vor, denn sein Wurf legte sich schon ein gutes Stück um die Kurve, sodass Ufken sich dazu entschied, einen ordentlichen Daumendrall mitzugeben, um einigermaßen mithalten zu können.

Da es an diesem Tag bei ihm aber nicht so mit dem Dosieren klappte, schoss die Kugel relativ schnell nach unten, erwischte dann aber extrem glücklich eine ausgefahrene Mulde im Grabenbereich, kehrte nach der Biegung wieder auf die Straße zurück und lief noch angenehme 100 Meter in Richtung Linksknick.

Ein völlig irrer Wurf, der aber den Tagesverlauf Ufkens beschrieb: Es passierte alles ein wenig zufällig und ungewollt.

Wenn es nicht läuft, kann auch das größte Fratzenschneiden keine Besserung bringen: Jens Ufken verließ die Begegnung nach 3/4 für Ingo Aulig.

Im Hintergrund: Markus Kasper, der die Kugel soeben wunderbar durch den Rechtsknick gezwirbelt hatte.

Lütje Holt geriet allmählich in Fahrt. Roland Harms, der bekanntermaßen schon ungewöhnlich nahe vor dem Linksknick stand, stellte Simon Hanssen weit auf die nachfolgende Gerade.

Hanssen, der vor kurzem bekannt gab, seine 13 Überraschungs-Ei-Figuren starke Sammlung nicht mehr erweitern zu wollen, da sie ihm komplett erscheint und damit seine fast 23 jahre fortwährende Sammelleidenschaft überraschend beendete, schaffte es dann mit einem sehr sicheren Daumenwurf, in die Stine-Uden-Kurve zu werfen.

Uplengen warf nur noch hinterher und leistete sich dann vor der berühmten S-Kurve einen folgenschweren Fauxpas, als man das Schwarz aus aussichtsreicher Positon unten im Graben versenkte und Lütje Holt somit das 2:0 bejubeln konnte.

Doch es sollte noch besser kommen: Uplengen stand jetzt so nah vor der Kurve, dass das Erreichen von Hanssens Markierung schon eine Herausforderung war. Knapp wurde das Ziel erreicht, doch konnte Sven Frerichs nun mit dem Vorteil der kompletten Führung im Rücken frei aufwerfen. Er setzte die Kugel wunderbar an den oberen Straßenkamm, schaffte es dann, auf der nachfolgenden Geraden oben an einem dort wartenden Auto vorbeizusteuern und so bereits etliche Meter zurückzulegen.

Riskiert gerne mal 'ne dicke Lippe: Sven "Dampfmaschine" Frerichs.

Der Werfer Uplengens setzte seinen Wurf ein wenig zu tief und so landete dieser noch im Rechtsknick. Lütje Holts Holzdelegation konnte als zum dritten Schötjubel ansetzen.

Doch der ambitionierte Gast gab nicht auf und brannte einen wunderbaren Wurf  in den Teer. Jens Ufken warf zwar ordentich hinterher, doch kam sein Finger erneut nicht und infolgedessen entschied man sich wenig später salomonisch, Ingo Aulig ab dem Kanal eine Chance zu geben.

Die Führung war weg, doch da Roland Harms seinen Wurf, den er mittlerweile in jedem Wettkampf durchzuführen hat, wieder wunderbar durch den Linksknick brachte, ging diese sofort wieder in die Reihen der Roten über.

Diese kleine Episode zeigt aber auch die größte Stärke der Westerender Holzvertretung in diesem Jahr: Verkackt der eine, springt der nächste Werfer sofort wieder in die Bresche und bügelt den Fehler aus.

Ingo Aulig, der sich mit der Gummikugel deutlich wohler fühlt und vor kurzem einen lukrativen Werbevertrag für Haarpflegeprodukte abschloss, konnte sich ebenfalls noch ein paar Einsatzmeter holen. Er agierte solide.

Kurz vor dem Ende der Begegnung gab es dann noch einen folgenschweren Zwischenfall: Nachdem Simon Hanssen auch die zweite neue Kugel in den Kanal gedonnert hatte, stand er nach dem Gewässerstück nun mit einer Uraltkugel parat und lief mustergültig an, um die Kugel wunderbar durch den Linksknick zu jagen. Leider hatte sich ein Autofahrer dazu entschlossen, den Verlauf der Kugel falsch zu deuten und stoppte diese circa 40 Meter vor Fahrradhütte unvermittelt ab und raubte diesem Wurf somit mindestens weitere 40 Meter.

Dies sollte entscheidend sein, denn Uplengen warf im Nachgang nur 5 Meter an Hanssens Marke vorbei und so wurde das 0:4 aufgrund eines unachtsamen Autofahrers verhindert. Diese Szene sollte am Ende sogar den Ausgang der Meisterschaft entscheiden.  Die Hagerwilder, die ihre Heimaufgabe beim 14:0 gegen Altharlingersiel tadellos lösten und auf Schützenhilfe aus Westerende hofften, hätten zu diesem Zeitpunkt vermutlich diverse Tobsuchtanfälle erlitten und den verantwortlichen Autofahrer aus dem Vehikel gezerrt.

Nichtsdestotrotz war es passiert und es stand weiterhin "nur" 3:0 für Team Rot.

Wat is de Frerichs oak für'n Dussel.

Doch plötzlich wendete sich das Blatt. Es gab ein kleines Aufbäumen  bei den Blauen und Rot musste aufpassen, nicht kurz vor Schluss noch den Anschlussschöt zu kassieren.

Als Markus Kasper dann seinen Dampfhammer auf der Schlussgeraden auspackte, wusste Fingerspezialist Simon Hanssen, dass er auf dem Daumenstand höchstwahrscheinlich die Führung abgeben würde.

Er warf sicher hinterher, doch das Resultat kam wie prognostiziert.

Sven Frerichs setzte dem Treiben dann ein Ende, als er die Kugel sorgsam über das Ziel brachte und den nur noch verbliebenen zwei Schöts immerhin 114 Meter hinzufügte.

Holz hatte also geliefert und nach dem Sieg noch alle Trümpfe in der Hand, um beste Gruppe der Liga zu werden. Dafür wäre aber ein Remis der Gummiboßelbuben notwendig.

Gleichzeitig musste die bis dato stärkste Boßelgruppe der Liga mindestens mit 1,115:0 obsiegen, um den Meistertitel durch ein Remis unter Dach und Fach zu bringen.

"Kiek ehm Ragnar, du oll Töffel, ick wies di, wo man  mit Fingers bütt 4 tellt!"

Der angehende Lehrer und Mannschaftsführer Steffen Lengert (v.l.) schulte seinen Assistenten Ragnar Hoffmann in der Kunst der Mathematik.

Im letzten Wettkampf der Saison verzichtete Mannschaftsführer Steffen Lengert vorbildlich auf seinen Einsatz.

Demzufolge kamen Ragnar Hoffmann, Hendrik Bents, Dirk Tunder und Philipp Harms zum Einsatz.

"El Capitano" zog sich die Warnweste über und bölkte seinen Jungs immer wieder euphorisch und energisch vom Straßenrand zu.

