Saison 2018/19

Welche darf es sein? Simon Hanssen prüfte vor dem Wettkampf die zur Auswahl stehenden Spielgeräte. Man einigte sich salomonisch auf eine etwas ältere Kugel, da man die extremen Greifeigenschaften der neuen Kugeln auf der Strecke nicht gebrauchen konnte.

Neben dem Langzeitverletzten Ingo Aulig und dem aktuell ebenfalls indisponierten Hendrik Bents, meldete sich Opa Roland Harms zusätzlich auf der Krankenstation der Lütje Holter an und teilte mit, dass er aufgrund seiner schwerwiegenden Knieverletzung in Uplengen nicht zur  Verfügung stünde. Kurzerhand wurde auf die Allzweckwaffe Hartmut Smid aus dem Männer-II-Team zurückgegriffen.

Sven "Dampfmaschine" Frerichs hatte bereits im Vorfeld signalisiert, am Wettkampftag mitlaufen zu wollen, um als Backup für die rückenkranken Simon Hanssen und Christian Smid zu fungieren. Frerichs signalisierte ferner  beim Anblick der schwierigen Strecke, dass er nicht auf einen Einsatz bestünde, da seine auf Kurbeln beruhende Wurftechnik eher für Strecken mit einem breiteren Wurfkorridor ausgelegt ist.

Die bis dato ungeschlagene Holztruppe ging folglich in der Aufstellung Christian Smid - Simon Hanssen - Hartmut Smid und Jens Ufken ins Rennen und wusste bereits nach den ersten Metern, dass der Wettkampf kein Zuckerschlecken werden sollte.

Zwar semmelte der Uplengener Anwerfer die Kugel nach gut 100 Metern in den unteren Straßenrand, doch tat ihm Christian "Chrissi" Smid dies nach, nur dass sein Wurf bereits nach 99,5 Metern liegen blieb und die Holzköppe ebenfalls die Führung an die Hausherren übergaben.

Irgendwas stimmte mit "Anschmieter" Christian Smid nicht. Interessanterweise begann der Längste im Team der Lütje Holter komplett vermummt und entkleidete sich im Laufe der Partie immer weiter, sodass er bei seinen letzten Würfen nur noch im T-Shirt anlief. Wäre der Wettkampf noch ein bis zwei Runden länger gewesen, hätte er vermutlich auch noch die  kurze Hose aus dem Materialrucksack geholt oder wäre komplett nackt aufgetreten.

Simon "So ward boßelt" Hanssen traf seinen Wurf dann aber mustergültig und konnte die Führung für seine Mannen zurückerobern, sodass alles danach aussah, als würde der Holztross losmarschieren. Doch dann kam der auf der Position Nummer 3 startende Hartmut Smid, der auf der linken Straßenseite anlief, die Kugel völlig überraschend aus der Hand fallen ließ und den Vorteil nach seinem 30-Meter-Unglück somit wieder prompt aus den Händen gegeben hatten. Der auf der Nummer 4 werfende Jens Ufken hatte nun den ersten Rechtsknick vor sich. Sein Wurf geriet ein wenig zu stark auf die andere Straßenseite und anstatt mit der Kurve zu fallen, ging es geradeaus in die Wicken. Der Start in die Begegnung war somit alles andere als optimal für Rot gelaufen, aber glücklicherweise wurde dies bisher noch nicht von den Gastgebern bestraft.

In der nächsten Runde konnte auch nur Hartmut Smid mit seinem Wurf vollends überzeugen und so stellte sich die Partie zu Beginn so dar, dass Uplengen vorlegte und Lütje Holt mehrfach aufgrund von wenigen Metern oder gar Zentimetern den frühen Rückstand verhindern konnte. Es war lediglich eine Frage der Zeit bis Uplengen in Führung gehen sollte.

In der dritten Runde war es dann auch soweit: Der Bangsteder Bube Simon Hanssen stand kurz vor der Linkskurve in der Nähe des Kanals und musste ca. 100 Meter Strecke aus einem schwierigem Winkel überwinden, da die Blauen gut vorgelegt hatten. Er jagte die Kugel ultraknapp am unteren Straßenrand entlang, sodass sie den Fahrradweg nutzte, wieder auf die Straße zurückkehrte und alles nach einer erneut glücklichen Touchierung des Kanalrandsteins aussah, die die Kugel an der Marke der Gastgeber vorbeigeschoben hätte. Doch leider geriet der Aufprallwinkel sehr flach, sodass die Kugel nicht mehr lange auf der Straße verweilte, sondern im Gras verschwand und ein paar Meter zu kurz blieb. Der Rückstand war plötzlich real und das Team musste sich langsam sputen, in Trab zu kommen, wenn es denn etwas Zählbares in Uplengen holen wollte.

Die Männer-II-Werfer Hartmut Smid und Detlef Tunder (v.l.) unter sich.

Da aber auch Hartmut "Hatta" Smids Wurf auf dem kaputten Terrain schnell im Grün verschwand, musste Jens Ufken das Schwarz nun genau mittig setzen und ca. 80 Meter überbrücken, um das 0:2 zu verhindern. Er setzte die Kugel mustergültig, ehe der Daumen nach rund 100 Metern durchkam und die Kugel noch vor der Kurve am rechten Rand zum Bremsmanöver ansetzte. Für die Gesamtwurfweite von 120 Metern hätten sich der 36-Jährige und seine Teamkameraden auf normalen Terrain vermutlich geschämt, aber auf diesem Teilstück waren sie Gold wert, zumal es weiterhin nur 0:1 stand.

Das Anschmieterbürschchen Smid jagte die Kugel dann gemäß Vorgabe durch die Kurve, ehe Simon Hanssen die Aufgabe hatte, die folgende Gerade mit einem mittig platzierten Versuch zu überwinden. Uplengen hatte gehörig vorgelegt und der Ü-Eier-Figuren-Sammler musste also konzentriert schmeißen, um Schlimmeres zu verhindern.

Leider Gottes gab er dem Wurf einen viel zu starken Daumen mit, wodurch die Kugel schnell mit der Grasnaht kuschelte und zu kurz blieb. Nun stand es schon 0:2 und der letzte Wettkampf des Jahres 2018 sollte sich zu keinem guten für Holz entwickeln.

Alles lief ein wenig so wie bei den Gummiburschen: Uplengen traf viel bis alles, Lütje Holt jagte die Kugeln halbwegs hinterher und versuchte Schlimmeres zu vermeiden. Vielmehr sehnte man sich nach dem nun bald kommenden nicht mehr runden Straßenabschnitt, um endlich die eigene Wurfkraft voll auskosten zu können.

Der Marxer Michael Dirks (Mund geschlossen) ließ es sich nicht nehmen, den Spitzenkampf live zu verfolgen. Er schaute sich die Auseinandersetzung der Holzteams an, da sein ehemaliger Upschörter Weggefährte Jens Ufken (Mund offen) dort agierte.

Marx pflegt mit Uplengen und Westerende ein freundschaftliches Verhältnis und so war es eine Selbstverständlichkeit, dass Dirks auch nach dem Wettkampf mit in das Mannschaftsquartier des Heimteams kommen musste.

Vermutlich betrieb der 35-Jährige auch ein wenig Gegnerspionage, da seine Marxer am 2. Rückrundenspieltag in Westerende antreten müssen.

Überdies dürfen seine Marxer am vorletzten Spieltag noch in Uplengen beim vermutlich dann schon feststehenden Meister antreten.

Christian Smid, der vor dem Wettkampf mit einem "Anschmieter"-Pullover ausstaffiert wurde, stand dann erneut vor einer Rechtskurve und hatte die Aufgabe erhalten, diese mit einem Daumen zu durchwerfen, um Simon Hanssen angemessen auf der Folgegeraden zu drapieren. Doch dem 1,94-Meter-Jungspund glitt die Kugel zu stark über den Daumen, sodass die Kugel zu früh nach rechts driftete und im Grün endete - wohlgemerkt noch einige Meter vor des Gegners Kugel.

Die Folge war das bittere 0:3 nach ungefähr einem Drittel des Wettkampfes. So konnte und durfte es nicht weitergehen. Die bis dato ungeschlagenen Roten schworen sich, sich noch einmal am Riemen zu reißen, wohlwissend, dass man bald auf dem angenehmeren Teil der Uplengener Heimstrecke ankäme.

Zumal die Hausherren bis dahin nahezu jeden Wurf getroffen hatten und diese Präzision im wahrscheinlichsten Falle eher nicht beibehalten würden, redeten sich die Jungs zumindest ein.

Beide Teams begaben sich auf die lange Gerade nach der Linkskurve und endlich war man auf einem Geläuf, wie es die Männer aus dem KV Aurich lieben.

Auf diesem echten Daumenstand kam zudem der Daumenexperte des Teams, das 36-jährige Berufsgroßmaul Ufken zum Einsatz. Gesäumt war die Gerade noch von einem leicht höherliegenden Fahrradweg auf der linken Seite, sodass er sich austoben konnte.

Überdies hatte der wurfkraftstarke Champions-Tour-Teilnehmer Markus Kasper seinen Wurf tatsächlich oben aussteigen lassen - es war also alles angerichtet für einen Westerender Glücksmoment.

Da war er schon fast nackt. "Smidderichs" musste in dieser Situation das 1:4 verhindern. Die Voraussetzungen dafür waren extrem ungünstig und so war es nicht verwunderlich, dass die Entscheidung für Uplengen in dieser Szene fiel.

Die Westerender Nummer 4 hatte sich mittlerweile gut eingeworfen und setzte die Kugel mustergültig, sodass sie rund 40 cm über die Straßenmitte stieg und im Nachgang noch etliche Meter auf dem Radweg zurücklegte, wodurch die Westerender sich tatsächlich endlich über den ersten Ü-200-Meter-Wurf freuen konnten.

Der ihn um einen Zentimeter überragende Westerender Anwerfer, der mit Ufken die Vorliebe für Neonkleidung teilt, im Gegensatz zum 36-Jährigen aber nicht komplett auf Unterwäsche beim Wettkampf verzichtet, tat es ihm nach und so war die schönste Passage des Wettkampfes mit zwei Würfen absolviert. Uplengen hatte um wenige Zentimeter vorbeiwerfen können, sodass die Führung weiter bei den Blauen blieb, doch Rot begann allmählich, den Spieß in der jetzt von beiden Seiten hochklassig geführten Begegnung umzudrehen.

Es folgte ein starker Wurf von Simon Hanssen, der Hartmut Smid noch in den Eingangsbereich der extrem langen Rechtskurve stellte und obendrein die Führung für sein Team zurückerkämpfte.

Lütje Holt witterte plötzlich Morgenluft. Man war dem Gegner in dieser Passage nicht nur ebenbürtig, sondern  sogar überlegen. Jetzt musste nur noch ein zählbarer Erfolg her.

Hartmut Smid holte jetzt wieder sein Kurbelkönnen heraus und drehte die Kugel durch die gesamte Kurve, sodass sich Jens Ufken kurz vor der Geraden in Richtung Wende wiederfand. Da das Heimteam aber immer wieder gut dagegen gehalten hatte, blieb es beim 0:3.

Ufken, der vor kurzem feststellte, dass der Weg von seinem Wohnort nach Westerende über den Schleichweg kürzer als zu Fuß ist, setzte die Kugel dann mit einem sehenswerten und sicheren Fingerwurf kurz vor die Wende und Christian Smid machte sich dann auf die Reise, nachdem Uplengen diese überworfen hatte.

Angeregte Diskussionen vor dem Wettkampf: Christian Smid (rote Schuhe) hatte seine Unschuld verloren und suchte diese verzweifelt überall. Ragnar Hoffmann, Detlef Tunder, Steffen Lengert und Sven Frerichs (v.l.) unterstützten dabei selbstlos. Der sich super in den Dienst des Teams stellende Frerichs war im Übrigen so begeistert von der neubedruckten Warnweste der Holzwerfer, dass er diese vermutlich bis zum nächsten Wettkampf anbehalten wird.

Als der 22-Jährige im Nachgang die Nummer 2 der Westerender sehenswert rund 80 Meter vor die langgezogene Linkskurve gestellt hatte, konnte der Bangsteder nun endlich für den Anschluss sorgen. Die Hausherren standen sehr unglücklich extrem knapp vor dem Eingang in die Kurve, während der gleichalte Hanssen noch etwas Strecke zum Verlieren des Fahrtüberschusses hatte.

Der Hobbylandwirt, der sich zu Hautpflegezwecken ab und an ein ausgiebiges Güllebad in der heimischen Klärgrube gönnt, avancierte an diesem Tag zum Kurvendompteur. Nach einem schön an der Mittellinie drapierten Wurf überwand er die Strecke bis in den Kurveneingang, woraufhin sich das schwarze Spielgerät an der Straßenmitte festbiss und gut 3/4 der Biegung absolvierte.

Es war nahezu unwahrscheinlich, dass Uplengen diese Vorlage erreichen würde und so wartete man ab, ob sich durch einen missglückten ersten Versuch nicht sogar die Chance zu einem weiteren Schöt ergeben könnte.

Doch das Heimteam zeigte, dass es sich nicht ohne Grund auf dem ersten Tabellenplatz befindet und wählte die sichere Variante. Zwar blieb man hinter Hanssens Wurf zurück und nahm das 1:3 in Kauf, doch war der nachfolgende Werfer dann so gut gestellt, dass er dann locker an der Westerender Markierung vorbeiwerfen konnte.

Der Anschluss war also hergestellt. Was war noch drin für die jetzt fehlerlos werfenden Westerender?

Das 1:3 von Simon Hanssen bildlich dargestellt. Beim rechten Pfeil warf er ab, der linke Pfeil zeigt die Position der Kugel.

Es ist sehr schön zu sehen, wie weit der rückenkranke Naturbursche tatsächlich in die Biegung hineinwarf. Ein wichtiger, wenn auch leider nicht mehr entscheidender Wurf.

Wenn man extrem heranzoomt, sieht man sogar, wie sich Hanssen jubelnd nähert (roter Pfeil).

Lütje Holt fightete und zeigte jetzt unisono eine tolle Leistung. Sven Frerichs attestierte nach dem Wettkampf, dass er nicht gewusst hätte, wen man für ihn hätte aus der Partie nehmen sollen, da alle vier Werfer gleichstark auftraten, sich allesamt nach einem verhaltenen Start in den Wettkampf bissen.

Beide Truppenteile ließen in der Folgezeit keine Federn, die Führung wechselte zwar einmal kurz die Seiten, doch Simon Hanssen erkämpfte sich diese nach einem wunderbaren Wurf auf Höhe des Kanals zurück, nachdem er die Kugel wunderbar durch den Rechtsknick gebrannt und schon ein beachtliches Stück auf die Folgegerade gebracht hatte. 

Dass die Rückeroberung der Führung wichtig war, zeigte der nächste Wurf auf Seiten der Heimmannschaft:

Uplengens Markus Kasper knallte die Kugel am Strich entlang und erreichte die noch ca. 130 Meter entfernte Linkskurve. Die Kugel lief auf die nachfolgende Gerade und absolvierte noch weitere 150 Meter.

Der tapfere Hartmut Smid war zu bedauern, denn diese Aufgabenstellung war für ihn nicht zu meistern. Umso mehr hofften seine Teamkameraden aber, dass er Jens Ufken zumindest nach der Kurve positionieren würde, damit dieser dann eine Chance hätte, das 1:4 zu verhindern. Smid konterte wertvoll, doch kam sein Wurf ein wenig zu weit nach rechts, wodurch er nicht mit der Kurve fiel, sondern oben ausstieg.

Ufken stand nun genau am Ausgang der Kurve und fand eine schwierige Aufgabe vor, da die Straße auf dem Weg zur Uplengener Kugel noch von der Daumen- auf die Fingerseite kippte. Er entschied sich für einen leicht gefingerten Wurf entlang der Mitte, der nach 130 Metern abfiel und die Vorgabe haarscharf über den angrenzenden Fahrradweg erreichte. Ein ganz knappes Ding und Westerende wusste, dass der Wettkampf mit dem nächsten Gegenschöt gelaufen wäre, da man nur noch circa einen Kilometer vom Ziel entfernt war.

Simon Hanssen machte sich bereit für seinen Wurf. Wie seine Kollegen konnte er generell mit seiner eigenen Leistung zufrieden sein.

Christian Smid und sein Kontrahent standen nun Face-to-Face rund 50 Meter vor der nächsten extrem scharfen Rechtskurve, die unten von einem Fahrradweg gesäumt wurde.

Der Werfer der Gastgeber legte vor und hatte dabei mächtig Glück, als er die untere Rasenkante so glücklich traf, dass die Kugel sich noch einige Meter um die Kurve in Richtung der Geraden zog.

Smid wusste, dass er nur unter Zurhilfenahme des Radwegs eine Chance hätte, diesen Wurf zu erreichen. Der herannahende Jens Ufken wünschte ihm viel Glück und unterstützte seinen Plan, den er auch absprachegemäß umsetzte.

Die Kugel bewegte sich sehenswert über den unteren Fahrradweg, kam dann aber aufgrund des hohen Drucks wieder auf die Straße und stieg tatsächlich noch am oberen Straßenrand aus. Am Ende fehlte ein Meter zu der Vorgabe Uplengens und der Wettkampf war nach dem guten Zwischenspurt der Gäste entschieden. Das Team war schlichtweg für die Schlafmützigkeit zu Wettkampfbeginn bestraft worden, wohingegen Uplengen sich in der Hochphase der Roten nicht aus dem Konzept hatte bringen lassen und somit verdient mit 4:1 in Führung ging.

Simon Hanssen ließ sich dennoch nicht lumpen und ballerte die Kugel ebenfalls mit tatkräftiger Hilfe des Radweges 150 Meter über die Gerade und konnte damit sofort wieder die Führung zurückerobern, sodass das Ergebnis zumindest nicht mehr allzu schlimm aussah.

Hartmut Smid und sein Kontrahent erfüllten ihre Aufgaben dann ebenfalls tadellos und Jens Ufken sowie Markus Kasper befanden sich nun auf der Zielgeraden.

Gute Stimmung nach dem Wettkampf, was vermutlich auch an der ausreichenden Verpflegung mit Getränken und Frikadellen gelegen haben könnte.

Philipp Harms, Christian Smid, Dirk Tunder, Sven Frerichs, Michael Dirks und Simon Hanssen (v.l.) fielen nahezu ausgehungert und scheinbar halb verdurstet über den vorweihnachtlichen Gabentisch her.

Kasper stand ca. 190 Meter und Ufken 178 Meter vom Ziel entfernt und angesichts des doch sehr schwierigen und eigenwilligen Geläufs gingen alle davon aus, dass der 36-Jährige noch einmal zum Zuge käme, doch der Uplengener traf seinen Wurf mit voller Wucht sowie unheimlich präzise und hatte unterhalb der Autobahnbrücke nochmals Glück, als das Kunststoffspielgerät die Auslaufzone nutzte und noch 21 Meter über das Ziel schoss.

Dieser mehr als 200 Meter lange Gewaltwurf brachte den Hausherren also doch noch die Führung zurück und Ufken musste sich mit dem Gedanken anfreunden, nicht mehr werfen zu dürfen.

Da die Gastgeber die Straße nur bis 150 Meter vor dem Ziel markiert hatten, schritten Jens Ufken und Markus Kaspar die letzten 28 Meter Arm in Arm ab - ein toller Schlusspunkt nach einem sehr fairen und gutklassigen Wettkampf zwischen den beiden aktuellen Spitzenteams der Ostfrieslandliga.

Dieses 0:3,049 der Holzgruppe ergab zusammen mit dem Ergebnis der Gummiteams ein 0:7,127 aus Sicht der Westerender - auf dem Papier sicherlich eine recht hohe Niederlage, die aber aufgrund des schlechten Starts beider Gruppen in der Höhe durchaus verdient war.

