Saison 2018/19

In der Auseinandersetzung der Gummimannschaften konnten sich Westerende von Beginn an die Führung sichern und entsprechend behaupten. Das Team war in der Formation Hoffmann - D. Tunder - P. Harms -  S. Lengert gestartet, wohingegen Hendrik Bents und Ingo Aulig die vier Kameraden vorerst akkompagnierten und von außen anfeuerten.

Im Grunde nur eine Frage der Zeit bis man sich endlich über den Premierenschöt freuen durfte, lediglich "El Capitano" Steffen Lengert hatte etwas gegen eine frühe Führung, da er leider Gottes einen fürchterlichen Tag erwischte und die ersten vier Würfe komplett versenkte.

Glücklicherweise blieb die Führung aber in diesen Momenten immerzu in den eigenen Reihen, da Fulkum zuvor nicht richtig hatte vorlegen können.

Steffen Lengert kam nicht zurecht in Fulkum und  wurde kurz nach der Wettkampfhälfte gegen Ingo Aulig ausgewechselt. Zumindest  konnte er sich aber weiterhin damit rühmen, die schönste Brustmuskulatur des ganzen Teams zu haben.

So zog sich die Partie ein wenig zäh in Richtung der zweiten Wende.

Dann gelang Steffen Lengert aber ein optimaler Wurf, den Fulkum noch knapp kontern konnte.

Wenig später klingelte es dann jedoch, als der Vizekapitän und Origamifanatiker Ragnar Hoffmann, der unlängst in seinem Garten für seine Kinder ein Baumhaus aus Prinzenrollen-Keksen gebaut hatte, einen auspackte und mit dem übergroßen Flummi nicht nur die Gerade überbrückte, sondern auch noch die anschließende Kurve mitnahm.

Sein Gegner setzte seinen Wurf ebenfalls ansprechend, doch hatte ein orientierungsloser Autofahrer etwas gegen eine überdurchschnittliche Rolldauer des Spielgeräts, sodass dessen Ausflug jäh unterbrochen wurde.

Die Markierung Ragnar Hoffmanns wurde damit nicht erreicht und alle rechneten mit einer Wiederholung des Wurfes, denn so hätte Fulkum zumindest eine Chance auf die Verhinderung des Rückstands gehabt, doch der Werfer entschied sich zur Verwunderung des Auswärtsteams dagegen und so konnte auf Seiten der Lütje Holter endlich das 1:0 bejubelt werden.

Ingo Aulig kam in die Begegnung und konnte später noch scoren.

Damit war der Knoten dann geplatzt: Dirk Tunder und Philipp Harms ballerten im Anschluss an Ragnar Hoffmanns Granate zwei weitere, äußerst bemerkenswerte Würfe durch die Prärie, ehe es dann kam zum Galaauftritt des für Steffen Lengert in die Begegnung gekommenen Ingo Auligs kam.

Im Knick stehend setzte er die Kugel schön an den Strich und das Ding lief und lief und lief.

Das war ein sattes Pfund und Fulkum hatte nun mächtig zu liefern, um nicht einen höheren Rückstand schlucken zu müssen.

Auligs Kontrahent ahmte den Wurf nahezu hundertprozentig nach, jedoch fehlten am Ende ungefähr 15 Meter und Lütje Holt hatte in der Ortschaft Fulkum die Vorentscheidung herbeigeführt. 2:0 so kurz vor Schluss - das hörte sich angesichts des Ergebnisses aus der Holzauseinandersetzung doch sehr gut an für die Roten.

Philip Harms war bestens aufgelegt. Dies galt allerdings wieder einmal nicht für seine Frisur.

Die Westerender Gummigurken waren nun kurz vor dem Ziel und konnten durchaus mit dem bisher gezeigten Boßling zufrieden sein. Das Team hatte nahezu den gesamten Wettkampfverlauf über die Führung in petto gehabt und diese lediglich kurz nach dem ersten Schöt einmal aus der Hand gegeben.

Nahezu alle Akteure hatten eine gute bis sehr gute Leistung abgeliefert, sodass der Ausflug in Richtung Nordseeküste unter den Anfeuerungsrufen der herannahenden Holzköppe nun zu einem würdigen Abschluss gebracht werden konnte.

Der letzte Wettkampfwurf aus der Perspektive der Boßelkugel, operated by Ragnar Hoffmann. Roland Harms, Christian Smid und Steffen Lengert bestaunen die Nervenstärke des Vizekapitäns (von vorne nach hinten).

Die Hausherren hatten sich schon in Richtung Ziellinie geschoben, diese aber noch nicht überworfen. Ragnar Hoffmann stand optimal auf der Geraden und hatten nun die Chance, über eine adäquate Meterzahl das Gummi- oder zumindest das Gesamtergebnis noch einmal um einen Schöt aufzustocken. Holz hatte bekanntermaßen 11 Meter vorgelegt, sodass er das rote Spielgerät also mindestens 139 Meter an der Fulkumer Kugel vorbeijagen musste, um für seine Farben zu scoren - sicherlich eine machbare Aufgabe, aber eine satter Wurf wäre davon schon von Nöten.

Der Stellvertreter Steffen Lengerts lief an, während sich Teamreporter Jens Ufken mitsamt Handykamera auf die Straße gelegt hatte und donnerte die Kugel mit Speed auf die Gerade.

Ein guter Wurf, nun mussten die Kopfrechenkünstler ran.

Am Ende hatte er sich um 145 Meter an der Kugel Fulkums vorbeigeschoben und somit zwar das 3:0 für seine Gummibubenbande um 5 Meter verpasst, jedoch das Gesamtergebnis doch noch auf 7,006:0 hochgeschraubt.

Dies war ein würdiger Abschluss einer tollen Partie, der Westerender zwar den Klassenerhalt brachte, die sympathischen Fulkumer "nach der höchsten Heimniederlage seit Ewigkeiten" (O-Ton des Mannschafsführers)  aber extrem nah an die Abstiegsränge brachte.

Westerende kann dagegen für die nächste Saison in der Ostfrieslandliga planen und die letzten drei Begegnungen mit einer enormen Portion Gelassenheit angehen.

Wahre Freude gibt es nur unter Männern. Der höchste Saisonsieg und der damit verbundene Klassenhalt wurden gebührend gefeiert. Hier jubeln Ingo Aulig, Steffen Lengert, Roland Harms, Hendrik Bents, Sven Frerichs, Ragnar Hoffmann, Simon Hanssen und Christian Smid (v.l.) ausgelassen.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)


Abschied vom Heimnimbus

Heimkampf gegen HAge, 17.2.2019

Simon Hanssen wollte und konnte gar nicht hinsehen: Der Heimkampf gegen Hage  verkam zu einer Farce. Nach knapp 1 1/2 Jahren verlor die Männer I von Lütje Holt mal wieder auf der Holzlooger Straße - und dies völlig zurecht.

11.3.2019

 

Zwei Niederlagen in Serie hatte es für Westerende gesetzt und die wahnwitzigen Spekulationen um den Gewinn der Meisterschaft in der Premierensaison waren dadurch auch vollends zum Erliegen gekommen. Gegen Hage sollte die makellose Heimbilanz ausgebaut, um zumindest im Kampf um die Plätze 2 und 3 weiter gute Karten zu haben. Natürlich - und das ist vermutlich auch der Hauptgrund - möchte das Team möglichst weit oben in der Tabelle landen, um einen größeren Teil von den im Boßelsport so lukrativen Fernsehgeldern abzugreifen. Da kann es schon mal enscheidend sein, ob man 3. oder 4. im Abschlusstableau wird.

Das Holzteam ging wieder einmal in einer anderen Konstellation an den Start: Da sich keiner der Fingerwerfer im Team um den Anwurf riss, versuchte Jens Ufken sein Glück. Auf der 2 kam Simon Hanssen zum Einsatz, Sven Frerichs und Ingo Aulig komplettierten das Feld. Der Rekonvaleszent Roland Harms begleitete die Truppe humpelnd und feuerte nach besten Kräften an. Er sollte in der letzten Runde für Ingo Aulig in die Begegnung kommen und seinen einzigen Wettkampfwurf gekonnt durch den letzten Linksknick zwirbeln.

Ob Kapitän Steffen Lengert da schon wusste, dass dieser Tag sich extrem negativ für sein Team und ihn entwickeln würde?

Jedenfalls fand sich der 30-Jährige vor der Begegnung meditierend hinter einem Baum wieder.

Daumenwerfer Ufken versuchte sich also am fingerlastigen Anwurfpunkt und er hatte Glück, dass sich sein Versuch in der Rille einnistete und zwischen Birke und Einfahrt zum Erliegen kam. Die Führung war gleich gesichert - so konnte es weitergehen.

Simon Hanssen legte top nach und baute diese souverän aus, doch Sven Frerichs und Ingo Aulig produzierten kleinere Würfe, sodass  der Vorteil kurz nach dem Rechtsknick an Hage ging.

Jens Ufkens' Wurf war dann eine Kopie des Anwurfs, nur erwischte er die Rille nicht, sodass die Kugel nach 120 Metern Rollstrecke im Dickicht verschwand und sich Simon Hanssen jetzt einer ordentlichen Herausforderung gegenübersah, da Hage bis kurz vor den Rechtsknick geworfen hatte.

Doch das Bangsteder Bübchen ließ sich nicht lumpen und jagte die Kugel bis in den Rechtsknick. Sven Frerichs drapierte Ingo Aulig daraufhin auf die Kanalgerade.

Hage legte immer gut vor, sodass Aulig und Ufken zu kontern gezwungen waren. Dies taten sie auch und so konnte die 22-jährige Nummer 2 im Team dann nach dem Kanal frei aufwerfen.

Simon Hanssen kam gut in den Wettkampf. Er traf seine Würfe zu Beginn allesamt. Aber auch er geriet im weiteren Verlauf des Wettkampfs immer mehr aus dem Tritt - genauso wie seine drei Teamkollegen.

Und der Hobbylandwirt zauberte die Kugel wunderbar durch den Rechtsknick, doch Hage hielt erneut dagegen und behielt sogar die Führung. So langsam machte sich Ungeduld im Team der Roten breit, hatte man sich doch für den Wettkampf soviel vorgenommen.

Doch dann folgte der Auftritt der Westerender Dampfmaschine, der die Kugel wunderbar am Strich setzte, die Neigung der Straße ausnutzte und bis zum anthrazitfarbenen Haus warf. Die Führung war endlich wieder da.

Der Wiesenser Quadfan Aulig setzte das Spielgerät danach einen Tick zu tief, sodass diese noch kurz vor der Bushaltestelle zum Erliegen kam - glücklicherweise hatte es Hage auch nicht besser gemacht, sodass der 36-jährige Ufken mit der Führung im Rücken frei aufwerfen konnte.

Er entschied sich für einen gewagten Trüllversuch, der in diesem Fall aber vollkommen misslang, sodass Simon Hanssen sich noch vor der Rechtsbiegung stehend positioniert sah. Ein völliger Scheißwurf des Ersatzanwerfers - hätte er sich für die Gewaltvariante entschieden, wäre eventuell Schöt Nummer 1 drin gewesen.

Dieser Murkswurf Ufkens gab dem Wurfgebaren der Westerender einen  herben Dämpfer, sodass auch Hanssen sich daneben benahm und das Ei des Tages präsentierte: Vor der Rechtskurve stehend ließ er die Kugel fallen, woraufhin diese sofort nach 15 Metern im Graben verschwand und die Führung weg war. Im Sommer sollten die Jungs unbedingt ein paar Trüllsessions einplanen, denn das war absoluter Murks von den Hausherren.

Wurde in der Begegnung zum Kettenraucher:  Teamopa Roland Harms konnte sich die werferische Qualität seiner Schützlinge nicht mehr ansehen.

Sven Frerichs trüllte die Kurve dann gekonnt zuende und Ingo Aulig sah sich dann einem ordentlichen Pfund der Hager gegenüber. Der 39-Jährige blieb aber ruhig und hielt dagegen, positionierte Jens Ufken rund 80 Meter vor dem Rechtsknick.

Hage hatte wieder gut vorgelegt und lag bereits ein gutes Stück nach dem Rechtsknick, sodass die Nummer 1 der Werferreihenfolge nun einen satten Wurf aufs Parkett legen musste.

Er lief auf der Mitte an und drapierte die Kugel wunderbar, doch beim Aufsetzen auf der Straße erwischte sie eine Unebenheit und der Daumendrall ging vollkommen verloren. Die Folge war, dass die Kugel zwar mittig lief, doch aufgrund der zu hohen Geschwindigkeit nach dem Knick oben ausstieg und es 0:1 hieß.

Dies war sehr ärgerlich, doch Simon Hanssen nahm dann nochmal all seine Kraft zusammen und donnerte die Kugel bis kurz vor den Vorfluter. Sie fiel dabei äußerst geschickt mit der Kurve. Hage konnte diese Vorgabe nur extrem schwer erreichen, lagen sie doch bereits deutlich näher vor der Linksbiegung. Sie entschieden sich für die sichere Alternative und donnerten die Kugel geradeaus in Richtung Hütte. Die Führung wechselte somit die Seiten und Lütje Holt witterte Morgenluft.

Sven Frerichs (r.) zeigte deutlich, was er von dem Wettkampf hielt. Jens Ufken versuchte noch, seinen Teamkameraden aufzumuntern.

Im Hintergrund: Menschen.

Hage warf solide weiter und Dampfmaschine Frerichs versuchte es mit einem Trüllversuch, der einen Deut zu stark geriet und oben ausstieg. An diesem Tag war das Glück nicht auf der Seite der Lokalmatadoren, denn während das Schwarz des Gegners knapp am Pfahl vorbeigerollt war, traf Frerichs eben genau diesen und die Führung war wieder auf Seiten Hages - absolut ärgerlich.

Westerende war wieder in der Verfolgerrolle, musste aber aufpassen, nicht sofort das 0:2 zu kassieren, da Hage immer wieder ordentlich vorlegte.

Doch bis zur Stine-Uden-Kurve sollte nichts Nennenswertes geschehen.

Simon Hanssen hatte zwar nach der S-Kurve ein grandioses Bombardement abgefeuert, als die Kugel bis 50 Meter hinter den Linksknick gelaufen war (O-Ton Hanssen: "So weit habe ich dort noch nie geworfen!") die Führung erobert, doch Frerichs, Aulig und Ufken hatten diese mit Rohrkrepierern abgeben, sodass das Bangsteder Bübchen nun auf der Geraden in Richtung Bushaltestelle stand und Hage bereits auf die nachfolgende Gerade geworfen hatte.

Er ließ seinen Wurf viel zu tief, sodass die Kugel auf Höhe der Gaststätte im Graben verschwand und das Heimteam nun sogar mit 0:2 in Rückstand geriet.

Und es sollte so schlimm weitergehen: Frerichs und Aulig ließen ihre Würfe auf der nachfolgenden Geraden ebenfalls zu tief, sodass Jens Ufken noch ca. 80 Meter vor dem Rechtsknick stand und bestaunen durfte, wie Hage aus größerer Entfernung den Linksknick perfekt nahm und deren Spielgerät letztlich bei der Bushaltestelle liegen blieb.

Die Markierung war aus Ufkens Position kaum zu erreichen. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen und ballerte die Kugel am Strich entlang, wo sie ansprechend lief, ein wenig mitfiel, doch aufgrund der noch zu hohen Geschwindigkeit am Ende oben ausstieg und es bereits zum dritten Mal für Hage klingelte.

Allmählich musste Westerende aufpassen, nicht komplett unter die Räder zu geraten.

Ingo Aulig hätte ich sich am liebsten ein Taxi in den Wettkampf gerufen, um zu fliehen. Es war schlichtweg inakzeptabel, was vom Heimteam geboten wurde.

Es ging ein kleines Aufbäumen durch das Team und Simon Hanssen holte sofort die Führung für sein Team zurück als er die Kugel in Richtung Kanal drosch, diese einen Bordstein erwischte und im hohen Bogen in den Kanal donnerte, um dort in der Mitte des Gewässers vermutlich für immer zu überdauern. Der Verlust der Kugel wog aber nicht so stark, da diese bereits in einem jämmerlichen Zustand gewesen war. Somit konnte der Führungsgewinn doch ein wenig genossen werden.

Die Idee, den Wettkampf doch noch unentschieden zu gestalten, flammte plötzlich in den Köpfen auf und Sven Frerichs legte gute nach.

Doch die Hoffnung erstickte im Keim, als Ingo Aulig seinen Wurf am Kanal zu tief ließ und der kurzhosig auftretende Jens Ufken somit die Gerade noch beenden musste. Hätte der Routinier die Kurve mitgenommen, wäre ein 1:3 durchaus im Bereich des Realistischen gewesen. An diesem Tag sollte es einfach nicht sein.

So blieb es nur bei der Führung der Roten, die sie zumindest bis über die Ziellinie retteten und der Auswärtssieg der Hager mit zwei Schöts und 14 Metern noch relativ gering gehalten wurde. Die Gummidivision hatte also die Möglichkeit, insgesamt ein Remis oder gar einen Sieg zu erwirtschaften.

Trost für den kleinen Simon. Opa Roland Harms nahm den Teamjüngsten der Holzdivison nach dem Wettkampf tröstend in den Arm.

Die Westerender Gummibubenbande startete mit Dirk Tunder, Philipp Harms, Hendrik Bents und Steffen Lengert in die Begegnung. Vizekapitän Ragnar Hoffmann überließ seinen Stammplatz bereitwillig, da der breite Kader an diesem Sonntagnachmittag genügend Alternativen bereithielt.

Gummi kam furios aus den Startlöchern: Dirk Tunder knallte die rote Kugel genau dorthin, wo Ufkens Kugel zuvor gelegen hatte und die Werfer Nummer 2 und 3 stellten Schlusswerfer Steffen Lengert dann bereits unmittelbar vor den Rechtsknick.

Mit der Führung im Rücken brezelte Lengert die Kugel dann mit vollem Speed durch die Biegung, woraufhin sie ganz nach oben stieg und erst auf Höhe der Ringstraße zum Stillstand kam. Ein grandioser Wurf, der folgerichtig im 1:0 ausuferte.

Ein Start nach Maß, doch wurde dieser durch Dirk Tunder zunichte gemacht, als er seinen Wurf oben aus der Bahn drosch und die Führung abgab.