Die Gummigurken hatten ihren Holzkameraden geschworen, alles dafür zu tun, um diese zur besten Gruppe der Liga zu machen - demzufolge ging Team Rot hochmotiviert in die Auseinandersetzung, wohlwissend, dass man keineswegs auf Laufkundschaft treffen würde.

Gleichzeitig ärgerten sich die Gummibuben über den bisherigen Saisonverlauf und das damit verbundene negative Punkteverhältnis. Ein Sieg und man würde die Saison zumindest ausgeglichen beenden.

Rumpelstilzchen Dirk "Mr. Sunglasses" Tunder agierte am Sonntag mehrheitlich ohne Fortune.

Uplengen erhielt mit dem Beginn der Begegnung sofort in Führung, konnte diese jedoch nicht in etwas Zählbares ummünzen.

Lange Zeit wurden auf beiden Seiten sehenswerte Würfe gezeigt, sodass sich keiner der Kontrahenten wirkungsvoll absetzen konnte.

Der Meisteraspirant drängte, der sichere Tabellendritte hielt gut dagegen.

Ohne nennenswerte Ereignisse bewegte sich der Tross auf in Richtung Stine-Uden-Kurven vor, ehe es dann zum vermeintlich spielentscheidenden Wurf kommen sollte.

Hendrik "beim Abwurf oben ohne" Bents warf am Sonntag tadellos. Neigt er doch ab und an zu Leistungsschwankungen, brachte er gestern die meisten Würfe auf die Straße. Im Hintergrund beobachten Ingo Aulig (Weste) und Simon Hanssen den Wurf auf Höhe von Bents' Elternhaus.

Der Uplengener Kapitän stand gut 130 Meter vor dem Eingang in die S-Kurve und donnerte die Kugel grandios in die Doppelbiegung, sodass sie diese komplett passierte und Hendrik Bents vor eine gewaltige Aufgabe stellte.

Bents hatte einen tollen Tag erwischt und ließ sich nicht lumpen.

Im Gegenteil: Er drapierte das rote Hartgummigeschoss ebenfalls sehenswert auf die Straße, hatte aber ein bisschen Pech, dass sie zu hoch geriet und die Straße nach der Bushaltestelle verließ.

Uplengen konnte mit 1:0 in Führung gehen und hatte noch einen ordentlichen Batzen an Führung auf der Habenseite.

Tief bücken und möglichst dumm aus der Wäsche gucken: Ragnar Hoffmann versteht das 1x1 des Trüllens. Ingo Aulig, Sven Frerichs, und Roland Harms (v.l.) musterten seinen Versuch aufmerksam.

Doch Sonnenbrillenfan Dirk Tunder erlaubte sich dann auf dem Trüllstand ein Megaei, als er die Kugel förmlich fallen ließ und diese die Vorgabe des designierten Meisters noch immer nicht erreichte.

Aus einem 0:0 war also binnen fünf Minuten ein 0:2 geworden. Die beste Gummiabteilung der Liga war auf Kurs und die Westerender Gummigurken mussten nun  erneut ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis stellen, um die Chance auf einen Gesamtsieg am Leben zu erhalten.

Das Team berappelte sich und konnte immer mal wieder die Führung zurückerobern - jedoch zeigte Uplengen, warum es in der Tabelle ganz oben so finden ist und hielt immer wieder gut dagegen.

Der entscheidende Einbruch auf Seiten der Westerender entstand dann genau eine Runde vor Schluss: Alle vier Westerender warfen die Kugel auf der Schlussgeraden oben aus der Bahn und nachdem Ragnar Hoffmann das Überschreiten der Ziellinie sogar auf diese Art und Weise nicht erreicht hatte, fiel kurz vor Schluss sogar noch das 3:0 für Uplengen.

Hendrik Bents konnte dann mit einem guten Schlusswurf Schlimmeres verhindern, sodass Uplengen am Ende mit 3,055:0 reüssieren konnte.

Diese Mannschaft erreichte Platz 3 in der Premierensaison:

Hinten von links: Sven "Dampfmaschine" Frerichs, Jens "Brüllhannes" Ufken, Hendrik "Unkünnig" Bents, Simon "Bangsteder Bübchen" Hanssen, Philipp "Pissfrisur" Harms, Roland "Opa" Harms

Vorne von links: Ragnar "Die gescheitelte Persönlichkeit" Hoffmann, Dirk "Mr. Sunglasses" Tunder, Steffen "Mr. Brustmuskel" Lengert, Ingo "Quadfan" Aulig.

Es fehlt: Christian "Meistertischler" Smid.

Auf Seiten der Blaugekleideten brach dann tumultartiger Jubel aus, denn dieses 2:3 (-0,091)-Unentschieden aus Sicht der Roten brachte Uplengen tatsächlich den Titel ein.

Am Ende kann man sicherlich sagen, dass dieser Triumph für die Männer aus dem Kreis Leer als durchaus verdient zu bezeichnen ist, waren die Blauen vor allem in der Hinrunde das alles dominierende Team.

In der Rückrunde gab es dann ein paar unerklärlichen Einbrüche, die aber folgenlos blieben, da sämtliche Konkurrenten ebenfalls hin und wieder schwächelten.

Der Aufsteiger aus Westerende kann dagegen mit Stolz auf einen herausragende Premierensaison zurückblicken. Zu keinem Zeitpunkt hatte das Team mit dem Abstieg zu tun und hatte in der Hinrunde - auch aufgrund der höheren Anzahl der Heimbegegnungen - lange Zeit Tabellenplatz 2 inne.

Die Saison war dabei überschattet von verletzungsbedingten Ausfällen und der daraus resultierenden Tatsache, nahezu keine zwei aufeinanderfolgenden Wettkämpfe mit der gleichen Start-8 auflaufen zu können.

Nur der breite Kader sowie der Umstand, dass die Männer II Lütje Holts außer Konkurrenz im Ligabetrieb der Männer 3 tätig war, stellten sicher, dass die Saison derart erfolgreich gemeistert werden konnte.

In der nächsten Saison gilt es, die Heimstärke am Leben zu erhalten und auswärts zumindest auf ein ausgeglichenes Punktkonto zu schielen.

Möglich ist dann alles in dieser verrückten Ostfrieslandliga.

Die Gruppen- und die Abschlusstabelle der Saison 2018/19.

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann, Fotos: Eugen Pernak)

Impressionen von der Meisterfeier:

Steffen Lengert, Sven Frerichs, Simon Hanssen, Ragnar Hoffmann und Jens Ufken bildeten die Feier-Delegation des BV Lütje Holt.


Ein wahnsinniges Comeback, Teil II

Auswärtskampf in Altharlingersiel, 17.3.2019

Auf geht es zum letzten Auswärtskampf der Saison für die Kaputten aus dem KV Aurich: Sven Frerichs, Roland Harms, Jens Ufken (vorne), Philipp Harms, Christian Smid und der kopflose Ingo Aulig (v.l.) hatten sich einiges vorgenommen.