Westerende überwintert nach einer tollen Hinrunde mit nur zwei Niederlagen auf dem zweiten Tabellenplatz, einer Platzierung, die angesichts des schwierigeren Rückrundenprogramms sicherlich nur schwer zu halten sein wird.

Teaminterne Prognosen gehen davon aus, am Ende bei einem zufriedenstellenden Punktestand von 21:15 zu landen und somit locker die Klasse zu halten.

Die Gummigruppe rangiert nach der Hinrunde auf dem 12. Platz, wohingegen die Holzgruppe den Wintermeistertitel der einzelnen Gruppen erobern konnte.

Nach der sicherlich eher sportlich unwichtigeren Begegnung im Ossi-Pokal am 6.1.19 gegen Ostfreesland Reepsholt, bei der einige Leistungsträger fehlen oder bewusst geschont werden, geht es am 13.1. wieder in Willen auf einer sehr interessanten Powerstrecke zur Sache. Rot wird dann alles geben müssen, um  beim Tabellendritten nicht gleich wieder unter die Räder zu kommen.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)

Die Gruppen- und Gesamttabelle nach der Hinrunde.


Ein schmutziger Sieg

Heimkampf gegen Altharlingersiel, 9.12.2018

Teambesprechung vor dem letzten Heimkampf des Jahres 2018: Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Steffen Lengert, Philipp und Roland Harms (v.l.) beraten sich über das beste Gänsebraten-Rezept für das anstehende Weihnachtsfest. Manfred Bents und Detlef Tunder (im Hintergrund, v.l.) begutachten ungläubig das Geschehen, wohlwissend, dass ihre Kochkünste seit Jahren die besten Ergebnisse liefern.

10.12.2018

 

"Wenn wir heute gewinnen, haben wir zwei Punkte mehr auf dem Konto." "El Capitano" Lengert fand vor dem letzten Heimkampf des Jahres wieder einmal markige und fast schon hellseherische Worte für seine arg ramponierte und lädierte Ostfrieslandliga-Truppe.

Der zuletzt rückenkranke "Anschmieter" Christian Smid ruhte sich in seinem Hildesheimer Loft aus, Ingo Aulig laborierte weiterhin an seinem Bänderiss und Hendrik "Beim-Abwurf-bauchfrei" Bents nahm sich aus persönlichen Gründen ebenfalls eine Auszeit.

Zur Verfügung standen dem angehenden Lehrer und Mannschaftsführer nur noch 7 gesunde Werfer, die erneut durch die Männer-II-Werfer Manfred Bents und Detlef Tunder den notwendigen Support fanden.

Dem seinerseits gerade halbwegs von einer angenehmen Gürtelrose genesenen Jens "Wenn es nicht mehr juckt, kratzt oder brennt, gehe ich auf die Straße" Ufken fiel bereits beim Einwerfen auf, dass der sich ohnehin sehr langsam fortbewegende Team-Opa Roland Harms sich noch einmal viel schleichender als sonst fortbewegte, woraufhin ihm dieser mitteilte, dass er extreme Knieprobleme habe und "auf einem Ibu-Trip" wäre. Dazu kam noch der Hinweis von Simon "So ward boßelt" Hanssen, dass ihm von seinem Arzt der Verdacht eines leichten Bandscheibenvorfalls mitgeteilt worden wäre. Richtig gesund - zumindest körperlich - wirkten folglich nur Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Philipp Harms und Sven Frerichs - der Wunsch nach dem schnellen Erreichen der Winterpause war förmlich spürbar.

"An deiner Seite fühle ich mich wohl und sicher."

Philipp Harms gönnte sich vor dem Wettkampf noch etwas Körperwärme von Jens Ufken (v.l.). 

 

Einige Altharlingersieler hatten sich überlegt, den direkten Weg über Emden ins schöne Westerende zu nehmen, sodass beide Teams dann doch mit einiger Verzögerung in den Wettkampf starten konnten.

Da der Stamm-Heimanwerfer Christian Smid zum ersten Mal in dieser Saison daheim aussetzte, um zum Spitzenwettkampf und Jahresfinale in Uplengen dabei zu sein, entschied sich die Holztruppe dazu, Roland "Opi" Harms auf die 1 zu stellen und alle anderen Positionen wie gehabt zu belassen, damit sich bei einem normalen Wettkampfverlauf nur einer an neue Stände wird gewöhnen müssen.

Doch dieser erhoffte, normale Verlauf der Auseinandersetzung war schnell passé: Roland Harms' Anwurf blieb viel zu tief, da sich dieser gegen den Bock drückte, der Finger nicht wie erhofft zünden konnte und die Kugel somit schnell im unteren Straßenrand verschwand.

Man merkte Harms die körperliche Beeinträchtigung sofort an, denn auf einem Fingerstand hatte er derartige Würfe in dieser Saison bislang kaum gezeigt. Er lief einfach unrund, biss für seine Jungs aber tapfer auf die Zähne.

Die gelbgekleideten Gäste brachten ihre Kugel bis kurz hinter die Birke und so musste das Heimteam gleich die Führung abgeben.

Simon Hanssen brachte seine Jungs dann aber wieder zurück in die Spur und setzte die Kugel sehr sicher auf den Asphalt, um Jens Ufken kurz vor dem neugemachten Teilstück zu positionieren.

Das war nicht unbedingt eine Glanztat zum Start: Roland Harms' Wurf erreichte ca. 80 Meter, weil der tapfere Finger sich zum Schluss noch ein wenig gegen den Straßengraben wehrte.

Der 36-Jährige gönnte sich jetzt eine unfreiwillige Slapstick-Einlage. Mit einem qualifizierten, sicheren Wurf hätte er die Chance auf die Zurückeroberung der Führung gehabt, weil Neuharligersiel nur knapp an Hanssens Kugel vorbeiwarf, doch der Rekonvaleszent entschied sich dafür, die brandneue Kugeln nicht vom Regenwasser zu befreien, lief an und musste feststellen, dass neue Holzkugeln relativ glitschig sein können. Die Folge: Ein erbärmlicher Wurf von ungefähr 40 Metern, der an einem Straßenleitfahl im unteren Graben endete.

Das war eine extrem lächerliche Aktion und Westerende konnte sich glücklich schätzen, dass die Gäste dieses Geschenk nicht annahmen und nur ca. 100 Meter warfen.

Sven "Steam Machine" Frerichs, der an diesem Sonntag seine beste Saison- und auch die beste Tagesleistung im Team der Holzköppe zeigte, provozierte daraufhin gehörig Fortuna. Jens Ufken zeigte ihm wohlwissend um Frerichs' teilweise aberwitzigen Fingerdrall bewusst unterhalb des Strichs an, doch der 26-Jährige gab Vollgas und drückte die Kugel ganz nach oben an den Straßenkamm.

Die Glücksgöttin zeigte sich gnädig und sein toller Wurf stellte Roland Harms gut 80 Meter vor den Rechtsknick. Das Auswärtsteam hielt gut dagegen und nun musste der lädierte Aushelfsanwerfer einen gucken lassen.

Florian Weber, ein Freund und Arbeitskollege von Sven Frerichs, zeigte sich von der ostfriesischen Sportart angetan und agierte bereitwillig als Warnwesten-, Rucksack- und Kraberträger, im Volksmund auch "Packesel" genannt.

Der Dortmunder Ultra zeigte sich im Übrigen begeistert von der Bölkfähigkeit der Westerender und ließ den Plan reifen, zu einem der nächsten Wettkämpfe gerne mal ein paar der Hardcore-Fans mit nach Ostfriesland zu nehmen.

Der baldige Altenheim-Bewohner behielt die Nerven und drapiete die Kugel wunderbar auf die Straßenmitte, von wo sie im Nachgang bis ganz an den oberen Straßenrand lief und bereit das erste Drittel der Folgegeraden absolvierte. Da die Sieler ihren Wurf ein wenig zu tief ließen, konnten sich die Roten endlich über den Gewinn des schötbedingenden Vorteils freuen.

Hanssen überbrückte die Gerade dann wunderbar und stellte Ufken dann in den Rechtsknick in Richtung Kanal. Dem Brüllhannes war die fehlende Wettkampfpraxis anzumerken und so vergab er erneut die aussichtsreiche Chance, gab seinem Wurf zuviel Daumen mit, wodurch die Kugel rechts vor der Parkbucht im Dickicht verschwand.

Da das Auswärtsteam auch noch nicht in die Linkskurve warf, war dieser Wurf natürlich umso ärgerlicher.

Die Führung verblieb aber in den Reihen der Roten und mit soliden Leistungen wurde der Kanal überbrückt, ehe sich Frerichs im Nachgang bereitmachte, den schwierigen Stand an der Kanalbrücke zu bewältigen.

Der junge Soldat, der in der Vergangenheit oftmals Probleme an dieser Position hatte und zur Beruhigung seiner Nerven seit neuestem ausgedehnte Tantramassage-Sitzungen in Anspruch nimmt, zeigte sich aber erneut von seiner schokoladigsten Seite und stellte Roland Harms auf die Gerade nach der Rechtskurve.

Da saß die töffelige Bande zusammen und quatschte nur Dünnes.

Florian "Packesel" Weber, Sven Frerichs und Simon "Sööti" Hanssen (v.l.) konnten sich nicht darüber einigen, ob sie mit Hilfe der quantenmechanischen Anregung des Higgs-Feldes in der Bushaltestelle einen positiven Effekt auf den späteren Wettkampfverlauf generieren würden.

Frerichs sah die zweite Quanitsierung dabei überdies äußerst kritisch.

Es folgten zwei eher suboptimale Würfe von Roland Harms und Simon Hanssen, ehe sich der wie gewöhnlich auf der 3 gestartete Ufken rund 80 Meter vor dem Stine Uden-Kurveneingang bereitmachte. Die Aufgabenstellung war klar: Die Kugel genau auf die Mitte setzen und mit etwas glücklicher Fügung durch die komplette Doppelkurve werfen.

Der mittelalte Brüllhannes setzte die Kugel auch mustergültig, hatte dann aber ein wenig Pech als sie durch einen leichten Fingerdrall etwas zu tief in die Linkskurve kam, dadurch zu weit nach oben fiel und den Übergang in die Rechtsbiegung nicht mehr erreichte, ergo nach der Bushaltestelle oben wegdriftete. Der Wurf war gut, aber natürlich hatte sich das Team mit Blick auf das so sehnlichst herbeigewünschte 1:0 mehr erhofft.

Der Gegner stand derweil direkt vor dem Eingang in die Linkskurve und hätte die Kugel Ufkens mit einem extremen Finger- oder wohldosierten Trüllversuch locker erreichen können, doch entschied er sich für die brachiale Variante und knallte die Kugel einmal quer über die Straße, sodass am Ende knapp 3 Meter zur Westerender Kugel fehlten und die Roten sich endlich am 1:0 erfreuen konnten.

Sven Frerichs hatte im Nachgang die Möglichkeit, mit einem gesunden Trüllversuch auf 2:0 zu erhöhen, doch gab er dem Wurf ein wenig zuviel Kraft mit, sodass Altharligersiel noch um wenige Meter kontern konnte. Schade, aber das kann in der berüchtigten Rechtskurve schon mal passieren.

Wenig später gab Simon Hanssen, der im Sommer eine Weltumrundung mit dem Traktor plant, die Führung auf der Folgegerade dann aber leichtfertig aus der Hand, als er seinen Wurf nach oben donnerte und Jens Ufken nun noch rund 40 Meter bis zur Vermeidung des Ausgleichs und rund 100 Meter bis zum Rechtsknick hatte. Hanssen verlor nach einem guten Start im weiteren Wettkampfgeschehen ein wenig die Richtung und produzierte leider öfter den ein oder anderen ärgerlichen Aussteiger, stand damit aber bekanntermaßen nicht allein in seiner Mannschaft.

 

Gute Laune bei Jens Ufken und Simon Hanssen (v.l.) im Rahmen des Wettkampfes, auch wenn es nicht ganz rund lief.

Simon Hanssen hat im Übrigen aktuell Ärger mit der Umweltbehörde, weil auf seinem Grundstück stark erhöhte Methangaswerte festgestellt worden sind.

Ufken, der unter seinem Trainingsanzug gerne ein Negligee aus Seide trägt, entschied sich dann dafür, genau gerade am Strich entlangzuwerfen und brachte seinen Versuch bis 60 Meter vor den Eingang der finalen Doppelkurve – ein sattes Pfund, das die Führung fluchs zurückbrachte.

Mit dem Vorteil im Gepäck gingen die Burschen dann mehr oder weniger souverän über die Wende, ehe Simon Hanssen im Anschluss an die S-Kurven-Passage seinen goldenen Wettkampfmoment hatte:

Das Bangsteder Bübchen stand noch sehr tief in der Kurve und hatte folglich noch nicht die volle Einsicht auf die Gerade. Er lief mit der Kurve mit und jauchzte die Kugel extrem knapp an den oberen Straßenrand, wo sie sich konsolidierte, wieder leicht zur Mitte fiel und gar im Gras nach dem Linksknick und der Ausfahrt liegen blieben. Mit diesem fantastischen Wurf hatte der Ü-Ei-Fan diese Position bravourös gemeistert und er sollte schnell dafür belohnt werden:

Der Werfer von der Küste setzte seine Kugel derart unglücklich, dass sie ein Schlagloch erwischte und nach rund 70 Metern rechts aus der Bahn flog. Die restlichen Westerender hatten noch gar nichts von dem missglückten Wurf der Gäste mitbekommen, da sie sich bei Hanssens Markierung nach der Kurve aufhielten, wurden dann aber von den lauten Schötrufen der Gummigruppe auf das freudige Ereignis aufmerksam gemacht.

Doch dem 2:0 sollte sogar unmittelbar das 3:0 folgen, da der Gelbgekleidete die Idee verfolgte, die Kugel unten durch den Linksknick zu donnern, diese dann aber viel zu tief setzte und sie daraufhin im Gras verschwand und noch immer 3 Meter zur Westerender Vorlage fehlten. Aus einem knappen war demzufolge plötzlich ein komfortabler Vorsprung geworden. Klar, dass der Jubel der roten Boßelbrüder entsprechend deutlich ausfiel.

 

Der Team-Opa Roland Harms  hatte arge Knieprobleme und wird sich im schlechtesten Fall zeitnah einer Operation unterziehen müssen. Glücklicherweise naht jetzt die Winterpause, in der er sich um seine Gesundung kümmern kann.

Harms hatte sich gerade von einem Zervixkarzinom erholt und laboriert nun also wieder an einer anderen Verletzung.

Man merkt, dass der geschundene Körper des Routiniers allmählich aufgibt.

An diesem Tag war es dessen ungeachtet nichts mit der Konstanz im Team der Westerender Holzbanausen: Jens Ufken gelang es, seinen Daumenwurf nach 130 Metern oben aussteigen zu lassen, wodurch die Führung sofort wieder weg war und das Team erst einmal nicht an den Ausbau des Vorsprungs zu gedenken vermochte.

 

Mit Ach und Krach schleppten sich beide Teams durch die Doppelkurve und erst mit dem sicheren Fingerwurf des 36-Jährigen Ex-Gürtelrosenkranken auf der Folgegeraden begann das Team wieder in Richtung Führung zu schielen.

 

Sven Frerichs und Roland „Opa“ Harms vollendeten perfekt in Richtung Kanal und da die Gelben ihren Wurf noch vor dem Kanalrechtsknick ließen, konnte Simon „So ward boßelt“ Hanssen mit der vollen Führung im Rücken aufwerfen.

 

Leider donnerte dieser das Spielgerät im Nachgang leichtfertig nach rund 90 Metern oben in den Kanal. Glücklicherweise ließen das Auswärtsteam seinen Versuch aber deutlich unter dem Mittelstrich, sodass Jens Ufken lediglich 30 Meter Rückstand zum Gegner, jedoch über 200 Meter zur Kanalabschlusskurve zu überbrücken hatte.

 

Die GameStop-Führungskraft hatte vor kurzem damit begonnen, ihre Fingerwurftechnik an die der Routiniers Roland Harms und Hartmut Smid anzupassen und lief auch jetzt knapp über dem auf der rechten Fahrspur befindlichen Buckel an. Er warf gerade ab und drehte die Kugel dabei entsprechend an, wodurch sie die ersten 50 Meter gerade, dann aber bis in das oberste Straßendrittel lief und dort verweilte. Unter dem Jubel der nahenden Gummikugeln posierte der Prahlhannes grimassenschneidend auf der Straße und ärgerte sich dann doch darüber, dass am Ende lediglich ein paar Meter bis zum Durchlaufen der Rechtskurve fehlten. Dennoch hatte er ein ordentliches Pfund vorgelegt und man ahnte, dass die Belohnung auf dem Fuße folgen könnte.

 

Hier war die Führung wieder zurück in den Reihen des Heimteams. Sven Frerichs stellte Roland Harms daraufhin sicher in den S-Kurven-Anfang.

Der Werfer des Gästeteams zeigt Nerven und steuerte die Kugel ganz knapp oben raus und das erlösende 4:0 durfte bejubelt werden. Die Begegnung war also entschieden und jeder im Team der Roten war heilfroh darüber, dass das Ziel nicht mehr weit war.

 

Der tadellos agierende Sven Frerichs brachte auch seinen vorletzten Wurf ordentlich auf die Straße und es sah bis zum Linksknick alles nach einem Ausbau des Ergebnisses oder zumindest nach dessen Halten aus. Dann war es aber wieder Jens Ufken, der sich mental aufgrund der erst kurz zurücklegenden Gürtelrosenerkrankung doch stark angeschlagen präsentierte und vor dem Linksknick stehend das Handgelenk beim Abwurf nicht gerade hielt, sondern es vielmehr komplett auf die Fingerseite verriss und bei seinem extrem gewagten Abwurfversuch (wollte von oben mit Daumen durch die Kurve werfen) nur 40 unglückliche Meter erzielen konnte. Die Führung war tatsächlich futsch und die Roten ärgerten sich über diesen saudämlichen Fauxpas.

 

Sven Frerichs trabte gemächlich heran und machte es deutlich besser, indem er souverän und sorgenfrei bis in die neugeteerte und ausgebesserte Passage warf, wodurch die Hoffnungen auf einen sofortigen Rückgewinn der Führung sprunghaft anstiegen.

 

Und der Altharlingersieler verwarf seinen Versuch auch völlig, indem er die Fingerseite zu sehr bevorzugte, doch geschah auf dem Weg ins Aus etwas total absurdes: Die dort befindliche Rille schien sich förmlich zu einem Berg aufzutürmen, den die Kugel als Bande nutzte und daraufhin noch bis über die Straßenmitte stieg. Ein verunglückter Wurf wurde dadurch zu einem ganz dicken  Hund und die Führung blieb damit in den Händen der Gäste.

 

Dies blieb auch bis zum Schlussakt des Holzwettkampfes so, als Simon „Ich habe am Wochenende noch kein Bier getrunken, außer am Freitag“ Hanssen nochmal mit dem Überwerfen des Ziels den Rückgewinn in der Hand hatte. Der junge Fingerspezialist arrangierte sich dabei gut mit der Daumenseite und drückte das Schwarz ein ordentliches Stück in Richtung Anwurfpunkt. Da er aber bereits ein paar Meter zur Kugel der Gäste zu überbrücken hatte, scheiterte er am Ende an der 150-Meter-Marke, konnte jedoch immerhin auf 3,128:0 stellen und mit einem ansprechenden Gummigruppenergebnis auf die Vervollständigung des Schöts hoffen.