Dies war allerdings kein Beinbruch, da Bents souverän bis zum Kanal vollendete, ehe Jungspund Philip Harms dann nahezu den kompletten Kanal alleine abwarf und Steffen Lengert seinen Anwerfer auf der Geraden in Richtung Rechtsknick positionieren musste.

War ganz gut drauf, leistete sich aber auch den ein oder anderen Lapsus, was bei dem Trikot kein Wunder ist: Greenhorn Philp "Pissfrisur" Harms.

Die Führung wechselte ein ums andere Mal die Seiten und so blieb es bis zur Stine-Uden-Kurve erst einmal beim knappen Vorsprung für das Heimteam.

Hendrik "Beim Abwurf oben ohne" Bents war es aber dann, der im Ausgang der S-Passage eine Schwäche der Gäste auszunutzen wusste. Hage hatte die Kugel oben aus der Bahn gedroschen und der 25-Jährige konnte nun mit der vollen Führung im Rücken auftrumpfen. Dies tat er auch adäquat als er den roten Flummi unten aus der Biegung bis ganz an den oberen Straßenrand anstiegen ließ und diese kurz vor dem Rechtsknick erst wieder im Graben verschwand. Ein toller Wurf, auf den die Gäste zwar gut antworten, jedoch nicht gut genug. Das 2:0 war somit in Sack und Tüten und es sah gut aus für Westerende.

Man orientierte sich allmählich in Richtung Wende und es war dann das jüngste Bübchen im gesamten Kader, das auf 3:0 erhöhen sollte.

Ausgangspunkt war dafür aber ein vollkommen verkorkster Wurf über die Wende. Harms hatte die Kugel oben aus der Bahn gejagt, profitierte aber davon, dass der Gegner noch jämmerlicher agierte und seine Kugel in einem noch spitzeren Winkel nach oben zimmerte. Den Schöt bejubelte Westerende dennoch gerne. Getreu dem Motto "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul".

Dirk Tunder konnte den Niedergang auf der Rücktour ebenfalls nicht aufhalten.

Doch das Westerender Elend sollte in der Folgezeit seinen vollen Lauf nehmen.

In der S-Kurve wurde die Führung nach jämmerlichen Versuchen von "El Capitano" Lengert und Dirk Tunder leichtfertig abgegeben und Hage schaffte es, neuen Mut zu fassen. Die Mannen von der Küste warfen sich regelrecht in Rage und trafen jetzt Wurf um Wurf, wohingegen das Heimteam nicht mehr adäquat kontern konnte. Es war plötzlich vollkommen der Wurm drin bei Lütje Holt und Hage zeigte eine unfassbar starke Jetzt-erst-recht-Einstellung.

Als dann bis zum Kanal das 3:3 gefallen war, musste personell gehandelt werden und Ragnar Hoffmann kam für Hendrik Bents in die Begegnung. Das Team hatte bereits von der desaströsen Vorstellung der Holzbuben gehört und musste nun handeln.

Doch auch Hoffmann konnte dem Team keine Impulse mehr geben, der Abwärtstrend setzte sich fort.

Der absolute Sargnagel wurde dann in Form einer Hager Rakete gesetzt, die nach dem Kanal in Richtung des finalen Linksknicks gezündet wurde und folgerichtig das 3:4 aus Sicht des Heimteams bedeutete. Westerende lag jetzt tatsächlich hinten - nach einer 3-Schöts-Führung.

Dieser Gesichtsausdruck sprach Bände: Steffen Lengert war absolut zufrieden mit der Leistung seines Teams.

#nicht.

Ingo Aulig blieb auch nur der Blick in Richtung Asphalt.

Den absoluten Tiefpunkt des Tages zeigte dann Philip Harms kurz vor dem Ziel. Der Daumenprofi hätte seine Zuckerseite nur gekonnt ausspielen müssen, um noch die Chance auf ein Remis ergattern zu können, doch der 16-Jährige ballerte die Kugel übertrieben in den Asphalt, von wo sie sich augenblicklich erhob, einen gewaltigen Satz in Richtung des oberen Straßenkamms machte und folgerichtig im Dickicht verschwand. Ein absolutes Vollei, das von seinen Teamkameraden nur noch mit blankem Entsetzen und allgegenwärtigem Kopfschütteln quittiert wurde, denn nun lag Westerende tatsächlich mit 3:5 hinten.

Auf diesen Wettkampfverlauf hätte zur Wende sicherlich keiner der Anwesenden gewettet. Umso trauriger, dass er sich tatsächlich realisierte.

Kapitän Steffen Lengert oblag der letzte Wurf auf Seiten der Lütje Holter. Er hatte mächtig Wut im Bauch und trümmerte die Kugel 200 Meter in Richtung des Anwurfpunktes und da Hages Kugel davor liegen blieb, konnte er damit noch die Führung für seine Farben zurückerobern und die Niederlage mit 0:1,039 noch ein wenig schmeichelhafter aussehen lassen.

Insgesamt war dies also die erste Niederlage seit dem 1.10.2017 auf heimischen Geläuf für die Westerender. Die Serie hatte zuvor  sage und schreibe 16 Wettkämpfe lang Bestand gehabt. Umso ärgerlicher, dass sie durch eine derart indiskutable Leistung beider Gruppen leichtfertig vernichtet wurde.

In der nächsten Wochen kommt es zur richtungsweisend Begegnung gegen Fulkum. Ist das Team dort ebenfalls nicht erfolgreich, könnte es sogar noch in den Abstiegskampf verwickelt werden. Dagegen könnte man dort mit einem Sieg  aufgrund des besseren Schötverhältnisses den Klassenerhalt besiegeln.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)

Die drei Naturschönheiten Jens Ufken, Ragnar Hoffmann und Sven Frerichs (v.l.) ließen sich die gute Stimmung auch durch die überraschende Niederlage gegen den Tabellenletzten nicht vermiesen.


Kurvenkoller in Hagerwilde

Auswärtskampf gegen Hagerwilde, 10.2.2019

Gute Stimmung bei Dirk Tunder und Philipp Harms (v.l.), der am 12.2. endlich 16 wurde. Das nächste große Ziel des Jungspunds ist nun die Volljährigkeit. Experten gehen davon aus, dass er dafür noch 2-3 Jahre benötigen wird.

16.2.2019

 

Der Wettkampf in Hagerwilde wurde von Werner, dem Mannschaftsführer der Gastgeber ehrfurchtsvoll als Spitzenwettkampf tituliert. Die Westerender Boßelbuben, die sich in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal ernsthaft mit Gedanken an den Titel beschäftigt hatten, nahmen dies nach dem Wettkampf interessiert hin, waren aber von Beginn an ohne große Erwartungen zum nördlich gelegenen Klub gereist.

 

Das Team wollte Spaß haben und eine weitere neue, interessante Strecke kennenlernen. Würden dabei ein oder zwei Punkte herauskommen, wäre dies schön, aber eine weitere Auswärtsniederlage aufgrund der überragenden Heimstatistik kein Beinbruch.

 

Da man nur 8 gesunde Werfer zur Verfügung hatte, wurde Routinier Erwin Janssen, der in der nächsten Saison bereits in der Männer III aktiv werden kann, kurzerhand akquiriert.

 

Neben dem Langzeitverletzten Roland Harms, der scheinbar in 2 bis 3 Wochen wieder an Bord sein wird, hatte sich Sven Frerichs berufsbedingt abgemeldet. Mannschaftsführer Steffen Lengert hatte sich pünktlich zum Wochenende einen fiesen Infekt eingefangen und verpasste somit den ersten Wettkampf überhaupt. Sein Vertreter Ragnar Hoffmann ist nun der einzige Werfer im Team, der keine Boßelpartie in diesem Jahr verpasst hat.

 

Bei Schweinewetter ging es für die Fotograf  und Kartoffelnaseninhaber Jens Ufken, Hendrik Bents, Simon Hanssen, Christian Smid, Ingo Aulig, Dirk Tunder, Erwin Janssen und Ragnar Hoffmann (v.l.) auf den Weg zur Boßelstrecke.

Das Wetter war extrem bescheiden, wie auch in den Wochen zuvor regnete es; dieses Mal aber nicht gerade zu knapp. Da das Thermometer aber milde 7°C anzeigte, war es für die Teilnehmer der Boßelauseinandersetzung einigermaßen erträglich am Sonntagmorgen.

Auf dem schwierigen, aber zumindest für die Holzwerfer im Team sehr interessanten Geläuf, konnte Westerendes Holztruppe wieder einmal auf Christian „Smiddi“ Smid zurückgreifen. Der etatmäßige Anwerfer auf Fingerständen hatte seine Rückenprobleme auskuriert und begab sich mit seinen Boßelbrüdern Simon Hanssen, Jens Ufken und Ingo Aulig auf Punktejagd.

Smids Anwurf glückte dabei so gut, dass nach seinem 210-Meter-Geschoss gleich die Führung für das Auswärtsteam dabei heraussprang.

Es entwickelte sich ein Wettkampf, der von beiden Seiten auf höchstem Niveau geführt wurde. Nach 5 überragenden Würfen lag Lütje Holt bereits beim Speedway Halbemond, Hagerwilde gab sich jedoch keine Blöße und somit stand es nach wie vor 0:0.

Gerade Christian Smid, Simon Hanssen und Jens Ufken trafen ihre ersten drei Würfe komplett. Ingo Aulig zeigte sich ebenfalls gut aufgelegt, hatte jedoch einen Daumenwurf etwas zu hoch gesetzt und dadurch aus der Bahn gesteuert.

Simon Hanssens Serie riss vor einer der vielen Kurven, als er seinen Wurf zu tief setzte und unten in den Graben ballerte. Die Führung war damit auch aufgrund weniger Meter zum ersten Mal auf Seiten der Lokalmatadoren.

Doch da die Serie des 36-Jährigen Ufken hielt und er wunderbar durch die gesamte Kurve trüllte, war der verlorengegangene Vorteil sofort wieder auf Seiten der Gäste.

Männer-II-Werfer Erwin Janssen war wieder mit dabei. Dieses Mal kam er auch zum Einsatz in der Begegnung der Gummidivisionen.

Das Feld bewegte sich allmählich auf die erste Wende zu, ehe die Hagerwilder eine absolute Bombe zündeten und Ingo Aulig vor eine extrem schwere Aufgabe gestellt wurde. Der Quadfan entschied sich für eine sichere Variante und setzte seinen Wurf platziert auf die Straße. Am Ende fehlten lediglich 30 Meter und Christian Smid musste neu aufbauen und den Rückgewinn der Führung einleiten.

 

Hagerwilde hielt die Führung jetzt aber eine gewisse Weile in den eigenen Reihen. Es wurden kaum Fehler gemacht und kürzere Würfe kamen deswegen gar nicht vor.

 

500 Meter vor dem Speedway drehten dann die Gäste aber wieder auf, nachdem Christian „Smiddi“ Smid ein wunderbares Granätchen auf der Geraden gezündet hatte und die Führung der Gastgeber dadurch deutlich kleiner wurde. Simon Hanssen ballerte die Kugel daraufhin gekonnt durch den Rechtsknick, doch wiederum konterten die Gastgeber meisterhaft.

 

Simon Hanssen hatte an diesem Tag ein absolutes Faible für die ganz engen Würfe. Im späteren Verlauf der Begegnung sollte er damit noch für Furore sorgen.

 

Jetzt war es Daumenfan Jens Ufken, der tatsächlich zu seinem ersten Fingerwurf ansetzte. Da die Straße am unteren Rand brüchig wirkte, entschied er sich gegen einen gekurbelten Wurf und für ein extremes Anwerfen vom unteren Straßenrand.

 

Ingo Aulig konnte nicht so stark glänzen, wie seine drei Boßelcompadres. Aber: Er zeigte eine gute Leistung in Hagerwilde, leistete sich nur mehr individuelle Fehler als die Kollegen.

Er lief an und ballerte die Kugel steil nach oben, um sie dann leicht mit dem Daumen zu korrigieren. Der sich nähernde Simon Hanssen brabbelte schon was von „Uutstieger“, doch das rund 15 Jahre ältere Großmaul wusste, dass auch dieser Wurf bleiben würde. Nach gut 200 Meter lag er im rechten Graben und alles war in Butter, als Hagerwilde diese Markierung nicht erreichte.

 

Ingo Aulig lieferte solide nach, ehe der Ausnahmetischler aus Hildesheim dann einen gar wunderbaren Zauberwurf vor der langgezogenen S-Kurve auspackte. Er setzte seinen Wurf leicht unterhalb der Mitte und alles sah danach aus, als würde die Kugel aus der Bahn fallen, doch die dort vorhandenen Rille meinte es gut mit dem 1,94 Meter großen Süßgesicht, dessen Ur-Ur-Ur-Großvater im Übrigen in Westerende das Rad erfand, einige Tausend Jahre, nachdem es bereits auf der ganzen Welt entdeckt worden war. Die Kugel zog bis in den Kurveneingang und blieb schließlich ein kleines Stückchen vor dem Ende der ersten Rechtsbiegung liegen. Der Werfer Hagerwildes war von diesem Standpunkt aus gar nicht mehr zu sehen.

 

Es kam wie es kommen sollte: Der Hagerwilder setzte seinen Versuch einen Tick zu hoch und es stand 1:0 für die Gäste.

Dies war einer der ganz wenigen schwächeren Würfe auf dem Nadörster Teilstück – hier wurde Boßelsport auf allerhöchstem Niveau zelebriert. Darüber waren sich alle Beteiligten einig.

 

Oll Bengel Simon Hanssen zeigte ein starkes Boßling in Hagerwilde. Zwei Würfe landeten dabei im Bereich der 300-Meter-Marke.

Ingo Aulig erreichte am Sonntag leider nicht ganz die Form seiner drei Teamkollegen und versemmelte in der Folge seinen zweiten Daumenwurf, der zur Folge hatte, dass die Führung wenig später schon wieder verloren war.

Doch dann kam der erste große Auftritt des Simon H. aus B. bei W.: Kurz vor dem letzten Rechtsknick in Richtung Aufnahme stehend, fasste sich Hanssen ein Herz und donnerte das Schwarz mit voller Fahrt durch den Knick, woraufhin sie sich an den oberen Straßenrand zog und Ewigkeiten nach der Wende, in der Nähe der Tankstelle zum Stillstand kam.

Da Westerende als führendes Team den Aufnahmepunkt überworfen hatte, musste gerechnet werden.

Als die Matheexperten der Mannschaften fertig waren, stand fest, dass Jens Ufken ganze 228 Meter nach der Abwurfmarkierung der Hagerwilder würde abwerfen dürfen. Da die Halbemonder Straße mit einer grandiosen S-Kurve beginnt, war die Schötchance allgegenwärtig.

Der erste Wurf der Gastgeber überbrückte ein ordentliches Stück bis zur zweiten Biegung, gab aber folgerichtig die Führung ab. Alles sah danach aus, als würde es dabei bleiben, doch die Gastgeber gönnten sich einen extrem Fauxpas und semmelten ihren Wurf rabiat in den unteren Straßenrand.

 

Somit stand es 2:0 für Westerende.

 

Die Gastgeber steckten jedoch nicht auf und ballerten ihr Schwarz daraufhin mit Effet in die langgezogene Linkskurve. Trüllmeister Ufken legte nach und konnte die Führung in den eigenen Reihen halten.

 

In Hagerwilde zeigte Christian Smid, wie wertvoll er sein kann, wenn er gesund ist. Ein starker Auftritt des Exil-Ostfriesen.

Doch wenig später sollten die tapfer kämpfenden und stets fairen Gastgeber belohnt werden: Ingo Aulig gab mit dem nächsten Wurf die Führung ab, weil die Hagerwilder ihren perfekt getroffen hatten. Christian Smids Versuch stieg dann leider etwas zu weit nach oben, genauso wie Simon Hanssens Wurf.

 

Der Hagerwilder, er kurz zuvor noch so kläglich das 0:2 für die Gäste hergeschenkt hatte, brannte nun eine wahre Rakete in den Asphalt und warf in die letzte Rechtskurve der Strecke hinein. Ufken stand rund 100 Meter vor der Rechtskurve und setzte die Kugel unterhalb der Mitte, um diese dann mit seinem Daumendrall mitfallen zu lassen. Doch aufgrund der noch zu hohen Fahrt stieg die Kugel im Laufe der Biegung oben aus, anstatt mitzufallen, wodurch es nur noch 1:2 stand.

 

Westerender wollte diesen Sieg aber unbedingt und legte sich mächtig ins Zeug. Nachdem gewendet wurde, war es dann erneut Simon Hanssen, der einen extrem zauberhaften Wurf eng durch die Kurve hämmerte, damit aber tatsächlich nicht die Führung holen konnte. Dieser Wurf übertraf erneut die 200-Meter-Marke um Längen und hätte sicherlich mehr verdient gehabt.

 

Die Führung blieb auch in den Reihen der Hagerwilder, da Jens Ufken den Neigungswinkel der Straße falsch einschätzt und seinem Wurf viel zu viel Finger mitgab. Die Kugel stieg aus und der 36-Jährige hatte sein erstes Wettkampf-Ei fabriziert. Dies war besonders ärgerlich, da er mit einem konzentrierten Wurf sicherlich sehr gute Chancen auf den Rückgewinn der Führung gehabt hätte.

 

Simon Hanssen und Jens Ufken (v.l.) genossen den Wettkampf in vollen Zügen. Letzter bewies am Ende Nervenstärke.

Westerende schien das Glück nun ein wenig erzwingen zu wollen: Nachdem Ingo Aulig noch mit einem konzentrierten Wurf die am rechten Straßenrand befindliche Regenrinne plus Hauswand für seine Zwecke nutzen konnte und das Spielgerät erst auf der Brücke zum Stillstand kam, agierten die beiden jüngsten Holzwerfer extrem leichtsinnig.

 

Smid ließ seinen Wurf viel zu tief, hatte somit auch sein erstes Wettkampf-Ei und Hanssen ballerte die Kugel einmal quer über die Straße. Beide hatten Glück, dass Hagerwilde diese Chance nicht zu nutzen wusste.

 

Das Heimteam witterte kurz vor der finalen Rechtskurve dann noch einmal Morgenluft und drückte die Kugel wunderbar in die Mitte. Doch leider stieg sie zu weit nach oben und flog in der ersten Rechtsbiegung aus der Straße.