18.3.2019

 

2 Siege in Folge und die Westerender Welt sah schon wieder ganz anders aus. Hatte man sich doch vor der Begegnung gegen Fulkum durchaus mit dem Thema Abstiegskampf auseinandergesetzt, ging es für die Roten an der Küste um die Chance, die den dritten Platz in der Abschlusstabelle bereits zu manifestieren. Man hatte zwar gehörigen Respekt vor dem schwierigen Geläuf in Altharlingersiel und wusste, dass die beste Holzgruppe  immerhin bei der zweitbesten Kunststoffkugelgruppe der Liga antreten würde, doch war man bis in die Haarspitzen motiviert und wollte an der Waterkaant noch mal richtig Gas geben.

Das Wetter zeigte sich erneut nicht als besonderer Gönner des Boßelsports, doch im Gegensatz zum Regenmatsch-Wirrwarr der Vorwoche entschied sich Mutter Natur nun dazu, den Beteiligten regelrecht die Toupets von den Köpfen zu fegen.

Somit stand auch die Westerender Marschroute für den Wettkampf fest: Die Kugel möglichst flach auf der Straße platzieren, den Wind dann agieren lassen und mit etwas Glück hoch gewinnen.

Aus personeller Sicht konnte zumindest die Abteilung Holz in der Bestbesetzung antreten, lediglich die Restalkoholpegel von Sven Frerichs und Simon Hanssen sorgten vor der Auseinandersetzung für einen gewissen Angstschweiß auf der Stirn von so manchem Westerender.

Ein Sturm zog auf. Angesichts der offenen und ungeschützten Flächen hatten alle Beteiligten extrem mit den Widrigkeiten zu kämpfen.

Starkregen wäre noch das i-Tüpfelchen gewesen. Dies blieb allen jedoch erspart.

Die Gummibubenbande musste auf Hendrik Bents (verletzt) und Dirk Tunder (privater Termin) verzichten. Dennoch stellte man mit Ragnar Hoffmann, Philipp Harms, Ingo Aulig und Steffen Lengert eine starke Truppe.

Holz begab sich als erstes auf die Reise nach Groß-Holum. Die Sieler hatten stark vorgelegt, doch der etatmäßige Westerender Anwerfer Christian Smid, der vor dem Wettkampf stolz mitteilte, dass seine Guppys Nachwuchs erhalten hätten und er somit frischgebackener Onkel geworden wäre, behielt die Nerven und lederte die Kugel mit noch mehr Nachdruck in die Prärie. Die Führung ging somit direkt an Westerende über.

Man entschied sich dann dafür, dass Alkoholleichenrisiko zu minimieren und Teamopa Roland Harms den Vorzug vor Sven Frerichs zu geben. Dieser erledigte seine Aufgabe tadellos und somit wuchs die Führung.

Doch dann kam der erste Slapstick-Auftritt von Simon Hanssen, der die Kugel quer über die Straße donnerte und aus 60 Metern Führung genau 3 Meter machte. Glücklicherweise legte Jens Ufken souverän nach, sodass Christian Smid nun eine vertiable Schötchance hatte.

Diese wusste er dann auch zu nutzen, als er die Kugel auf einem teilweise windgeschützten Stück ganz oben an die Straßennaht nagelte, die Kugel nicht oben ausstieg und der Gegner dieser Vorlage nicht mehr folgen konnte. Lütje Holt ging also mit Beginn der zweiten Runde mit 1:0 in Führung - ein Auftakt nach Maß.

Jetzt weiß auch der letzte Zweifler, woher Philipp Harms sein unverschämt gutes Aussehen hat: Nicht von seinem Vater Roland.

Sven Frerichs bestaunte im Hintergrund derweil den unglamourösen Anblick des Holz-Gummi-Gespanns.

 

Doch die Freude über die frühe Führung sollte nicht lange anhalten: Roland Harms' Wurf stieg oben aus, sodass sich Simon im Eingang der Doppelkurve wiederfand, während Altharlingersiel bereits in deren Mittelstück lag. Simon Hanssen entschied sich zu Slapstick-Einlage Nummer 2 und donnerte die Kugel unten in den Graben, gab die Führung damit selbstredend ab und stellte Jens Ufken vor eine angenehme Herausforderung. Zudem wurde von allen unisono entschieden, dass Sven Frerichs nun für den auf der drei gestarteten Westerender in die Begegnung kommen sollte.

Es kam, wie es kommen musste: Ufkens Wurf geriet zu weit nach oben und schon stand es 1:1. Drei schlechte Würfe der Lütje Holter wurden postwendend bestraft. Das Team hatte sich um den Lohn des guten Starts gebracht.

Doch die Holzburschen zeigten eine sofortige Reaktion: "Smiddi" Smid, der Ultratischler in den Reihen Westerendes, holte die Führung mit dem nächsten Wurf zurück, Roland Harms baute diese wunderbar aus und Sven Frerichs sorgte dann mit einem sicheren Wurf auf der langen Geraden für das 2:1.

Erbrachte trotz Restalkohols eine ordentliche Leistung, musste aber von zwei Krabern links und rechts in der aufrechten Haltung gestützt werden: Sven Frerichs.

Im Hintergrund schaut Ragnar Hoffmann dem Gras beim Wachsen zu (l.).

Simon Hanssen stellte derweil fest, dass er sich nicht mehr in der Kneipe befindet.

Und die gute Performance sollte anhalten: Jens Ufken, der seit neuestem versucht, sich ein berufliches Standbein als Tischdeckendesigner für Werkbänke aufzubauen, stand nun im Anfangsbereich der nächsten Doppelkurve und hatte die schwierige Aufgabe, das Schwarz genau mittig zu platzieren, damit diese am Ende in der finalen Linksbiegung möglichst weit mitfällt, um den nachfolgenden Werfer weit auf die Anschlussgerade zu bringen. Dies gelang ihm tadellos und da Altharlingersiel das Schwarz wunderbar unten in die Wicken donnerte und es am Ende final auch noch gegen einen Pfahl knallte, stand es 3:1 für die Gäste.

Christian Smids Folgewurf misslang dann leider etwas im Nachgang, doch drei Würfe später holte der Lütje Holter Schlusswerfer diese wieder für seine Farben zurück. Westerende kam insgesamt besser mit dem Sturm zurecht, agierte cleverer. Altharlingersiel zeigte dagegen eine sehr schwache Leistung, sodass Lütje Holts gelegentlich auftauchende Fehler nicht bestraft wurden.

Team-Opa Roland Harms, der seinen Rollator im Wettkampf leider nicht mitnehmen darf, zeigte, dass er noch locker mithalten kann. Er agierte vor allem auf eine Art und Weise: Extrem solide.

Simon Hanssen zeigte an und versuchte, den Tag irgendwie zu überstehen.

Mit diesem Vorsprung ging die Truppe über die Wende und Rot war äußerst stark gewillt, noch an der Höhe des Ergebnisses zu schrauben.

Westerende hielt die Führung die meiste Zeit in den eigenen Reihen, nur hielt Altharlingersiel gut dagegen.