 

Die Holzköppe waren nach 10.2 Runden also endlich im Ziel und zeigten die wohl schlechteste Heimkampfsaisonleistung. Man war jedoch froh, dennoch reüssiert zu haben, ärgerte sich nichtsdestoweniger  darüber, diverse Chancen zur Verbesserung des Schötverhältnisses ausgelassen zu haben.

 

Auch Sven Frerichs, der Tagesbeste in Holz, war froh als der Wettkampf endlich um und das 3:0 in Sack und Tüten war.

Gegen Uplengen muss eine deutliche Steigerung der Holzchaoten her, wenn man die schöne Gruppenbilanz weiterhin ausbauen möchte.

Es ging also gesammelt zu den Gummigruppen. Die Westerender Gummigurken hatten sich in den letzten Wettkämpfen immer als Frühstarter dargestellt, waren dann aber wieder aus unerklärlichen Gründen eingebrochen, dennoch in den letzten 3 Begegnungen ohne Niederlage geblieben.

 

Die Truppe ging mit Ragnar Hoffmann, Philipp Harms, Dirk Tunder und Steffen Lengert in die Begegnung. Detlef Tunder agierte als Back-Up und sollte im Laufe der Begegnung auch für den Westerender Mannschaftsführer in die Begegnung kommen.

 

Der Start in die Partie stellte sich im Vergleich zur Begegnung der Holzmannschaften als noch katastrophaler dar. Detlef Tunder gab zu Protokoll, dass von den ersten 8 Würfen der Lokalmatadoren ganze 7 oben aus der Bahn gejagt wurden – eine unfassbar blamable Vorstellung, die jedoch nicht mit dem frühen Rückstand bestraft wurde, da Altharlingersiel die eigenen Würfe fröhlich mitversiebte.

 

Die jämmerliche Vorstellung beider Teams wurde nach dem Kanal dann aber besser, wobei Westerende fortwährend der Gästeführung hinterherlief und aufpassen musste, nicht das 0:1 zu kassieren.

 

Manfred Bents und Detlef Tunder sprangen in die Bresche, um die Wettkampffähigkeit der Männer I am Leben zu erhalten.

Die jüngste Männermannschaft des Vereins zeigte sich selbstredend äußerst dankbar.

Auf Höhe der berüchtigten ersten S-Kurve war es dann aber soweit, als Altharlingersiel die Doppelbiegung extrem scharf durchwarf und Philipp „Jungspund“ Harms, der ansonsten neben Dirk „Mr. Tunderstruck“ Tunder die beste Wurfleistung zeigte, die Vorlage des Gegners leider nicht erreichen konnte.

 

In Sachen Wurfleistung fanden Ragnar Hoffmann und Steffen Lengert dagegen überhaupt nicht in den Wettkampf. Aber während sich der Erstgenannte nach ein paar Würfen wieder gefangen hatte, schien Lengert in die Serien-Eier-Produktion eingestiegen zu sein. Nach dem 5. misslungenen Wurf in Serie war es dann aber soweit und sowohl der Brustmuskel auf Beinen als auch der Rest des Teams entschieden sich dazu, Dirk Tunders Vater zu bringen.

 

Holzwerfer Ufken hat dem Soulcalibur-VI-Fan Dirk Tunder auf der Wende noch aufmunternd prophezeit, dass sie sich in diesem Wettkampf von den Frühstarten in Comebacker verwandeln würden und mit Detlef Tunder kam tatsächlich mehr Sicherheit ins Wurfverhalten der Lokalmatadoren.

 

Jedoch gab es auf Höhe der Wende noch eine Schlüsselsituation, in der sich Philipp Harms von seiner Schokoladenseite präsentieren musste und auch präsentierte.

 

Beim Stande von 1:0 hatten die Gäste die Kugel tapfer über die Wende gedonnert und dabei nach einem günstigen Baumtreffer sogar noch weitere 50 Meter mitgenommen. Die Kugel der Westerender lag jedoch noch kurz nach dem Ausgang der S-Kurve als es nun zum Kugeltauch ging.

 

Der 15-jährige Daumenstand-Fan hatte nun also die schwierige Herausforderung, die Kugel knappe 200 Meter in Richtung Kurve zu jagen, um das womöglich gruppenwettkampfentscheidende 0:2 zu verhindern – eine extrem nervenaufreibende Situation, der sich der Moordorfer aber gekonnt stellte und „Sunglasses“ Tunder, der vor kurzem 17,90 € im Lotto gewann und die Mannschaft daraufhin groß zu McDonald’s in Aurich ausführte, gar in die Kurve stellte und es somit beim knappen Rückstand blieb.

 

Vermutlich die spielentscheidene Stelle im Gummiwettkampf. Philipp Harms verhinderte durch einen wahren Gewaltwurf das 0:2 für seine Farben.

Danach ging es bergauf.

Dieser perfekte Wurf von Harms junior leitete den Umbruch in der Auseinandersetzung ein. Nachdem sich das Team die Führung in der S-Kurven-Passage geholt hatte, zauberte der personifizierte Seitenscheitel namens Ragnar Hoffmann an derselben Stelle wie kurz zuvor Holztöffel Hanssen einen feinen Wurf auf den Asphalt, der noch ca. 80 Meter auf die Gerade nach dem Linksknick lief. Ein sagenhafter Wurf und um bei der Duplizität der Ereignisse zu bleiben: Nachdem die Gelben es mit dem ersten Wurf bereits nicht zur Kugel der Westerender geschafft hatten, scheiterten sie auch mit dem Folgeversuch und plötzlich hatte sich ein 0:1 in ein 2:1 verwandelt und Hoffmann konnte sich als zweiter Westerender Doppelschötwerfer des Tages feiern lassen.

 

Die Roten hatten nun folgerichtig Oberwasser und stabilisierten sich deutlich in ihren Wurfleistungen. Jedoch taten ihnen die Altharlingersieler nicht den Gefallen, komplett einzubrechen.

 

Beide Teams legten deutlich zu und lieferten sich in der Folgezeit spannende Führungswechsel, jedoch ohne einen zählbaren Impact auf das Gesamtergebnis.

 

Dirk Tunder hatte mit dem letzten Wettkampfwurf dann noch einmal die Chance, auf 2:0 zu stellen. Beide Kugeln lagen dicht beieinander und so konnte er noch einmal allen Mut zusammennehmen und das Rot schön in den Asphalt brennen. Der ansonsten sehr fingerlastig agierende Tunder drapierte die Kugel fantastisch an den Straßenrand, von wo sie im ersten Moment nicht mehr weichen wollte.

 

Die WAGs Venja Lowack und Imke Pupkes (v.l.) schauten sich den Wettkampf der Gummigruppen an und werden sich vor allem auf der Hintour für die Wurfqualität ihrer Jungs geschämt haben.

Zurück wurde es dann glücklichweise deutlich besser.

Im Hintergrund sortierte Philipp Harms seine Mähne.

Der Jubel beider Heimteam-Divisionen ergoss sich donnernd über den Asphalt und jeder im Team versuchte, die Kugel via Lärm über die berüchtigte 150-Meter-Marke zu bugsieren. Und siehe da: Die rotgekleideten Burschen hatten genug gebrüllt und gelärmt. Tunders Wurf hatte die Kugel der Gäste um 161 Meter hinter sich gelassen und mit diesem 2,011:0 tatsächlich den bisherigen Saisonrekordsieg der Gummiminimalisten erzielt. Der 5,139:0-Erfolg der Westerender fiel am Ende dann doch ein wenig höher aus als es die Wurfleistungen beiden Gruppen gerechtfertigt hätten, dennoch beschwerte sich natürlich am Ende niemand darüber, auch die sehr fairen Altharlingersieler gaben klar zu Protokoll, dass der Erfolg klar verdient gewesen wäre, jedoch evtl. um ein bis zwei Schöts zu hoch ausgefallen war.

 

Somit war klar, dass Westerende das Jahr 2018 ohne Heimniederlage abschließen würde und in der Tabelle aktuell noch den einzigen ernsthaften Verfolger des künftigen Meisters aus Uplengen darstellt. So können die Roten sich über ein Schötverhältnis von 39:13 bei 13:3 Punkten, während der Gegner des kommenden Wochenendes nach dem klaren 10:0 in Marx mit starken 52:11 Schöts und 14:2 von der Spitze grüßt. Hinter den Kirchloogern rangieren die routinierten Hagerwilder auf Rang 3, haben aber bereits mit 35:10 Schöts und 10:6 Punkten einen etwas größeren Rückstand.

 

Philipp Harms und Dirk Tunder (v.l.) zeigten mit der roten Kugel die beste Leistung.

Im Hintergrund diskutierte Sven Frerichs mit dem Gastpackesel Florian Weber (v.l.).

Alles andere als eine Auswärtsniederlage in Uplengen dürfte Kenner der diesjährigen -Saison sicherlich als absolute Sensation auffassen.

 

Die Westerender Holzgruppe thront weiter mit 33:0 Schöts und 15:1 Punkten an der Spitze, gefolgt von der Gummigruppe Uplengens (34:4/12:4). Die Gummibrüder Lütje Holts mogeln sich nach einem verkorksten Start von Spieltag zu Spieltag heimlich nach oben und stehen jetzt mit 6:13 Schöts und 9:7 Punkten auf Rang 9 und können erstmals seit dem 1. Spieltag wieder ein positives Punktekonto vorweisen.

 

Lütje Holts Aufsteigermannschaft kann mit der Hinserie bis jetzt schon absolut zufrieden sein und am Sonntag das Sahnehäubchen produzieren. Dieses Unterfangen werden im Übrigen wieder nur 8 Männer angehen, da sich das Team weiterhin mit diversen Verletzungen herumplagt.

 

In Gummi wollen sich Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Steffen Lengert und Philipp Harms nicht abschlachten lassen, bei den Holzwerfern fehlen zusätzlich Sven Frerichs und Roland Harms, sodass Hartmut „Hatta“ Smid sich mit Nachnamensvetter Christian, Simon Hanssen und Jens Ufken in die Schlacht stürzen wird.

 

 

-ju- (Informationen aus der Gummigruppe: Ragnar Hoffmann)

 


Qualen an der Küste

Auswärtskampf gegen Neuharlingersiel, 2.12.2018

Smids Anwurfrakete durchlief die komplette erste Kurve - ein absoluter Knaller (siehe rote Pfeile). Sven Frerichs wartete tapfer auf die Ankunft der Gastgeberkugel bei Smids Marke.

3.12.2018

 

Es weihnachtete sehr beim BV Lütje Holt. Nicht nur an diesem 1. Advent, als man sich auf den Weg nach Neuharlingersiel machte, nein, auch bereits eine Woche zuvor. Wie bereits 2017 hatte sich die Chaotentruppe in  Forlitz-Blaukirchen versammelt, um die dortigen Ureinwohner mit dumpfem Gegröhle aus ihren Baumhäusern zu locken.

Es wurde eine epische Weihnachtsfeier, die um 12:30 Uhr mit einem ausgedehnten Bollerwagen-Boßling startete, bei der sich so mancher Werfer in den Reihen der Roten vor den Augen der tapfer aufwerfenden Gastgeber des BV "Full in'd Schloot" F'litz von vorgüstern e.V. bis auf die Knochen blamierte und die vier Gruppen am Ende noch froh über das Söben-Söben sein konnten.

Gegen 16 Uhr musste das "Rumgewerfe" abgebrochen werden, was man auf die nahende Dunkelheit schob, jedoch eher im boßlerischen Unvermögen der Akteure begründet lag. Man hatte schlichtweg Angst um geparkte Autos und ungünstig abgestellte Häuser.

Die Showeinlagen von Roland Harms und Jens Ufken waren dabei besonders bemerkenswert. Die beiden Holzwerfer jagten die Gummikugeln ca. 80 Meter durch die Luft, ehe sie überhaupt die Straße sahen und Ufkens Kugel gar mit Hilfe der Bollerwagenwand noch einige wertvolle Meter zurücklegen konnte.

Danach ging es weiter nach "Auerk", wo man auf die Frauen I traf und der Abend/Morgen dann irgendwann um 4:30 Uhr im Tiffany's endete; zum Glück ohne bleibende Schäden für die Beteiligten. Man darf gespannt sein, wie man diese Aktion noch einmal steigern möchte.

Der 36-Jährige drohte aber bereits damit, im Frühsommer eine Poolparty veranstalten zu wollen. Diese Ankündigung wurde von den Beteiligten mit einem breiten und sehr durstigen Grinsen aufgenommen.

Kai Austens 2. Mannschaft hatte spielfrei und da die Erste durch diverse Ausfälle arg geschröpft war, kam er als Back-Up mit. Zu einem Einsatz kam er jedoch nicht, wusste aber das Team brüllend ganz wunderbar zu unterstützen.

"Sport gibt mir das Gefühl, nackt besser auszusehen. Tequila übrigens auch." Mit diesen markigen Worten begrüßte Kapitän Steffen Lengert seine Rumpftruppe in viel zu engen Lederleggins auf dem Heimwettkampfparkplatz an der Holzlooger Straße um 8:10 Uhr. Man kalkulierte eine Fahrt von einer knappen Stunde und wollte sich zudem angemessen warmwerfen, sodass die Sonne erst im Laufe der anschließenden Fahrt aufging und noch etwas Morgentau an den Pausbacken der überwiegend sehr jungen Teammitglieder bestaunt werden konnte.

Lengert musste dabei auf Simon Hanssen (besuchte eine Landwirtschaftsmesse in Oyten), Hendrik Bents (fiebriger Infekt), Ingo Aulig (Bänderriss) und Jens Ufken (Gürtelrose und allgemeiner Wahnsinn) verzichten. Kurzerhand griff man deswegen in Holz auf die Männer-II-Allzweckswaffe Hartmut Smid zurück, da man seinen Stil des Geradeauswerfens auf der anspruchsvollen Strecke der Sieler durchaus würde gebrauchen können.

Auch wenn das Team als Tabellenzweiter beim Tabellenletzten antrat, sah man sich nicht in der Favoritenlage, da Sven Frerichs und Jens Ufken bereits im August bei der Streckenspionage prophezeit hatten, dass die Wettkämpfe an der Küste zu den schwierigsten in der gesamten Saison verkommen könnten. Und, soviel darf schon verraten werden, die zwei Prachtburschen sollten recht behalten.

Im Team unterstützen sich alle gegenseitig. Hier stärkt Sven Frerichs Christian Smid den Rücken.

Tatsächlich klagte "Smidderichs" im gesamten Wettkampf über Rückenbeschwerden und konnte nicht sein komplettes Leistungspotential abschöpfen.

 

Holz ging also in der ungewöhnlichen Formation Christian und Hartmut Smid, Roland Harms und Sven Frerichs auf die Straße. Die bisher einzige ungeschlagene Gruppe der gesamten Liga war trotz der Personalmisere und angesichts des anspruchsvollen Geläufs, auf dem die eigene Wurfkraft nicht so stark zum Tragen kommen sollte, frohen Mutes und legte los wie die Feuerwehr.

Nachdem der Heimanwerfer seine Kugel nach ca. 100 Metern oben hatte aussteigen lassen, drapierte der Meistertischler die Kugel mustergülitg mit viel Speed an den Mittelstrich und überbrückte die gesamte Kurve damit.

Da auch der zweite Wurf der Gastgeber zu kurz blieb, wurde der Neu-Hildesheimer für seinen tollen Einstand mit dem 1:0 belohnt.

Ein echter Auftakt nach Maß und die restlichen drei kamen ebenfalls mit sehr ordentlichen Würfen aus den Startlöchern.

Diese blieben jedoch folgenlos, da Neuharlingersiel sich schnell berappelte und fortan zeigte, dass sie auf der Trasse schon das ein oder andere Mal unterwegs gewesen sind.

Christian Smid, der vor kurzem den Kölner Dom im Maßstab 1:1 aus Tannenzapfen nachbaute und diese nur mit Löwenzahnharz verklebte, vergeigte dann seinen zweiten Wettkampfwurf aber vollständig, als er diesen einmal unten in den Graben semmelte und die Führung damit aus den Händen gab. Da Neuharlingersiel aber Nerven zeigte, konnten sie keinen Vorteil aus dem Vorteil ziehen und nachdem der Anwerfer Wurf Nummer 3 brillant auf die Straße setzte und Nachnamensvetter Hartmut diesen adäquat ergänzte, war die Führung wieder zurück bei den Roten.

"Lass Oppa mal machen!" Roland Harms zeigte - wie auch Hartmut Smid - eine tolle Leistung im hohen Norden.

Doch an diesem Tag fehlte jedwede Konstanz im Wurfgebahren der Roten: Warfen drei Werfer in Folge gut, versaute es der Vierte wieder. Auf der gesamten Hinrunde schaffte es das Team nicht, den Sack im entscheidenden Moment zuzumachen und auf 2:0 zu stellen. Zudem konterte Neuharlingersiel immer adäquat bzw. unterlief den Gästen kurz vor dem Ausbau des Vorsprungs wieder ein leichtfertiger Fehler und das Spielchen begann wieder von vorne.

Dabei lässt sich aber sagen, dass die beiden Teamältesten die besten werferischen Leistungen erbrachten und es zum Großteil an ihnen lag, dass Lütje Holt am Ende nicht verlor. Sven Frerichs erwischte einen durchwachsenen Tag mit mehr Licht als Schatten, warf mal grandios, dann traf er wiederum die Straße nicht ganz korrekt und gab die Führung ab.

Der ansonsten in der Saison bisher so stark auftrumpfende Christian Smid erwischte dagegen einen miesen Tagen mit noch mieseren Ständen. Oft stand er in den lang gezogenen Kurven und seine Wurfkraft erwies sich vielfach als zu hoch, um diese zu durchwerfen. Lediglich drei Würfe traf er perfekt - für seine Ansprüche sicherlich viel zu wenig.

So verwunderte es nicht, dass der Tross sich mit diesem knappen 1:0 über die Wende bewegte und die Führung nahezu in jeder Runde die Seiten wechselte. Es war ein von den Westerendern über weite Strecken sehr trostlos vorgetragener Wettkampf, der wenige wirklich überragende Würfe bereithielt und wenig mit Boßelspaß gemeinsam hatte.

Man merkte den Akteuren an, dass es einfach endlich zu Ende gehen sollte.

Erbrachte wieder eine tolle Leistung: Hartmut Smid.

Die Rück- ergab dann das Spiegelbild der Hintour. Hier gab es einige Situationen, in denen die Westerender nur wenige Meter vom 2:0 entfernt waren, den wichtigen Folgewurf, bei dem sie mit einer ganz dicken Führung im Rücken hätten gewaltigen Druck aufbauen können, dann aber immer wieder in den Sand setzten.

Sven Frerichs, Christian Smid und wenig später Roland Harms in den einzelnen Runden nach der Wende die Führung aus den Händen und konnten sich bei der Nervenstärke ihrer Mannschaftskameraden bedanken, dass es nicht auf der anderen Seite klingelte, sondern diese aus den Missetaten wieder Wunderwerke bastelten und den Vorteil zurückeroberten und ausbauten.

Kurz vor Schluss war es dann aber endlich soweit: Lütje Holt hatte lange gebettelt und so wie es im Fußball bestraft wird, wenn man das Tor des Gegners nicht trifft, passiert es auch beim Boßeln, dass man kurz vor Toreschluss dann doch noch den Ausgleich schlucken muss.

Sven "Dampfmaschine" Frerichs, der die spielfreien Wochenenden nutzte, um sein Seepferdchen-Abzeichen im dritten Anlauf zu bestehen, hatte seine Jungs mit einem tollen Wurf in die Elektro-Riese-Kurve gebracht und dann war es Christian Smid, der sich für einen halbherzigen Wurf  entschied und die Kugel unten wegfallen ließ.