 

Jens Ufken hatte nun den letzten Wurf des Holzwettkampfes vor sich. Zur Kugel Hagerwildes waren es rund 80 Meter. Er lief unterhalb der Mitte an, ballerte die Kugel gerade von sich weg und sie schlug dieselbe Richtung wie die der Hagerwilder ein. Alle rechneten schon damit, dass diese ebenfalls oben aussteigen würde, doch plötzlich setzte der Daumendrall ein und die Kugel fiel mit der Rechtsbiegung.

 

Die verdammte Kunststoffkugel lief und lief und lief und plötzlich realisierten die Lütje Holter, dass hier doch noch ein Sieg möglich wäre. Letztlich kam die Kugel dann völlig ausgehungert mit der letzten Kraft im Eingang der nachfolgenden Linkskurve an und es musste wieder gezählt werden.

 

Nach einigen bangen Minuten des Wartens gab es dann die Gewissheit: Ufkens Wurf hatte insgesamt rund 240 Meter zurückgelegt und brachte die Führung für seine Farben und somit auch den Sieg.

 

Dieses 1,006:0 war das zweite Fotofinish binnen zwei Wochen im Wettkampf der Holzburschen, nur dieses Mal noch mit einem besseren Ausgang.

 

Nachdem sich beide Teams zu den eigenen Leistungen beglückwünscht hatten, begaben sich die vier Holzköppe überglücklich Rückweg, um den Gummigurken entgegenzulaufen.

 

Klitschnass bis auf den Thermotanga: Erwin Janssens Anblick zeigt, dass der Wettkampf in Hagerwilde kein Vergnügen war.

Der Gummigurkenwettkampf glich laut Ragnar Hoffmann einer Chronologie der Schande. Die Berichterstattung über die Geschehnisse sollte deswegen laut ihm auch möglichst kurz gehalten werden.

Das Team begann in der Aufstellung Ragnar Hoffmann, Hendrik Bents, Dirk Tunder und Philipp Harms.

Der Start der Hagerwilder war extrem gut und landete im Eingang der zweiten Kurve, war also noch länger als der Wurf von Christian Smid.

Ragnar Hoffmanns Anwurf glich dagegen dem der Hagerwilder Holzfraktion, sodass Westerende schon mit einer Hypothek von 80 Metern in den zweiten Wurf ging.

Hendrik Bents kam gerade so zu der Vorgabe, sodass die Gastgeber die Führung weiter ausbauen konnten und es bereits nach der ersten Runde 0:1 stand.

Dennoch rappelte sich das Team dann aber auf und ließ die Hausherren nicht davonziehen.

Miese Laune bei Ragnar Hoffmann - der Wettkampf war ein Schuss in den Ofen für die Westerender Gummigurken.

Bis zur ersten Wende wechselte die Führung munter hin und her und Hagerwilde ging zu diesem Zeitpunkt sogar nur mit einigen Metern Vorsprung über die Markierung. Es war also noch alles drin in der Auseinandersetzung der beiden rotgekleideten Teams.

Die Rücktour erwies sich dann als weniger erfolgreich für die Gäste. Gleich im ersten Kurvenabschnitt wurde ein Werfer mehr benötigt als auf Seiten der Hagerwilder, sodass sich Lütje Holt das 0:2 fing und das Unglück seinen Lauf nahm.

Die Kurven waren das absolute Zünglein an der Waage: Schlenzten die Lokalmatadoren ihre Würfe doch wunderbar durch die Biegungen, versagten dem Auswärtsteam regelmäßig die Nerven. Lediglich auf den Gerade konnte Westerende über die Wurfkraft ein ums andere Mal die Führung erobern.

In jeder Kurve fiel somit nahezu ein Gegenschöt aus Sicht der Westerender, sodass man mit einem 0:4 auf die andere Hauptstraße überwechselte. Der Wettkampf war so gut wie entschieden, es ging folglich nur noch um Schadensbegrenzung.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Holzgruppe kontaktiert, da Dirk Tunder und Hendrik Bents besonders desolate Leistungen präsentierten.

Erwinn Janssen eilte folglich herbei und kam für Dirk Tunder in die Begegnung.

 

Hendrik Bents erwischte auch keinen guten Tag. Die Kurven stellten für ihn am Sonntag ebenfalls eine zu große Herausforderung dar.

Die Westerender Abteilung Gummi war an diesem Tag schlichtweg nicht dazu in der Lage, die Kurven korrekt zu lesen. Erwin Janssen konnte zwar auch nicht mehr das Ruder herumreißen, zumal es bereits 0:5 stand, als er bei den Gruppen eintraf, doch mit seiner Sicherheit und Routine verhinderte er zumindest noch ein größeres Debakel.

So war es der Männer-II-Werfer, der sogar mit seinem ersten Wurf gleich die Führung für seine Farben holte und Ruhe in das Wurfgebaren Lütje Holts brachte.

Da Westerende sich aber immer wieder gravierende individuelle Fehler gönnte, schraubte Hagerwilde den Sieg am Ende noch auf 6:0 hoch - am Ende auch laut Ragnar Hoffmann ein in der Höhe absolut verdienter Sieg.

Die Westerender Gummigurken waren an diesem Tag nicht konkurrenzfähig und so musste Lütje Holt die zweite Niederlage in Folge hinnehmen und muss sich glücklicherweise endgültig keine Gedanken mehr über den Meistertitel machen.

Jetzt heißt es, die Saison vernünftig zu Ende zu bringen und auch auswärts noch den ein oder anderen Punkt zu entführen. Daheim sollen noch 6 Punkte her, was aber sicherlich nicht einfach wird, da besonders Uplengen am letzten Spieltag alles dafür tun wird, um mit einem Sieg auf der eigenen Meisterfeier antreten zu können.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)

 


Ein wahnsinniges Comeback, Teil I

Auswärtskampf gegen Müggenkrug, 27.1.2019

Die beiden Anwerfer Ingo Fabricius und Jens Ufken (v.r.) verstanden sich bestens und hatten im Laufe der Begegnung immer wieder einen bissigen Kommentar für den anderen parat.

28.1.2019

 

Nun war es  also wieder soweit: Die töffeligste Boßeltruppe Ostfrieslands, vermutlich sogar von der ganzen Welt, begab sich auf einen Kurztrip nach Müggenkrug, einem wunderschönen Örtchen im Nirgendwo. Die Heimstärke der ebenfalls rotgekleideten Boßler hatte sich sogar bis nach Westerende herumgesprochen und somit waren sich die Mannen um Mannschaftsführer Steffen Lengert sicher, dass ein einfacher Punktgewinn bereits eine wunderbare Sache wäre, über die man in aller Ausgelassenheit frohlocken würde.

Man ging wieder mit dem letzten personellen Aufgebot an den Start, da sich Christian Smid rückenkrank, Ingo Aulig grippekrank und Roland Harms alterskrank abgemeldet hatten.

Demzufolge fehlte in Holz definitiv ein Werfer, wodurch Hendrik Bents zu seinem zweiten Holzkopp-Einsatz kam. Männer-II-Werfer Udo Tunder diente als Backup für Holz - für den Fall, dass der 25-Jährige aus dem Konzept geraten würde.

Zumindest konnte auf Seiten der Gummigruppe ein Erfolg verzeichnet werden: Philipp Harms hatte sich von seiner gar scheußlichen Frisur getrennt und war körperlich somit wieder komplett hergestellt. Die Erleichterung über diesen Umstand war im ganzen Team spürbar. Harms sah endlich wieder den Anweiser und vor allem die Straße, nachdem er vorher wochenlang mit dem  Gehör- und Geruchssinn gezielt hatte.

War wieder als Mensch erkennbar: Jungspund Philipp "Phil" Harms. Grummelig gucken kann er im Übrigen wie kein Zweiter.

Pubertät ist eben kein Geschenk.

Frohen Mutes trafen sich die Lütje Holter Boßelbuben bereits um 12.15 Uhr bei Lübbers, wohl annehmend, dass Müggenkrug geographisch bei Bremen einzuordnen wäre. 

Entsprechend früh traf man dann auch bei der Gaststätte Poppe ein und musste feststellen, dass der Gegner noch gar nicht vor Ort war. In der Nähe des Anwurfs übte man rasch ein paar Würfe, ehe man bei der Ankunft der Gegner hastig in die Wagen stieg, um das Warm-Up an anderer Stelle zu vollenden.

El Capitano aka Steffen Lengert gab seinen Jungs  auch gestern wieder ein paar äußerst wertvolle Worte mit auf den Weg, die sie bis in die Haarspitzen (besonders Phlipp Harms' Haarspitzen tanzten förmlich bei der Ansprache des 30-Jährigen) motivierten: "Leute, wenn wir immer einen Meter weiterwerfen als die Müggenkruger, werden wir am Ende nicht verlieren."

Dieser Mann hat als angehender Lehrer eindeutig seine Profession verfehlt. Eine Anstellung als Prophet im Orakel von Delphi wäre eindeutig erstrebenswerter, würde er damit doch viel mehr Menschen erreichen.

Ungeduldiges Treiben am Anwurfpunkt. Die Teams mussten noch einer Männer-III-Begegnung den Vortritt lassen, ehe es auf die interessante Trasse gehen konnte.

Hendrik Bents, Dirk Tunder, Sven Frerichs (verdeckt) und WAG Venja Lowack (v.l.) standen sich hier die Beine in den Bauch.

In Müggenkrug gehen die Holzgruppen zuerst an den Start. Da der etatmäßige Anwerfer fehlte und es sich beim Anwurfpunkt um einen klassischen Daumenstand handelte, einigte man sich auf Jens Ufken als Startenden. Ihm folgten Sven Frerichs, Simon Hanssen und der Holzlehrling Hendrik Bents.

Müggenkrugs Anwerfer Ingo Fabricius hatte sich viel vorgenommen, hatte er doch wegen einer Handverletzung noch in der Hinrunde pausieren müssen. Dementsprechend motiviert lief er oberhalb der Mitte an und versuchte die Kugel mit dem keulenartig schwingenden linken Wurfarm in Rille zu legen, die sich genau über dem Mittelstrich befindet.

Dieses Unterfangen gelang und Jens Ufken sah sich einer angenehmen 180-Meter-Herausforderung gegenüber.

Da der 36-Jährige seine Schwächen - und zu denen gehört das Rillenwerfen - wunderbar kennt, entchied er sich, nachdem er in Willen schon daran gescheitert war, ganz von unten zu werfen und seinem Naturdaumen dann den Rest zu überlassen.

Unter dem Jubel der Westerender Gummiburschen jagte er die Kugel langsam steigend an den oberen Straßenrand und erreichte damit zum Erstaunen seiner Holztöffel-Compadres die 220-Meter-Marke. 

Die Führung war da, der Start geglückt.

Sven Frerichs kam erst nicht so richtig in Gang und hatte entweder mit sich oder Strecke stark zu kämpfen. Dies änderte sich im Laufe der Begegnung aber gewaltig zum Positiven. 

In dieser Situation gab er der Kugel zu viel Daumen mit und gab die Führung bereits mit seinem Premierenwurf wieder ab.

Müggenkrug ließ sich aber nicht lumpen und feuerte erneut eine Rakete in Richtung Leerhafe. Dabei fiel die Kugel so geschickt mit der Biegung, dass sich die Westerender Dampfmaschine ordentlich strecken musste - leider vergebens. Die Führung war sofort wieder passé und das Bangsteder Bübchen musste nun sogar den frühen Rückstand verhindern.

Dies gelang Simon Hanssen auch, jedoch konnte er lediglich 40  Meter gutmachen, sodass Hendrik Bents im Nachgang bereits ordentlich abliefern musste.

Bents kann zwar noch nicht seine Wurfkraft auf die Holzkugel umlegen, jedoch entschied er sich für die sichere Variante, sodass er tatsächlich aufgrund eines Meters das 0:1 zu verhindern wusste.

Durchatmen bei Lütje Holt - das war knapp.

Der nächste Müggenkruger sorgte dann für noch erheblichere Entspannung, da er seinen Wurf nach rund 120 Metern oben aussteigen ließ und Jens Ufken jetzt frei aufwerfen konnte.

Der Westerender Interiemsanwerfer entschied sich für einen Low-Risk-Wurf entlang des Mittelstrichs, der ungefähr 150 Meter abspulte und keine unmittelbare Schötgefahr herbeirief.

Hendrik Bents half mal wieder in Holz aus. Er startete brillant, verlor dann aber auf Höhe der Gaststätte Poppe irgendwann komplett den Faden. Für ihn kam Routinier Tunder in die Begegnung.

Der Müggenkruger Anwerfer zeigte sich nun angriffslustig und jagte die Kugel bis weit in den nächsten Linksknick. Die Markierung war für Sven Frerichs unter normalen Umständen erreichbar, doch der 26-Jährige war noch nicht warm und drehte die Kugel mit dem Finger nach unten, sodass am Ende tatsächlich ganze 10 Zentimeter zur Kugel der anderen Roten fehlten.

Der frühe Rückstand hatte sich bereits angedeutet und nun manifestierte er sich.

Lütje Holts Holzköppe ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und so war es Simon "So ward boßelt" Hanssen, der aus dem Knick heraus einen gucken ließ und die Kugel so geschickt setzte, dass sie das Kippen der Geraden ausnutzte und erst kurz vor Bushaltestelle zum Stillstand kam. Eine tolle Antwort des 22-Jährigen, der erst am Vorabend bei einem mit internationalen Topwerfern besetzten Dartturnier Rang 2 erreicht hatte und sich in Müggenkrug nach seinem zweiwöchigen Formtief wieder stark verbessert zeigte.

Die Hausherren zeigten Nerven und drehten ihren Wurf in den oberen Straßenrand. Die Führung war wieder da und sie betrug über 100 Meter.

Das süße Dartbübchen aus Bangstede hinterließ in Müggenkrug einen tollen Eindruck. 

Jens Ufken brachte dann seine Farben mit einem weiteren sicheren Wurf über die Wende und nach Sven Frerichs erstem guten Wettkampfwurf wuchsen die Chancen auf den schnellen Ausgleich.

Doch Simon Hanssen jagte die Kugel leider an genau der Stelle, wo er zuvor noch so brilliert hatte, oben raus. 

Glücklicherweise ahmten die Lokalmatadoren seinen Wurf nach, sodass Hendrik "Henne" Bents mit der vollen Führung im Rücken befreit aufwerfen konnte.

Die Müggenkruger hatten schon ein "Uutstieeeeeger" auf den Lippen, doch Bents' Teamkollegen haben sich in  der kurzen Zeit bereits an seinen unorthodoxen Wurfstil gewöhnt und warteten ab, als er das Schwarz ungehobelt gen Rasenkamm drückte.

Und siehe da: Das Spielgerät konsolidierte sich am Straßenrand und lief wie von Geisterhand geführt. 

Der Aushilfswerfer hatte ein ordentliche Ding vorgelegt und Müggenkrug konnte tatsächlich nicht liefern. Des Gegners Wurf blieb viel zu tief und am Ende fehlten 15 Meter zur Vermeidung des Ausgleichs. 

Hendrik Bents hatte also nicht nur ausgeholfen, sondern den wertvollen Ausgleich erzielt.

Aufgrund der Nähe zu seinem Wohnort Wiesede schaute der Vater von Jens Ufken in Müggenkrug vorbei und wunderte sich über das Tempo der Begegnung.

"In der C-Jugend war das Mitlaufen noch deutlich angenehmer", deutete Johann Ufken scherzhaft an.

Er wies zudem daraufhin, ab und an ein paar kürzere Würfe einzubauen, um zuschauende Rentner in Sachen Laufgeschwindigkeit nicht zu überfordern.

Sein  Sohn schmiedet bereits Pläne, seinem alten Herrn einen Electroscooter zu besorgen, um sich das Gejaule bei der nächsten Stippvisite zu ersparen.

Jetzt waren es also wieder die beiden Anwerfer, die sich duellierten.

Ingo Fabricius ließ sich nicht lumpen und jagte die Kugel fein säuberlich ins obere Straßendrittel. Nach ca. 180 Metern Strecke blieb diese dann im Morast stecken und Ufken hatte nun den ersten Wurf auf seiner schwächeren Fingerseite vor sich.

Erneut ging er kein Risiko und entschied sich für einen sicheren Wurf, der sich langsam über die Mitte bewegte und ca. 20 Meter vor der Kugel der Müggenkruger liegen blieb. Die Führung war war, aber sein Teamkollege hatte nun die Möglichkeit, die Rückeroberung der selbigen einzuleiten.

Frerichs lieferte solide ab, Müggenkrug hielt dagegen. So passierte eine Runde lang nichts.

Simon Hanssen stand nun kurz vor der Rechtskurve auf Höhe der Gaststätte. Er wollte die Kugel am Strich entlangjagen, um so auf die Folgegerade zu gelangen. Die Gastgeber hatten ihren Wurf ebenfalls nach unten gedreht und damit die gemauerte Umrandung auf dem Parkplätz des Vereinslokals erwischt. Die Entfernung zu Hanssen betrug machbare 100 Meter. 

Doch der tagesjüngste Holzwerfer unterschätzte die Steilheit der Rechtsbiegung und folgte dem Vorbild der Gastgeber. Er setzte seinen Wurf aber derart unglücklich, dass er einen Pfosten traf und es somit tatsächlich 1:2 stand. Ein unheimlich ärgerlicher Gegenschöt und es sollte noch schlimmer für Lütje Holt kommen.

So stark er auch begann, so kräftig ließ er im Laufe der Begegnung nach. Lütje Holts Holzköppe mussten nach dem dritten schwächeren Wurf reagieren und nahmen Hendrik Bents aus der Partie.

Udo Tunder kam hinein und warf fortan solide mit.

Bents, der sich seit Kindheitstagen mit einem Kuscheltier namens "Körperklaus" sein Bett teilt, nahm es sportlich, schnappte sich die Warnweste und stellte sich anfeuernd und anweisend in den Dienst der Mannschaft. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man den Sommer an der Holzlooger Straße nutzen, um den 25-Jährigen oder Kapitän Steffen Lengert komplett auf Holz umzuschulen.

Der Wurf des Aushilfsholzwerfers misslang im Anschluss auch noch, jedoch wusste Müggenkrug nichts mit dieser Einladung anzufangen.