Beim Ferienhaus Ulrike fiel dann aber die Vorentscheidung: Circa 100 Meter vor der Rechtskurve stehend hatte der Heimwerfer seinen Wurf zu tief gesetzt und noch vor dem Scheitelpunkt der Kurve gelassen.

Jens Ufken witterte nun seine Chance und setzte alles auf eine Karte. Wie ein Vollpsychopath setzte er seine gesamte Wurfkraft in den Fingerwurf, woraufhin dieser extrem stark anstieg, sich in der Rechtskurve genau am oberen Rand festbiss, die gesamte Kurve durchlief und nach weiteren 100 Metern auf der Folgegeraden landete. Die Altharlingersieler bekräftigen, dass dieser Wurf vermutlich nie wieder derart von ihm würde wiederholt werden können. Ein Umstand, der Westerende egal war, denn der Wurf der Hausherren schoss quer über die Bahn und somit stand es 4:1.

Beinahe wäre sogar noch das 5:1 gefallen, weil auch der nachfolgende Wurf vom Wind aus der Bahn gedrückt wurde. Am Ende lief das Spielgerät der Gelben aber um drei Meter an der Markierung Ufkens vorbei.

Der Spielstand war nun recht komfortabel aus der Sicht der Gäste. Man war nun hungrig auf mehr.

Roland Harms wies Christian Smid bei dessen überzeugenem Anwurf die Richtung.

Roland Harms hatte einen überzeugenden Auftritt hingelegt und wollte sich zum Ende auch noch seine Belohnung dafür abholen:

Mit der Führung im Rücken setzte er seinen tollen Fingerwurf auf eine der langen Geraden, woraufhin dieser sich rund 180 Meter zog. Altharlingersiel scheiterte auch an dieser Markierung und Schöt Nummer 5 durfte auf Seiten der Westerender bejubelt werden.

Alles sah jetzt danach aus, als würde es nur noch um die Höhe des Sieges für Lütje Holt gingen.

Doch weit gefehlt: Plötzlich riss die Konzentration im Wurfgebaren aller Beteiligten komplett ab, sodass sich die Fehlerquote drastisch erhöhte.

Die Führung wurde dann nach zwei schwächeren Würfen von Roland Harms und Sven Frerichs in der letzten S-Kurve abgegeben und es sah stark nach dem 2:5 aus, als sich Jens Ufkens Folgewurf zu stark am oberen Straßenrand platzierte. Glücklicherweise gab es nach dem Asphalt noch genug Auslauffläche, sodass der Altharlingersiel Anschlussschöt nur durch eine gewisse Rolldauer verhindert werden konnte.

Westerende war gewarnt und atmete durch.

Kann so wunderbar wehleidig gucken: Mannschaftsführer Steffen Lengert hatte auch keinen Bock auf den Sturm.

Im Hintergrund nähern sich Ingo Aulig, Lengerts Freundin Venja Lowack und Jungspund Philipp Harms (von vorne nach hinten).

Bis zum Wettkampfende wurden die Leistungen leicht besser, doch hielt Altharlingersiel weiterhin die Führung in den eigenen Reihen.

Symptomatisch für die letzten Würfe war dann die Führungsrückeroberung durch Jens Ufken mit dem vorletzten Wurf des Wettkampfes:

Er donnerte die Kugel mit einem zu starken Daumendrall quer über die Trasse und musste sich das Gefluche seiner Kollegen anhören. Doch dieses wandelte sich in Frohlocken, als der gelbgekleidete Werfer wenig später sogar noch einen Meter weniger warf.

Auch der Folgewurf blieb recht kurz, sodass Christian Smid nochmal alles zeigen konnte. Sein Daumenwurf bewegte sich solide auf der Straßenmitte, überwand die Mitte und brachte den Westerender Holzköppen neben den 4 Schöts noch weitere 72 Meter ein.

Westerendes Kunststoffkugeldivision hatte also geliefert und den Status als beste Holzmannschaft der Liga verteidigen können.

Im letzten Wettkampf gegen den desginierten Meister aus Uplengen können sie sich sogar zur besten Gruppe der Liga küren, wenn ihre Gummikollegen mindestens Remis werfen und sie selbst einen Sieg einfahren.

Die Abteilung Holz konnte also zufrieden mit dem Wettkampf und der gesamten Saison sein. Nun blieb noch der Gang zu den Gummiabteilungen, um das eigene Team mit voller Inbrunst anzufeuern.

Die Gruppentabelle der Ostfrieslandliga nach dem vorletzten Spieltag. Insgesamt 12 verschiedene Werfer trugen  zum tollen Ergebnis der Holzgruppe bei.

Der Wettkampf der Westerender Gummigurken begann recht unerfreulich: Die Führung ging bereits mit dem Anwurf an das gastgebene Team und so waren die rotgekleideten Gäste von Minute 1 an darauf bedacht, einen frühen Rückstand zu verhindern.

Das 1:0 für Altharlingersiel fiel dann aber in der ersten Kurve. Die Gelben hatten gut vorgelegt und Rot sich völlig ohne Not in arge Bedrängnis gebracht, ehe Ragnar Hoffmanns Wurf zu kurz blieb.

Insbesondere Jungspund Philipp Harms, der sich scheinbar für immer von seiner Pissfrisur getrennt hat und noch unter den Folgen zu leiden schien, kam mit der anspruchsvollen Strecke, die ein extrem dosiertes Werfen erfordert, zu Beginn überhaupt gar nicht klar und produzierte diverse Rohrkrepierer.

Ragnar Hoffmann, aufgrund seines Stellvertreteramtes auch unter der Bezeichnung "Vizehoffmann"bekannt, konnte auf der Hintour nichts an dem hohen Rückstand der Gummigurken ändern.

Die nächste Kurve stand auf dem Plan und damit dann das 0:2. Altharlingersiel hatte die Kugel fein säuberlich oben an den Kamm gezaubert, woraufhin die 200-Meter-Marke übertroffen wurde. Ragnar Hoffmann konnte dieser Vorgabe nicht folgen, vielmehr kippte sein Wurf unten weg und schon war der Jubel gelbgeschwängert.

Mit diesem Zwischenstand ging es über die Wende. Holz führte zu diesem Zeitpunkt bekanntermaßen 3:1, Gummi war 2 hinter - Gummi wusste also, dass sie sich am Riemen reißen mussten, um das Gesamtergebnis nicht zu gefährden.

Doch der gute Vorsatz erhielt auf Höhe des Ferienhauses Rieken einen herben Dämpfer als Mannschaftsführer Steffen Lengert sich vermeintlich beim Sensenmähen wähnte und die Kugel über den Daumen wie ein Schimpanse auf Koks auf den Asphalt donnerte.

Nun stand es also schon 0:3 aus Sicht des Gästeteams und also deutete auf eine Auswärtsniederlage der Gummidivision hin.