Die Führung war jetzt nicht nur weg, sondern Hartmut Smid musste Gas geben, um des Gegners Kugel überhaupt zu erreichen.

Die Landschaft war am Sonntag das alleinige Highlight. "He wat mui!"

Doch Smid zwirbelte die Kugel mustergültig durch die Kurve und Opa Harms stellte Sven Frerichs dann in Sichtweite zur Schlusskurve. Neuharlingersiel legte gut vor und nun musste der Soldat kontern, um nicht den Ausgleich zu schlucken. Doch sein Wurf geriet auf die andere Straßenseite und blieb tatsächlich ein kleines Stück zu kurz, sodass die tapfer kämpfenden Sieler tatsächlich noch den Ausgleich erzielen konnten.

Jetzt führte das Heimteam sogar mit ein paar Metern und dieser Umstand setzte Urkräfte in Christian Smid frei. Der Saisonplan der Holzköppe sah vor, möglichst wenig Verlustpunkte zu kassieren und die Gefahr einer Niederlage war plötzlich allgegenwärtig.

In der Kurve, die er mit seinem ersten Wurf bereits grandios bezwungen hatte, legte er nochmal alles in seinen Finger und kurbelte die Kugel mit Highspeed bis kurz vor die Brücke.

Ein sehenswerter Wurf und die Gastgeber zeigten nun Nerven, als sie ihren Versuch oben ausstiegen ließen und die Führung somit wieder westerendisch war. Auch der Folgewurf ging nur bis knapp hinter die Brücke, sodass Roland Harms, der in der kommenden Woche in ein Emder Altenheim ziehen wird, um dort seine letzten Tage zu genießen, nun noch die Möglichkeit hatte, mit einem guten Wurf zumindest noch einige Meter herauszuholen. Leider glitt ihm die Kugel aber zu weit nach rechts ab und der Traum vom Erreichen der nachfolgenden Rechtskurve war Geschichte. Es blieben final lediglich 56 Meter auf der Habenseite der Holzgruppe bestehen, ein Ergebnis, das dem gesamten Spielverlauf schon ingesamt gesehen entsprach, da das eine Team, nämlich die Gäste, zu fahrlässig mit den eigenen Chancen umging und die andere Mannschaft bis zum Ende an sich glaubte und hart fightete.

Fluchs ging es zu den Gummigruppen, die sich bereits eingangs der langen Schusskurve befanden.

Ragnar Hoffmann (werfend) und Dirk Tunder harderten auch in Neuharlingersiel wieder mit der eigenen werferischen Konstanz. Scheinbar sichere Führungen wurden nicht gewinnenbringend eingetütet, sondern vielfach durch leichtfertige Fehler aus der Hand gegeben.

Die Gummigurken kamen ebenso wie die Holzgruppe sehr gut aus den Startlöchern: Ragnar Hoffmann hatte die Führung geholt und Dirk Tunder, Philipp Harms sowie Steffen Lengert diese bis zur nachfolgenden Kurve sukzessive ausgebaut.

Die zweite Kurve hielt dann auch den frühen Lohn parat, als der Wurf der Gastgeber die Westerender Markierung nicht erreichte und das 1:0 lauthals bejubelt werden durfte. Ragnar Hoffmann hatte zuvor ordentlich hingelangt und für seine Farben die Schötpremiere erzielt.

Diesem 1:0 ließ Dirk "Mr. Tunderstruck" Tunder, der sogar im Dunkeln eine Sonnenbrille auf der Nase trägt und sich seit kurzem ein siamesisches Kampffischmännchenpaar hält, das zwar an der Schwanzflosse zusammengewachsen ist und sich dennoch permanent mit den Schnauzen übel bekriegt, einen Sahnewurf folgen, der extrem langsam anstieg und somit eine ansprechende Meterzahl erzielte.

Neuharlingersiel war also neuerlich geforder und wusste nicht zu kontern. Im Gegenteil: Die Kugel wurde einmal quer über die Straßegejagt und die Frühstarter der letzten Wochen konnten nach 1.2 Runden auf 2:0 stellen.

Zu diesem Zeitpunkt roch es nach einem Schlachfest für die Westerender, doch Neuharlingersiel hatte eindeutig etwas dagegen einzuwenden.

Mannschaftsführer Steffen Lengert erwischte auf der Position 4 ebenfalls einen durchwachsenen Tag. Wie seine Gummikollegen, wird er sich in der Winterpause durch intensive Trainingsessions aber die notwendige Sicherheit und vor allem werferische Konstanz für die Rückrunde holen. Opa Roland Harms beobachtete ihn in dieser Szene genau bei seinem Wurf, der unglücklicherweise zum 1:2 führte.

Die Partie pendelte sich auf einem hohen Niveau ein, auf beiden Seiten wurden gute Leistungen gezeigt und so war es lediglich die Führung, die immer wieder zwischen den Parteien wechselte, ohne große Auswirkungen auf den Gesamtstand.

Doch dann kam es zu einem folgenschweren Auftritt Steffen Lengerts auf der Geraden, die die Wende beeinhaltet.

Lengert warf auf der Daumenseite und hatte gut 130 Meter zur Kugel der Lokalmatadoren zu überwinden. Auf der anspruchsvollen Strecke mit dem relativ schmalen Wurfkorridor in der Straßenmitte sicherlich kein Kinderspiel, aber durchaus machbar.

Er lief vor den Augen der Holz- und Gummigruppen an und gab der Kugel dabei zuviel Finger mit, sodass sie sich nach rund 80 Metern in den Straßengraben verabschiedete.

Da die Sieler zuvor die Führung innehatten, war der tolle Start in den Wettkampf schon fast wieder pulversiert worden, da es nun nur noch 2:1 aus Sicht der Gäste hieß.

Erinnerungen an die Einbrüche aus den letzten Begegnungen kamen wieder in den Köpfen der Westerender auf, doch im Gegensatz zur Vergangenheit folgte nicht der direkte Ausgleich, sondern Rot konnte die Begegnung auf diesem Zwischenstand konsolidieren.

Dirk Tunder - in dieser Szene mal ohne Sonnenbrille - zeigte bis auf wenige Ausnahmen eine sehr gute Leistung. Demzufolge brachte er seinem Team auch mit zwei "Riesen" das 2:0 und 3:1.

Das Feld kehrte um und kurz vor dem Ferienhof Rieken besorgte Ragnar Hoffmann die Führung für seine Mannen. Dies sollte entscheidend werden, da Mr. Sunglasses, der sich unter der Woche einen neuen Biene-Maja-Schlafanzug kaufte und sich im Kreise seiner Mannschaftskameraden diebisch darüber freute, quasi schon fast damit angab, nun ca. 50 Meter vor der nahenden S-Kurve stand und die Gewalt aus seinem rechten Ärmel ließ. Am Strich ballerte er die Kugel entlang und sie durchlief dadurch die gesamte Biegung. Das war für das Heimteam zuviel des Guten und so konnte der alte Abstand für Rot tatsächlich wiederhergestellt werden.

Zwei Schöts vor nach gut 2/3 des Wettkampfes - das Ding sollten die Vier doch nun locker nach Hause schaukeln können.

Doch weit gefehlt: Exakt an der Position, wo das 1:0 gefallen war, fiel dann nach extrem schlimmen Wurfstafetten der Westerender das 2:3 und so marschierte der Tross in Richtung finale Linkskurve, wo sich das Moordorfer Jungspündchen der Aufgabe stellen musste, in der Kurve stehend, ca. 100 Meter zur Kugel des Gegners zu überwinden, um das 3:3 abzuwenden und so zumindest die Gesamtsiegeschance über die Meterzahl am Leben zu erhalten.

Philipp "Phil" Harms (hier  zu sehen mit Ragnar Hoffmanns "Porno-Sucher"), der in der letzten Saison noch in Neu-Ekels warf und vor jedem Wettkampf von seinem Vater Roland  gewickelt werden muss, ist allmählich drin im "Männer-Business". Auch in Neuharlingersiel zeigte er eine anständige Leistung, verlor aber im entscheidenden Moment kurz vor Schluss die Nerven.

Vor den Augen der herbeigeeilten Holzgruppen lief Harms in der Kurve an und semmelte die Kugel völlig überflüssig in den unteren Graben. Er hatte versucht, die Kurve extrem knapp zu schneiden, dabei aber die Steilheit derselben unterschätzt und wurde dafür eiskalt bestraft. Jugendlicher Leichtsinn möchte man meinen, denn dies kann der 1,91-Meter-Filius sicherlich besser. Die Wutfluchereien des Schülers waren nach seinem Fehlversuch vermutlich sogar noch auf den Ostfriesischen Inseln zu hören.

Nun stand es also plötzlich nur noch Remis und die Westerender mussten sogar aufpassen, am Ende nicht noch als Verlierer vom Deich zu schleichen.

Steffen Lengert hatten also die Aufgabe, die Kugel unfallfrei in Richtung Ziel zu bugsieren.

Der Kapitän, der sich beim Aufwärmen unglücklich beim Stoppen von Kugeln an seinen Außenbändern verletzte, ging mit seiner berüchtigt breiten Bärenbrust bestialisch bellend voran und schleuderte das Spielgerät einmal lang über die Straße, sodass die Schötchance der Hausherren erst einmal gebannt war.

Besonders als die Neuharlingersieler ihren Wurf dann in der Brücke verkeilten, hatte Ragnar Hoffmann dann sogar noch die Möglichkeit, die Führung zurückzuerobern, doch gab er seinem Wurf keinen Finger mit und er verschwand 25 Meter nach dem Ziel rechts unten im Graben.

Mit einem Volltreffer hätten die Gastgeber nun noch die Rechtskurve erreichen und somit auch die Chance auf einen Vorsprung von mehr als 150 Metern gehabt, womit es noch einmal sehr eng für Rot geworden wäre. Doch der Wurf der Sieler lief nur bis kurz vor die Kurve und so konnten sie sich letztlich lediglich 90 Meter sichern, was in der Endabrechnung ein 0:0,34 aus Sicht der Gäste zur Folge hatte.

Ein Endergebnis, das nach dem gesamten Spielverlauf sicherlich nicht ganz zufriedenstellend für die Roten ist, jedoch in Anbetracht der anderen Ergebnisse und angesichts der Leistung des Heimteams keinen Beinbruch darstellt.

 

Die unmittelbare Enttäuschung nach Hoffmanns letztem Wurf war bei Harms junior und Dirk Tunder (v.l.) auch äußerlich sichtbar. Die beiden performten mustergültig beim "Köpfe hängen lassen". Die Rechtskurve war nah und doch so fern.

Da die Boßelfreunde aus Marx, die sich bis dato als stärkster Konkurrent um den zweiten Rang erwiesen hatten, in Altharlingersiel beim 0:5 Federn ließen, konnte dieses Remis bei aller Enttäuschung dennoch als Erfolg für die Roten gewertet werden.

Nicht nur, dass Lütje Holt  als einziges Team der Liga neben dem designierten Meister aus Uplengen kein negatives Auswärtspunktekonto aufweist, ist als Erfolg zu verzeichnen, sondern eben auch die Tatsache, dass das Team nun bereits acht Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz (Hage) hat.

Die Holzgruppe fing sich an diesem Spieltag der Holzgruppenneutralisationen (vier von fünf Auseinandersetzungen endeten Unentschieden) den ersten Minuspunkt der Saison ein, steht aber mit 29:0 Schöts und 13:1 Punkten unangefochten auf Platz 1 der Gruppentabelle. Westerendes Gummidivision hat sich allmählich gefangen und blieb die letzten drei Auseinandersetzungen ohne Niederlage. Der Lohn ist Platz 10 in der Gruppentabelle mit 4:13 Schöts und 7:7 Punkten.

Am Sonntag kommt nun also das "andere Siel" nach Westerende. Das Team, mit dem man sich im Rahmen der Aufstiegskämpfe maß und Willmsfeld als Dritter verließ. Dieser dritte Platz wurde durch den Rückzug der Leezdorfer nochmal ganz wertvoll, da man dadurch in die Ostfrieslandliga nachrutschte und sich mit einem bisherigen 5. Platz achtbar aus der Affäre zieht.

Insbesondere deren Holztruppe zeigt sich als harte Nuss und belegt aktuell den dritten Platz mit 16:4 Schöts und 11:3 Punkten.

Roland Harms, Simon Hanssen, Jens Ufken und Sven Frerichs werden sich folglich am Wochenende strecken müssen, damit die Serie ohne Niederlage ausgebaut werden kann.

Die Gummigurken, die am Sonntag auf die Rückkehr von Hendrik Bents hoffen können und ansonsten in derselben Formation antreten werden, bekommen es indes mit dem Tabellenachten zu tun. Auf dem Papier erscheint diese Aufgabe also als "machbar", insbesondere auf der Holzlooger Straße.

Anbei die Gruppentabelle und die Tabelle zur besseren Übersicht nach dem 7. Spieltag. Lütje Holt darf als Aufsteiger sicherlich extrem zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf sein.

 

-ju- (Informationen zu Gummi: Ragnar Hoffmann)


Der Heimnimbus lebt

Heimkampf gegen Fulkum, 11.11.2018

Da standen die Westerender Töffel Hendrik Bents, Christian Smid und Sven Frerichs (v.l.) wieder fein am Anwurfpunkt und guckten dumm aus der Wäsche. In dieser Disziplin wird ihnen so schnell kein Gegner etwas vormachen - soviel ist sicher.

12.11.2018

 

"Ein Mann und ein Esel wissen mehr als ein Mann." Dieses Zitat lässt sich wunderbar auf die Schwarmintelligenz der "Westerendjer" übertragen: Sind sie allein doch kaum zum Überleben fähig, verwandeln sie sich als komplett autarker "Boßelstaat" in ein wahnsinnig intelligentes (wobei der Wahnsinn deutlich überwiegt) und vor allem heimstarkes Gebilde.

Gut, dem ein oder anderen muss zwischendurch zugeflüstert werden, dass er das Atmen nicht vergessen darf, aber dafür ist so ein Boßelstaat schließlich auch da: Der eine Töffel stärkt die Flanke des anderen Dussels.

Am gestrigen Sonntag, der erstmals richtig trübes Herbstwetter für die Vierhundertsiebzigstelgötter in Rot bereithielt, hatte sich der Vorjahresmeister aus Fulkum angekündigt. Die Boßelburschen aus dem Esenser Vorort hatten sich einiges vorgenommen, waren sie doch mehr schlecht als recht in die noch relativ junge Saison gestartet.

Lütje Holt stellte sich ergo auf einen harten Fight ein, insbesondere die Abteilung "Gummi" wollte auf dem wichtigen Auswärtserfolg in Hage aufbauen.

Hatte schon vor dem Wettkampf eine gewaltige Fahne: Obertöffel Steffen Lengert.

Lengert, der als Einäugiger unter den Blinden im Team gilt, muss seinen Jungs im Wettkampf immer mit der stoffigen Signalfackel den richtigen Weg weisen, da es bereits vorgekommen ist, dass einige zu früh umgedreht sind. Bei den ganzen Kurven auf der Heimstrecke kann das aber auch schon mal vorkommen.

So hat jeder seine Rolle im Team.

Holz ging mit einer absolut rudimentären Besetzung ins Rennen und konnte von Glück reden, dass sich auf dem recht glitschigen Geläuf keiner der Werfer eine Verletzung zuzog. Fulkum, dessen Werfer vor dem Wettkampf immer grüppchenweise im Abstand von 15 Minuten am Treffpunkt ankamen, hatte jedoch weniger Glück: Bereits beim Anwurf legte sich deren wurfstärkster Mann gewaltig aufs Brett und zog sich dabei vermutlich eine Verletzung im Oberschenkelbereich zu. Eugen Pernak, der wieder einmal als fotografierendes Maskottchen auf seinem Elektroroller durch die Manege cruiste, zeigte sich ganz altruistisch und lieh dem Mann daraufhin eine Bandage.

Der Fulkumer bedankte sich, umhüllte seine ramponierten Gliedmaßen und humpelte sich tapfer durch den Wettkampf (An dieser Stellung wünscht die gesamte Männer I dem namenlosen Fulkumer Werfer eine rasche Gesundung!)

Die Holzlooger Straße hatte sich also bereits ihr zweites Opfer im Bereich der Männer I geholt. Ingo Aulig, der sich langsam wieder ins Boßelleben zurückkämpft und noch mit einem Einsatz vor dem Weihnachtsfest rechnet, kann sicherlich ein Lied davon singen.

Christian Smid, Simon Hanssen, Jens Ufken und Sven Frerichs - also die Besetzung der letztjährigen Meistersaison - hatten also mehr Glück und gingen mit einem 10:0-Punkte-Start entsprechend selbstbewusst in den Wettkampf. Opa Roland Harms langweilte sich derweil auf dem heimischen Sofa, da ihn eine starke Erkältung dahingerafft hatte.

Ein ausführliches Warm-Up ist fester Bestandteil in dieser Saison. Zu Heimkämpfen treffen sich die Jungs bereits um 12.30 Uhr, Zuspätkommer werden neuerdings mit 2 Euro je 5 Minuten sanktioniert. Ragnar Hoffmann und Christian Smid wurden die ersten Opfer der von Steffen Lengert initiierten Mannschaftskassenfütterungsaktion.

Simon Hanssen, Ragnar Hoffmann, der sichtlich zufriedene Kassenwart Jens Ufken, Karl Dall (verdeckt), Philipp Harms und Christian Smid (v.l.) waren heiß wie ranziges Frittenfett.

"Smiddi Smidderichs", der mittlerweile in die Hall of Fame der besten Westerender Anwerfer aufgenommen wurde, da er gefühlt seit der C-Jugend kein Ding mehr versaut hat (ist aber - und das muss fairerweise auch dazu gesagt werden - auch erst drei Jahre her), jagte den Dampfhammer wieder einmal souverän bis in die rechtsliegende Einfahrt und profitierte fluchs von der Verletzung seines Gegners, da der seinen Versuch aufgrund der Verletzung unglücklich in den Graben drehte.

Die Führung betrug bereits 80 Meter und Simon Hanssen legte gekonnt nach. Da die Gäste jedoch gekonnt konterten, blieb es beim Remis.

Jens Ufken stand dann in der Baustelle und haute die Kugel beim Abwurf unglücklich gegen sein rechtes Bein, sodass sie aufgrund des Fingerdralls noch knappe 80 Meter auf der Straße zubrachte, dann aber im Gras verschwand und die Führung des Heimteams auf 15 Meter minimierte. Eine unglückliche Aktion des 1,93-Meter-Mannes, der seine Abwurfweise mit dem Finger aktuell umstellt und sich dabei stark an Hartmut Smid ein Vorbild nimmt. So wirft Smid jedoch definitiv nicht ab.

"Dampfmaschine" Frerichs musste nun liefern, da Fulkum die Kugel in den Rechtsknick geschoben hatte, doch misslang sein Wurf ebenfalls, indem er ihm viel zu viel Finger mitgab und die Kugel wunderbar oben aus der Bahn flog. Der Vorteil war weg und der Ufken bei allen Körpermaßen um einen Zentimeter überragende Smid stand nun herrlich beschissen vor dem Knick.

Der Traum von der perfekten Anfangsrunde war indes auch geplatzt. Vielleicht klappt es im nächsten Heimkampf gegen Altharlingersiel endlich mal, wenn die Werfer 3 und 4 ein wenig konzentrierter zu Werke gehen.

Das Bangsteder Bübchen kam gut in den Wettkampf, vergeigte dann Wurf Nummer 3 nach dem Kanal total. Insgesamt konnte er aber mit seinem Auftritt zufrieden sein, auch wenn er des Öfteren mit seinen Ständen haderte.