Jens Ufken setzte dann wieder seine frischerlernte Kurbeltechnik bei seinem nächsten Fingerwurf ein. Anweiser Tunder brüllte bereits, dass die Kugel nach oben gehöre, nachdem diese die ersten 60 Meter knapp oberhalb des Straßenrands zurückgelegt hatte. Doch er sollte eines Besseren belehrt werden, als diese urplötzlich bis zur Mitte stieg und die Führung in der Folge nur ganz knapp in den Reihen des Heimteams verblieb.

Sven Frerichs Wurf schoss dann genauso in der Kurve oben aus der Bahn wie der der Müggenkruger, sodass es beim knappen Rückstand aus Sicht der Westerender Boßelbuben blieb.

Dann gab es einen großartigen Auftritt von Blue Eyes-Hanssen, der die Kugel völlig psychopathisch unten durch die langgezogene Rechtskurve drückte, wodurch sie sich im Nachgang auf die Straßenmitte der Folgegeraden legte und noch etliche Meter zurücklegte.

Ein tolles Pfund und eine ordentliche Befreiung für das Auswärtsteam, das sich über die gewonnene Führung freuen konnte.

 

Steffen Lengerts Freudin Venja Lowack stellte unter Beweis, dass Warnwesten aktuell der letzte Modeschrei sind.

Doch die Freude über die Führung hielt nicht lang: Nachdem Hendrik Bents die Führung mit Ach und Krach gehalten hatte, versprang Jens Ufkens Daumenwurf beim Erstkontakt mit der Straße komplett und sprang blitzschnell oben aus der Bahn.

Sehr ärgerlich, denn die Führung war nur wieder weg.

Sven Frerichs und Simon Hanssen jagten ihre Versuche dann ebenfalls aus der Bahn und folglich konnte das Heimteam Schöt Nummer 3 bejubeln. Die dusselige Holzbande war zu diesem Zeitpunkt kurz davor, auseinanderzufallen.

Als Hendrik Bents dann ein Vollei von 30 Metern fabrizierte, mit dem er so gerade eben das 1:4 verhinderte, musste das Team handeln und man entschied sich dazu, Udo Tunder der Warnweste zu entledigen und ihm eine Einsatzchance zu geben.

Der 36-jährige Brüllhannes konnte das 1:4 gerade um Haaresbreite abwehren, doch wenig später semmelte Sven Frerichs die Kugel derart unvernünftig über die Fahrbahn, dass Müggenkrug wieder jubeln durfte.

3 Schöts Rückstand - wenn sich die Holzköppe jetzt nicht langsam am Riemen rissen, könnte sich der Nachmittag zu einem gewaltigen Waterloo für Lütje Holt entwickeln.

Oll Bengel Hanssen hatte einfach Spaß.

Besonders gegen Ende der Begegnung blühte das blauäugige Bürschchen nochmal gehörig auf.

 

 

 

Doch es entwickelte sich eine gewisse „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ bei den oftmals mental-limitiert wirkenden Westerender Boßelbrüdern. Simon Hanssens Kurvenannäherung brachte zwar auch nicht den erwünschten Erfolg, doch wenig später war es Udo Tunder mit seinem Premierenwurf, der gleich Linderung für sein Team brachte. Zwar konnte Müggenkrug noch die Führung verteidigen, doch setzte Jens Ufken mit einem Wurf, der sich extrem lang am oberen Rand der langgezogenen Rechtskurve hielt, gekonnt nach, sodass die Führung dann doch an das Auswärtsteam überging.

Sven Frerichs ballerte die Kugel in seiner unnachahmlichen Art und Weise in Richtung Collrunge, doch der bestens aufgelegte Bruder des Müggenkruger Mannschaftsführers, der sich ansonsten in der Männer-II-Gummi-Mannschaft seine Sporen verdient, konterte gekonnt und verhinderte das 2:4. Mister „Bullerballer“ Hanssen erhöhte im Nachgang durch einen wunderbar gesetzten Fingerwurf derart den Druck, dass Müggenkrug nachgeben musste und der Anschluss da war. Westerende kämpfte, auch angestachelt durch die herannahende Gummigruppe. Aufgeben war ein Fremdwort an diesem Sonntagnachmittag. Die eingewechselte Nummer 4 leitete die Umkehr ein, doch da Müggenkrug sich jetzt wieder steigerte ging es in der Folgezeit wieder nur mehr um den Erhalt der eigenen Führung als um das Erreichen des 3:4. 

Hendrik Bents und Simon Hanssen (v.l.) hatten auf der zweiten Wende die Spaß für Schabernack noch nicht verloren.

Diese Begegnung hatte es einfach in sich – man war sich zu keinem Zeitpunkt sicher, welches Team die Oberhand behalten sollte. Dann begab es sich aber, dass Müggenkrug einen gar wunderbaren Wurf auf den Asphalt drapierte, der sich extrem lang hielt und den nachfolgenden Werfer bereits auf die nachfolgende Gerade stellte. Der ältere Tunder in Westerendes Team konnte beim Anlaufen gar nicht sehen, wohin er werfen musste, um den Vorteil in den eigenen Reihen zu halten.

Großmaul Ufken, der sich für den Wettkampf extra einen neuen Sporttanga im Leopardenprint zugelegt hatte, zeigte ihm mittig an, doch der ausführende Werfer gab seinem Versuch einen zu starken Fingerdrall mit. Die Konsequenz daraus war, dass die Kugel relativ schnell absackte und den Westerender Anwerfer vor eine extreme schwere Aufgabe stellte. Ufken konnte zwar erahnen, wo er hinwerfen musste, um das 2:5 zu erzielen, doch rechnete er sich nicht gerade große Chance aus.

Ebenfalls mittig anlaufen jagte er die Kugel gerade weg, doch aufgrund der zu hohen Wurfgeschwindigkeit stieg sie immer weiter nach oben und verließ die Straße final. Müggenkrug wartete und Ufken wunderte sich, rechnete er doch mit dem sofortigen Schötjubel. Zu seiner Verwunderung musste er dann aber feststellen, dass letztlich nur ca. 3 Meter zur Kugel der Gastgeber gefehlt hatten und die Lokalmatadoren den Ausrollvorgang des Wurfes komplett abwarten mussten, ehe sie den Ausbau des Vorsprungs bejubelten.

Dies war also ein neuerlicher Rückschlag für die arg gebeutelte Holzmannschaft Westerendes, doch der Kampfgeist war ungebrochen. „Dampfmaschine“ Frerichs brezelte daraufhin einen wunderbaren Wurf in die Landschaft, der seinem Team gleich wieder die Führung einbrachte. Angesichts des schon recht weit fortgeschrittenen Wettkampfverlaufes wollten die Gäste zumindest noch Ergebniskosmetik betreiben, um bei einem Erfolg der Gummigruppe noch die Chancen auf einen oder zwei Punkte am Leben zu erhalten.

Doch, was jetzt folgte, hatten sich die Holzlooger vermutlich in ihren kühnsten Träumen nicht erhofft. 

Jens Ufken leitete die Schötarie mit diesem Wurf ein. Mit der linken Hand zeigte er an, wie er die Kugel um die Kurve bugsieren würde. Das riskante Unterfangen gelang.

Nachdem beide Teams sich eine Runde lang nichts geschenkt hatten, stand Jens Ufken in der letzten langgezogenen Linkskurve. Es schien für ihn recht aussichtslos, die nachfolgende Gerade zu erreichen, weil er noch ein ordentliches Stück an Biegung zu überbrücken gehabt hätte.

Er schmiedete den Plan, die Kugel extrem hoch zu setzen und dann mit einem übertriebenen Linksdrall um die gesamte Biegung zu bugsieren. Eingewagtes Unterfangen, denn kommt der Drall zu früh oder zu spät, hätte er sich sicherlich den Hohn und Spott seiner Teamkameraden einfangen können. Mit der eigenen Führung im Rücken legte er los und nachdem er die Kugel aus den Händen gelassen hatte, musste er sich bereits ein mahnendes „Mensch Jens, so hoch solltest du die Kugel aber nicht setzen!“ von seinem Anweiser Sven Frerichs anhören.

Doch urplötzlich setzte der heftige Linksdrall ein und Frerichs verstummte. Die Kugel landete genau am Beginn der Folgegeraden, sodass Frerichs sein Zauberdäumchen walten lassen konnte. Zuerst musste aber Müggenkrug kontern. Hatten sie zuvor doch ein ums andere Mal auf die Unterstützung Fortunas zählen können, wendete sich nun das Blatt, denn nachdem es so aussah, als würde die Westerender Markierung ganz knapp erreicht werden, stellte sich plötzlich ein Leitpfosten in den Weg und unterbrach die Auslaufpläne der schwarzen Kunststoffkugel jäh. Das 3:5 war da und es waren noch ca. 500 Meter bis zum Ziel.

Müggenkrug zeigte nun Nerven und semmelte die Kugel nach 80 Metern in die Wicken.

Jetzt kam der Auftritt von Sven „Sööti“ Frerichs, der seine Auswärtskämpfe normalerweise in Stöckelschuhen bestreitet, beim Einwerfen aber einen Absatz abbrach und aus diesem Grund auf normales Schuhwerk zurückgriff. 

Simon Hanssen lief zum letzten Wurf des Tages für die Westerender an. Dabei hatte er mehr Glück als Verstand.

Dieser Wurf sollte der längste des gesamten Holzwettkampfes werden und bei beiden Mannschaften offenen Münder zurücklassen. Frerichs lief an, gab der Kugel eine feine Portion Daumen mit, wodurch diese sich immer mehr gen Grasnaht positionierte, diese am Ende der langen Geraden auch erreichte und dann mit der nachfolgenden Linkskurve fiel. Hier war der Reisespaß des Kunststoffspielgeräts aber noch nicht beendet. Vielmehr verlor die Kugel an Höhe, fing sich dann wieder ein wenig und kam letztlich nach rund 80 Metern auf der Geraden zum Stillstand. Die 300-Meter-Marke war damit definitiv durchbrochen und nun wurde es richtig spannend. Die Dramaturgie der Begegnung spitzte sich nun weiter zu, denn die Gastgeber erreichten diese Vorgabe tatsächlich nicht.

Rund 150 Meter vor dem Ziel stand es also plötzlich 4:5, und Lütje Holt hatte die Führung inne. Müggenkrug musste nun das Ziel überwerfen, um Schlimmeres zu verhindern, doch scheiterten sie ann dieser Aufgabenstellung, sodass Simon Hanssen tatsächlich nochmal loslegen durfte. Daumenwürfe stellen nicht gerade die Lieblingsdisziplin des süßen Hobbylandwirts dar, doch wenn es auf normalem Wege klappt, kann man zumindest höhere Mächte beschwören. Hanssen setzte seinen Wurf ordentlich knapp über den Mittelstrich und jeder ging von einem soliden 130-Meter-Wurf aus, der den Erwartungen seiner Teamkameraden auch vollkommen gereicht hätte, um das Unentschieden nicht zu gefährden, doch Hanssens Wurf traf auf dem Weg nach unten eine Unebenheit in der Straße, woraufhin die Kugel ganz nach oben stieg und am Ende über 200 Meter zurückgelegt hatte.

Der Jubel der Westerender war grenzenlos und einige schienen bereits in einem Zustand vollkommender Ekstase zu wabern.

Das 5:5 war plötzlich greifbar. Vor allem würde dies bedeuten, dass man am Ende sogar nach Metern gewonnen hätte. Vor einem Kilometer hätte sicherlich niemand, der klaren Verstandes ist, an eine derartige Entwicklung geglaubt.

Und es kam, wie es kommen musste: Müggenkrug erreichte die Markierung nicht und der Schlusspunkt für einen extrem irren und total verrückten Wettkampf war damit gesetzt. Es wurden Erinnerungen an die legendäre Aufholjagd der Holzies aus dem Heimkampf gegen Langefeld, die sich so in der letzten Saison zugetragen hatte, wach, als man am Kanal noch 0:4 zurücklag und am Ende auf ein 3:4-Remis stellen konnte, doch waren diese letzten drei Würfe der Westerender damit nicht im Ansatz vergleichbar. Die Holzköppe hatten ein Boßelwunder vollbracht und sogar 83 Meter in Müggenkrug ergaunert. Dies war zwar nur ein Remis, aber es fühlte sich für Lütje Holt wie ein Sieg an. Müggenkrugs Holz wirkte entsprechend geknickt und erhielt Trost von den Kontrahenten. Gleichzeitig schworen sie, in der nächsten Auseinandersetzung Rache zu nehmen. Natürlich mit einem freundschaftlichen Augenzwinkern. 

Die für das 3:5, 4:5 und 5:5 verantwortlichen Männer auf einem Bild: Dieses Remis fühlte sich für Jens Ufken, Sven Frerichs und Simon Hanssen (v.r.) wie ein Sieg an.

Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Philipp Harms und Steffen Lengert begaben sich auf Seiten der Westerender hochmotiviert mit der Gummikugel auf die interessante Boßelstrecke. Die Gummigurken kamen mit einer Menge Euphorie und Selbstbewusstsein im Gepäck angereist, hatten sie doch die starken Marxer in der Vorwoche mit 6:0 geschlagen und in der Vergangenheit deutlich konstantere Leistungen gezeigt.

Der Anwurf Ragnar Hoffmanns geriet ein weniger zu tief, da er die Steilheit des Anwurfstücks einfach unterschätzt hatte und seinen Wurf entsprechend zu tief ließ, sodass das Heimteam gleich die Führung für sich beanspruchen konnte.

Dirk Tunder, Philipp Harms und Steffen Lengert trieben ihre Kugel dann mit ganz passablen Würfen hinter den Ausgang der ersten Linkskurve. Auf der Folgegeraden konnte Lütje Holt sich dann nicht wirksam in Szene setzen, da sämtliche Würfe einen Tick zu tief gerieten. Sie liefen zwar ausreichend, konnten aber nicht dazu beitragen, dass die Führung zu Westerende überging.

Es ging allmählich in Richtung der ersten Wende und die Lokalmatadoren präsentierten dann mit der Führung im Rücken aus dem letzten Linksknick heraus einen sensationellen Wurf, der analog zum Wurf Simon Hanssens den Wechsel des Straßengefälles zu berücksichtigten wusste und Steffen Lengert vor eine gehörige Aufgabe stellte. 

Steffen Lengert konnte an dieser Stelle das 0:1 für seine Jungs nicht verhindern. Der Wurf stieg oben aus.

An seiner Abwurfposition hatten sich die Gäste zuvor warm gemacht und Lengert wusste, dass die Kugel sehr leicht oben aussteigen kann. Ihm wurde demzufolge auf der Straßenmitte angezeigt, doch zog sich sein Wurf ob seiner Wurfkraft deutlich auf die andere Straßenseite und flog final aus der Bahn. Lengert hatte sein Bestes gegeben, die Kugel jedoch einen Tick zu hoch platziert, sodass Lütje Holt sich mit dem 0:1-Rückstand abfinden musste. Ragnar Hoffmann musste nun das 0:2 verhindern und schaffte dies auch, jedoch ohne seinen Mannen damit viel Luft zum Atmen verschafft zu haben.

Als die Gastgeber dann Dirk Tunder daraufhin hinter die Wende bugsierten, machten sich schon Sorgen bei den Gästen ob der Fingerlastigkeit von „Mr. Ex-Sunglasses“ breit, dass eventuell das 0:2 fallen können, doch der sympathische Brüllkopp belehrte seine Boßelbrüder eines Besseren, als er seinen Wurf charmant über den Strich setzte und damit den Beginn einer Sahnerunde einleitete. Philipp Harms durchwarf die Kurve mit einem konzentriert-kraftvollen Versuch, Steffen Lengert ließ den Finger-Hammer sprechen und Ragnar Hoffmann brannte den übergroßen Flummi an den Straßenkamm.

Dabei hatte Hoffmann extrem viel Glück, denn er hielt die Kugel zu lange fest, wodurch diese das Springen nicht einstellen wollte und sich mit Sieben-Meilen-Stiefeln der Grasnaht näherte. Dies war eine Sahnerunde der Westerender. Das Problem war jedoch, dass Müggenkrug immer wieder geschickt konterte und kein Geschenk in Form eines Schöts an die Gäste übergeben wollte. Lediglich die Führung konnte erobert werden. 

Ragnar Hoffmann erwischte einen ordentlichen, aber nicht überragenden Tag in Müggenkrug. Sein Scheitel saß auch nicht so gut wie in den letzten Wettkämpfen. Dies könnte die Hauptursache für seine Leistung gewesen sein.

Der Tagesbeste Dirk Tunder, der sich seit Neuestem dem Brazilian Waxing verschrieben hat, knallte dann ein weiteres Pfund durch die anschließende Rechtskurve, sodass Westerende am Ende mit den dargestellten fünf Würfen beachtliche 1,2 Kilometer zurückgelegt hatte. Die Gastgeber setzten ihren Wurf gut, doch geriet er einen Deut zu hoch, sodass die Kugel aus der Bahn schoss und der Ausgleich markierte werden konnte.

Nach einigen normalen Würfen erlaubte sich Ragnar Hoffmann auf Höhe der Gaststätte Poppe einen Lapsus als er erneut die Steilheit der Kurve unterschätzte und die Führung an die local heroes abgetreten werden musste. Jungspund Philipp Harms, formerly known as „The Pissfrisur“, erlaubte sich dann einen kapitalen Patzer als er die Kugel oben anlaufend unten in die Wicken hämmerte, wo sie zwar noch ein wenig herumtänzelte, aber schnell den Mut verlor. Müggenkrug jagte die Kugel dann mit einem feinen Daumen auf die Reise und Mannschaftsführer Lengert hatte den nächsten Husarenritt vor sich.

„El Capitano“ haderte lauthals mit seinem Stand und brachte die Kugel recht ordentlich auf die Reise, doch fehlte am Ende noch ein ordentliches Stück bis zum Erreichen der Müggenkruger Vorgabe und das Heimteam konnte erneut in Führung gehen. Ragnar Hoffmann verhinderte das 1:3 dann nur, weil er mit einem anständigen Wurf 20 Meter mehr als erforderlich warf und die Sorgen vor der nächsten Rakete des Heimteams schwollen an. 

Bedröppelte Gesichter bei Westerender. Es war eindeutig mehr drin für Steffen Lengert, Sven Frerichs und Philipp Harms (v.l.).