Es sah lange nicht gut aus für die Gummigurken, doch Steffen Lengert (ganz links) leitete die Wende ein. Philipp Harms und Ingo Aulig (v.l.) stabilisierten sich ebenfalls deutlich auf der Rücktour. Insbesondere Ingo Aulig rannte mehrfach ekstatisch über die Straße, um die Kugel via Schall nach vorne zu treiben.

Doch der Westerender Mannschaftsführer drehte dann in einer Kurvensektion voll auf und warf diese komplett. Dieser Wurf hatte es wirklich in sich und die logische Folge war, dass Lütje Holts Burschen auf 1:3 verkürzen konnte.

Mit dem Wissen der ansprechenden Führung der Holzgruppe im Hinterkopf kam der Wille zurück und man witterte plötzlich die Möglichkeit, den Wettkampf mit einem anderen Ergebnis als einer Niederlage abschließen zu können.

Auf der Schlussgeraden war es dann auch soweit: Ragnar Hoffmann packte nochmal richtig ein aus und zimmerte ein ansehnliches Pfund in Richtung Ziel. Die Folge war das 2:3 und die Hoffnung auf einen Last-Minute-Punch wuchs nun zusehends, zumal die Holzgruppen heranrückten und fortan mit den Gummiboys um die Wette krakeelten.

In Auswärtskämpfen musste er zuletzt immer den letzten Wettkampfwurf ausführen: Ragnar Hoffmann.

Ingo Aulig assistierte.

Es lag plötzlich etwas Großes in der Luft. Der Verlauf der Begegnung erinnerte dabei stark an den Auftritt der Westerender Holzgruppe in Müggenkrug als man eine Runde vor Schluss noch mit drei Schöts im Hintertreffen war und es dann auf ein Remis brachte.

Dieses Mal sollten sich die Gummigurken als "Comebacker" hervortun.

Dabei kam das Ende doch mehr als unerwartet. Die Westerender hatte ihre Kugel rund 40 Meter vor die Ziellinie gebracht, die Meterzahl aufgenommen und das Spielgerät im Rucksack verstaut, da sich der Werfer auf Seiten der Gastgeber nur noch rund 80 Meter von der Ziellinie entfernt befand und man sich bereits damit abgefunden hatte, ein Remis zu erreichen oder mit einem Schöt zu verlieren.

Doch dann kam es zu einem Blackout des Gelbgekleideten, der den roten Flummi schön vor der Ziellinie versenkte und Ragnar Hoffmann somit noch zu einem letzten Wurf nötigte.

Unter dem Jubel seiner gesamten Teamkollegen lief er an und ballerte das Rot über das Ziel. Der Wurf gelang derart gut, dass Lütje Holt noch das 3:3 witterte und somit ein Remis mit positivem Ausgang für Westerende möglich erschien.

Altharlingersiel warf zwar gut hinterher, doch sackte die Kugel zu früh ab und so fiel der Schöt tatsächlich noch wenige Meter hinter der Ziellinie.

Wie in Fulkum bewies Ragnar Hoffmann auch in Altharlingersiel starke Nerven. Mannschaftsführer Steffen Lengert freut sich über die starke Aufholjagd seiner Mannen, die sich wie ein Sieg anfühlte.

Das 3:3 war plötzlich Realität und die Westerender konnten sich über weitere 15 Meter freuen, was ein Gesamtergebnis von 4,087:0 für Lütje Holt zur Folge hatte. Die lange Zeit in der Saison so auswärtsschwachen Westerender hatten die letzten beiden Gastspiele der Saison also dann doch noch positiv gestalten können und sich damit bereits einen Tag vor dem Ende der Saison Platz 3 gesichert.

Der letzte Spieltag hat es in sich, da die Abstiegszone ab Rang 5 beginnt, wobei die beiden Siele schon sehr ordentliche Schötverhältnisse vorweisen können und deutlich im Vorteil sind.

Der Kampf um den Titel ist ebenfalls noch spannend und Westerende wird einen erheblichen Anteil an der Titelvergabe haben. Gewänne Westerende mit einem Vorsprung von 5 Schöts bei einem zeitgleichen, gleichhohen Heimsieg der Hagerwilder, ging der Titel an den bislang Zweitplatzierten und nicht nach Uplengen.

Westerende wird somit alles daran setzen, den Titelkampf bis auf die letzten Meter der Saison extrem spannend zu halten, um dann den verdienten Meister würdig zu feiern.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)

Die Tabelle nach dem 17. Spieltag.


Im Regenmatsch zum Sieg gemogelt

Heimkampf gegen Neuharlingersiel, 10.3.2019

Altherrenbande: Männer-III-Meister Waldemar Suntken, Team-Opa Roland Harms und Männer-II-Mannschaftsführer Detlef Tunder diskutierten vor dem Wettkampf das schlechte Wetter (v.l.)

18.3.2019

 

Der Wettkampf gegen Neuharlingersiel lässt sich unter dem Motto "Gewonnen - egal wie!" bestens zusammenfassen. Im Nachgang wird wohl keiner der Beteiligten auf Seiten Lütje Holts überhaupt noch gewusst haben, wie dieser doppelte Punktgewinn zustande gekommen ist, zu sehr war man damit beschäftigt, sich den Schnee oder Hagel oder Regen aus den Kleidungsstücken zu schütteln. Irgendwann befanden sich alle Wettkampfteilnehmer in einem Zustand vollkommener Gleichgültigkeit, da man komplett durchnässt war und nur durch die eigene Körperwärme am Leben gehalten wurde.

Einzelne Werfer hatten glücklicherweise Handschuhe dabei und so ging so mancher linker Handschuh an die rechte Hand des Teamkollegen - ein ekelhafter Nachmittag unter widrigsten Bedingungen an der Holzlooger Straße. Kaum zu glauben, dass Teile des Teams zwei Wochen vorher noch in kurzen Hosen unterwegs gewesen waren.

Neben dem Wetter waren die Kadervoraussetzungen ebenfalls mehr als bescheiden: Philipp Harms, Christian Smid, Sven Frerichs und Ingo Aulig hatten sich abgemeldet. Kurzum wurde Waldemar Suntken als Holzwerfer aktiviert - ein Werfer, der eigentlich zwei Altersklassen höher aktiv ist und dort mit seinen Jungs vor kurzem den souveränen Meistertitel bejubeln konnte.

Detlef Tunder hatte sich ebenfalls bereiterklärt, den Gummibuben zur Seite zu stehen; ein Angebot, das sehr schnell angenommen werden sollte.

Wollte auf das Ende des schlechten Wetters warten, wäre dann aber vermutlich in der Hütte verhungert: Simon Hanssen, das süße Holzbübchen aus Bangstede.

Während des Aufwärmens passierte es nämlich: Hendrik Bents warf eine Kugel und plötzlich machte es "Radebautz-Radebamm-Radebimmbummbamm" in seiner linken Schulter. Bents klagte fortan über starke Schmerzen in seinem Wurfarm und sah zwar noch eilig eingenommene Schmerztabletten aus dem elterlichen Arzneischrank als Rettungsanker, doch vor dem Wettkampf musste er klein beigeben.