Die Führung war also weg und die Roten mussten nun aufpassen, nicht früh in Rückstand zu geraten. Smiddi ließ seinen technisch schwierigen Wurf aufgrund seiner Wurfkraft oben lang aussteigen und Simon Hanssen stellte "Brüllhannes" Ufken dann kurz vor den Rechtsknick.

Da Fulkum um nur zehn Meter an Hansens Wurf vorbeigekommen war, hatte er nun die Chance, den Vorteil für seine Farben mit einem Treffer zurückzuholen.

Leicht über dem Strich anlaufend, legte er seinen Daumen zurecht und die Kugel lief tatsächlich extrem knapp am linken Straßenrand der Geraden entlang, um dann aufgrund des Rechtsdralls aber noch ein gutes Stück in die Kurve einzulaufen und eben nicht im Gras zu verschwinden. Dies war ein Wurf auf des Messers Schneider, jedoch absolut notwendig, um den Druck vor diesem schwierigen Teilstück auf das Auswärtsteam zu erhöhen. Der Fauxpas vom Premierenwurf war damit ausgemerzt.

Und es kam, was kommen musste: Der Daumen des Fulkumers kam nicht zum Greifen und deren Kugel landete noch gut zwanzig Meter vor der Kurve, womit der Vorteil wieder zurück auf Seiten der Westerender war. Zudem benötigte Fulkum jetzt noch einen Korrekturwurf für das Erreichen der Kanalgeraden, den sie ordentlich absolvierten, und der "Endjer" Schlusswerfer konnte nun mit einer dicken Führung im Rücken den Daumen zücken.

Christian Smid und Jens Ufken beraten sich vor dem wichtigen Wurf. Es scheinen die richtigen Worte gefallen zu sein, denn der 36-Jährige brezelte das Schwarz souverän an den Kanal.  Genau dorthin, wo sich Sven Frerichs dann für seinen Folgewurf bereitmachte.

Smid und Ufken sind über den Boßelsport enge Freunde geworden und senden sich im Laufe der Woche etliche Voicemails zu, die oftmals kompletten Dünnschiss enthalten. So berichtete der Jüngere dem Älteren unlängst von einem Albtraum, bei dem er drei schlechte Würfe in Serie absolviert hatte und sich daraufhin auswechseln lassen wollte. Mit Erschrecken stellte er dann aber fest, dass er vollkommen alleine auf der Strecke war (er hätte es bereits beim zweiten Wurf merken müssen, weil er diesen direkt nach dem ersten machte) und das diese obendrein auch nur aus Kurven bestand.

Dies war ein extrem schlimmes Erlebnis für Smid, das von Ufken jedoch nicht eine Sekunde erstgenommen und mit lautem Gelächter honoriert wurde.

Sven Frerichs gab dem Computerspielefan indes die Richtung vor.

Der 26-Jährige Zeitsoldat legte dann aus seinem noch nicht ganz optimalen Standpunkt einen wohldosierten Zauberwurf auf die Kanalgerade, der diese zu 2/3 überbrückte. Dieses Ding war dick, genauso dick wie die Backen der Gäste, die ihre Kugel auch gut platzierten, jedoch ein wenig zu kurz ließen und die Holzbuben sich über das 1:0 freuen konnten.

Der Kanal  dann durch den Anwerfer souverän beendet, doch blieb es beim 1:0, auch, weil die Westerender in der Folge eine kleine Eierei begannen: Simon Hanssen donnerte die Kugel nach der langen Gewässertrasse nur bis kurz hinter die Bushaltestelle und Sven Frerichs' Wurf blieb auf der Folgegeraden ebenfalls viel zu kurz, nachdem ihn Jens Ufken dort vernünftig platziert hatte.

Christian Smid konnten seinen Wurf aus dem letzten Heimkampf dadurch nicht wiederholen, da er ca. 50 Meter zu weit von der Stine-Uden-Kurven entfernt stand. So reihte sich ein unglücklicher Stand an den nächsten, dennoch bauten die Lokalmatadoren den Druck Zug um Zug auf, um die nach dem Rechtsknick verlorengegangene Führung wieder zurückzuerhalten.

Der amtierende Meister erwies sich indes als zäher Widersacher und drückte das eigene Spielgerät immer wieder gekonnt an dem der Gastgeber vorbei. Nach der S-Kurve war es dann aber Frerichs, der die Kugel mit Verstand auf die Gerade setzte und diese bis hinter die 3er-Baumreihe drückte. Fulkum stand auch noch nicht schön auf der Geraden und knallte die Kugel oben raus, sodass der Vorteil wieder die Seiten wechselte.

Sven Frerichs vor und nach dem 1:0. Ein wirklich sehenswerter Wurf. Neuerdings sammelt Frerichs übrigens Pfandflaschen und hat sich dabei auf  die 8-Cent-Bierflaschen spezialisiert. "Ich mag den Geruch und man kann sie aufgrund der geringeren Größe leichter transportieren", teilte er den verdattert dreinschauenden Teamkollegen mit als er diverse von ihnen aus Mitleid offerierte PET-Flaschen ablehnte.

Mit einer sehenswerten und fehlerfreien Wurfstafette ging es dann bis kurz vor die Wende. Interessanterweise hatte Jens Ufken bis auf seinen Premierenwurf bis dato nur in oder kurz vor Kurven gestanden und konnte seiner Gewalt somit keinen freien Lauf lassen.

Er hatte Sven Frerichs trüllend auf die Schlussgerade gestellt und dieser legte die Holzkugel dann ca. 10 Meter vor der Wende ab, sodass auch Fulkum noch einmal ran musste. Sie übertrafen seinen Wurf ebenfalls nur um zwei Meter und nun hatte Christian Smid, der im gesamten Wettkampf nur auf Geraden zum Einsatz kam und dies auch sehr gut zu nutzen wusste, die Chance mit der vollen Führung im Rücken auf 2:0 zu stellen.

Die Kreuzung war anvisiert, doch ließ sein Wurf den üblichen Naturfingerdrall vermissen, sodass sich die Kugel zwar ca. 150 Meter hinzog, jedoch nicht gewinnenbringend anstieg. Am Ende traf er zudem noch einen Baum und die Kugel machte vor Freude einen etwa 3 Meter hohen Satz.

Der Werfer des Gastteams hatte sich bereits auf die Reise gemacht und stellte sich nun der Aufgabe. Sein Wurf drückte sich aber am Mittelstrich ab und blieb bereits nach 120 Metern am Straßenrand liegen, sodass der Westerender Nummer 1 mit seinem nicht ganz optimal verlaufenden Wurf das 2:0 erzielen konnte. Ein 2:0 zur Wende war sicherlich nicht der Wunschzwischenstand der Gastgeber, denn im Boßeln ist man damit dem Unentschieden doch nach wie vor sehr nahe.

Optimistisch stimmte die Jungs aber die Tatsache, dass man in dieser Saison bisher in jeder Heimpartie auf der Rücktour stärker agiert hatte und etwaige Vorsprünge gut ausbauen konnte. Dies nahm sich das Team auch am gestrigen Tag wieder vor.

Christian "Wechselschlüpfer" Smid hatte einen guten Tag und brachte 8 von 10 Würfen ins Ziel. Hier freut er sich unheimlich bräsig grinsend nach einem gelungenen Wurf. Sven Frerichs und Simon Hanssen (v.l.) hatten zuvor im Doppelpack angezeigt.

Aber Fulkum hielt weiterhin gut dagegen und konterte immer wieder gekonnt, wenn das 3:0 bereits in der Luft lag.

So zog der Tross ohne nennenswerte Ereignisse in Richtung Christine Uden.

Dort zeigte Christian "Wundertischler" Smid den ersten seiner beiden schlechteren Würfe, indem er ihn wunderbar in der Rechtsbiegung verschwinden ließ; doch war gerade dieser Wurf der Auftakt zu einer wunderbaren Runde:

Die Führung war futsch und Simon Hanssen lief genau im Knick stehend an. Jens Ufken wusste um Hanssens explosiven Finger und zeigte ihm bewusst unter dem Strich an. Doch Hanssen gallerte die Kugel mit Schmackes an den oberen Straßenrand, wo sie ein Weilchen verblieb und Jens Ufken ca. 100 Meter vor den Linksknick stellte.

Die Führung war sofort wieder zurück und Fulkum setzte den nächsten Wurf ansehnlich vor den Linksknick.

Ufken war sich der Schötchance aufgrund der misslichen Wurfposition der Gäste bewusst, lief am Strich an und drapierte die Kugel mit einem leichten Finger an den Strich. Kurz vor der Biegung fiel sie nach rechts ab, fing sich und lief bis kurz vor die Bushaltestelle.

Der Alte hatte  geliefert und man durfte gespannt sein, wie die Antwort der Gäste aussehen würde.

Und die konnte sich durchaus sehen lassen: Mit hohem Risiko rockte der Werfer die Kugel unten durch die Biegung, sodass sie sogar ein kurzes Stück Grün zu sehen bekam. Daraufhin fing sie sich wieder und lief bis 30 Meter vor die Rechtskurve - was für ein starker Konter der Gäste.

Eben kurz boßeln und dann zu Mutti nach Wiesmoor auf den 62. Geburtstag. Margret Meyer (neu verheiratet) freute sich über einen Beauty-Adventskalender und Krimskoje-Sekt. Betrunken erträgt sie den Sohnemann nach wie vor am besten.

Ragnar Hoffmann richtete sich derweil seinen Schlüpper, während Philipp Harms seine Kugel polierte.

Sven brachte seinen Wurf dann ultraknapp durch die Rechtskurve, doch auch diesen Angriff wehrten die Gäste unter Zuhilfenahme der Kanalbrüstung um wenige Meter ab.

Dann war es aber Christian Smid, der die Kugel - wie Frerichs auf der Hintour - wunderbar über 2/3 des Kanals schleuderte. Der Wille Fulkums war gebrochen und es fiel das 3:0 für die Hausherren.

Die Vorentscheidung war da und Westerende wollte nun wieder auf das Standardergebnis "5:0" stellen.

Simon Hanssen hatte eine tolle Möglichkeit auf der Hand, da die Fulkumer ihren Versuch in den Kanal donnerten und er somit nur schön in die Kanalkurve einwerfen musste. Er tat dies und das 4:0 lag in der Luft, da die Kugel aufgrund des Winkels nicht leicht zu erreichen war. Doch der gut aufgelegte Fulkumer im Schalke-Trikot löste die Aufgabe adäquat und so lagen die Kugeln von Jens Ufken und dem gegnerischen Werfer nur einen Meter voneinander entfernt.

Ufken hatten nun einen Elfmeter auf der Hand, traf  jedoch nur kläglich den Pfosten. Mittig mit der Kurve anlaufend glitschte ihm die schmierige Kugel beim Abwurf aus der Hand und landete nach 80 Metern links im Graben. Im Eifer des Gefechts hatte der Berufslaute keinen Lappen mitgebracht und wurde nun dafür eiskalt bestraft. Sehr ärgerlich,  dennoch war die Führung noch immer auf der Seite Westerendes.

Simon Hanssen war gut drauf und ist seit Wochen wieder richtig heiß aufs Boßeln. In dieser Verfassung gefällt er dem Team am besten.

Das Auswärtsteam hatte die Kugel geradeaus in die Ringstraße gejagt und somit hatte Sven Frerichs erneut die Chance, den Führungsausbau zu forcieren.

Er tat dies mit einem sehenswerten Fingerwurf durch den Linksknick und da Fulkum die eigene Wurfmisere fortsetzte, kam deren Kugel nur aufgrund weniger Meter an Frerichs' Vorlage vorbei.

Der gut aufgelegte Christian Smid hatte also nun die Chance auf das 4:0. Obwohl er auf der für ihn ungeliebten Daumenseite warf, traf er den Wurf ganz ausgezeichnet und brachte die Kugel von der Bushaltestelle bis kurz vor den finalen Linksknick.

Fulkum knickte jetzt durch einen zu tief gelassenen Wurf ein und das Ergebnis konnte tatsächlich hochgeschraubt werden.

Da auch der nächste Wurf der Gäste oben nach der Biegung die Straße verließ, konnte Hanssen nun gleich einen nachlegen. Ultraknapp drapierte er das Spielgerät am unteren Straßenrand entlang, woraufhin es die Rille erwischte und die Reise noch etwas mehr als 120 Meter andauerte.

Es klingelte leider nicht schon wieder für die Lütje Holt, was lediglich daran lag, dass Fulkum ein Hindernis im Straßenrand traf und die Kugel daraufhin wieder auf die Straße zurückkehrte und um 2 Meter an Hanssens Markierung vorbeitanzte.

Dem Tischlergott Smid kann man beim Werfen schon mal unverblühmt auf den knackigen Hintern starren - gar kein Problem!

Ufken, der in diesem Wettkampf nur ganze dreimal auf Geraden werfen durfte und sich seine einzigen Fehlversuche ausgerechnet dann geleistet hatte, wollte dann aber auf seinem Lieblingsstück doch noch einmal am Schötreigen partizipieren.

Mit Blick auf das kommende Baustellenstück, drapierte er die Kugel sicher mit dem Daumen auf die Straße, gab ihr aber ein wenig Finger mit, damit diese nur knapp über die Mitte stieg und so sichere 150 Meter absolvierte.

Sein Kontrahent unterschätzte die Flachheit der Straße dagegen und donnerte das Rund daraufhin oben raus. Das 5:0, das Standardergebnis der letzten Wochenenden, war also wieder für die Holzbuben hergestellt - dank eines tollen Endspurts.

Der nächste Wurf der Fulkumer blieb dann auch ein wenig zu tief, sodass das Ziel durch sie nach wie vor nicht erreicht war und Sven Frerichs den Wettkampf jetzt mit einem sicheren Wurf beenden konnte und auch sollte.

Doch leider fiel ihm die Kugel beim Abwurf zu früh aus der Hand, drehte sich extrem nach oben und landete ebenfalls im Aus.

Die Führung blieb zwar in den Reihen der Westerender, betrug jetzt aber lediglich drei Meter.

Mit diesem Wurf hatte der Schlusswerfer seinen Jungs einen wirklichen Bärendienst erwiesen, denn bei einer normalen Platzierung wäre der Wettkampf bereits beendet gewesen und zudem eine ansprechende Meterzahl dazugekommen.

"Süchst du Töffel dat nich? Doar moot he henn!"

Simon Hanssen (r.) erklärte dem handschuhetragenden Weichei die allgemeine Wurfrichtung an der Holzlooger Straße.

Der 36-Jährige Ufken hatte so etwas Schönes und Tiefsinniges noch nie zuvor gehört und war vollkommen perplex und berührt zugleich.

Wichtig zudem: Auf diesem Teilstück darf nur mit maximal 50 km/h geworfen werden.

Es kam, was kommen musste: Der Fulkumer Schalke-Fan traf seinen Wurf voll. Er drehte die Kugel wunderbar an den oberen Straßenrand und die Holzprofis wussten bereits jetzt, dass die Führung gleich dahin sein würde. Nicht, weil man es Christian Smid grundsätzlich nicht zutrauen würde, aber der Fingerspezialist warf nun auf seiner schwächeren Seite und hätte schon einen Volltreffer landen müssen, um diesen Umstand abzuwenden.

Smid setzte die Kugel mittig, der Finger zündete und nach knapp 110 Metern war der Weg der Kugel dann auch bereits beendet.

Am Ende fehlten 65 Meter bis zur Markierung der Gäste und somit manifestierte sich das Ergebnis von 4,085 für die weiter ungeschlagenen Westerender Holzbuben.

Der gesamte Wettkampf lief nicht ganz so zufriedenstellend ab wie sonst und so konnte das Team nach den 10.1 Runden von einem reinen Arbeitssieg sprechen, der ihnen aber wenig Spaß bereitet hatte.

Aber, das muss an dieser Stelle festgehalten werden, hat es die Truppe in diesem Jahr zumindest auch drauf, diese Partien für sich zu entscheiden. Dies ist sicherlich ein Umstand, der für die nächsten Begegnungen hoffnungsfroh stimmt.

Die Freude war dennoch riesig als man von der Niederlage der Uplenger Gummigruppe hörte und dies den alleinigen ersten Platz für die Kunststoffkungel-Division bedeutete. Mit diesem Tabellenstand kann Holz sehr beruhigt in die zweiwöchige Pause gehen.

Die Westerender Holz kann berechtigterweise von einem perfekten Saisonstart sprechen - auch wenn man gerne mit 5:0 gwonnen hätte, um den Schnitt zu halten.

Die Gummigurken agierten in der bisherigen Saison sehr unbeständig. Führungen von zwei bis drei Schöts konnten schon des Öfteren nicht ins Ziel gebracht werden und in der Begegnung gegen Fulkum sollte deswegen endlich damit Schluss sein.

Gelingen sollte dies in einer bisher nie dagewesenen Formation mit Ragnar Hoffmann als Anwerfer, Hendrik Bents dahinter und Steffen Lengert sowie Philipp Harms auf den Positionen 3 und 4. Detlef Tunder hatte sich freundlicherweise dazu bereiterklärt, als Ersatzmann mitzulaufen, da Dirk Tunder im Vorfeld abgesagt hatte und auch Ingo Aulig weiterhin fehlte. Tunder senior sollte jedoch nicht zum Einsatz kommen, feuerte aber nach Kräften an.

Ragnar Hoffmann, der Vollblutbeamte im Team der Gummibubenbande, setzte seinen Anwurf wie gewohnt knapp hinter die Birke. Die Gäste kopierten den Wurf, jedoch fehlte ihnen am Ende doch ein paar Meter, sodass Lütje Holt mit einem guten Gefühl in den Wettkampf gehen konnte.

Die Führung wurde dann noch ausgebaut als Hendrik "Harakiri" Bents die Kugel nach oben drosch und dann wider Erwarten mit dem Finger (Achtung: Linkshänder) stark gegensteuerte, sodass diese am Kamm verblieb und etliche Meter zurücklegte.

Die Hoffnung auf einen frühen Schöt war gegeben, doch konterten die Gäste stark.

Hendrik Bents und Ragnar Hoffmann (v.l.) zeigten sich gut gelaunt. Bents zeigte einen guten Wettkampf, bei dem er aber wieder zwischen Genie und Wahnsinn hin- und hersprang. Auf drei gigantische Würfe zum Start folgte ein desaströses Ei. Er wird die Winterpause sicherlich nutzen, um noch ein wenig an seiner Wurftechnik und Sicherheit zu feilen.

"Vize-Hoffmann" erwischte keinen so guten Tag und offenbarte ungewohnte Konzentrationsprobleme.

 

Die Gummigruppe tat es dann den Holzkollegen nach und produzierte auf den Positionen 3 und 4 ebenfalls zwei schwächere Würfe, sodass sich Ragnar Hoffmann bei seinem zweiten Wurf ebenfalls noch vor dem Rechtsknick befand.

Die Gäste hatten dann aber "fulkum" Gas gegeben, die Kugel durch den Knick gedonnert und daraufhin noch weit auf die Gerade gesetzt, sodass der Origami-Fan, der als einziger Boßler der Ostfrieslandliga über Autogrammkarten aus seinem favorisierten Material Esspapier verfügt, einen ordentlichen Knaller auf den Asphalt drapieren musste, um mithalten zu können.

Der Riepster drückte die Kugel gekonnt durch den Knick, doch stieg sie nicht mehr sehr stark an, sodass final ein paar Meter fehlten und die Führung verlorenging.

Hendrik Bents jabadaute auch seinen zweiten Wurf oben an die Grasnaht und stellte Steffen Lengert knapp 20 Meter vor den Kanalrechtsknick, also ziemlich genau auf die Position, wo auch die Nummer 3 der Holzgruppe, the artist formerly known as Jens Ufken, einige Minuten zuvor gestanden hatte.