Doch die Sorge sollte keine Berechtigung erfahren, sodass Dirk Tunder mit einem wunderbaren Rillenwurf die Führung zurückerkämpfen konnte. Der Teenager im Team der Westerender entschied sich dann in der Kurve für einen Trüllversuch und legte auf diese Art und Weise solide 100 Meter zurück.

Müggenkrug wusste nichts mit dieser Herausforderung anzufangen und schon stand es wieder Remis. Aber immer, wenn Müggenkrug gelitten hatte, bäumte sich das Team schnell wieder auf und knallte ein ordentliches Pfund in Richtung lange Rechtskurve. Steffen Lengert und sein Vize-Kapitän leisteten sich dann zwei grobe Schnitzer und die Freude über den gerade erreichten Ausgleichsschöts wurde vom Frust über das 2:3 abgelöst.

Ähnlich wie die Begegnung zwischen den Holzgruppen bot die Auseinandersetzung dieser Divisionen einiges an Spannung, lediglich die Zwischenergebnisse fielen knapper aus. Wenig später, nach der Rechtskurve, knallte das Heimteam die Kugel die Senke hinunter über die Wende.

Der personifizierte Brustmuskel hatte nun eine extrem schwere Aufgabe, musste er doch mit dem Daumen eine erhebliche Wegstrecke bergauf absolvieren.

Doch Lengert erfüllte seine Aufgabe gut und konnte einen höheren Rückstand vermeiden. Der jüngste Müggenkruger legten dann noch einmal sahnemäßig nach, doch konterte das Origami-Monster Hoffmann derart gekonnt, dass er die Weite um knappe 50 Meter überbot. 

Genaues Werfen war an diversen Stellen der interessanten Straße unabdingbar. Hier kamen die Teams gerade aus der langgezogenen Kurve vor der zweiten Wende.

In der Folgezeit wurde die Linkskurve von beiden Teams mustergültig abgeworfen, wobei sich Philipp Harms und Dirk Tunder auf Seiten der Gäste hier den Titel „Trüllmeister“ verdienten; jedoch ohne wirksamen Impact auf das Zwischenergebnis.

Nachdem Steffen Lengert im Kurvenausgang einen weiteren Lapsus produziert hatte, warf Müggenkrug gekonnt und mit der vollen Führung im Rücken auf, Westerende wehrte sich aber mit Hände und Füßen. Ragnar Hoffmann sah sich dann einem Überwurf der Müggenkruger gegenüber. Der gegnerische Werfer hatte die Kugel genau in die Rille gelegt, die Tunder auf der Hintour erwischt hatte, und gegenüber seinem Kontrahenten geäußert, dass ihm dieser Wurf noch nie derart gelungen ist und vermutlich auch nie wieder so gelingen wird. Hoffmann fasste sich ein Herz, doch konnte er diesem Beispiel nicht folgen und Müggenkrug feierte erstmalig einen 2-Schöt-Vorsprung in dieser interessanten Auseinandersetzung.

Philipp Harms sorgte dann noch einmal für Herz-Rhythmus-Störungen bei seinen Teamkollegen als er wieder dort oben in der Kurve anlief, wo er die Kugel noch auf der Hintour souverän versenkt hatte. Doch dieses Mal durchschritt das Rot das Kurvennadelöhr haarscharf und spulte auf der Folgegeraden noch etliche Meter ab. Dies brachte Westerender noch einmal die Führung, doch dabei sollte es bleiben. 

Eigentlich war der Westerender Oberguru zufrieden mit der Leistung seiner Jungs.

Die letzten knappen Auswärtsniederlagen sind zwar ärgerlich, aber Steffen Lengert schätzte vollkommen richtig ein, dass der Aufsteiger mit der Erfahrung aus dieser Saison im nächsten Jahr auf den fremden Straßen sicherlich deutlich größere Siegeschancen haben wird.

Müggenkrug reüssierte final mit 1,122:0, was in der Endabrechnung einen knappen 1,059-Erfolg für die Hausherren bedeutete. Die zweite knappe Auswärtsniederlage in den letzten 3 Wochen kam für Westerende keinem Beinbruch gleich.

Vielmehr freute man sich über das Gezeigte, zumal die Akteure als Aufsteiger bei jedem Auswärtskampf Neuland betreten. Nach der einwöchigen Wettkampfpause, die die Westerender für eine Trainings-Session nutzen werden, kommt es dann zum Wettkampf bei den starken Hagerwildern, die sich auf Platz 2 vorschoben.

Westerende rechnet sich auch für den dortigen Wettkampf relativ geringe Chancen aus, wird aber versuchen, sich möglichst teuer zu verkaufen und somit zumindest die Chance auf einen Sensationspunkt möglichst lange am Leben zu erhalten.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann) 


Tag der Gegensätze, 2. Akt

Heimkampf gegen Marx, 20.1.2019

Der Westerender Boßelpinguin ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Wie ihre Kollegen aus der Antarktis, kuscheln sich die rotgefärbten  Unholde bei klirrender Kälte aneinander, um von der Körperwärme des Anderen zu profitieren. Auf diesem Bild sieht man ganz deutlich, wie wohl sich die Pinguinerpel Ragnar Hoffmann und Sven Frerichs (v.l.) über den doch sehr engen, aber völlig normalen Kontakt freuen.

21.1.2019

 

"Endlich wieder zu Hause werfen. Die Strecke kennen wir vermutlich besser als alle anderen Teams der Liga." Hobbyprophet und Mannschaftsführer Steffen Lengert schafft es immer wieder, seine Mannen mit treffenden Worten auf die anstehende Begegnung einzuschwören - so auch am gestrigen Tag, der rein wettertechnisch nicht zum Meckern einlud. Sogar der seltene Blutmond hatte sich in der Nacht gezeigt - es konnte also nach Herzenlust losgeboßelt werden, zumal sich überraschenderweise keiner der Anwesenden  in einen Werwolf verwandelt hatte.

Der Westerender Krüppelkader hielt auch an diesem Wochenende wieder so manche Herausforderung für die rotgekleideten Knaben bereit. Konkret handelt es sich dabei aber lediglich um die Holzsparte, die schon die gesamte Saison über Sorgen bereitet.

Christian Smid weilte - wie abgesprochen - in Hildesheim, weiß aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob er bis zum Fight in Müggenkrug die Rückenverletzung aus dem Wettkampf gegen Willen auskuriert hat, Simon Hanssen laboriert ebenfalls an starken Rückenschmerzen und warf auf einer angenehmen Schmerztablettendosis, Ingo Aulig humpelt nach seinem Bänderriss nach wie vor mehr schlecht als recht durch die Botanik und Jens Ufken befand sich am selben Morgen noch um 6 Uhr in der Notaufnahme des Auricher Krankenhauses, nachdem der charismathisch-empathische Asthmatiker die Nacht unter schlimmer Atemnot verbracht hatte. Da das Auricher Krankenhaus 3 bis 6 Stunden Wartezeit zugesichert hatte, stellte der ebenfalls lungenschwache 1. Vorsitzende Manfred Bents  Ufken daraufhin geistesgegenwärtig sein Asthmaspray zur Verfügung, sodass dieser den Wettkampf zumindest bestreiten konnte, ohne zwischen den Würfen von seinen Kollegen auf einer Sänfte getragen werden zu müssen (An dieser Stelle nochmals besten Dank an dich, Manni!). Der einzig gesunde Mann war Sven Frerichs, wobei dieser dafür über einen angemessenen Restalkoholpegel im Blut verfügte.

Da man nicht vorhersehen konnte, ob alle Werfer die Ziellinie erreichen würden, einigte man sich darauf, Hendrik Bents nach seinem ordentlichen Auftritt in der Vorwoche wieder für die Kunststoffkugel zu nominieren. M-II-Mannschaftsführer Detlef Tunder hatte zudem seinen Teamkollegen Erwin Janssen akquiriert.

Erwin Janssen erklärte sich spotan bereit, in der Männer I auszuhelfen. Da man dann aber doch über zehn Werfer verfügte, ging er nach dem Einwerfen nach Hause.

Er hatte extra einen wichtigen privaten Termin wegen des Wettkampfes abgesagt, konnte diesen dann aber doch wahrnehmen.

Dennoch war die Männer I froh, dass er sofort Gewehr bei Fuß stand, als man ihn brauchte.

Die Westerender Gummibubenbande konnte dagegen komplett aus dem Vollen schöpfen. Mit Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Philipp Harms und Steffen Lengert war die Stammbesetzung der letzten Wochen fit angereist, zudem diente Dirks Vater Detlef als Backup, kam aber nicht zum Einsatz.

Da Stammanwerfer Christian Smid fehlte, übernahm Simon Hanssen die ehrenvolle Aufgabe in Holz - leider misslang sein Versuch, als er die Kugel in bester Simon-Hanssen-Manier oben aus der Bahn jagte.

Ingo Aulig löste seine Aufgabe dann perfekt und konnte die Führung für seine Farben sichern. Was Hanssens "Oben-aus-der-Bahn-Gekloppe" ist, ist bei Jens Ufken der obligatorische erste "Ich-lass-die-Kugel-einfach-mal-viel-zu-tief"-Wurf, der auch dieses Mal perfekt kam und die Führung somit wieder an Marx zurückgab. Sven Frerichs legte glücklichweise souverän bis kurz vor den Rechtsknick nach, sodass es nicht gleich zum Start auf der Seite der Marxer klingelte.

Der Start war fahrig und das Team wirkte ganzheitlich unkonzentriert - auch Roland Harms, der seine Jungs trotz seiner Kniebeschwerden begleitete, gewann bereits früh den Eindruck, dass es heute mehr ein Krampf, denn ein gutklassiger Wettkampf für die Lokalmatadoren werden würde.

So war es nicht verwunderlich, dass der Anwerfer seinen nächsten Wurf viel zu hoch setzte und Marx bereits die Schötchance offerierte.

Ingo Aulig sah sich dann auch einem sehr ordentlich dargestellten Versuch der Gäste gegenüber und da er seinen Wurf viel zu tief ließ, hieß es 0:1 aus Sicht der Westerender. Die Männer hatten förmlich darum gebettelt.

Gute Stimmung bei frostigen Wetterverhältnissen: Roland Harms, Hendrik Bents, Philipp Harms, Simon Hanssen, WAG Venja Lowack und Sven Frerichs (v.l.) erwarteten Marx voller Vorfreude.

Zwar legte Jens Ufken dann souverän in Richtung Kanaleingang nach, doch absolvierten Simon Hanssen und Ingo Aulig die nachfolgende Gerade nicht mit den obligatorischen zwei Werfern, sodass die Nummer 3 im Team einen Wurf mit dem Vollenden der Kanalgerade verschenken musste.

Überdies hatte sich der Wurf seines Kontrahenten, der ca. 50 Meter weiter vorher abwarf, schon ein gutes Stück auf die Gerade nach dem Linksknick gelegt, sodass es nun eines extrem präzisen Wurfes bedurfte, um das 0:2 abzuwenden. Der Lungenkranke lief an, drückte die Kugel relativ tief in Richtung Kurve, wo sie oben austrat und in die Hecke schoss. Jetzt musste der Peilpunkt entscheiden. Und er entschied zu Ungunsten der Roten. Ganze 15 Zentimeter hatten gefehlt und somit lag man tatsächlich noch höher zurück.

Was für ein verkorkster Start. Allmählich musste man die Befürchtung haben, dass sich Lütje Holt komplett aus der verabschiedete - zu schwach waren die Würfe Einzelner.

Mehr schlecht als recht ging es auf die Gerade in Richtung Stine Uden, ehe Ingo Aulig 40 Meter nach dem Rechtsknick anlief und sehenswert vollstreckte. Ein unachtsamer Audi-Fahrer stoppte jedoch den tollen Wurf des Quad-Fans jäh und so rollte die Kugel nach 120 Metern von der Straße.

Jens Ufken fragte seinen Teamkameraden, ob er eine Wiederholung wünsche und so rannte dieser neuerlich an.

Der 39-Jährige zeigte sich nervenstark, denn dieser Wurf wurde noch besser, sodass er Ufken ein kleines Stück vor das anthrazitfarbene Haus drapierte. Die Führung blieb weiterhin bei Marx.

Jens Ufken und Sven Frerichs (v.l.) haben den gleichen talentfreien Herrenausstatter und zeigten am Sonntag mit der Holzkugel die besten Leistungen. Zwar hatten beide auch ihre schwachen Momente, aber zumindest trafen sie mehr als die Hälfte ihrer Würfe gemäß Vorgabe oder besser.

Dies änderte sich jedoch, als der Team-Brüllhannes zum Daumenwurf ansetzte und die Kugel bis hinter die Bushaltestelle brachte. Man merkte ihm dabei zwar die fehlende Kraft an, aber zumindest war die Kugel gut platziert und Marx, das unmittelbar vor dem ersten Linksknick stand, hatte nun eine extrem schwierige Aufgabe zu lösen.

Der Blaugekleidete ging dann auch kein Risiko ein und donnerte die Kugel einmal quer über die Straße, damit der nachfolgende Akteur zumindest aus einer guten Position heraus agieren konnte. Nichtsdestotrotz war die Führung wieder auf Seiten der Roten.

Doch wie auch in den Runden zuvor, konnte diese nicht lange gehalten werden: Zwar trüllte Sven "Dampfmaschine" Frerichs gekonnt, doch versenkten das Bangsteder Bübchen und der Wiesenser Aulig ihre Folgewürfe. Es war zum Mäusemelken. Das, was sich das Team aufbaute, riss es wenig später wieder ein. Marx warf konstant und unaufgeregt mit. Sie witterten, dass die Hausherren einen schwachen Tag erwischt hatten und spekulierten auf Fehler.

Überdies erwischten die Gäste gleich mehrfach auf herausragende Art und Weise Bäume oder Frostkanten, wodurch diverse Würfe um 50 oder mehr Meter verlängert wurden.

So konnte Sven Frerichs das 0:3 durch einen sehenswerten Wurf in die S-Kurve, der zum Ende noch glücklich die Grasnaht knutschte, genauso um wenige Meter abwenden, wie seine zwei Kollegen nach ihm.

Das Team war dem 0:3 sichtlich näher als dem 1:2.

Auf der Wende ergab sich dann eine kuriose Szene, die das Marxer Glück, welches sie sich überdies aber auch durch ihre couragierte und konzentrierte Leistung verdient hatten, an jedem Tag genau beschreibt:

Der Marxer Werfer stand kurz vor der Wende und setzte seinen Versuch knapp unter den Mittelstrich. Nach 140 Metern traf er einen Baum in einem derart perfekten Winkel, wodurch die Rolldauert verlängert wurde und ca. 70 Meter vor der Kreuzung liegen blieb.

Jens Ufken begab sich zähneknirschend auf den langen Weg und musste jetzt mindestens 180 Meter zur Vermeidung des 0:3 auf den Asphalt legen.

Für Simon Hanssen war es ein absolut gebrauchter Tag. Von seinen elf Würfen traf er 3 nach seinen Vorstellungen.

Vermutlich wäre er an diesem Tag lieber im Bett geblieben.

Der 1,93-Meter-Mann ließ dann aber souverän den Daumen sprechen und übertraf die Vorgabe um 30 Meter, sodass nichts passiert war.

Der Tross hielt sich im Laufe der Kurvenpassage dann schadlos, wobei das Auswärtsteam auch diese Zwischenetappe deutlich besser meisterte und immer wieder am Ausbau der Führung schnupperte.

Nach der S-Kurve war es dann aber soweit: Die Marxer hatten die Kugel bärenstark bis kurz hinter den Linksknick geworfen. Der auf der 3 gestartete Westerender lief daraufhin mittig an, gab dem schwarzen Spielgerät aber zu viel Finger mit, wodurch sie in der Kurve abfiel und 20 Meter zu kurz blieb. Somit manifiestierte sich das 0:3, nachdem das Team es über 2 Runden immer wieder knapp verhindert hatte.

Die Folgezeit glich dem Wurfwirr der Hinrunde: Ergaunerte ein Westerender Werfer die Führung, gab der nächste alles dafür, um diese schnellstmöglich zu verlieren. Ein Aufbäumen schien dadurch lange Zeit unmöglich.

Doch dann begaben sich die Holzcompadres auf die Kanaletappe. Sven Frerichs hatte die Führung für seine Farben bereits einige Zeit auf der Geraden nach dem Gasthaus Uden geholt und die Roten hatten es tatsächlich geschafft, diese mehr als eine Runde lang in ihren Reihen zu halten.

Nachdem Hanssen den Kanal mit einem ordentlichen Wurf vollendet hatte, musste sich Ingo Aulig nach der Kurve einem der schwierigsten Stände stellen. Der Familienvater meisterte die Aufgabe souverän und brachte seinen Wurf bis kurz hinter den Linksknick.

Da die Marxer ihren Wurf mit einem Überfinger nach 60 Metern in die linksgelegenen Wicken donnerten, war es tatsächlich passiert: Westerende hatte einen Schöt geholt. Es stand plötzlich nur noch 1:3 - ein Remis war tatsächlich noch möglich.

Seine schwere Verletzung macht ihm beim Anlauf noch immer zu schaffen: Ingo Aulig.

Der ansonsten so sicher aufwerfende Routinier und Tagesälteste im Team der Roten zeigte ebenfalls keine gute Leistung und ließ seinem Frust gleich mehrfach durch lautes Geschrei freien Lauf.

Immerhin betrieb er aber Ergebniskosmetik für sein Team, als keiner mehr damit rechnete.

Die Jungs bliesen zur Schlussoffensive und plötzlich ging spürbar ein Ruck durch das Team. Doch Marx ließ sich davon nicht kleinkriegen und legte gleich gut nach, sodass Jens Ufken wieder mindestens 150 Meter werfen musste, um die Führung zu behalten.

Dies klappte und nachdem die Marxer ihren Wurf dann mit dem Finger nach unten drehten, hatte der Westerender Schlusswerfer das 2:3 auf der Hand. Circa 130 Meter vor dem Linksknick stehend setzte er die Kugel sehr ansprechend, doch dann kam seine Kurbeltechnik zum Tragen. Die Kugel stieg und stieg und traf natürlich genau den Teil der Strecke ohne Frostkante, sodass ihre Reise gut 20 Meter vor der Kurve abrupt endete. Dies war extrem ärgerlich, denn ansonsten hätte die Begegnung nochmals einen komplett anderen Verlauf genommen.