Somit ergaben sich für die beiden Gruppen folgenden Aufstellung, die in dieser Form vermutlich nie wieder einen Wettkampf bestreiten werden: Jens Ufken, Simon Hanssen, Waldemar Suntken und Roland Harms versuchten es mit der Holzkugel, Ragnar Hoffmann, Detlef Tunder, Dirk Tunder und Steffen Lengert gaben mit der Gummikugel ihr letztes Hemd.

Jens Ufken hatte vor dem Wettkampf am schlechtesten "Nein" sagen können und warf somit an. Sein Anwurf kam leider nicht über den Mittelstrich, sodass er kurz vor der Birke liegen blieb. Es war ein durchschnittlicher Wurf, nicht mehr und nicht weniger.

Da Neuharlingersiel zehn Meter weiter warf, ging die Führung an die Gäste über.

Roch mit der Weste im Laufe des Wettkampfes wie ein nasser Hund: Team-Opa Roland Harms.

Es folgten zwei Kopien von Ufkens Anwurf auf Seiten der Westerender, ehe Roland Harms, der an diesem Tag anfangs einen ungewöhnlichen Linksdrall in seiner Wurfperformance vorwies, die Kugel noch 70 Meter vor dem Rechtsknick aus der Bahn jagte.

Der Ersatzanwerfer hatte dann extrem Glück als sein Wurf nach dem Knick oben aus der Bahn schoss, dann aber zurückkehrte und noch ca. 80 Meter zurücklegte. Mit Fortuna im Rücken wechselte die Führung damit die Seiten.

Simon Hanssen warf dann souverän auf, ehe Waldemar Suntken dann grandios bis kurz vor den Kanal warf und der Team-Opa Jens Ufken an den Anfang der Kanalgeraden. Der Daumenprofi packte dann richtig einen aus und donnerte die Kugel ganz oben an den Kamm. Leider Gottes erwischte sie ca. 70 Meter vor dem Ende eine Abbruchkante und stieg nach über 200 Metern Rollstrecke oben aus der Bahn.

Dies war der letzte richtig gute Wurf für eine gewisse Dauer auf Seiten der Hausherren. Simon Hanssen hat zwar zwischenzeitlich einen guten Wurf gezeigt, doch Waldemar Suntken verlor vor der Stine Uden-Kurve die Fassung und drehte die Kugel komplett unnötig unten in den Graben. Da die Führung zuvor bereits an die Gäste gegangen war, stand es nun sogar 0:1 aus Sicht des Gastgebers.

Lütje Holt war wurfkraftmäßig deutlich überlegen, konnte dies aber bislang nicht in Taten umsetzen. Es schlichen sich immer wieder Unkonzentriertheiten ein.

Ekelhaft: Ragnar Hoffmann packte sich dick ein, konnte aber auch nicht verhindern, dass sogar sein Louis Vuitton-Tanga nass wurde.

Es passierte dann eine Ewigkeit nichts mehr und Neuharlingersiel war dem 2:0 näher als Westerende dem Ausgleich. Doch es schlichen sich auf beiden Seiten immer wieder grobe Schnitzer ein, weil schlichtweg Kugeln aus der Hand rutschten oder man vor lauter Regen die Straße nicht mehr erkennen konnte. Die Wetterbedingungen waren eines Boßelwettkampfes unwürdig und so war es nicht verwunderlich, dass beide Westerender Gruppen am Ende mit 11.3 Runden den Saisonnegativrekord aufstellten - Holz hatte es in der Saison bereits 12 Würfe besser hinbekommen.

Circa 150 Meter vor dem Linksknick in Richtung Kanal stehend hatte Roland Harms dann auf der Rücktour einen goldenen Moment.

Er setzte die Kugel so gekonnt, dass sie mit der Biegung fiel und nach 40 Metern auf der Geraden liegen blieb. Ein toller Wurf und die näher an der Kurve postierten Gäste mussten nun ordentlich Gas geben.

Versuch Nummer 1 schlug aber dermaßen fehl, dass die Kugel noch deutlich vor dem Linksknick liegen blieb und die Führung auf die Seite der Roten überging.

Der Abwurfwinkel der Gäste war noch beschissener als zuvor und Westerender witterte plötzlich Morgenluft.

Und es kam, wie es kommen musste: Auch Versuch Nummer 2 wurde ordentlich im Straßengraben versenkt, sodass der Ausgleichsjubel von Lütje Holt ausgestoßen werden konnte. Der alte Mann hatte es also gerichtet.

Jens Ufken konnte trotz des Wetters noch grenzdebil in die Kamera grinsen, die Stimmung bei Roland Harms war dagegen schon etwas negativer angehaucht (v.l.).

Nachdem auch Wurf Nummer 3 so gerade eben am Wurf der Lütje Holter vorbeigelangt war, konnte Anwerfer Ufken gleich nachlegen.

Er entschied sich für einen relativ sicheren Fingerwurf und hoffte darauf, dass sich dieser mit etwas Glück um die Rechtsbiegung ziehen würde. Leider unterschätzte er die Wirkung des starken Regenfalls und die extremen Regenmassen am Rand der Rechtsbiegung, sodass sein solider Wurf noch im Kurvenanfangsbereich liegen blieb. Das war sehr ärgerlich, denn wäre die Kugel mitgefallen, wäre es sicherlich sehr eng für die Gäste geworden. Doch dann passierte zahlte Neuharlingersiel dem Wetter Tribut, als die Kugel aus der Hand des Werfers rutschte,  an der Bushaltestelle vorbeiglitschte und unten im Matsch verendete. Die Markierung Ufkens wurde nicht erreicht und so stand es plötzlich 2:1 für das Heimteam.

Mit relativ sicheren Würfen ging es dann in Richtung Kanal, den Roland Harms dann aus gut 150 Metern Entfernung vollenden musste.

Er drapierte einen wunderbaren Fingerwurf auf den Asphalt und die Neuharlingersieler hatten erneut die schlechtere Ausgangslage, da sie näher vor der Kurve standen.

Es kam wie erwartet: Neuharlingersiel warf gut, aber zu steil, sodass deren Spielgerät im Gehölz einschlug und die Westerender Markierung nicht erreichte. Binnen einer Runde hatte Westerende die Begegnung nicht nur gedreht, sondern die Führung sogar auf 3:1 ausgebaut.

Detlef Tunder warf gut mit, hielt am Ende aber einen kapitalen Aussetzer für das Publikum parat.

Der Sieg Westerendes hätte auf dem Weg zum Ziel noch in die Höhe geschraubt werden, doch das wäre in Bezug auf den gesamten Spielverlauf keineswegs gerecht gewesen.

Zudem schlichen sich an entscheidenden Ständen immer wieder individuelle Fehler ein: So rutschte Jens Ufken nach dem Kanal die regennasse Kugel komplett aus der Hand oder Roland Harms zwirbelte die Kugel mit einem Ultrafinger in den unteren Straßengraben beim letzten Linksknick.