Lengert knallte die Kugel von dort gegen die Kanalbegrenzung, wodurch sie wertvolle Meter auf dem Fahrradweg und somit auf der Kanalgeraden zurücklegte. Fulkum legte stark nach, jedoch blieb die Kugel davor zurück, wodurch Westerende wieder den Vorteil in den eigenen Reihen begrüßen konnte.

Steffen "Ha wat'n Dussel" Lengert knallt die Kugel gerne mal ohne viel Fahrt über die Holzlooger Straße. Man sieht ihm auf den Bildern regelrecht an, wie er sich förmlich zurücknimmt. Fast schon trüllend schickte er die Kugel im Nachgang auf den Weg.

Die Analogie zur Holztruppe blieb bestehen, denn auch die Gummiwerfer Nummer 4 und 1 absolvierten den Kanal souverän zu zweit.

Doch dann endete die Duplizität der Ereignisse, da es Hendrik Bents nach dem Kanal deutlich besser machte als sein Holzkollege Hanssen zuvor.

Die unberechenbare Nummer 2 der Lütje Holter setzte die Kugel scheinbar viel zu tief, doch plötzlich stieg der rote Flummi bis zur Mitte an, konsolidierte sich, fiel mit der Biegung und lief noch etliche Meter weiter. Am Ende war sogar die Ringstraße erreicht, ein Wurf, der dort sicherlich nicht tagtäglich vorkommt.

Und so fiel auch folgerichtig das 1:0 für Lütje Holt, da Fulkum die Kugel zwar auch über die gesamte Gerade jagte, jedoch nicht die Biegung erwischte und einfach geradeaus lief.

"El Capitano" setzte die Kugel dann mustergültig bis kurz vor den Neuen Weg, da er zugunsten der Präzision etwas Wurfkraft aus dem Arm nahm und das Rund somit optimal mit dem Straßenverlauf mitfallen konnte.

Der 15-jährige Harms vollendete die Kurve dann gekonnt via Trülling und so konnte Ragnar Hoffmann mit der Führung im Rücken frei aufwerfen.

Ragnar Hoffmann setzt sich in seiner raren Freizeit für  den Artenschutz ein. So baute er dem seltenen Riepster Dusselpinguin ein Winterquartier in seinem Garten und füttert die dort nun wohnhaften 20 1/2 Exemplare (einem Vogel fehlt ein Bein und das rechte Auge) der extrem seltenen Rasse täglich mit Marzipan und Griebenschmalz. Einige Pinguine haben deswegen bereits ihre Schwimmfähigkeit aufgrund des hohen Eigengewichts eingebüßt.

Dies interessiert Hoffmann aber nicht, da sie nun nicht mehr so schnell vor seinen Kindern fliehen können, die die possierlichen Tierchen nach Herzenslust streicheln wollen.

Doch der 30-Jährige ließ die Kugel zu tief und es sah bereits alles nach einem Rohrkrepierer aus. Doch Fortuna im Erscheinungsbild der Graskante meinte es gut und bugsierte die Kugel noch wertvolle Meter nach vorne. Dies sollte sich als ausgesprochen wertvoll erweisen, da die Fulkumer ebenfalls einen Wurstwurf produzierten, jedoch weniger Glück hatten und es somit 2:0 für die Hausherren stand. Das sah doch nach einem sicheren Wettkampfverlauf aus, nichtsdestotrotz zeigte die Gummidivision kurze Zeit später in Person von Hendrik Bents dann wieder ihr Mr. Hyde-Gesicht.

Der bislang so brillant agierende Blondschopf, der sich vor kurzem eine Bartagame namens Diethelm zugelegt hat und seitdem oft mit ihr Gassi gehend gesehen wird, klotzte die Kugel auf die Straße, wo sie kurz aufkam und just auf das benachbarte Weideland sprang - ein unfassbares Ei der Güteklasse A. Wäre es nicht so ärgerlich gewesen, hätte ihm das Team vermutlich an dieser Stelle für diese Zirkuseinlage Applaus gespendet.

Unglücklicherweise hatte Fulkum kurz zuvor ein riesiges Ding vorgelegt und wartete bereits kurz vor dem S-Kurve auf die Antwort der Hausherren. Die Führung war schon einmal ergattert worden.

Da der Westerender Mannschaftsführer jedoch noch ungefähr 40 Meter vor dem Rechtsknick stand, wusste er um die Schwere der Aufgabe und musste nun liefern.

Detlef Tunder war wieder zur Stelle als er gebraucht wurde. Dieses Mal kam er zwar nicht zum Einsatz, war aber dennoch voll dabei.

Lengert warf die Kugel daraufhin enorm scharf durch die Kurve, wodurch sie eine ordentliche Portion Grünstreifen mitnahm, auf die Straße zurückkehrte  und im Anschluss nahezu die komplette Gerade mitnahm. Er hatte die Aufgabe sehr gut gemeistert, nichtsdestoweniger fehlten am Ende doch noch zwei Meter und folglich stand es nur noch 2:1 für den Tabellenzweiten.

Die S-Kurve wurde dann wieder zum Waterloo der Westerender, nachdem man bereits in den letzten Wettkämpfen dort immer wieder durch zum Teil haarsträubende Fehlleistungen Federn gelassen hatte.

Dieses Mal hielt der Riepster Pinguinfan ein ganz besonderes Ei für seine Boßel-Compadres parat: Fulkum hatte auf der Zwischengerade nicht besonders geglänzt und deren Kugel war durchaus erreichbar, doch entschied sich Ragnar Hoffmann dazu, die Kugel von links einmal quer nach rechts rüber zu werfen. Er blieb damit sogar noch vor der Fulkumer Kugel zurück und schon hatten die Gummigurken ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht und sich selbst das 2:2 eingeschenkt.

In Anbetracht der jüngsten boßlerischen Leistungen der Gummitruppe wurde bereits spöttisch im Team darüber diskutiert, die Wende einfach weiter nach vorne zu ziehen und auf der Rücktour noch eine weitere Doppelwende einzubauen. Irgendwie muss man die Jungs doch vor dieser Passage retten können, argumentierte man flachsend.

Der Westerender Neuling Philipp Harms muss an vielen Positionen noch eingewiesen werden. An dieser Stelle übernahm das der Mannschaftsführer höchstpersönlich.

Der Gymnasiast wird indes von Wettkampf zu Wettkampf immer besser und avancierte am Sonntag zum Tagesbesten der Gummiwerfer.

Allmählich zeigt der junge Knilch, wozu er tatsächlich in der Lage ist, nachdem er bei seinem ersten Wettkampf in Marx noch kartoffelsuppenmäßig mit der Kugel agierte.

Nachdem die Wende auch recht rumpelig erreicht und durch Fulkum überworfen wurde, musste Philipp Harms die Umkehr einleiten.

Er traf seinen Wurf toll, sodass Ragnar Hoffmann sich wieder in der "Hasskurve" bereitmachen konnte.

Erneut setzte er seinen Wurf nicht optimal, sodass weitere 3 (In Worten: Drei) Werfer nötig waren, um Harms junior auf die anschließende Gerade zu stellen. Glücklicherweise hatte Fulkum ebenfalls viel liegen lassen und Westerende nach dem Wurf Steffen Lengerts sogar noch die Führung zurückerhalten.

Das Megaballerüberfantastoallzeitboßeltalent in den Reihen der Westerender, das schon im Alter von 3 Jahren Papas Bowlingkugeln durch den heimischen Flur drosch, so einige seltene Ming-Vasen pulverisierte und entsprechend früh seine Wurfkraft aufbauen konnte, fasste sich ein Herz und kloppte den roten Flummi noch 80 Meter weit auf die anschließende Gerade.

Dies war einen Tick zu weit für die Gäste und so konnte das junge Bürschlein, das im Alter von 15 Jahren bereits bei einer Körpergröße von 2,74 Metern rangiert (grobe Schätzung anhand des gesichteten Bildmaterials), zusammen mit den Teamkollegen das 3:2 bejubeln. Übrigens auch zusammen mit den Holzköppen, da sich Harms' Wurf an deren Wurfgerät vorbeigeschoben hatte.

Die Gefahr einer erneuten Heimniederlage war also erst einmal verdrängt worden. Jetzt stand die Frage im Raum, ob man diesen Vorsprung  bis ins Ziel würde retten oder sogar ausbauen können.

Mister Zuverlässig wirkte in dieser Szene unzufrieden und nachdenklich. Angesichts seiner Leistung hatte der stellvertretende Obertöffel auch definitiv allen Anlass dazu.

Ragnar Hoffmann hatte nun die Möglichkeit, die S-Kurve mit einem qualifizierten Wurf zu erreichen und somit eine gewaltige Schötchance zu kreieren. Doch leider machte er sich auch wieder des Unterlassens strafbar, indem er den Wurf zu tief ließ und die Kugel vor der Kurve liegen blieb. Die gescheitelte Persönlichkeit wirkte zu diesem Zeitpunkt sehr verunsichert ob der eigenen Leistung und fragte vor dem Wurf in die Runde, wie er denn laufen und die Kugel setzen müsse. Angesichts des vermeintlich recht einfachen Stands und seiner Wurfroutine, hätte er diese Fragen sicherlich nicht unter normalen Umständen über die Lippen gebracht.

Doch blieb dieser schwächere Wurf ohne Folgen, da auch Fulkum die Kurve nicht erreichte und die gut aufgelegte Nummer 2 im Team seinen Kapitän durch eine ordentliche Trüllleistung auf die Gerade stellte.

Dessen Folgewurf misslang dann aber vollends: Er setzte sein linkes Bein falsch auf, die Kugel verließ den Arm daraufhin viel zu weit oben und schoss in den Vorgarten von Hendrik Bents' Elternhaus. Eine totale Gurke, die als Konsequenz auch die Abgabe der Führung zur Folge hatte und zu allem Überfluss noch den Acker vom Bents-Anwesen umflügte.

Der "kleine" Harms wurde mit zunehmender Wettkampfdauer aber immer stärker und donnerte den roten Ball oben an den Straßenkamm, in dessen Folge Fulkum klein beigeben musste und die Führung sofort wieder herausrückte.

Ragnar Hoffmann und Hendrik "Stirnband" Bents ließen sich die gute Laune auch angesichts des extrem knappen Spielstandes nicht verderben. Indes zeigte "Warnwesten"-Tunder Steffen Lengert die Wunschrichtung für dessen Wurf an.

Der Kanal wurde glücklicherweise ohne weitere Zwischenfälle erreicht, doch dann sollte der Westerender Spielführer wieder einmal zeigen, was er noch an überraschenden Wurfvarianten im Ärmel hat. Lengert hatte nach seinem letzten Klopper scheinbar völlig den Faden verloren und fetzte die Kugel mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit in Richtung Gewässer. Dies hatte zum einen zur Folge, dass sich auf der Kanalgeraden nach ca. 100 Metern ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum bildete, durch den man jetzt binnen einer Minute auf den Mars gelangt, um auf dem Olympus Mons spazieren zu gehen, aber zum anderen jetzt erneut die Führung passé war und der "Sööti" im Team wieder einen auspacken musste.

Und Philipp Harms tat, wie ihm befohlen wurde: Mit seiner sehr hohen Wurfkraft schickte er das rote Runde auf die Reise und warf das restliche Kanalstück komplett alleine ab. Erneut ging der Vorteil zurück an die Heimwerfer.

Bis zum Ende des Wettkampfs duplizierten sich dann die Ereignisse: Die Werfer 1-3 erlaubten sich den ein oder anderen Bock, wohingegen Westerendes Nummer 4 wie von der Tarantel gestochen Gas gab und immer wieder Rettungsmanöver einbaute.

Steffen Lengert war sich nach dem Wettkampf absolut sicher, dass allein Philipp Harms im letzten Wettkampfdrittel ein Remis oder gar eine Niederlage verhindert hat und man heilfroh darüber sein konnte, kurz vor dem Ziel noch mit einem Schöt und ein paar Metern zu führen.

Junger Mann ganz groß und gut: Philipp Harms (l.) avancierte zum Westerender Matchwinner. Auch Detlef Tunder attestierte dem Jüngling eine tolle Leistung.

Schön, dass sich der fröhliche Moordorfer Boßelbursche aus seinem moralischen Tief herausgekämpft hat und sich nun mit vollem Engagement in der Gummigruppe einbringt.

Ragnar Hoffmann setzte dann mit einem sehenswerten Aussteiger noch einen schönen Schlusspunkt auf seine missratene Tagesleistung und Hendrik "Seit-es-Strafen-gibt-bin-ich-pünktlich" Bents hatte dann die undankbare Aufgabe, noch ca. 170 Meter zu werfen, um das Ziel zu überwerfen und die Abgabe der Führung zu vermeiden.

Er warf genau 180 Meter und somit stand der Sieg für die Gummigruppe tatsächlich fest.

Das 1,057:0 in 10.2 Runden bedeutete für die Westerender Gummitruppe nicht nur den zweiten Sieg in Folge, sondern auch den dritten 1:0-Erfolg in dieser Saison. Damit hat sich das Team den Titel der "Liga-Minimalisten" absolut verdient, denn keine andere Gruppe der Liga schaffte es, mit 4 Schöts (1 Schöt entstand durch die entsprechende Addition der Wurfmeter) 6 Punkte zu erbeuten.

Demgemäß kletterte die Truppe immerhin schon auf Platz 10 der Gruppentabelle, wartet aber bei einem ausgeglichenen Punkteverhältnis mit 4:13 Schöts auf. Dies ist sicherlich ein Umstand, der in den Wochen nach der kurzen Pause dringend verändert werden soll.

Das Gesamtteam verteidigte nach diesem tollen 5,142:0-Erfolg den zweiten Tabellenplatz und ist nun sogar punktgleich mit dem Tabellenführer aus Uplengen/Hollen, der in Müggenkrug beim 0:3 die erste Saisonniederlage einstecken musste.

Nach einem Drittel der Saison sieht es sicherlich schön aus, auf Platz 2 der Liga zu stehen, doch hat in Westerende keiner übersehen, dass dieses Ergebnis mit 4 Heim-  und lediglich 2 Auswärtspartien erzielt wurde, während der Tabellenführer schon viermal auswärts aktiv war.

Die Sieger Hendrik Bents, Detlef Tunder, Philipp Harms, Ragnar Hoffmann, Jens Ufken, Steffen Lengert, Christian Smid, Simon Hanssen und Sven Frerichs (v.l.) posierten glückselig für den Fotografen Eugen Pernak und freuten sich über einen Vorsprung von bereits 8 Punkten in Bezug auf die Abstiegszone.

Nach der sicherlich grandiosen Weihnachtsfeier am 24.11., im Rahmen derer wieder auf der anspruchsvollen Forlitzer Strecke geboßelt werden wird und man dann im Nachgang in Aurich weiterfeiern möchte, folgt dann bis zur Winterpause ein anspruchsvolles Restprogramm mit den Auswärtspartien in Neuharlingersiel und Uplengen sowie der Auseinandersetzung mit Altharlingersiel auf dem heimischen Geläuf.

Neuharlingersiel ist zwar als Tabellenletzter denkbar schlecht in die Saison gestartet, verfügt aber über eine anspruchsvolle Heimstrecke, auf die sich bei Lütje Holt absolut gar keiner freut. Ein Sieg wurde dennoch als Maxime vorgegeben, jedoch wird von beiden Gruppen dafür eine konzentrierte Wurfleistung benötigt. Die relativ knappe 0:3-Niederlage der "Sieler" in Marx dürfte bereits zum Nachdenken verleitet haben.

Altharlingersiel verfügt dagegen über eine extrem starke Holzgruppe und wird sicherlich alles daran setzen, um die Westerender Jungs vom Thron zu stoßen. Immerhin gelangen der Gruppe Siege gegen die starken Müggenkruger oder auch Tabellenführer Uplengen. Dennoch möchte Lütje Holt unbedingt am Plan festhalten, alle Heimpartien in der Saison zu gewinnen.

Der absolute Showdown steigt dann jedoch am 16.12. beim designierten Meister in Uplengen. Interessanterweise hat Uplengen eine extrem gutplatzierte Gummigruppe, wohingegen Westerende dies über seine Holzgruppe sagen kann.

Die Remelser werden sich auf der eigenen Strecke sicherlich behaupten wollen und können, Lütje Holt wird sich aber garantiert nicht kampflos ergeben.

Gelingen aus den drei Partien 4:2 Punkte, wäre die Klasse damit gesichert und das Team könnte befreit in die Rückrunde starten.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Steffen Lengert)


Souverän ins Ziel

Auswärtskampf gegen Hage, 4.11.2018

Christian "Smiddi" Smid fieberte aus dem Zoo via Handy mit seinen Holztöffeln mit. Der lange Schlacks verzichtete auf den Einsatz in Hage, um am 11.11. gegen Fulkum  wieder alles für seine Boßelburschen geben zu können. Die relativ langen Anfahrten aus Hildesheim werden einfach dosiert eingesetzt. Kamerad Jan-Wilhelm Janssen war ebenfalls mit von der Partie und übte hier den Vierfüßlerstand.

4.11.2018

 

Der zweite Auswärtskampf der noch jungen Saison stand für den Aufsteiger an und die von Natur aus recht töffeligen Jungs trafen sich bereits um 8.15 Uhr beim Abfahrtpunkt, um sich gebührend in Hage einwerfen zu können. Lengerts Ansage, dass ein Zuspätkommen per sofort mit einer monetären Sanktion gewürdigt werden würde, trug Früchte. Besonders interessant war, dass sogar der notorisch unpünktliche Hendrik Bents weit vor der definierten Zeit einparkte.

Personell konnte die Gummitruppe aus dem Vollen schöpfen, da sich der remotivierte Philipp Harms ebenfalls zum Team bekannte und zusammen mit Daddy Roland erschien.

In der Holzgemeinschaft sah die Situation dagegen ein wenig anders aus: Christian Smid hatte angekündigt, nicht schon wieder in die Heimat reisen zu wollen, zudem heilt das Band von Ingo Aulig natürlich noch ein paar Wochen munter vor sich hin. Um sich dennoch leistungstechnisch vernünftig in den Altkreis Norden verkaufen zu können, hatte Jens Ufken im Vorfeld über Detlef Tunder Hartmut Smid organisiert. Die Autobahn in Hage, die nur über eine Kurve verfügt, benötigt Männer, die sowohl Finger als auch Daumen werfen können und Smid war damit prädestiniert für einen Einsatz.

 

Steffen Lengert und die beiden WAGs Imke Pupkes und Venja Lowack (v.l.) schauten optimistisch drein. 2 Punkte sollten her und vor allem Gummi wollte endlich mal werferisch überzeugen.

Die Holzburschen begannen im dichten Nebel in der ungewohnten Formation Simon Hanssen, Hartmut Smid, Roland Harms und Sven Frerichs, da Jens Ufken bereits im Vorfeld angekündigt hatte, erst auf der Rücktour die Daumenstände werfen zu wollen. Glücklicherweise ist das Team so gut besetzt, dass man sich diesen Luxus durchaus erlauben kann, letztlich jeder Werfer jederzeit jeden problemlos ersetzen kann. Jens Ufken schnappte sich die Warnweste, den Kraber und die Boßelkugel und rannte stets vorne weg, um nicht Gefahr zu laufen, dass die eigene Kugel verloren geht. Zeugwart Johann Jürgens steht aktuell regelrecht unter Strom, da die Männer I sich dort permanent mit neuen Kugeln versorgt. Diese Peinlichkeit wollte man sich so schnell nicht wieder antun.