Hanssen stand nun an jener Stelle und ballerte die Kugel souverän in Richtung Ziellinie. Der 22-Jährige war jetzt warm, leider ein paar Runden zu spät.

Ingo Aulig hatte gut 50 Meter vor dem neugeteerten Teilstück die neuerliche Chance auf den Anschluss, denn Marxer hatte einen Rohrkrepierer par excellence fabriziert.

Doch, was nun folgte war Slapstick pur und sinnbildich für die Wettkampfleistung der Westerender: Aulig musste 20 Meter bis zur Kugel der Marxer überbrücken, konnte also die Führung deutlich ausbauen. Er lief an, setzte die Kugel extrem weit nach oben auf die Straße und nach 30 Metern Rollstrecke war dann auch schon Endstation für das Schwarz. Die Entscheidung war also gefallen - Westerendes Holz würde neuerlich verlieren.

Roland Harms versuchte, seine Holzbuben anzufeuern und verzweifelte regelmäßig.

In dieser Szene wies er Simon Hanssen den Weg, der den Kanal auch routiniert abschloss.

Sven Frerichs näherte sich derweil und hatte Hanssen dort postiert.

Kurz zuvor hatte sich Hendrik Bents an dieser Stelle am Bein verletzt als er versuchte, die Kugel der Marxer vor dem Kanal zu retten, doch war diese leider im Gras ins Springen geraten und wunderbar gegen sein Bein gesemmelt.

Auf diesem Weg wünschen wir Hendrik eine gute Besserung!

Der Marxer Werfer donnerte jetzt natürlich noch einmal voller Siegeseuphorie auf dem schmalen Stück ansprechende 150 Meter in Richtung des Ziels, sodass Jens Ufken auch noch die Aufgabe hatte, die Führung für seine Farben zu verteidigen. Der Daumenspezialist musste zum wiederholen Male liefern und er tat es. Gut 160 Meter warf er auf dem Schlussstück und nun musste Marx also nur noch das Ziel überwerfen, um den Sieg zu fixieren.

Die Auswärtsmannschaft tat dies souverän und konnte sich am Ende mit 1,085:0 gegen die konsterniert wirkenden Westerender durchsetzen. Ein Remis wäre für die Rotgekleideten an diesem Nachmittag aber auch nicht verdient gewesen, zu fahrlässig hatte man diverse Chancen vergeben und sich immer wieder auf unsinnigste Art und Weise um die Früchte der eigenen Arbeit gebracht.

Holz kassierte somit die dritte Niederlage in Folge und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der ansonsten so gut geschmierte Motor stark ins Stottern geraten ist.

Da zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht bekannt ist, welche Werfer am Sonntag bei den heimstarken Müggenkrugern zur Verfügung stehen, ist durchaus möglich, dass die Niederlagenserie durchaus ausgeweitet werden wird.

Auch wenn Westerender in diesem Jahr nichts mit dem Titelgewinn oder dem Abstieg zu tun haben wird, werden die Holzburschen die Begegnung aber dennoch nicht herschenken und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten so gut es geht verkaufen.

Gerade nach diesem desaströsen Ergebnis, das mit schwachen 10.3 Runden erzielt wurde, wäre ein rasches Erfolgserlebnis sicherlich nicht verkehrt für die Kunststoffkugelfanatiker.

Dem Treiben des kleinen Bächleins konnte man am Sonntag sicherlich besser zusehen als dem Wurfgebaren der Westerender Holzköppe.

Die Gummiburschenschaft der Westerender hatte einiges gegen Marx wiedergutzumachen: Hatte man im Hinkampf beim 3:7 doch eine derbe Packung hinnehmen müssen, waberte auch das schlechtere Abschneiden bei den Aufstiegskämpfen in Willmsfeld in den Hinterköpfen der Rotgekleideten umher. Ein drittes Mal wollte sich das Team nicht übertölpeln lassen und dementsprechend motiviert ging man an den Start.

Ragnar Hoffmann holte mit seinem obligatorischen "Anwurf bis zur Birke" die Führung, da der Marxer Mannschaftsführer Michael Dirks seinen Versuch 5 Meter zu kurz ließ. Die Freude über die eigene Führung währte aber nicht lange, da der nächste blaugekleidete Athleth ein wahres Ungeheuer auf den Asphalt brannte und Dirk Tunder, der sicher konterte, diese Vorgabe knapp nicht erreichte.

Philipp Harms legte durchschnittlich nach, ebenso wie die Marxer, und so stand Steffen Lengert kurz vor dem Linksknick.

Der Mannschaftsführer ballerte die Kugel dann einen Tick zu weit nach oben, doch kam sie in bester "Steffen-Lengert-Manier" über die dort vorhandene Frostkante zurück auf die Straße und absolvierte noch ein erheblich Meteranzahl auf der Geraden.

Da die Marxer ihren Wurf ebenfalls aus der Bahn schmetterten, jedoch weniger Fortune auf ihrer Seite hatten, ging die Führung wieder zurück an die Heimmannschaft.

Detlef Tunder (l.) war wieder einmal unermüdlicher Unterstützer der Gummibubenbande.

Tunder zeigt im Übrigen nicht nur die Wurfrichtung an, sondern auch die ungefährte Abwurfhöhe (siehe Fingerspitze der rechten Hand).

Sein Sohn Dirk sowie Philipp und Roland Harms (v.l.) erwarteten den Wurf von Steffen Lengert.

Nachdem der Westerender Vizekapitän seinen Wurf leider etwas zu weit nach oben gesetzt hatte und Marx im Gegenzug bereits kurz vor dem Rechtsknick in Richtung Kanal lag, musste Dirk Tunder liefern, um die Führung in seinen Reihen zu halten.

Tunder stand ideal für einen der berüchtigten Durchläufer zur Kanalgeraden: Circa 80 Meter vor dem Rechtsknick. Er setzte die Kugel leicht über dem Strich und somit folgte sie dem weiteren Straßenverlauf optimal und knallte am Ende gar gegen das Begrenzungsgitter des Gewässers. Philipp Harms stand folglich bereits optimal zur Gerade und konnte ohne Sorgen loslegen, doch zuerst musste Marx nachlegen.

Der Werfer des Auswärtsteam setzte seine Kugel dem Anschein nach viel zu hoch, doch traf sie beim Verlassen der Straße ebenfalls äußerst glücklich eine Frostkante, kehrte daraufhin auf die Strecke zurück und übertraf Tunders Wurf tatsächlich noch um einige Meter.

Das war ein knappes Ding und die baldige Führung für Westerende lag bereits in der Luft.

Lange sollte es dann auch nicht dauern, denn wenig später zündete der einzige echte Daumenspezialist im Team der Westerender Gummis eine gar zauberhafte Rakete und warf nahezu den gesamten Kanal ab. Die Kugel stieg dabei sukzessive bis an den oberen Straßenkamm, um dann wieder ganz sanft abzufallen. Das war ein echtes Sahneteil vom Westerender Jungspund, der in Willen als Tagesformschwächster brilliert hatte.

Der Marxer Werfer tat es ihm nach, doch fehlten am Ende ein paar Meter und Lütje Holt konnte endlich das 1:0 lautstark bejubeln - übrigens zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt, denn Holz hatte kurz zuvor das 0:2 kassiert.

Da läuft das junge Bürschchen. Wie seine Teamkameraden, erlebte Philipp Harms einen Sahnetag. In Marx hatte er im Übrigen nach seiner Einwechslung noch dreimal ins Klo gegriffen.

Philipp Harms arbeitet übrigens aktuell daran, die beschissenste Frisur der gesamten Mannschaft zu kreieren. Sein Vater Roland ordnete bereits einen Zwangsfriseurbesuch an, vermutlich wird aber nur der Einsatz einer Heckenschere  oder Kettensäge helfen.

Nachdem der Kanal absolviert war, ballerte Marx das Spielgerät knapp hinter die Bushaltestelle, wohingegen Ragnar Hoffmann die Rechtskurve erreichte. Marx konterte auch diesen Wurf, ebenso wie den nachfolgenden Knaller von Dirk Tunder, der bis zum anthrazitfarbenen Haus geworfen hatte.

Wenig später war es aber wieder das Moordorfer Küken, das auf 2:0 stellen sollte und damit zum Weichensteller avancierte. Zwar gab er seinem Wurf zuviel Druck mit, sodass er nach der Bushaltestelle ausstieg, doch profitierte Westerende davon, dass der Marxer Mannschaftsführer die Steilheit der Stine-Uden-Kurve falsch einschätzte, ganz oben anlief und das Rot wenige Sekunden später unten versenkte.

Die Führung war ausgebaut und im Gesamtvergleich der Gruppen stand es nun also auch 2:2 - alles war wieder auf Null gestellt.

Nach Steffen Lengerts gekonntem und butterweichem Trüllversuch stand Ragnar Hoffmann bereits auf der Geraden und konnte sich komplett austoben, da Marx nur äußerst knapp an der Vorgabe des dickbebrusteten Kapitäns vorbeigekommen war.

 

Der sympathische und oft asymmetrisch auftretende  Papierfaltprofi aus Riepe zündete dann auch ein gar feine Granate, der Marx nichts mehr entgegenzusetzen hatte und schon fiel Schöt Nummer 3 – auch wenn deren Wurf gar nicht so schlecht ausgefallen war.

 

Der Marxer Mannschaftsführer Michael Dirks (r.) erwischte einen rabenschwarzen Tag. In dieser Szene wurde er von seinem alten Boßelweggefährten Jens Ufken getröstet.

Steffen Lengert machte sich dann wiederum in der S-Kurve bereit und hatte erneut die Aufgabe, seinen Stellvertreter auf der nachfolgen Gerade zu positionieren. In einem herrlichen Anwalt von Gewaltlust schwadronierte er die Kugel quer durch die Passage, wo sie sich im Graben verfing und etliche Meter als Eisläuferin zurücklegte. Dieses Ding war ganz wichtig und Marx versuchte es aus ähnlicher Position auf die gleiche Art und Weise, hatte aber extrem viel Pech, denn anstatt auf dem Eis ein paar herrliche Pirouetten zu drehen, erwischte das Rot einen Baum und schon konnte sich das bestens aufgelegte und  unter Berücksichtigung Detlef Tunders aus fünf Werfern bestehende lustige Gummisextett über die Vervollkommnung des Schötquartetts freuen. 4:0 zur Wende – alles im Lack für Rot.

 

Würde jetzt wieder der Einbruch kommen, wie es schon in den letzten Wochen und Monaten immer mal wieder der Fall gewesen ist? Heute sollte es anders kommen.

 

Ragnar Hoffmann, bekanntermaßen die gescheitelte Persönlichkeit im Team der Westerender, hatte dann zum zweiten Mal gewaltiges Pech bei seinem nächsten Wurf: Nachdem er bereits in Willen nur um Zentimeter am Zieleinlauf gescheitert war, ging auch dieses Mal der Wurf über die Wende in die Hose. Letztlich blieb die Kugel kurz vor der Markierung liegen und Dirk Tunder musste noch einen Wurf in Richtung Neu-Ekels abfeuern.

 

Das konzentrierte Einwerfen sollte sich für die Gummigurken bezahlt machen.

Hier übten Phlipp Harms, Dirk Tunder und Hendrik Harms (v.l.) den Ernstfall.

Dennoch durften die Herrschaften auf ihre Hinrundenleistung von 4.2 sehr stolz sein.

 

Es geschah in der Folgezeit relativ wenig, bei Westerende schlich sich die eine oder andere Ungenauigkeit ein, jedoch geriet das Team nie richtig in Gefahr, das 1:4 zu kassieren.

 

Philipp Harms, der bekanntermaßen unfassbar süße Bursche mit dem Haarhelm, war es dann wiederum, der auf der Höhe des anthrazitfarbenen Hauses eine Rakete zündete und Schöt Nummer 5 für seine Farben erzielte. Die kleinere Schwächeperiode war überstanden und der Westerender Zug nahm wieder Fahrt auf.

 

Marx verlor dann ein wenig die Nerven als Steffen Lengert seinen Wurf dann wunderbar durch den anschließenden Linksknick brachte. Die Folge war, dass sie auch diese Markierung nicht erwischten und nur wenige Momente nach dem 5:0 Vollzug für das Erreichen des halben Dutzends vermeldet  werden konnte.

 

Es ging dann an den Kanal und Dirk Tunder versuchte scheinbar den Damen einer Kohlfahrttruppe zu gefallen und jagte seinen Wurf einmal quer über die Straße ins Gewässer; jedoch ohne Konsequenzen für sein Team.

 

Der aus einem grandios auftrumpfenden Team herausstechende Philipp Harms brannte dann erneut ein wahnsinniges Teil auf die Teertrasse und durfte sich über seinen vierten Schöt und das Team über das 7:0 freuen.

 

Bei einem derartigen Vorsprung rennt es sich auch mit einem Muskel-Fett-Verhältnis von 99:1 lockerleicht: Steffen Lengert erwischte einen guten Tag und behielt auch im Spurt immer die Fassung.

Roland Harms schaute sich derweil die gefrorenen Weiden des Nachbargrundstücks an.

Nach leichten Slapstick-Einlagen von Ragnar Hoffmann und Dirk Tunder ging die Führung in der Folge an Marx über und die Befürchtungen darüber, dass die Gäste doch noch zu einem Anschlussschöt kommen könnten, wuchsen. Doch dann war es zum wiederholten Male Philipp Harms, der ein irres Teil durch den letzten Linksknick bugsierte und seinen Jungs das Durchatmen wesentlich erleichterte.

 

Steffen Lengert und Ragnar Hoffmann brachten die Partie dann sicher über die Bühne, allerdings blieb die Führung bei den Gästen, sodass sich Westerende letztlich an einem souveränen 6,092:0-Erfolg erfreuen konnte.

 

Die Gummisburschen konnten mehr als zufrieden sein, hatten sie nicht nur ihre vermutlich beste Saisonleistung gezeigt, sondern sich auch für die vorausgegangenen Ergebnisse revanchiert. Zudem patzte im Gegensatz zur Hinserie nun die Holzdivision und die Fans des übergroßen Flummis reüssierten souverän.

 

In der Gesamtabrechnung bedeutet dieses 6:1 (+5,007) die Rückkehr auf Rang 2, da Willen in Hagerwilde an Boden verlor. Zudem leistete sich der bislang souveräne Tabellenführer Uplengen nach der Heimniederlage gegen Hagerwilde am vergangenen Wochenende mit dem Remis in Hage den nächsten Fauxpas, sodass deren Vorsprung nur noch 2 Punkte beträgt.

 

Phillip Harms' Granate brachte den Gummibuben und damit auch dem ganzen Team kurz vor dem Ende Ruhe und Glückseligkeit.

Sven Frerichs beobachtete die Szene wohlwollend, Steffen Lengert rannte.

Am meisten erfreut sich das Team an der weiterhin makellosen Heimbilanz von 12:0 Punkten, die in der Liga einmalig ist.

 

Aufgrund der personell doch sehr angespannten Situation blicken die Westerender zudem eher nach unten als nach oben, insbesondere, weil man am Sonntag bei den extrem heimstarken Müggenkrugern antreten muss.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)

 


Regenschlacht im Wald

Auswärtskampf gegen Willen, 13.1.2019

Hendrik Bents feierte in Willen seinen 25. Geburtstag. Er erlebte einen ereignisreichen Nachmittag:

Nachdem er erst zu spät zum Einwerfen kam, da er daheim noch diverse Bögen annehmen musste, stand er dadurch nicht in der Start-4 der Gummis.

Da er damit der einzige Ersatzmann des Teams war, musste er später mit der ungewohnten Holzkugel ran. Diese Aufgabe erfüllte er aber zur Überraschung aller extrem gut, sodass schon erste Gedanken an eine Umschulung im Sommer aufkeimten; zumal die Abteilung Holz aufgrund der extremen Personalprobleme, die noch mindestens zwei Jahre anhalten werden, durchaus eine Verstärkung gebrauchen kann.

14.1.2019

 

Nun ging es also endlich wieder auf die Straße für die Roten. Und  dann gleich auf eine der schönsten Straßen der ganzen Liga, wenn man denn Verfechter des Power-Werfens ist. Der Tabellendritte aus Willen erwartete den Vizewintermeister aus Westerende - für Spannung war also bereits aufgrund der engen Tabellenkonstellation gesorgt.

Willen hatte in der Hinrunde bitter erfahren müssen, dass sich die Roten durchaus mit den Etablierten der Liga messen können. Dementsprechend motiviert und fokussiert ging Team Grün an den Start, um beide Punkte im KV Wittmund zu behalten.

Die Holzformation sah auch in diesem Wettkampf wieder anders aus als in den  Begegnungen zuvor: Sven Frerichs musste der Arbeit frönen und Ober-Routinier Roland Harms wird aufgrund seiner schwerwiegenden Knieverletzung in der gesamten Rückrunde nicht mehr werfen können, sodass sich gerade mal vier Holzraufbolde auf den weiten Weg machten.

Aufgrund des Daumenstandes am Anwurfpunkt hatte sich das Team dazu entschieden, den Daumenfreak Jens Ufken anwerfen zu lassen. Das Feld komplettierten Simon Hanssen, Christian Smid und der Rekonvaleszent Ingo Aulig.

Die Gummigurken warfen stattdessen in der gewohnten Formation der letzten Wochen: Anwerfer Ragnar Hoffmann legte vor, Dirk Tunder, Philipp Harms und Mannschaftsführer Steffen Lengert komplettierten das Feld.

Auf geht's zum ersten Punktkampf des Jahres: Ingo Aulig, Christian Smid (v.l., im Vordergrund), sowie die WAG Imke Pupkes, ihr Freund Dirk Tunder, Steffen Lengert und Ragnar Hoffmann rechneten bereits im Vorfeld mit einer engen Auseinandersetzung (v.l., im Hintergrund).