Neuharlingersiel eierte genauso stark herum und somit blieb es bis kurz vor Schkuss bei der 3:1-Führung, ehe Neuharligersiel noch einmal einen auspackte und deutlich über die Ziellinie warf. Waldemar Suntken warf tapfer hinterher, konnte die Vorgabe aber nicht ganz erreichen, sodass er im Ziel die Führung an Neuharlingersiel übergab und der 1,134:0-Erfolg Lütje Holts letztlich auch angemessen, weil nicht höher, ausfiel.

Westerende hatte sich irgendwie ins Ziel gemogelt und war froh, dass der Wettkampf abgehakt werden konnte.

Simon Hanssen und Jens Ufken begaben sich nun auf den Weg zu den nahenden Gummigruppen, während die alten Herren um eine Lungenentzündung fürchteten und nach Hause respektive zu Germann fuhren.

Ihre Routine half ihnen auch bei diesem Mistwetter nicht: Waldemar "Waldi" Suntken und Roland Harms (v.l.) wollten nur noch weg.

Der Wettkampf auf Seiten der Gummiteams verlief komplett konträt zur Auseinandersetzung der Kunststoffkugelfreaks.

Hier zog das Heimteam sehr schnell von dannen und Neuharlingersiel machte anfangs dicke Backen, ehe sich das Auswärtsteam wieder fing und groß auftrumpfen konnte.

Aber der Reihe nach.

Westerende war einigermaßen vernünftig aus den Startlöchern gekommen und lag bei eigener Führung nach einer Runde kurz vor dem Rechtsknick, ein kleines Stückchen weiter als die Kugel der Holzkameraden wenige Augenblicke zuvor.

Anwerfer Ragnar Hoffmann fasste sich dann ein Herz und donnerte die Kugel dann sauber unter dem Strich in Richtung Neu-Barstede und da er die Straße optimal traf, klingelte es nach diesem ordentlichen Start bereits zum ersten Mal auf der Seite der Lokalmatadoren.

Endlich in das warme Auto. Dirk Tunder sah aus wie Scheiße und fühlte sich auch so.

Der Tross zog mit diesem Zwischenstand über die Wende, ehe es wieder etwas Bemerkenswertes zu notieren gab: Dirk Tunder, Steffen Lengert und letztlich erneut Anwerfer Ragnar Hoffmann hatten auf dem Rückweg gut abgeliefert und da die Gäste ihre Kugel unten in den Graben drehten, durfte das 2:0 durch Team Rot bejubelt werden.

Alles sah nach einem sicheren Start-Ziel-Sieg für die Westerender Jungs aus, doch was wären die Westerender Gummiburschen ohne den auf der Heimstrecke bereits schon traditionellen Einbruch auf der eher daumenlastigen Rücktour.

Neuharlingersiel hatte im Bereich der berüchtigten Neu-Barsteder Gaststätte sehenswert vorgelegt und Ragnar Hoffmann daraufhin einen Rohrkrepierer produziert und die Führung abgegeben.

Da auch Detlef Tunder und sein Sohn Dirk im Nachgang keine Bäume ausrissen, verkürzte Neuharlingersiel auf 1:2.

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, der die Herzen der Zuschauer bis zum Halse pochen ließ:

Westerende konnte auf 3:1 am Kanal erhöhen, doch kurz vor dem Ziel gab man im letzten Linksknick in Person von Dirk Tunder erst die Führung ab und wenig später geriet sein Vater Detlef völlig außer Rand und Band, als er vor herannahenden Autos wie von der Tarantel gestochen anlief, loswarf und die Kugel quer über die Straße jagte und damit zum 2:3 scorte - allerdings für Neuharlingersiel.

Tunder hatte dabei einfach autonom gehandelt, denn zum Anzeigen befand sich keiner seiner Teamkameraden auf der Straße. Nachvollziehbar war dieses Verhalten für niemanden, vermutlich auch für den Routinier selbst nicht.

Sein Sohn musste dann die Kuh vom Eis holen und den Wettkampf über das Ziel bringen. Dies gelang ihm auch mit einem sehenswerten Wurf, dennoch hatten die Roten einen sichergeglaubten Sieg in ein müdes Remis gewandelt - ein ärgerliches Ende.

Lediglich 101 Meter blieben den Lütje Holtern am Ende, die das Gesamtergebnis zumindest auf ein 2,085:0 hochschraubten.

Lütje Holt hatte obsiegt - nicht mehr und nicht weniger.

Klitschnass schlichen beide Teams von der Strecke in Richtung Germann, in der Hoffnung, dass sich niemand eine ernsthafte Erkrankung eingefangen habe.

Auch wenn er unter der Woche seine Brust kräftig trainiert hatte, reichte sie nach wie vor nicht bis über seinen Kopf, um den herabfallenden Regen aufzuhalten.

Mannschaftsführer Steffen Lengert wurde aufgrund dessen genauso nass wie seine Teamkameraden - Workout hin oder her.


Den Frust von der Seele geballert

Auswärtskampf gegen Fulkum, 24.2.2019

Auf in den Kampf: Roland Harms, WAG Venja Lowack, Sven Frerichs, Ingo Aulig und Mannschaftsführer Steffen Lengert hatten sich nach der Niederlagenserie viel vorgenommen.

11.3.2019

 

 

Bei strahlendem Sonnenschein machte sich die immerzu dämlich aus der Wäsche guckende Trümmertruppe aus dem Herzen Ostfrieslands auf den Weg in den hohen Norden. Bereits im Vorfeld wusste man von den Spionagefahrten, die Sven Frerichs und Jens Ufken gemeinschaftlich durchgeführt haben, dass die Strecke viel Wurfkraft verlangen würde - ein Umstand, der gemeinhin dazu befähigt, ein Lächeln in die blassen und faltigen Gesichter der Lütje Holter zu zaubern.

Da das Wetter sich zudem von seiner besten Seite zeigte und die Kurze-Hosen-Fans Philipp Harms und Jens Ufken wieder voll auf ihre Kosten kamen, war also alles für einen tollen Boßelwettkampf angerichtet, den Lütje Holt im Übrigen erstmals seit langem mit dem kompletten Kader bestreiten konnte.

Da es sich beim Start in der Ortschaft mit Blick auf die Verkehrsinsel um einen Fingerstand handelte, zog sich Christian Smid als erster Lütje Holter die Trainingsjacke aus. Die weiteren Startplätze belegten Simon Hanssen, Sven Frerichs und Jens Ufken. Roland Harms begleitete die Holzburschen und verzichtete zugunsten seiner Kniegesundheit und aufgrund der hervorragenden Wurfleistungen seiner Teamkollegen auf seinen Einsatz, obwohl dieser ihm mehrfach im Wettkampf offeriert wurde.

Welch wunderbare Strecke. Jens Ufken, Philipp Harms, Ragnar Hoffmann (v.l.) sowie Hendrik Bents und Simon Hanssen (v.l. im Hintergrund) waren sich darüber einig, dass der amtierende Meister unbedingt die Klasse halten soll - so wohl fühlten sich die Roten dort.

Die Fulkumer kamen mit Sahne in den Wettkampf: Deren Anwerfer verwarf sein Versuch komplett, traf dann aber den Bordstein so glücklich, dass die Kugel ideal abprallte, sich an der Verkehrsinsel vorbeischlängelte und letztlich 80 Meter später auf der Geraden liegen blieb.