Und so kam es, dass sich der Hagerwilder Kapitän ein wenig geirrt hatte, als er die Nachbarn im Vorfeld vor einer Holztruppe gewarnt hatte, die mit lauter 20-Jährigen bestückt wäre. Man konnte eher vom Gegenteil sprechen, da lediglich Hanssen und Frerichs eine 2 vorne haben und die anderen drei Werfer bereits knapp vor der 40 oder sogar schon deutlich darüber liegen.

Somit machte sich die jugendlich wirkende Westerender Altherrentruppe also daran, den Saisonstart von 8:0 auf 10:0 Punkte auszubauen.

Dies wäre übrigens der gleiche Punktestand, den das Team aktuell beim Hallenhalma vorweisen kann. Hier startet die Truppe allerdings in der Senioren-Altersklasse.

Aufgabenstellung: Bitte beschreiben Sie präzise die Strecke in Hage mit wenigen Worten!

Antwort: Geradeaus. Eine Kurve.

 

Hier näherte sich Hartmut Smid, der mit der Holzkugel die beste Leistung zeigte, am linken Straßenrand.

Die Strecke erforderte ein wenig Kondition, da man den Kugeln über einge Kilometer permanent hinterherläuft und es ohne einen gewissen Jogginganteil nicht hinbekommt, schnell wieder vorne zu sein.

Der Start verlief aber alles andere als glücklich: Nachdem die Hager recht ordentlich vorgelegt hatten, semmelte Harakiri-Hanssen seinen Anwurf feinstens oben aus der Bahn. Die Führung war somit gleich auf Seiten des Heimteams. Ein unnötig schlechter Start, aber natürlich

nicht entscheidend.

Hartmut Smid war zu diesem Zeitpunkt noch nicht warmgelaufen, denn beim Linkshänder griff der Daumen nicht wie gewollte und so lief die Kunststoffkugel nur unterhalb der Linie, meterte aber sehr anständig und verhinderte souverän den frühen Rückstand.

Roland "Opa" Harms ließ seine Jungs dann Morgenluft wittern, als er die Kugel wunderbar ganz oben an den Straßenkamm zwirbelte und diese bis zum Parkplatz jagte.

Sven Frerichs hatte nun die Möglichkeit, die Führung zu erwerfen, da Hage nur knapp kontern konnte, doch blieb sein Wurf leider auch zu tief, sodass man durchaus von einem recht durchwachsenen Wettkampfstart für Rot sprechen konnte.

Hartmut "Mister Zuverlässig" Smid packte dann aber, nachdem Hanssen ebenfalls nicht wirklich brillieren konnte, einen gewaltigen Reißer aus: Knapp unter dem Strich anlaufend, setzte er die Kugel schön gerade, ehe der Daumen griff und sich die Kugel oben auf die Fahrbahnmarkierung setzte.

Das in Sachen Wurfkraft doch deutlich unterlegene Heimteam machte nun dicke Backen und so kam es dazu, und pusteten nochmals kräftig in die fleischigen Gesichtstaschen, als deren Konter um 20 Meter an der Vorgabe scheiterte und das Auswärtsteam erstmals "Führung" rufen durfte.

 

Sven "Dampfmaschine" Frerichs hatte sich für den Wettkampf extra Urlaub genommen. Nach einer extrem durchwachsenen Hinrunde stand er bereits mit 1,95 Beinen vor seiner Auswechslung, erbettelte sich aber dann bei seinen Teammitgliedern noch eine "Daumenchance". Und tatsächlich zeigte er auf der Rücktour eine deutliche Leistungssteigerung, ehe seine Wade drei Runden vor dem Ende "zu machte" und Jens Ufken für ihn in die Begegnung kam.

Hage legte ordentlich nach und Sven musste ca. 100 Meter bis zur Kugel des Gastgebers überbrücken. Leider kam er in Hage überhaupt nicht mit der Dosierung seines Fingers zurecht und knüppelte die Kugel nach 70 Metern oben aus der Bahn. Die gerade so mühsam erkämpfte Führung war also schon wieder futsch.

Simon Hanssen, der sich nach dem letzten Heimsieg voller Euphorie ein Arschgeweih bei einem ehemaligen Knastkumpel stechen ließ, wollte seinen Jungs dann aber mit einem sehenswerten Wurf die für einen Auswärtssieg nötige Sicherheit geben und tat dies auch in feinster Manier: Leicht unter dem Strich anlaufend knallte er die Kugel mit viel Dampf in das oberen Straßendrittel und überbrückte so knappe 200 Meter.

Roland Harms legte nochmals einen schönen Wurf nach, der förmlich neben der Grasnaht tanzte und da dies zuviel des Guten für die Blauen war, ging die Führung wieder zu Lütje Holt über.

Hartmut Smid erledigte seine Aufgabe ebenfalls tadellos, jedoch hielt Hage gut dagegen. Ferner trafen sie mit ihrem folgenden Wurf komplett die Rille am oberen Straßenrand und so zog die Kugel gut 250 Meter in Richtung Dornum.

Sven Frerichs hatte folglich gut 180 Meter zu überbrücken und drehte die Kugel leider erneut oben nach ca. 100 Metern aus der Bahn.

 

Ein Muster an Zuverlässigkeit in Hage: Roland Harms (schwarze Jacke) produzierte nur zwei Aussteiger, die zuvor aber mindestens 100 Meter abgespult hatten. Er warf einen sehr odentlichen Schnitt und gab dem Team somit die notwendige Sicherheit. Im Hintergrund trabten Sven Frerichs (rote Jacke) und Hartmut Smid (weiße Jacke) übertrieben lustlos nach vorne.

Die Führung war also erneut passé und Simon Hanssen musste das 0:1 mit einem sicheren Wuf abwenden. Das Thema sicher hätte er sich aber noch ein bisschen öfter vor seinem Abwurf durch den Kopf gehen lassen sollen, denn was folgte, war wieder einer von Hanssens berühmten Harakiri-Ausrastern. Er knallte das Schwarz fein zielgenau nach 65 Metern oben aus der Straße. Hage hatte bereits den Schötschrei auf den Lippen, da sich die Kugel wunderbar durch das Gras quälte und zielgericht auf einen Pfosten zuschnellte. Doch dann passierte es: Hanssen traf den Pfahl im perfekten Winkel, sodass sie weitere 5 Meter im straßennahen Grün zurücklegte und um 50 Zentimeter an Hages Spielgerät vorbeirollte.

Die Hausherren konnten ihr Pech nicht fassen, während Westerende noch einmal tief durchatmete und alle Werfer zeitgleich beschämt zur Seite schauten.

Zu diesem Zeitpunkt stand fest: Die Männer II-Werfer im Team Lütje Holts agierten souveräner als die Jungspunde. Es war also an der Zeit, dass die beiden U-30er ihre Nerven in den Griff bekämen, um das Unterfangen "Auswärtserfolg" beim Tabellenvorletzten nicht leichtfertig zu riskieren. Denn wie bereits erwähnt: Schon früh zeichnete sich ab, dass die stärkere Wurfkraft deutlich auf Seiten der Roten lag, nur haperte es bei 50% der Werfer noch an der Präzision.

Hartmut  "Stone-Cold" Smid konnte seinen Augen kaum trauen: Er stand in einer Kurve.

Aus dieser Position zeigte er allen Werfern, wie man boßelt. An der Mitte laufend kurbelte er die Kugel mit seinem Linkshänderfinger bis weit auf die folgende Gerade. Ein unfassbarer Wurf, der nicht nur das gegnerische Team in ungläubiges Staunen versetzte.

Hage konnte den nachfolgenden Elfmeter glücklicherweise nicht nutzen und jagte die Kugel oben raus. Die zwei alten Herren Westerendes starteten daraufhin ein Wurfdonnerwetter und wieder war die Führung zurück.

Und da Sven und Simon ihre Würfe auch trafen, man somit die erste ansprechende Runde geworfen hatte, blieb es auch bei diesem Zustand, ehe sich Smid nun in der berüchtigten Kurve wiederfand, die von den Hausherren gerne scherzhaft als spielentscheidend beschrieben wird.

Mittels unglaublicher Kurbellei knallte er die Kugel rund 250 Meter weit und jeder im Team der Roten wusste, was nun folgen sollte, da auch ein Volltreffer der Hager dort im Leben nicht hingekommen wäre. Der Wurf blieb zu kurz und endlich konnte das Team zum Schötjubel ansetzen. Alles nur, weil es zuvor die erste Runde gegeben hatten, in der alle Werfer ihr boßlerischen Können unter Beweis gestellt hatten.

Relativ ereignislos ging es dann wenig später durch einen Wurf Simon Hanssens über die Wende.

Das Team hatte sich zu dem Zeitpunkt schon auf eine Auswechslung Frerichs' geeinigt, doch zeigte man glücklicherweise Erbarmen mit dem jungen Zeitsoldaten, der sich für seinen samtigen Teint daheim am liebsten in eine mit Vanielleeis gefüllte Badewanne  legt, selbstredend garniert mit gezuckerten Kirschen.

Denn, nachdem Hartmut Smid ein Unding in Richtung Kurve gedonnert und Roland Harms sicher nachgeliefert hatte, stand er ca. 100 Meter vor dem Kurveneingang und hatte jetzt die Möglichkeit, Großes zu zeigen - vor allem auch, weil Hage nur um 2 Meter an seiner Position vorbeigekommen war.

Erst sah es so aus, als würde Roland Harms zum Sterben in den Nebel gehen.

Aber weit gefehlt. Eine rote, klapprige, leicht humpelnde Gestalt kam aus der Wasserdampfsuppe zurück und wusste werferisch auch auf der Daumenseite zu überzeugen. Der alte Mann hatte es wieder einmal allen gezeigt.

Ufken zeigte Frerichs mittig an. Dieser lief leicht unterhalb des Strichs an und hatte den Auftrag, gerade wegzuwerfen und mit dem Daumen gegenzuhalten. Und der 25-jährige Ausnahmebutterbrotschmierer krallte sich die letzten Chance auf den Verbleib in der Begegnung. Die Kugel kam perfekt weg, fiel vor der Kurve leicht ab, stieg dann aber wieder über Mitte und nun entschied lediglich die Wurfkraft Frerichs über den Stopppunkt.

Dieser war dann bereits relativ tief in der Kurve und Lütje Holt konnte sich bereits mit 99%iger Sicherheit auf den Schötschrei vorbereiten.

Leider blieb dieser aber unmittelbar aus, da das Team aufgrund des Nebels nichts von dem bereits erfolgten Wurf Hages mitbekommen hatte und der herannahende Roand Harms freundlich darauf hinwies, dass der Gegner bereits geworfen hätte.

Der Jubel war groß und nun hatte das Team Blut geleckt, da die Führung noch gewaltig war, lag des Gegners Kugel doch noch vor dem Kurveneingang.

Doch der Hager Werfer zeigte eine tolle Reaktion und drückte das schwarze Spielgerät haarscharf unten durch den Kurvenscheitelpunkt, sodass sie nicht nur die gesamte Biegung durchlief, sondern noch ca. 30 Meter auf der anschließenden Gerade zurücklegte.

Schade, aber Westerende wollte aufgrund des eigenen Vermögens gewinnen und nicht nur von leichten Fehlern des Gegners profitieren.

Somit machte sich das niedliche Bangsteder Bübchen in einer schwierigen Position wurfbereit.

Die Holzköppe Roland Harms, Sven Frerichs und Hartmut Smid (v.l.) feierten das wichtige 2:0 in den Hager Nebelschwaden.

Roland Harms hatte für den Wettkampf extra seinen 20 Jahre alten Glückstanga aus dem Schrank gekramt. Er zeigte Wirkung.

Er lief über dem Strich mit der Kurve mit, gab seinem Versuch dann aber viel zu viel Finger mit, sodass die Kugel rapide nach unten abfiel und am Anfang der Geraden liegen blieb. Die Führung war weg und Hanssen hatte dennoch einen ganz wichtigen Wurf gemacht: Denn - soviel sei vorweggenommen - war dies der letzte schlechte Wurf der Roten bis sie das Ziel erreichten.

Auf der vermeintlich schwächeren Daumenseite (aus Sicht eines Rechtshänders) rissen sich die Holzköppe dann nochmals am Riemen und waren vor allem eines: Konzentriert.

Roland Harms holte sich sofort die Führung zurück, die die Westerender Nummer 3 und 4 dann munter ausbauten. Hage konnte immer nur knapp antworten und Simon "Ick schmiet doch so'n muien Finger" Hanssen zeigte dann plötzlich auch einen sicheren, tadellosen Daumenwurf, der zwar nur knapp über den Mittelstrich stieg, aber aufgrund von Hanssens ausreichender Grundausholgeschwindigkeit etliche Meter abspulte.

Dies war eine Nummer zu groß für das Heimteam und mit dem 3:0 fiel die Vorentscheidung in dieser bislang doch sehr eng geführten Auseinandersetzung.

 

Der Jungspund aus dem Westerender Nachbarort freut sich gar wunderbar über sein 3:0 und frohlockte minutenlang in den Nebel hinein.

Hanssen ist aktuell total "on fire" und hat Jens Ufken als "Treffpunktersten" bereits mehrfach in dessen Schranken verwiesen. Zudem lässt sich der junge Mann permanent beim Training blicken - ein Umstand, der dem Rest des Teams schon fast Angst macht.

Der Holzzug war in Schwung gekommen und die Lokalmatadoren verloren mehr und mehr die Lust und leisteten sich diverse Unzulänglichkeiten. So war es dann gegen Ende derselben Runde der immer mal wieder leicht cholerisch agierende Zeitsoldat Frerichs, der einen sicheren und sehenswerten Wurf auf die Straße brachte und auf 4:0 stellte. Der 26-Jährige verletzte sich bekanntermaßen bei dieser Aktion und signalisierte in Richtung des zehn Jahre älteren Brüllhannes, dass nun die Zeit reif dafür wäre, die Warnweste zu übergeben.

Lütje Holt baute den Druck kontinuierlich aus und da auch Jens Ufken mit einem Knaller in die Begegnung startete, blieb Hage immer nur die Aufgabe, das 0:5 zu verhindern. Dabei trafen sie einen Wurf extrem gut und legten den ganz oben in die Rille, doch "Opa" Harms behielt die Nerven und jagte die Kugel ebenfalls knappe 200 Meter über die Teertrasse und die Führung blieb rot eingefärbt.

Ferner patzte sich Hage immer wieder selbst in die Bredouille und schaffte es nicht, zwei 200-Meter-Würfe in Folge aufzubieten.

So begab man sich in Richtung Ziel und die Jungs hatten weiterhin Hunger auf Schöts, zumal sie insgeheim auf die Tabellenführung im Gruppentableau schielten.

"Der tut nichts. Der will nur boßeln." Während das eigene Team die Eskapaden "Neon"-Ufkens bereits regungslos hinnimmt, sorgt sein Verhalten doch immer wieder beim Gegner für Verwunderung.

Hier "bereitete" er sich gerade auf seinen Schlusswurf vor.

Philipp Harms und Hendrik Bents (v.l.) hielten derweil die Zwangsjacke für den charismatischen, mittelalten Herren bereit.

Der 36-Jährige agiert übrigens privat sehr sozial und hat kürzlich eine Stiftung zur Abdeckung seiner eigenen Lebenshaltungskosten gegründet - er ist eben der geborene Altruist.

Nachdem Hartmut Smid einen gar wunderbaren Wurf hingezaubert hatte und die Gegner nur wenige Zentimeter an der Kugel vorbeikamen, belohnte sich Roland Harms dann doch noch für seine ansprechende Leistung.

Wohlwissend, dass er es seinem Gegenüber nun sehr schwierig machen könnten, bretterte er die Kugel erneut 180 Meter in Richtung Ziel, sodass diese ca. 60 Meter davor liegen blieb.

Der Wurf war äußerst ordentlich und die bereits bereitstehenden Gummi-Werfer bangten zusammen mit den Holzis um den Ausbau des Vorsprungs. Tatsächlich traf der Hagster Werfer die Straße zwar sehr ordentlich, doch fiel die Kugel zu schnell, sodass Team Rot tatsächlich wenige Meter vor dem Ziel noch auf 5:0 stellen konnte.

Wieder war es eine Meterentscheidung gewesen und nun setzte Hage zum letzten Wurf des Wettkampfs an. Er traf die Straße recht ordentich und legte gute 130 Meter zurück, sodass für Ufken bereits feststand, dass er solide nachliefern müsste, um die Führung übers Ziel zu bringen.

Die Blicke aller Beteiligten lasteten auf den schmalen, fast kindlich wirkenden Schultern des Hobby-Psychopathen und mit der Kraft seines Daumens warf er die Kugel sicher an der Vorlage Hages vorbei und fügte 32 wertvolle Meter hinzu.

Die Westerender Holzbuben haben sich also in der Ostfrieslandliga mittlerweile in einen Rausch geworfen und gewannen die fünfte Partie in Folge und konnte sich zudem an die Spitze der Gruppentabelle setzen, da Müggenkrugs Gummi in Hagerwilde patzte und die Begegnung "Altharlingersiel - Uplengen" ausfiel. 25:0 (25,004) Schöts bei 10:0 Punkten - so lautet die beeindruckende Statistik der Westerender Kunststoffkugel-Asse bislang.

Sven Frerichs (links) und Simon Hanssen (rechts) standen Spalier für den besten Werfer des Tages: Hartmut Smid.

Die Gummigurken reisten mit einer bislang doch sehr durchwachsenen Serie von 2:6 Punkten an und waren hochmotiviert, den Knoten endlich platzen zu lassen.

Um dieses Unterfangen zu gewährleisten, startete das Team in der Formation Ragnar Hoffmann, Philipp Harms, Dirk Tunder und Steffen Lengert. Hendrik Bents kam nicht zum Einsatz feuerte seine Mannen aber tapfer an.

Die Gummigruppen begaben sich zuerst auf die Reise - eine doch sehr ungewohnte Situation für die Westerender Rotkugelfans.

Doch Ragnar Hoffmann kam mit dieser Lage sehr gut zurecht, denn nachdem der Hager Anwerfer seine Kugel mit Druck am Strich langgeworfen hatte, tat er dies ihm nach, jedoch mit einem µ mehr Dampf, sodass die Führung sofort an die Gäste ging.

Jungspung Harms, das 15-jährige Bürschchen im Team der Roten, agierte dann allerdings ein wenig zu übermütig und jagte die Kugel mit dem Finger sehenswert oben aus der Bahn, sodass der Vorteil gleich wieder an Blau ging.

Dem Schüler fehlte zuletzt ein wenig die Wurfpraxis, weil er aufgrund seines moralischen Tiefs im Sommer wenig trainiert hatte (O-Ton Philipp Harms: "Ich hatte keinen Bock mehr auf Boßeln!") und erst jetzt wieder mit vollem Engagement dabei ist, weil es ihm schlichtweg bei den Westerendern gefällt.

Das Heimteam hatte somit plötzlich 80 Meter Führung und Dirk "Sunglasses" Tunder sowie Steffen Lengert mussten liefern, um nicht gleich wieder in einen frühen Rückstand zu geraten. Beide nahmen zugunsten der Präzision etwas Kraft aus ihren Würfen und wussten dadurch durchaus zu überzeugen. Dies führte dazu, dass die Führung der Hausherren erst schmolz und nach dem Wurf der Westerender Nummer 4 an Team Rot zurückging. Der Fehler des Teamjüngsten war damit also postwendend von seinen Teamkameraden ausgebügelt worden.

Die beiden Anwerfer standen nun wieder Face-to-Face an ihren Abwurfpunkten. Sören Saathoff, der im Team der Blauen die beste Leistung zeigte, legte gut vor, doch Ragnar Hoffmann konnte erneut um ein paar Meter daran vorbeiwerfen, sodass die Führung bei den Westerendern blieb.

Das Team einigte sich darauf, auf Fehler der Lokalmatadoren zu warten und persönlich komplett riskofrei und sicher zu werfen.