Wie in Westerende, starten auch in Willen die Holzteams und nach einem soliden Anwurf der Grünen war es Jens Ufken, der kontern musste. Er entschied sich dafür, kurz unterhalb des Strichs zu laufen, musste aber einsehen, dass dies aufgrund seines natürlichen Daumendralls eindeutig zu hoch war und so semmelte der 36-Jährige, der aufgrund seiner Wettkampfleistung im Pokal gegen Reepsholt mit Suizidgedanken zu kämpfen hatte ("Der schlechteste Wettkampf meines Lebens. Eigentlich müsste ich zurücktreten."), die Kugel oben raus, sodass Simon Hanssen jetzt liefern musste, um nicht bereits das 0:1 für seine Farben in Kauf zu nehmen.

Hanssen stand alles andere als gut, so kurz vor der Linkskurve, doch löste er seine Aufgabe tadellos, da er die Kunststoffkugel extrem knapp durch den Scheitelpunkt der Biegung jagte und dadurch wertvolle Meter auf der anschließenden Geraden zurücklegte.

Christian Smid, der im Keller seiner Großeltern seit geraumer Zeit Zwergsalamander züchtet, um diese im Sommer in der Antarktis auszusetzen, legte dann einen Topwurf nach und spätestens dann war klar, dass die Roten wurfkrafttechnisch überlegen waren. Dieser Wurf war nämlich für das Heimteam nicht zu erreichen und somit ging die Führung an die Gäste über.

Ingo Aulig, dem die Folgen seines Bänderrisses noch deutlich anzumerken waren, legte solide nach und so bewegte sich das Team langsam aber sicher auf das 1:0 zu.

Willen kann wunderschön sein um diese Jahreszeit.

Muss es aber auch nicht.

Ufken, dessen Ur-Ur-Großvater Ernst-Wilhelm von und zu Ufken dem komplett verarmten ostfriesischen Landadel angehörte und der Familie 0,01 Hektar Land hinterlassen hat - eine Parzelle, die seitdem von Generation zu Generation weitergegeben wird -, legte dann mit einem schönen Fingerwurf nach und das Bangsteder Bübchen hatte nun tatsächlich die Chance, zu vollenden.

Doch Hanssen erwischte keinen Glanztag und ließ infolgedessen sehr viele Würfe zu tief, wie auch in diesem Fall. Er warf im gesamten Wettkampf nicht schlecht, aber von ihm hatte man in dieser Saison bereits deutlich bessere Leistungen gesehen. Er selbst haderte auch vehement mit sich und seiner Leistung, insbesondere sein Finger wollte nicht so richtig zünden.

Da Willen zu kontern vermochte, war die Schötchance erst einmal wieder passé.

Nahezu die gesamte erste Hälfte der Hintour war davon geprägt, dass es Rot verpasste, rechtzeitig den Sack zuzumachen.

Hatte ein Werfer die Entscheidung zum 1:0 auf der Hand, folgte zumeist ein nicht so ganz einwandfreier Wurf und der Ausbau der Führung musste wieder von Neuem beginnen.

Dieser Zustand hielt sich bis zur schwierigen S-Kurven-Passage, ehe es dann auf die lange Gerade in Richtung Burhafe ging.

"Smiddi" Smid hatte einen grandiosen Wurf von der einen in die nächsten Kurve gezaubert und damit die Führung zurückerobert.

Quadfan Aulig stand nun genau am Anfang der Biegung und kurbelte das Spielgerät mustergültig durch die gesamte Biegung. Diesem Kunstwurf konnten die Hausherren nichts entgegensetzen und Lütje Holt durfte endlich zum Schötruf ansetzen.

Der eigentliche Stammwerfer Smid kam super in den Wettkampf, doch machte ihm sein Rücken kurz vor der Wende einen Strich durch die Rechnung. Es ging plötzlich nichts mehr beim Teamlulatsch und Holz musste umdisponieren.

Die Führung wechselte immer wieder die Parteien, doch nach einem missglückten Wurf Auligs, den er im Sturmregen auf der langen Geraden absolvieren musste, lag sie folgenschwer bei Grün.

Christian Smid hatte lediglich 100 Meter zur Kugel der Lokalmatadoren zu überbrücken und sogar die Willener rechneten stark damit, dass er diese Aufgabe locker schaffen würde. Doch beim Abwurf machte es "Rumms" im Rücken des 22-Jährigen Hobbyinvaliden und der Anfang vom Ende war da: Sein Wurf knickte sofort ein und lief in Richtung Graben. Am Ende fehlte zwar nur ein Meter bis zur Kugel der Gastgeber, doch er fehlte und somit war das 1:1 manifestiert. Neben dem Ausgleich gab es aber gleich die nächste bittere Pille für Westerende, als der nahende Smid seinen Teamkollegen mitteilte, nicht mehr lange am Wettkampfgeschehen partizipieren zu können, zu stark wären seine Rückenschmerzen - immerhin  hatte er bereits zwei Schmerztabletten intus.

Ufken und Smid einigten sich darauf, dass nach dem nächsten Wurf entschieden werden würde, ob Hendrik Bents aus der Gummidivision abgezogen werden müsse. So leicht wollte der Neu-Hildesheimer nicht aufgeben. Gleichzeitig teilten ihm seine Teamkameraden aber auch mit, die eigene Gesundheit über das Teamwohl zu stellen und ein weiterer langwieriger Ausfall niemandem etwas nütze.

Da kam Smid nach dem 1:1 mit schmerzverzerrter Miene angehumpelt. Dieser Anblick ließ auch die Gesichtszüge seiner Mitstreiter alsbald entgleiten.

Nach schönen Würfen von Aulig, Ufken und Hanssen ging es über die Wende und der angeschlagene Werfer in den Reihen der Roten setzte nun zum ersten Westerender Umkehrwurf an. Er traf ihn exzellent und stellte Hanssen auf die lange Gerade, doch signalisierte er im selben Zuge, dass sein ramponierter Körper nach Erholung dürstete.

Lütje Holts Holz musste also umdisponieren und nutzte die Chance, umsich  bei den herannahenden Gummis nach einer Ausleihmöglichkeit von Hendrik Bents zu erkundigen. Diese stimmten sofort zu und somit kam das Geburtstagskind zum ersten Punktspieleinsatz mit der Holzkugel.

Seine Mannschaftskameraden hatten die Führung derweil abgegeben, sodass er ca. 80 Meter vor dem Eingang in die S-Kurve nicht unbedingt befreit aufwerfen konnte, sondern liefern musste.

Mit einer recht eigenwilligen Wurftechnik drapierte der Linkshänder die Kugel aber ganz wunderbar an den oberen Straßenrand, wo sie nahezu die gesamte Kurvenpassage absolvierte. Dies war ein sensationeller Einstand des 25-Jährigen, der auch gleich die Führung zurückbrachte.

Jeder Westerender hatte zuvor den Traum gehabt, einmal per pedes Burhafe zu erreichen. Bei bestem Regenwetter hatten sie dieses Ziel endlich verwirklicht.

Dieser Wurf war der Startschuss zu zum Teil brachialen Wurfleistungen der Roten: Erst meisterte der 39 Jahre alte Aulig den Rest der Kurve genauso bravourös wie auf der Hintour, ehe Jens Ufken angenehme 250 Meter über den Asphalt donnerte. Doch Willen biss sich fest und kam immer nur wenige Zentimeter bis Meter an der Markierung der Roten vorbei.

Hanssens Wurf blieb dann leider etwas zu tief, sodass die Gastgeber durchatmen konnten.

Doch Bents, der sich bei seinem Abwurf beinahe aufs Gesicht legte und die Kugel auf komplett unorthodoxe Art und Weise an den Straßenrand jagte, um sie dann mit einem Megadaumen dort zu stabilisieren, und Ingo Aulig, der ebenfalls die Kunst des "galanten Wiederholens" nutzte, bauten die Führung wieder aus und so war es Jens Ufken, der das 2:1 im Arm hatte.

Der 36-Jährige wollte auf dem Fingerstand die Entscheidung  und legte alles in den Wurf, doch die Kugel kurbelte einen Tick zu hoch und stieg nach rund 100 Metern oben aus. Schade - schon wieder eine wertvolle Chance vertan.

Es war jedoch nichts verloren, zumal Willen erneut nur wenige Meter an Westerendes Vorlage vorbeikam.

Ufken rief Hanssen im Vorbeigehen zu, dass er jetzt den Sack zumachen würde und Hanssen tat, wie ihm befohlen wurde.

Der 22-Jährige nahm nochmal all seine Kraft zusammen und endlich funktionierte auch sein Finger wieder korrekt. Der Rest der langen Geraden wurde überbrückt und man fand sich genau im Eingang der scharfen Rechtskurve wieder.

Das war ein richtig netter Wurf: Simon Hanssen hatte soeben das 2:1 mit purer Gewalt erzielt. Dies änderte dennoch nichts daran, dass die Holzbande (Jens Ufken, Roland Harms, Simon Hanssen und Christian Smid v.l.) aufgrund des ekelhaften Wetters extrem bedröppelt aus der Wäsche guckte. Ufkens Scheitel hielt sich jedoch tapfer.

Der Schöt fiel endlich, weil letztlich 30 Zentimeter fehlten und der Jubel auf Seiten der Gäste war entsprechend groß ob der Erlösung.

Doch auf die große Freude folgte großes Leid.

Bents und sein Kontrahent standen nun im Eingang der scharfen Rechtskurve.

Während der Willener Routinier die Aufgabe gekonnt löste, stand Holzkugel-Novize Bents nun vor einer schier unlösbaren Aufgabe.

Dieser Stand ist für so manche gestandene Holzwerfer schon problematisch. Wie würde dann die Lösung eines eigentlich Gummiwerfers aussehen?

Es kam, wie es kommen musste: Bents setzte die Holzkugel wie man normalweise an solchen Ständen den roten Flummi setzen würde. Doch leider ändert eine Holzkugel nicht so abrupt die Richtung wie es der rote Flummi kann und donnerte infolgedessen geradeaus in die Straßenbegrenzung.

Die Führung war weg und Ingo Aulig stand immer noch mehr als schlecht, während Willen sich bereits auf der Geraden tummelte.

Der Wiedergenesene meisterte den Stand aber sehr ordentlich und verschaffte seinen Mannen erst einmal wieder ein wenig Luft zum Durchatmen.

Willen donnerte die Kugel in Richtung Anwurfpunkt und legte ca. 150 Meter vor, die der Westerender Anwerfer bewältigen musste.

Dieser blieb jedoch cool und legte rund 200 Meter auf den Asphalt - Ausgleich abgewendet.

Der Anfang vom Ende: Willen legte vor, Westerende nicht ausreichend nach.

Doch Willen war nun "on fire": Der jüngste Willener Holzwerfer stand nun vor der langgezogenen Linkskurve und zauberte die Kugel am Strich entlang, sodass sie noch ein gutes Stück weit auf die Gerade lief.

Ufken hatte Hanssen bereits in den Kurveneingang drapiert, wodurch dieser einen sehr ungünstigen Abwurfwinkel hatte.

Und so kam es wie es kommen musste: Der Willener Endspurt wurde belohnt, da Hanssens Kugel wenige Meter vor der der Grünen liegen blieb. Dieses Mal hatte sein Wurf ein wenig zuviel Fingereffet inne, es lief einfach nicht hunderprozentig beim Hobbylandwirt.

Da war es also, das 2:2 so kurz vor dem Ende und das Heimteam hatte jetzt Oberwasser.

Doch Bents ließ einen soliden Wurf folgen, der erst einmal wieder für Ruhe sorgte.

Aulig gab seinem Wurf dann aber ein wenig zuviel Drall mit, sodass dieser nach langem Kampf doch noch oben ausstieg, Willen sich aber nach wie vor nicht wesentlich absetzen konnte.

Jens Ufken setzte seinen letzten Wurf dann noch einmal souverän in die Vorschlusskurve und alles sah nach einem Unentschieden in diesem Vergleich aus.

Doch leider hatte Lütje Holt die Rechnung ohne den grüngekleideten Anwerfer gemacht. Dieser stand schon relativ nah vor der von Ufken erreichten Kurve und  zimmerte das Schwarz am Strich entlang, sodass es bis weit über die Ziellinie lief.

Das sah eindeutig nach einem Vorsprung aus, der mehr als 150 Meter aufwies. Am Ende waren es genau 179 Meter und somit hatte das Heimteam den Sieg in der Auseinandersetzung der Holzabteilung nach toller Aufholjagd doch noch holen können.

Westerende war zuvor einfach nicht kaltschnäuzig genug und brachte sich damit leichtfertig um die Früchte der Arbeit, zumal Willen am Ende immer stärker aufkam. Diese Niederlage war sicherlich ärgerlich, aber im Grunde waren alle zufrieden mit dem Geleisteten, gerade angesichts der aktuell doch sehr angespannten Personalsituation.

Die Gummigurken mussten es also nun richten, würde man einen zählbaren Erfolg mitnehmen wollen.

Der Ausfall von Roland Harms wiegt  aktuell schwer.

Seine Ruhe und Konstanz hätte man in Willen sicherlich gebrauchen können.

Zumindest konnte der alte Mann aber noch grandios mit dem Kraber umgehen und lauthals auf der Straße herumkrakeelen.

Die Westerender Gummikameraden kamen nicht sehr gut aus den Startlöchern: Ragnar Hoffmann blieb knappe zwei Meter hinter dem Anwurf Willens zurück und somit startete das Heimteam mit dem guten Gefühl, die Führung im Rücken zu wissen, in die Begegnung.

In der Folge wechselte die Führung hin und her, ehe der Willener Routinier Bernhard Garrelts einen auspackte und die Roten dicke Backen machten.

Man stand am Ende der ersten langen Geraden, die in einer Rechtskurve mündet, als Jungspund Philipp Harms die Führung abgab und  Steffen Lengert der Aufgabenstellung ebenfalls noch nicht nachkommen konnte und es nach dem Kracher somit stand es 0:1 aus Sicht der Roten stand.

Doch Lütje Holt zeigte sich konstanter als in der Hinrunde und dachte keineswegs daran, frühzeitig einzubrechen und hielt gut dagegen.

Diverse Führungswechsel folgten, da sich Fehlwürfe und Asphaltraketen die sprichtwörtliche Klinke in die Hand gaben.

Wie auch ihre Holzkameraden genossen Dirk Tunder und Philipp Harms (v.l.) das regnerische Dreckswetter in vollen Zügen.

Beide Teams gönnten sich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln und behakten sich kontinuierlich, jedoch sollte sich für eine lange Zeit erst einmal nichts Wesentliches am Ergebnis verändern.

Beide Teams befanden sich bereits kurz nach der Wende, als Ragnar Hoffmann sich mit der Führung im Rücken bereitmachte, boßlerisch für Furore zu sorgen. Mustergültig drapierte er die Kugel per pollex auf die lange Gerade. Sie lief dabei mit viel Dampf im oberen Straßendrittel und stellte die Willener vor eine zu schwierige Aufgabenstellung. Der Ausgleich war da und der bereits sehr eng geführte Wettkampf wurde noch enger.

Doch Willen konnte kontern und ergaunerte sich gegen Ende der langen Gerade die Führung zurück, sodass die Gäste eher wieder der Schötvermeidung nachgehen mussten als wirksam am 2:1 zu arbeiten.

Die S-Kurven-Passage, die die Holzdivision der Roten jedes Mal sehr gut gemeistert hatte, entpuppte sich dann aber als eine Nummer zu hoch für die Gummiburschen des Auswärtsteams. Willen hatte kraftvoll vorgelegt und die gesamte Passage meisterhaft durchworfen, Dirk Tunder konnte diesen Wurf nicht kopieren und deshalb folgte der neuerliche Rückstand für Lütje Holt.

Nach zuletzt schwächeren Wettkampfleistungen konnte er seinem Ruf des "Mr. Zuverlässig" wieder alle Ehre machen.

Ragnar Hoffmann zeigte eine ansprechende Leistung in den Wäldnern nahe Wittmund.

Nun wendete sich aber wieder das Blatt: Anstatt auf 3:1 zu stellen, gab Lütje Holt nicht klein bei und kämpfte erbittert um den neuerlichen Ausgleich.

Willen war jedoch keineswegs daran interessiert, erneut den Ausgleich zu schlucken und so glich die Partie einem spannenden Tauziehen. Immer dann, wenn Lütje Holt zupacken konnte, um auf 2:2 zu stellen, zündete Willen eine Rakete. Wollte Willen jedoch selbst auf 3:1 erhöhen, konnte Westerende umgehend die Führung zurückgewinnen.

Das Geschehen zog sich in diesem Zustand bis zur Stelle, wo das Heimteam auf dem Hinweg die 1:0-Führung ergattern konnte.

Dann befand sich der jüngste Westerender Werfer im Ausgang der besagten Kurvenausgang und zündete eine wahre Rakete, die sogar den vollen Respekt des Heimteams zugesprochen kam.

Da Team Rot zu diesem Zeitpunkt die Führung für sich beanspruchte und Willen die Vorgabe des jungen Moordorfers nicht erreichte, klingelte es unter den Augen der herbeigeeilten Holzgruppen zum zweiten Mal auf Seiten der Westerender und beide Teams begannen ergebnistechnisch wieder bei Null.

 

Was für eine knappe Kiste: Der vorletzte Wurf der Westerender landete hier. Wäre er nur  20 cm weiter gerollt, hätten die Roten einen Punkt aus Willen entführt. Ein unfassbares Finish.

Nun wollte sich scheinbar keiner der Werfer vor den Augen der herbeigeeilten Zuschauer blamieren, denn sowohl Steffen Lengert als auch sein Willener Kontrahent zauberten sehenswerte Würfe auf den Asphalt.

Dann kam der dramatische Showdown in Form des letzten Wurfes von Vizekapitän Hoffmann.

Noch auf der Gerade stehend, setzte er die Kugel wunderbar auf die Mitte der Fahrbahn, sodass diese die Linkskurve mitnahm, dort verweilte und nach einer ordentlichen Rolldauer links im Morast verschwand. 

Die Westerender wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Kugel dem Ziel bereits gefährlich nahe gekommen war. Erst als die Lokalmatadoren davon sprachen, dass es vermutlich übertroffen habe, begann das große Rechnen in den Köpfen der Gastwerfer.

Hoffmanns Wurf hatte einen beträchtlichen Vorsprung  herausgearbeitet und in der Gesamtabrechnung somit locker für eines dieser nur im Boßelsport so vorkommenden 0:1-Remis gereicht, doch einigten sich beide Teams nach einen schieren Endlosdiskussion darauf, dass die Kugel die Markierung noch nicht vollkommen überquert hatte.