Christian Smid hatte somit eine extrem schwere Aufgabe vor sich, wollte er sein Team nicht gleich komplett ins Hintertreffen bringen.

Er setzte die Kugel mustergültig, doch aufgrund des zu heftigen Drucks fiel sie nicht rechtzeitig ab und knallte frontal vor die Verkehrsinsel, woraufhin Fulkum sich an einer beachtlichen Führung erfreuen konnte.

Simon Hanssen warf dann aus einer schwierigen Position heraus gerade an der Vorlage der Gastgeber vorbei, doch wenig später fiel dann bereits das 1:0 für das Heimteam, als Sven "Dampfmaschine" Frerichs der guten Vorlage der Fulkumer nicht mehr Folge leisten konnte und sich für einen sicheren Wurf entschied.

Der 36-jährige Ufken fungierte seit längerer Zeit mal wieder als Schlusswerfer und warf die Kugel dann sicher zurück, Fulkum konnte dabei die Abgabe der Führung nur durch die Unterstützung von Fortuna verhindern.

Dann war es aber Christian "Smiddi" Smid, der neuerdings dem Polosport anheim gefallen ist, aber bei den ersten Begegnungen keinen Stich sah, da er immer ohne Pferd angetreten war und nun einen wunderbaren Wurf in die Gegenrichtung setzte, der den Gewinn der Führung zur Folge hatte.

Wunderschönes Boßling bei bestem Wetter. Hier ist Christian Smid bei der Arbeit zu sehen.

Es folgte eine grandiose Runde, bei der Simon Hanssen einen sicheren Wurf lieferte, ehe Sven Frerichs' Wurf wunderbar unterhalb der Verkehrsinsel in den Ort glitt und Jens Ufkens Daumenwurf es  mit Hilfe der vorhandenen Bordsteinumrandung vom Ortseingang bis zur Bushaltestelle am Ende der Ortschaft schaffte. Allesamt tadellose Würfe, die die Führung zwar anwachsen ließen, aber noch keinen zählbaren Ertrag einbrachten.

Leider gerieten die Würfe von Smid, Hanssen und Frerichs in der Folgezeit nicht so optimal wie zuvor, sodass es erst einmal nur bei der Führung für Lütje Holt bliebt.

Der Schlusswerfer im Team der Roten sah sich dann einem sehr ordentlichen Wurf der Gastgeber gegenüber, doch sein Daumenwurf geriet ideal, traf die Rille im oberen Straßenbereich und so überbrückte die Kugel ungefähr 250 Meter und baute die Führung wieder ein kleines Stück aus.

Die Gastgeber ballerten ihren Versuch dann oben aus der Bahn und Christian Smid hatte dann die Chance, die Führung für seine Farben zu erweitern. Dies tat er auch, da er die Kugel ganz sicher und solide mit dem Daumen auf dem Asphalt drapierte und Fulkum nur wenige Meter daran vorbei.

Doch die Freude darüber sollte auf Seiten der Fulkumer schnell verhallen, denn Simon Hanssen knallte nachfolgend ebenfalls einen tollen Wurf über die Trasse. Daraufhin verschwand die Kugel der Westerender zwar für immer in den Weiten der Fulkumer Sumpflandschaft, aber zumindest konnte der Ausgleich nach dieser tollen Westerender Wurfserie bejubelt werden.

Opa Roland Harms wies an, Simon Hanssen vollendete zum wichtigen 1:1.

Lütje Holt war jetzt endgültig drin im Wettkampf: Sven Frerichs kurbelte die Kugel zwar einen Deut zu stark, doch verließ sein Wurf die Straße erst nach 150 Meter, sodass man von keinem Rohrkrepierer sprechen musste.

Jens Ufken setzte seinen Daumenwurf dann so optimal, dass die Kugel erst oben an den Straßenkamm lief, abfiel und in die nachfolgende Rechtskurve einlief.

Die Führung der Westerender war wieder extrem angewachsen und Christian Smid machte wenig später den Deckel drauf, als er einen tollen Wurf in den Asphalt brannte und Fulkums Kugel  wieder ein paar Meter vorher im Nass verschwand.

Die Roten hatten die Begegnung also gedreht - und dies auch völlig verdient.

Mit diesem Ergebnis ging es über die neuerliche Wende. Für die Rücktour hatten sich die Westerende jetzt noch ein bisschen was vorgenommen.

Kurze Zeit später war es dann auch so weit, als Simon auf der Gerade stehend sehr souverän agierte und mit Sinn und Verstand auf 3:1 erhöhte. Die Holzgruppe Westerendes funktionierte zu diesem Zeitpunkt wie ein Uhrwerk, infolgedessen hielt sich die Fehlerquote bei den Beteiligten extrem in Grenzen.

Sven Frerichs kommt in dieser Saison, ebenso wie Christian Smid, oft ohne Wurfpraxis zu den Wettkämpfen. In Fulkum konnten beide überzeugen.

In der langen Rechtskurve gönnten sich Jens Ufken und Christian Smid aber dann zwei kleinere Würfe, nachdem Sven Frerichs kurz zuvor wunderbar in die Biegung gelangt war. Dies blieb allerdings folgenlos, da Fulkum immer mehr aus Konzept geriet und einen Wurf nach dem nächsten versemmelte. Die Fehler der Westerender blieben ungestraft, ferner konnte Simon Hanssen dann auf 4:1 stellen.

Er hatte einen wunderbaren Fingerwurf mit Gewalt in die Norddeutsche Tiefebene gebrannt und da der Fulkumer Wurf zu tief blieb, fehlten am Ende wieder ein paar entscheidende Meter und Rot jubelte sich die Kehlen wund.

Lütje Holt hatte Blut geleckt und nach einem herrlichen Fingerwurf von Jens Ufken, der die Kugel wunderbar ins obere Drittel bugsierte, und einem sehenswerten Folgewurf Christian Smids, der das Wurfgerät ebenfalls sicher über die Straße tänzeln ließ, stand es bereits 5:1.

Die rotgekleideten Herren ließen sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen. Zwar konnte Fulkum noch zweimal die Führung übernehmen, doch agierten sie clever und lauerten auf neuerliche Fehler des Heimteams.

Zum Schluss wurde es nochmal spannend, als Jens Ufken sich für eine gewagte Situation entschied und oberhalb der Verkehrsinsel anlief und damit die Führung abgab, doch der Westerender Anwerfer und Supertischler behielt die Nerven und konnte am Ende 161 Meter an der gegnerischen Kugel vorbei über die Ziellinie werfen, sodass es bei dem Vorsprung von 4 Schöts final blieb und dem Sieg noch 11 Meter hinzugefügt werden konnten.

Da sind die drei Dussel wieder auf einem Bild vereint: Jens Ufken, Ragnar Hoffmann und Sven Frerichs (v.l.) freuten sich um die Wette, als sich die Gruppen bei der zweiten Wende trafen.