Und tatsächlich baute Philipp Harms, der den meisten Beteiligten in Sachen Dampf deutlich etwas vormachte, den Vorsprung dann weiter aus, ehe dann "Detlef-Tunder-sien-Jung" eine alabasterfarbene Rakete mit dem ihm in die Wiege gelegten Naturfinger zündete und die Kugel daraufhin hauchdünn und rombenförmig am oberen Straßenrand entlang flog.

Dies war der benötigte Knotenlöser der Begegnung und das Auswärtsteam ging verdient mit 1:0 in Führung.

Die Formkurve beim Westerender Jungspund Philipp Harms zeigt wieder nach oben. Dank seiner besser werdenden Konstituion wird der solide Auftritt der Gummibubenbande in der weiteren Saison sicherlich keine Ausnahmeerscheinung bleiben.

Die Partie flachte daraufhin in punkto Ereignismeldungen ab, jedoch lag dies lediglich daran, dass beide Seiten konstant auf einem hohen Niveau agierten.

Der Tross kam zur berüchtigten Kurve und nachdem "El Capitano" Lengert, der seine Bäckerei im Übrigen nach einer Woche bereits wieder schließen musste (Die aus  dem Film "Ratatouille" bekannte Ratte hatte ihren Job gekündigt und Lengert ist schlichtweg komplett talentfrei in Sachen Backkunst) und die Westerender Schulkinder mit den übrgig gebliebenen Backwaren nun fleißig die Schulfenster einwerfen, seinen Stellvertreter bestens in die Kurve gestellt hatte, konnte dieser mit einem Zauberwurf die gesamte Rundung durchwerfen und die Gerade erreichen.

Da die Kugel am Ende der Biegung oben ausstieg, skandierten die Lokalmatadoren zur Verwunderung Hoffmanns lauthals "Aussteiger" und sollten für ihren Übermut aber umgehend bestraft werden, da der Heimwerfer sein Spielgerät noch früher unten ins Gras ballerte und die Roten mit einer noch recht komfortablen Führung im Rücken zum erneuten Schötjubel ansetzen konnten.

2:0 kurz vor der Wende im Auswärtskampf - es konnte zu diesem Zeitpunkt also nicht besser für die Gäste laufen.

Dirk Tunder vertraute in Hage auf ein Sonnenbrillenmodell mit integrierter Wärmebildfunktion, sodass es ihm als einzigem Werfer möglich war, aufgrund der unterschiedlichen Wärmesignaturen aus Wilhelmshaven herannahende Autos oder aber auch den Verlauf der Kugel zu erkennen.

Auf der rechten Seite näherte sich das von ihm so geliebte Bällchen. Links dagegen seine Freundin Imke Pupkes, gefolgt von Venja Lowack.

The artist formerly know as Philipp Harms baute die Führung im Anschluss  dann zusammen mit Mr. Tunderstruck weiter aus und nun war es der Mannschaftsführer, der sein Team über die Wende manövrieren musste.

Er setzte die Kugel mit Risiko an den oberen Straßenrand und es sah schon wieder nach einem weiteren Reißer aus, doch der Jubel der Westerender fand ein jähes Ende, als diese dann doch noch oben ausstieg.

Nichtsdestoweniger blieb dieser Fauxpas ohne Folgen, denn der blaugekleidete Heimwerfer konnte die Chance nicht adäquat nutzen und kam seinerseits lediglich 50 Meter an dem nun folgenden Abwurfpunkt Ragnar Hoffmanns vorbei.

Der Vizekapitän baute nun die Führung weiter souverän aus und der erneute Schötjubel Westerendes blieb lediglich aufgrund weniger fehlender Meter aus.

Dann war es Daumenprofi Philipp Harms, der endlich auf der für ihn angenehmeren Seite loslegen konnte. Er drapierte die Kugel zwar nicht optimal auf die Straße, aber sie zog aufgrund der Wurfkraft einige Meter spürbar von dannen. In Kombination mit einem schwächeren Wurf der Hager konnte dies nur ein Ergebnis zur Folge haben: Das 3:0.

War dies die Vorentscheidung in der Auseinandersetzung der bislang so schlecht in die Saison gestarteten Gummimannschaften?

Mitnichten, da sich die Teams nun auf die Linkskurve zubewegten, die das Heimteam dieses Mal für sich zu nutzen wissen sollte.

Da waren die Burschen noch oben auf.

Aber für Steffen Lengert und Ragnar Hoffmann (v.l.) sollte es noch einmal ganz eng werden.

Venja Lowack beobachtete das Treiben der beiden Pappnasen freudig erregt.

Dirk Tunder mähte zum Start einer extrem schwachen Runde die Kugel am Kurvenbeginn unten rein und gab darauf die Führung ab. Steffen Lengert musste nun zur Vorlage des Gegners kommen, was aufgrund der knappen Entfernung nicht allzu schwer schien, doch senzte der rotgekleidete Spielführer die Kugel extrem bekloppt quer über die Straße und oben raus. Zwar hatte er an der Hager Kugel vorbeigeworfen, doch nur um einge Meter, sodass das Heimteam jetzt einen "Comebacker" auf der Hand hatte.

Wie es nicht anders sein konnte, zündeten die Kontrahenten nun eine wahre Rakete durch den Scheitelpunkt der Kurve, die erst nach 200 Meter zum Stillstand kam.

Hoffmann, der im Übrigen Deutschlands erster Winterimker ist und schon im letzten Jahr die Rekordernte von 247 Mililitern Sonnenblumenhonig einfahren konnte, da er seine Insekten ausschließlich mit Kruiden füttert und diese daraufhin bis nach Izmir flogen, hatte seinen Unmut über die "grandiosen" Würfe seiner Vorgänger lauthals kundgetan und bekam daraufhin von Dirk Tunder ein freundliches "Jetzt kannst du uns ja mal zeigen, wie man es besser macht!" an den Latz geknallt.

Trotz des Drucks und mit einer gehörigen Wut im Bauch, schaffte es der Riepster, den Riesenflummi gerade zu setzen, woraufhin dieser die Laufbahn des Kontrahenten nahezu perfekt nachahmte. Die Betonung liegt hier jedoch auf dem Wörtchen "nahezu", denn er fiel wenige Meter vorher flach ab und final fehlten knappe 10 Meter und es stand 1:3 aus Sicht der Lokalmatadoren.

Hendrik "Beim-Abwurf-bauchfrei" Bents kam in Hage nicht zum Einsatz, wird aber sicherlich wieder bei den nächsten Kämpfen seine linke Waffe sprechen lassen.

Philipp Harms bretterte die Kugel danach ebenfalls oben raus, sodass Hage nun wieder die Chance hatte, die Führung wunderbar auszubauen und den Druck zu erhöhen. Dies taten sie auch und nun war es an Dirk Tunder, die knapp 150 Meter zur Kugel der Blauen zu überwinden. Leider ließ auch er seinen Wurf zu tief und Westerendes Gummigurken hatten es tatsächlich geschafft, binnen einer Runde aus einem sicheren 3:0 ein 3:2 zu zaubern. Ein unfassbares Ärgernis für die Gäste, das sie sich aber selbst zuzuschreiben hatten.

Das Team rappelte sich dann aber wieder auf und zeigte sichere Wurfstafetten.

Da Hage ebenfalls Kontinuität ins eigene Wurfgebahren brachte, ging es in diesem Zustand bis auf die Zielgerade. Beide Teams trafen die Straße, keines erlaubte sich einen Fehler - so sollte das Niveau in der Ostfrieslandliga eigentlich auch sein.

Und so kam es zum absoluten Showdown zwischen den Mannschaften: Steffen Lengert und Sören Saathoff hatten mit ihren Würfen den gleichen Pfahl getroffen, knapp 20 Meter vor der Ziellinie.

Die Führung lag weiterhin auf Seiten der Gastgeber und nun war es aber das mit 3:2 in Front liegende Team aus Westerende, das in Person von Anwerfer Ragnar Hoffmann zwischen Unentschieden oder Sieg entschieden konnte. Hoffmann musste also mindestens 150 Meter werfen, um die Führung zurückzuerobern.

Er lief an, setzte die Kugel wunderbar mit einer Prise Daumen und das rote Ding rollte los. Nach 173 Metern verschwand es im Graben und somit war klar, dass die Westerender Gummiwerfer den eigenen Kopf noch mit dem letzten Wurf aus der Schlinge gezogen hatten.

Nach dem 1,023:0-Sieg war die Freude riesig und besonders von den herannahenden Holzwerfern gab es dann besonders herzliche Gratulationen, war doch die Niederlagenserie der Teamkollegen endlich beendet worden.

Gemeinsam feiert es sich doch immer noch am schönsten: Die freudetrunkenen Gummis hatten vor- und die souveränen Holzköppe nachgelegt. Die Kulisse an diesem Vormittag passte zum Wettkampfverlauf: Einfach traumhaft.

Am Ende konnte ein toller 6,055:0-Auswärtserfolg verbucht werden. Dieser Erfolg bei einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf wird dem Team sicherlich den nötigen Aufwind für die richtungsweisenden Begegnungen gegen den Vorjahresmeister aus Fulkum, die beiden Siele sowie den aktuell noch ungeschlagenen Tabellenführer aus Uplengen geben. 6:2 Punkte wurden hier als Ziel ausgegeben, wobei man sich durchaus über das schwere Geläuf in Neuharlingersiel im Klaren ist und auch mit 4:4 Punkten nicht unzufrieden wäre.

In diesem Bild freuten sich Hendrik Bents, Sven Frerichs, Dirk Tunder und Simon Hanssen (v.l.) im Übrigen über das 5:0 von Altstar Roland Harms, das 60 Meter vor der Ziellinie fiel.

In der Tabelle konnte Lütje Holt von der klaren 0:9-Auswärtsniederlage der Marxer Boßelfreunde profitieren, die sich die sympathischen Friedeburger beim kommenden Gegner Fulkum einholten. Somit festigte  das Team den alleinigen zweiten Tabellenplatz mit nun 27:13 (+14,063) Schöts und 8:2 Punkten, dicht gefolgt von Marx mit dem Irrsinnsschötverhältnis von 24:33 und 6:4 Punkten.

Dahinter folgen mit Altharlingersiel, Willen und Fulkum gleich drei Teams, die 5 Punkte auf dem Konto haben, wobei die Begegnung der Altharlingersieler gegen den Ligaprimus aus Uplengen noch aussteht.

Während die Holzgruppe Westerendes von der Spitze der Liga grüßt, gehört die Gummigruppe zu einer von sechs Divisionen, die lediglich 4 Habenpunkte aufweisen. Aufgrund des schlimmen Schötverhältnisses von 2:13 bleibt ihnen bisweilen nur der 16. von 20 Plätzen, doch ist davon auszugehen, dass dieses wichtige 1:0 in Hage der Auftakt zu einer Aufholjagd sein wird, die die Westerender Gummis am kommenden Sonntag gegen Fulkum bestensfalls fortsetzen wollen.

Die verletzungsgeplagten Fulkumer sind relativ schwach in die Saison gestartet. Deren Gummigruppe kommt aktuell auf 10:21 Schöts bei 6:4 Punkten, wohingegen die Holzabteilung mit 5:14 Schöts und 4:6 Punkten einen Platz über der Westerender Gummidivision steht.

Aus personeller Sicht wird  Lütje Holt am Sonntag abermals mit einem anderen Team antreten: Christian Smid reist aus Hildesheim an, während Dirk Tunder berufsbedingt fehlt. Ingo Aulig erholt sich weiterhin von seinem Bänderriss.

Gute Stimmung beim anschließenden geselligen Beisammensein im Hager Vereinsheim.


Mit Dampf zum Erfolg

Heimkampf gegen Hagerwilde-Halbemond, 28.10.2018

Die Westerender gingen gut gelaunt in ihren dritten Heimkampf: Sven Frerichs (olive Mütze), Ragnar Hoffmann, Hendrik Bents (blondes Haupthaar), Jens Ufken (offener Mund, auf beiden Bildern vertreten), Simon Hanssen, Christian Smid (graue Mützen, alle im Uhrzeigersinn) sowie Roland Harms (Warnweste), sein Sohn Philipp, Steffen Lengert und Dirk Tunder (Sonnenbrille, alle im Uhrzeigersinn) freuten sich auf einen tollen Wettkampf bei sonnigen 8°C.

28.10.2018

 

Für den Wettkampf gegen Hagerwilde-Halbemond konnte Lütje Holt auf den kompletten Kader zurückgreifen, lediglich Ingo Aulig fehlte erwartungsgemäß aufgrund seiner schweren Verletzung aus der Vorwoche. Entgegen der ersten Annahme stellte sich seine Verletzung aber nicht als Bänderdehnung, sondern gar als -riss heraus, sodass das Jahr 2018 boßeltechnisch vermutlich jetzt schon für den Wiesenser gelaufen ist.

Sehr ärgerlich für ihn, aber da sich Jungspund Philipp Harms, der eigentlich nur als Notnagel agieren wollte, dazu entschieden hat, wieder Lust aufs Boßeln zu haben, gab es zumindest keinen Kaderengpass.

Die Hagerwilder waren im Vorfeld schwer einzuschätzen. Zwar befand sich das Team vorher eher im unteren Tabellenfeld, hatte aber in der Vorwoche Mitaufsteiger Marx extrem stark verprügelt und zudem bereits einen Heimkampf gegen den deutlichen Meisterschaftsfavoriten aus Uplengen ausfechten müssen, der auch relativ knapp verlorenging.

Auf in den Kampf, Matadoren!

Die beiden Anwerfer Ragnar Hoffmann und Christan Smid (v.l.) machen sich am linken Bildrand bereit. Steffen Lengert, Dirk Tunder, Hendrik Bents und Philipp Harms  (v.l.) trotten lustlos nach vorne.

Die Westerender hatten von ihren Marxer Boßelfreunden den Tipp erhalten, dass die Gäste zwar mit weniger Fahrt, aber dafür umso sicherer agieren. Demgemäß einigte man sich augenzwinkernd darauf, mit viel Fahrt und Sicherheit zu werfen.

Die Holzköppe traten in der Stammformation aus der Meistersaison an, ergo mit Christian Smid als Anwerfer, Simon Hanssen auf der 2, Jens Ufken dahinter und Sven Frerichs als Schlusswerfer. Roland Harms schnappte sich die Warnweste und feuerte seine Jungs an. Er sollte aber auf der Rücktour ebenfalls noch aktiv ins Geschehen eingreifen.

Die Lütje Holter Nummer 1 klagte in den letzten Tagen noch über heftige Rückenschmerzen und ging kurz vor dem Wettkampfbeginn noch zu einem Chiropraktiker, um sich die Chakren im Lendenbereich wieder richten zu lasten.

Scheinbar leistete der Nichtarzt ganze Arbeit, denn "Smiddi" Smid sollte einen Glanztag aufs geteerte Parkett legen.

Der Mann, der unlängst zum schechtesten Angler Ostfrieslands gewählt worden war (er versuchte bereits mehrfach erfolglos, mit kleinen Köderfischen Rotfedern und Brassen zu fangen), legte einen wahren Monsteranwurf auf die Straße - vermutlich das beste Gerät, das er bislang auf die Straße gebracht hatte. Wie immer mittig anlaufend, zimmerte er die Kugel bis oben an den Straßenrand und kam damit bis weit hinter die Birke und die rechtsliegende Einfahrt.

Hagerwilde konterte ordentlich, konnte aber aufgrund der fehlenden Wurfkraft nicht daran vorbeikommen und schon war die Führung rot-rot gefärbt.

Bis hier lief der erste Wurf des Wettkampfs. Der Abwurfpunkt ist schlichtweg gar nicht mehr zu erkennen. Ein absolutes Riesengerät.

Hagerwilde-Halbemond kam solide bis zur Birke.

Die Gäste verzagten aber nicht und legten ihren Wurf gekonnt in die Rille, sodass er bis hinter den neugeteerten Streckenabschnitt lief. Simon Hanssen warf zwar mit der Führung im Rücken, musste aber jetzt aufpassen, diese nicht abzugeben.

"De erste schmiet ick mui boben rut" Hanssen konzentrierte sich aber und konnte die Kugel gekonnt um wenige Meter an der Vorgabe vorbeibringen, sodass Lütje Holt sich weiterhin im Vorteil wähnte.

Das Auswärtsteam legte wiederum stark nach und setzte die Kugel kurz vor den Rechtsknick.

Der Westerender Brüllhannes hatte nun wiederum eine ordentliche Aufgabe vor sich und ging krachend baden. Entgegen seiner sonstigen Geflogenheit lief er unter dem Strich an, gab der Kugel zuviel Finger mit und schwupps war das Ding nach rund 70 Metern oben im Grün verschwunden und die Führung weg. Die Lütje Holter überstehen kaum einen Heimkampf, ohne einen Wurf oben aus der Bahn zu semmeln - sensationell (#nicht).

Frerichs wollte nun den Rechtsknick durchsteuern und nahm etwas unterhalb der Mitte Anlauf. Er setzte die Kugel schön knapp über dem Strich, aufgrund der Fahrt verblieb sie da einige Zeit und viel sehr günstig mit dem Rechtsknick, um dann 80 Meter später im Graben zu landen. Ein sehr ordentlicher und wichtiger Wurf, weil er die Rot-Schwarzen damit wieder unter Druck setzte.

Doch sein Gegner agierte ordentlich und brachte die Kugel mit etwas Kantenglück an seiner Markierung vorbei.

Sven Frerichs schaffte einen guten Einstand in den Wettkampf. Er zeigte auf der Hintour eine solide Leistung. Bei den Trüllständen, die er ansonsten zu jeder Tages- und Nachtzeit im Schlaf beherrscht, offenbarte er jedoch ungeahnte Schwächen und will im Laufe der nächsten Woche noch eine Trainingssession einlegen, um sich wieder die nötige Sicherheit zu erwerfen.

Krawallmeister Smid machte sich nun startklar. Mit einem sehenswerten Gewaltwurf entlang der Straßenmitte überbrückte er nahezu die gesamte Gerade und stellte den nachfolgenden Hanssen kurz vor den Rechtsknick. Da Hagerwilde sich zwei Fehlversuche in Folge erlaubte, ging die Führung an Westerende über und das Bangsteder Bübchen hatte nun die vielversprechende Möglichkeit, den Gegner mit einem gekonnten Wurf in Richtung Kanal gehörig unter Zugzwang zu setzen.

Doch er kopierte seinen Wurf aus der letzten Woche und semmelte die Kugel zu weit nach links, woraufhin Jens Ufken wieder "volles Mett" gegen die Kanalabgrenzung kacheln musste.

Sven Frerichs kam dann leider nicht wie gewünscht aus der Kanalkurve und ließ die Kugel etwas zu tief, sodass sie lediglich 110 Meter zurücklegte. Da Christian Smid seinen Wurf zwar gut absolvierte, jedoch noch viel zu weit von der Linkskurve entfernt stand, musste also Simon Hanssen auch noch einmal ran.

Und der 22-Jährige tat dies bravourös: Er zwirbelte die Kugel schön durch den unteren Straßenrand, sodass sie danach wieder auf die anschließende Gerade lief und Jens Ufken vor die Bushaltestelle platzierte.

Das Gastteam kam mit der Passage dagegen gar nicht zurecht und warf aus dem Linksknick nur bis hinter die Bushaltestelle, sodass sich für Westerende nun eine veritable Chance auf das 1:0 ergab.

Gute Stimmung bei Opa und Papi: Roland Harms und Jens Ufken (v.l.) sind die beiden Teamsenioren, zeigten aber wieder einmal, dass sie es noch mit den ganzen rotgekleideten Jungspunden aufnehmen können.