Das großte Zittern begann, denn auf Seiten der Gastgeber machte sich der Routinier Bernhard Garrelts bereit.

Dirk Tunder hatte die undankbare Aufgabe, den entscheidenden Wurf des Wettkampfs machen zu dürfen.

Im Hintergrund beobachtete ihn seine Freundin Imke Pupkes.

Und Garrelts jagte die Kugel weit über das Ziel hinaus bis in die nächste Kurve hinein.

Da Lütje Holt die Führung noch in den eigenen Reihen hatte, musste also nochmals geworfen werden.

Dirk Tunder trat an. Würde er die Garrelts um nur 30 Meter überwerfen, hätte er das Unentschieden für seine Jungs gesichert, alles andere hätte eine Niederlage zur Folge.

Tunder gab dieser extremen nervlichen Belastung nach und verwarf die Kugel völlig. Sie flog mit einem extrem Linksdrall aus der Hand und landete umgehend an der Begrenzung der Fahrbahn. Wie durch ein Wunder fand sie dann aber wieder zurück in die Spur und rollte noch etliche Meter in Richtung der Willener Kugel. Doch das Glück war irgendwann aufgebraucht und so fehlten am Ende 20 Meter bis zur Kugel der Grünen, wodurch die Roten nach dem 0:1,049 die dritte Saisonniederlage hinnehmen mussten und mit den Gastgebern die Tabellenplätze tauschen.

Das Ergebnis überraschte das Team jedoch nicht ungemein, hatte man doch bereits seit geraumer Zeit mit einer höheren Anzahl an Niederlagen in der Rückrunde gerechnet, da man es mit diversen extrem schweren Auswärtsaufgaben zu tun bekommt. Vielmehr war man sogar darüber überrascht, an einem Unentschieden geschnuppert zu haben.

In der nächsten Woche kommen die Marxer Boßelfreunde an die Holzlooger Straße. Während die Lokalmatadoren sich dann ihre weiße Heimweste bewahren wollen, geht es für Marx über den Kampf ums Überleben, da man durch den Heimsieg der Neuharlingersieler über Fulkum nur noch zwei Punkte Vorsprung auf Rang 9 hat und bislang auswärts nur Gastgeschenken verteilt hat.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)


Backenfutter zum Weihnachtsfest

Auswärtskampf gegen Uplengen/Hollen, 16./23.12.2018

Die Männer I zeigte sich, hier repräsentiert von Mannschaftsführer Steffen Lengert, für die zahlreichen Ausleihdienste der Männer II erkenntlich und übergab beim ersten Versuch im Schneetreiben von Uplengen ein Paket zur Förderung des leiblichen Wohls an Männer II-Werfer Hartmut Smid, der die milden Gaben seinen glückseligenTeamkameraden überbrachte. Bübchen Philipp Harms bekam im Hintergrund schon wieder Durst, während Simon Hanssen (blauer Reißverschluss) dagegen in dieser Situation tief traurig über den Umstand war, noch weit vom Eintrittsalter der Männer-II-Klasse entfernt zu sein.

23.12.2018

 

Nachdem die töffelige Truppe am Sonntag zuvor aufgrund des Schneefalls vergeblich nach Uplengen gereist war, wagte das Team am Tag vor Heiligabend den nächsten Versuch und sollte dafür belohnt werden.

Zur unchristlichen Zeit, nämlich um 8.15 Uhr, hatte sich die Boßelbande am Pendlerparkplatz nahe der Autobahnabfahrt Riepe versammelt, um sich gemeinsam auf die Reise nach Deternerlehe zu begeben.

Da man dort bereits um 8.45 Uhr eintraf und noch nichts von den Gastgebern zu sehen war, ging man dazu über, sich auf dem schwierigen, weil runden Anwurfteilstück einzuwerfen. Nach der Ankunft der Blauen wurde dieser Programmpunkt etwa 1 Kilometer weiter in Richtung Detern fortgesetzt, ehe die Burschen sich ausreichend aufgewärmt um 9.20 Uhr zum Kräftemessen mit dem Tabellenführer und designierten Meister am Anwurfpunkt einfanden.

Man hatte bereits beim Einwerfen einen Eindruck von der Schwierigkeit des Geläufs erhalten, vor allem die Passagen mit den runden Straßenverhältnissen sorgten nicht gerade für Frohlocken bei den ganz in Rot gekleideten Gästen. Dennoch wollte man den Wettkampf nicht schon im Vorfeld verloren geben, sondern noch einmal alles in die Wagschale werfen, um den letzten boßlerischen Auftritt des Jahres erfolgreich zu gestalten.

 

Hier begeben sich die Boßelbuben an den Anwurfpunkt. Steffen Lengert, Christian Smid (verdeckt), Sven Frerichs, Simon Hanssen, Imke Pupkes (verdeckt), Dirk Tunder, Ragnar Hoffmann, Philipp Harms, Detlef Tunder und Hartmut Smid (v.l.) freuten sich nicht gerade auf das herausfordernde Geläuf.

Die Mannen um Mannschaftsführer Steffen Lengert fürchteten sich nicht vor der Strecke und dem Gegner, aber sie hatten angemessenen Respekt. Lengert selbst, der vor Kurzem  in der Mathematik für Furore sorgte, als er eine neue Klasse fraktaler Strukturen ersann und diese als "perfektoide Räume" bezeichnete und seitdem als heißer Kandidat für die vierjährlich vergebene Fields-Medaille gilt, hatte sich für den Wettkampf einiges vorgenommen, hatte er seine Jungs gegen Altharlingersiel durch eine indiskutable Leistung doch arg in Bedrängnis gebracht und wirkte entsprechend konzentriert und fast schon nicht mehr richtig ansprechbar. Es ging immerhin um die Tabellenführung respektive den zugegebenermaßen wertlosen Titel des Wintermeisters.

Seine immer leicht grenzdebil wirkende Burschenschaft war ebenfalls bis in die Haarspitzen motiviert und so konnte es losgehen.

In Uplengen begaben sich die Gummigurken in Person von Ragnar Hoffmann, Steffen Lengert, Philipp Harms und Dirk Tunder sowie sein Vater Detlef, der später zum Zuge kommen sollte zuerst auf die Wanderschaft.

Ging deutlich besser, auch wenn noch nichts Dramatisches passiert war: Ragnar Hoffmann befolgte nicht die Richtungsvorgabe Dirk Tunders und semmelte die Kugel einmal lang über die Straße.

Der ansonsten stark auftretende Uplengener Anwerfer Matthias Menssen, der vor Kurzem noch für Reepsholt in der Landesliga geworfen hatte, legte glücklicherweise keine allzu grandiose Granate vor, sodass es für Hoffmann ein Leichtes gewesen wäre, diese Vorgabe zu überbieten. Doch der zuletzt leicht außer Form wirkende Pinguin-Papa musste der schwierigen Straße Tribut zollen und sein Wurf blieb einige Meter zu kurz, sodass das Heimteam gleich mit der Führung im Rücken weitermarschieren konnte.

Dem ersten schwächeren Versuch folgte ein weiterer Rohrkrepierer Steffen Lengerts, der das gleiche Modell wie sein Vorgänger wählte und die Kugel hinter der A28 in die Wicken knallte. Da Uplengen solide aufwarf, wuchs deren Führung kontinuierlich.

Der zuletzt stark aufwerfende Nachwuchswerfer Philipp Harms legte dann von der Daumenseite souverän nach. Harms zeigte in den letzten Kämpfen eine zum Teil bestechende Form und hat sich damit aktuell absolut in die Starting-4 der Westerender Gummis geworfen.

Der dritte Uplengener Werfer brannte dann aber ein grandioses Exemplar in den Asphalt, der nicht nur den Rest der Geraden überbrückte, sondern auch in die Rechtskurve einbog und die nachfolgende Gerade mittels Fahrradwegnutzung zu einem Großteil absolvierte. Dirk Tunder machte ein dummes Gesicht, denn er wusste, dass er nun liefern müsste, um das 0:1 für seine Farben abzuwenden.

Flog unter den Augen der Holzburschen in Richtung Autobahnbrücke: Steffen Lengert.

Aber Mr. Tunderstruck stand einfach so bescheiden in der Kurve, dass er die Kugel nicht zu erreichen vermochte und es somit bereits in der ersten Runde zum ersten Mal klingelte, was von dem hochgradig motivierten Heimteam lauthals honoriert wurde.

Vizekapitän Hoffmann, welcher am Vortag seinen 31. Geburtstag gefeiert hatte und mit zunehmendem Alter scheinbar immer attraktiver wird, stand jetzt auf der Geraden und hatte seinerseits ebenfalls noch ein gehöriges Stück zur Vermeidung der Rückstandsaufstockung zu überbrücken.

Erneut traf er seinen Wurf nicht optimal, wodurch das Rot unterhalb des Mittelstrichs lief, dann aber den Fahrradweg zu nutzen wusste, im Nachgang auf die Straße zurückkehrte und als es danach aussah, als würde die anschließende Linkskurve ebenfalls von ihr absolviert werden können. Dies wäre sicherlich ein sensationeller Comebacker für die Roten gewesen, doch eine Autofahrerin hatte merklich etwas dagegen und lenkte die Kugel nach unten ab, sodass sie jämmerlich im Straßenrand verschwand.

Sichtlich geknickt schlich das ehemalige Geburtstagskind nach vorne und haderte mit Fortuna.

Der blaugekleidete Werfer und die Westerender Nummer 2 durchwarfen den Linksknick dann mustergültig und so wurde die Strecke bis zum nächsten Rechtsklick souverän absolviert, ehe sich der Westerender Schlusswerfer, der seit kurzem auf seine Sonnenbrille verzichtet, auf der Geraden in Richtung Kanal bereitmachte - genau an der Stelle, wo sich Lütje Holt in der zweiten Phase noch warm geworfen hatte.

Sein Start  war unglücklich, er steigerte sich aber mit jedem weiteren Wettkampfmeter, wenn er auch nicht ganz mit der eigenen Gesamtleistung zufrieden sein konnte: Dirk "Ex-Sunglasses" Tunder. Der Neuzugang aus der Saison 2017/18 offenbarte seinen Kameraden vor dem Wettkampf, dass er für jeden einen wunderbaren Rentierpullover gehäkelt hatte. Die anfängliche Ungläubigkeit seiner Boßelkameraden verflog schnell, als er die Kunstwerke via Fotobeweis ankündigte. Tunder weiß eben genau, was seine Kameraden wollen.

Ragnar Hoffmann, dessen Großvater Loki vor Jahren über den Bifröst nach Ostfriesland kam und sofort großer Fan des Boßelsports wurde, sah sich nun einer Granate der Lokalmatadoren gegenüber, die nicht nur die restliche Gerade überbrückte, sondern auch die Brücke überwand und danach rechts im Graben verschwand, hoffte nun auf die Macht seiner Ahnen.

Laut "Þá kemur inn ríki" ("Da kommt der Mächtige") rufend, wie es so eindrucksvoll im Hauksbók, dem Stammbuch der Familie Hoffmann heißt, rannte er an und steuerte das Spielgerät ultraknapp durch den Linksknick, wo es nach einer kurzen Episode Radfahrweg wieder auf die Straße zurückkehrte und ganze 5 Meter an des Gegners Markierung vorbeigegangen war. Das 0:2 war erstmal abgewendet worden, doch spielte das Team lediglich auf Zeit, da Uplengen nun mit der vollen Führung im Rücken aufwerfen konnte.

Der Linkshänder im Team der Blauen stand nun kurz vor der Geraden, auf der die Straße zu beiden Seiten extrem weggebrochen ist und traf die Ideallinie auf der Straßenmitte optimal.

Steffen Lengert konnte seinem Beispiel nicht folgen, infolgedessen blieb sein Wurf einige Meter vor der Kugel der Gastgeber zurück und Blau konnte zum Schötjubel ansetzen.

"El Capitano" zeigte sich deutlich verbessert, auch wenn er das 0:2 nicht verhindern konnte.

Der gut aufgelegte Philipp Harms und Dirk Tunder erledigten ihre Aufgaben dann souverän und stellten ihren Anwerfer auf eine vermeintlich gute Position. Nachdem der erst 16 Jahre alte Werfer auf Seiten der Gastgeber seinen Wurf a priori zwar verkorkst, die Kugel aber unter Zurhilfenahme des Fahrradwegs etliche Meter beschritten hatte, setzte er die Kugel besser, doch die Glücksgöttin war an diesem Tag eindeutig nicht auf Hoffmanns Seite, denn anstatt den Radweg etsprechend auszukosten, traf er einen Pfahl und schon stand des 0:3 aus Sicht der Gäste.

Dies war sicherlich kein Start, den sich das Team so erwünscht hatte, aber man musste neben der starken Wurfleistung der Gastgeber eben auch einsehen, dass es schwer ist, als Aufsteiger von Beginn an alle Auswärtsstrecken aus dem Eff-Eff zu beherrschen. Letztlich war es jede Menge Lehrgeld, das es zu bezahlen galt, wohlgemerkt - um dies schon vorwegzunehmen - in beiden Gruppen.

Nachdem Hoffmann dann zum dritten Mal ein Objekt getroffen hatte und das Heimteam durch einen Harakiri-Wurf diese Chance aber nicht nutzen konnten, war es dann der Mannschaftsführer der Roten, der seinen Farben ein wenig Luft verschaffen konnte, als er seinen Wurf zwar zu tief ließ, die gesamte Gerade mittels Rillennutzung aber abwarf und erstmals in der gesamten Begegnung die Führung erobern konnte.

War dies das Signal zur Aufholjagd? Mitnichten! Nachdem Philipp Harms die Führung gerade noch für sein Team beanspruchen konnte, legte Mr. Menssen wieder eine Granate in den Asphalt, welcher der Westerender Schlusswerfer nicht folgeleisten konnte. So hatte ihm sein Vater Detlef mitgeteilt, mittig zu laufen und mittig zu werfen, doch der Tundersche Zauberfinger schaute schelmenhaft hervor und ließ die Kugel oben aussteigen. Manchmal ist es eben doch ratsam, auf seine Eltern zu hören, auch wenn man schon volljährig ist.

Männer II-Mannschaftsführer Detlef Tunder half mal wieder bei den jüngeren Kerlen aus, konnte aber am 4. Advent ebenfalls nicht die Leistung abspulen, die man ansonsten von ihm so gewohnt ist. Unvergessen wird sicherlich sein letzter Wurf bleiben, der als "Uplengener Luftloch" in die Analen des Boßelsports eingehen wird.

Ragnar Hoffmann wirkte nach seinem vierten Wurf bereits deutlich frustriert und haderte lautstark  mit seiner eigenen Wurfleistung und Odin. Nachdem er seinen fünften Versuch vor der langgezogenen Rechtskurve mustergültig versenkt hatte und sich das 0:4 manifestiert hatte, war das Maß voll und er gab frustriert auf. Detlef Tunder kam daraufhin für ihn in die Auseinandersetzung.

Die Kurve war jedoch für das gesamte Team kein Geschenk und man kam mit  Glück auf die Gerade, ohne nicht auch noch das 0:5 schlucken zu müssen.

Doch dann zündete Uplengen wieder eine gnadenlose Granate, die Dirk Tunder vor eine heere Herausforderung stellte. Doch der 25-Jährige behielt die Nerven und zimmerte seinen Wurf ganz oben an den Straßenkamm, wodurch er die Gerade überbrückte und den nächsten Gegenschöt verhindern konnte. Ein wichtiger Wurf, denn ansonsten wäre das Team vermutlich danach auseinandergebrochen.

Die Mannschaft steigerte sich nun deutlich in ihrer Gesamtleistung und konnte jetzt mithalten und so flachte die Begegnung in punkto Höhepunkte zusehends ab. Es gab dabei nicht nur Topwürfe auf beiden Seiten zu sehen, jedoch konnte sich kein Team mehr wirksam in Szene setzen.

Philipp Harms (r.), der jüngste Töffel im Team, zeigte erneut eine ansprechende Leistung. Sven Frerichs, Simon Hanssen und Imke Pupkes (v.l.) sahen dies nicht anders.

Ein kurzes Aufbäumen gab es dann aber noch, als Mannschaftsführer Steffen Lengert mit der eigenen Führung im Rücken auf dem Stück nach dem Kanal aus einem schwierigen Kurvenstand heraus wunderbar die rechtsliegende Rille nutzte und mit Power die Gerade bis in die nächste Linkskurve überbrückte.

Dieser Wurf war ein zu großer Brocken für die Local Heroes und so konnte Rot auf 1:4 verkürzen, sich damit zumindest über einen Ehrenschöt freuen.

Dies war jedoch schon das einzige Highlight der Westerender Aufholjagd, denn nachdem die Führung wenig später wieder verloren gegangen war, setzte Routinier Detlef Tunder noch einen unrühmlichen Schlusspunkt, indem er die Kugel beim Abwurf viel zu lange festhielt, diese dadurch mehr an Höhe denn an Weite gewann und der alte Rückstand somit wiederhergestellt war. Beobachter unkten, dass er etwas weiter in Richtung Ziel sicherlich auf die Autobahn geworfen hätte - nicht auszudenken, was hätte passieren können.

Während die Blauen entsprechend feierten und der Sieg damit in Sack und Tüten war, schlich der Teamsenior sichtlich geknickt nach vorne, um den Trost seiner Mannen entgegenzunehmen - so ein Ding war ihm sicherlich auch seit Ewigkeiten nicht mehr "gelungen".

Bis zum Ziel unterhalb der Autobahnbrücke hielten sich die Roten dann aber schadlos und Uplengen fügte den 4 Schöts am Ende noch weitere 78 Meter hinzu.

Keiner im Team der Kirchlooger war traurig darüber, dass der Wettkampf  der Gummidelegationen endlich ein Ende gefunden hatte. Die Westerender, ob Gummi- oder Holzwerfer fühlen sich auf Straßen mit runden Passagen merklich unwohl und konnten bekanntermaßen im Meisterjahr 2017/18 ebenfalls keinen Sieg auf derlei Trassen (Wiesens, Schirum-Ostersander und Middels-Osterloog) erringen. Der Fluch der runden Straßen lastet also weiter auf den Roten und man freut sich schon jetzt auf den eigenen Auftritt in Altharlingersiel (#nicht).