Saison 2018/19

Fortsetzung von Teil 2:

Ufken stand nun wieder auf seiner Lieblingsgerade, die er nun bereits zum dritten Mal in den letzten Wettkämpfen werfen musste und auch dieses Mal perfekt traf. Er jagte die Kugel links am Strich entlang und kurz vor dem Rechtsknick begann sie, zur Mitte zu fallen, sodass alles danach aussah, dass es noch ein ordentliches Stück auf die Gerade gehen würde. Doch dann passierte etwas komplett Undankbares: Eine unachtsame Autofahrerin sah die Boßelteams, stoppte ihren Wagen abrupt genau im Rechtsknick und verweilte dort komplett erstarrt wie ein Kaninchen vor der Schlange. Es schepperte einmal gehörig und nachdem die Kugel den Reifen des Autos getroffen hatte, verschwand sie oben im Gras. Der schwache Trost war zu diesem Zeitpunkt, dass der Westerender Schlusswerfer jetzt zwar auf der Gerade stehend abwerfen konnte, die Kugel der Gäste aber nur wenige Meter an Ufkens Markierung vorbeiging, das erlösende 1:0 also ohne das störende Vehikel sicherlich drin gewesen wäre.

Lütje Holt wischte sich einmal kurz den Mund ab und nun war es "Schvenni" Frerichs, der sich am Vorabend in Aurich noch ordentlich hatte vollaufen lassen und nun bereitmachte.

Er drapierte das Spielgerät leicht rechts vom Strich, woraufhin sie sich dort hielt und bis 100 Meter vor Stine Udens Gaststätte lief. Ein sensationeller Wurf und Hagerwilde musste sich nun gehörig strecken.

Jubel kurz vor Stine Uden. Der junge Wunder-Tischler freute sich über das 1:0 für seine Jungs.

Und die Gäste streckten sich vergeblich. Deren Versuch bekam einen Tick zu wenig Finger mit und drehte sich nach ca. 150 Meter in den linken Graben. Westerende ging endlich in Führung und Hagerwilde stand noch zu weit von der Kurve entfernt, um diese werferisch attackieren zu können.

So begab es sich, dass sie genau bis in den Linksknick warfen und der Neu-Hildesheimer Smid nun einen Vorentscheider im Arm hatte.

Wieder knapp unter der Mitte laufend jagte er die Kugel schön in Richtung Stine Uden, doch sie schien zu schnell zu tief zu fallen. Seine Kameraden bangten, verfielen aber in Ekstase, als diese den Knick meisterte, wieder in Richtung Mitte aufstieg und sich allmählich dazu aufmachte, die gesamte S-Kurve abzulaufen. In der nachfolgenden Rechtskurve stieg sie dann nochmals bis kurz vor den oberen Rand, fiel dann auf der Geraden ab und landete ca. 30 Meter vor dem 50-km/h-Schild. Ein Wurf, wie aus dem Lehrbuch, der Ingo Aulig bereits mit Gummi im Kampf gegen Willen geglückt war.

Das Auswärtsteam machte dicke Backen, standen sie doch direkt im Knick und konnten nur schwer die gesetzte Marke auch nur ansatzweise erreichen. Nachdem Wurf Nummer 2 kurz nach der Bushaltestelle im Gras verschwand, schepperte es zum 2:0 und wenig später folgte gar das 3:0, da der von Hagerwilde durchgeführte Trüllversuch zu hart geriet und oben ausstieg.

3:0 - jetzt sah es schon deutlich angenehmer für die seit dem 5.11.2017 auf eigener Strecke ungeschlagenen Holzburschen (damals ersatzgeschwächt 0:1 gegen Dietrichsfeld II) aus.

Da lag das schwarze Teil im Gras und verweilte dort noch einige Minuten, was vor allem darauf zurückzuführen war, dass das Auswärtsteams drei Versuche benötigte und es zudem ein unheimliches Verkehrsaufkommen gab.

Simon Hanssen hatte nun die Chance, gleich den vierten Schöt folgen zu lassen. Leider setzte er den Wurf einen Deut zu hoch und nach ca. 70 Metern war unglücklicherweise bereits Endstation angesagt.

Die Hagerwilder steckten nicht auf und deren Mannschaftskapitän drückte die Kugel daraufhin bis kurz hinter den Rechtsknick. Ein sehenswertes Teil der Rot-Schwarzen und Jens Ufken sah sich einer netten Herausforderung gegenüber - und das auch noch auf einem Fingerstand.

Er entschied sich für eine ganz sicherer Geschichte und kalkulierte ein, die Führung abzugeben. Sein Wurf stieg dabei bis zur oberen Rille, bekam dort aufgrund eines Straßenfehlers einen Schlag und fiel stark ab, sodass Sven Frerichs noch vor dem Rechtsknick abwerfen musste. Die Führung war weg, aber letztlich fehlten nur 40 Meter bis zu des Gegners Kugel. Die Westerender Nummer 4 konnte also ohne Druck aufwerfen.

Und Frerichs tat dies gar wunderbar. Der 25-Jährige Zeitsoldat mit dem wunderbaren Hang zum Jähzorn lief in einer kniffligen Position an, drangsalierte die Kugel auf die linke Straßenseite, wo sie fast die Grasnaht küsste, daraufhin wieder zur Mitte anstieg und sehenswert in den Eingang der Linkskurve einfiel; diese jedoch leider nicht komplett durchschritt. Ein sehenswerter Wurf aus einer nicht ganz einfachen Position heraus.

Die Hagerwilder warfen um nur einen Meter an Frerichs' Zauberwurf vorbei und behielten demgemäß die Führung vor der Abschlusskurvenkombination.

Hier sieht man ihn bei seinem Abwurf.

Nun standen der Traum aller blinden und gehörlosen Schwiergermütter und der Hagerwilder Mannschaftsführer "Face-to-Face" vor der schwierigen Passage. Smid entschied sich für einen gewagten Trüllversuch und gab seinem Wurf leider nicht genügend Finger mit, sodass die Kugel kurz vor dem Eingang in die Rechtskurve im Gras liegen blieb.

Sollten die Gäste nun treffen, könnte das Unterfangen böse ausgehen.

Leider trafen sie.

Der sehr selbstbewusste Gästekapitän setzte die Kugel ähnlich wie sein Gegenüber, gab ihr jedoch einen Tick mehr Finger mit und schon war das Kind in den Brunnen gefallen. Die Kugel der Gäste landete ca. 30 Meter vor dem Ortsschild und Simon Hanssen hatte nun eine extrem undankbare Aufgabe vor sich. Er und das Team entschieden sich für eine sichere Variante, wohlwissend, dass dies das 3:1 bedeuten würde. Der Mann mit der gewaltigen Ü-Eier-Figuren-Sammlung - ihm nahestehende Personen berichten davon, dass er mittlerweile bei 13 Figuren angelangt sein soll, wobei einer ein Bein und der Kopf fehlen - trüllte die Kugel scharf unten durch die Kurve, woraufhin sie auf der Geraden nach oben stieg und ca. 20 Meter zu früh ausstieg. Hanssen hatte das beste aus der Situation gemacht, da er Ufken nun auf die Abschlussgerade gestellt hatte.

Ordentlich was los auf der Wende. In der Luft lag zu diesem Zeitpunkt noch ein indifferentes "Wird-es-heute-wieder-für-die-Holzköppe-reichen-Unbehagen".

Freizeitpolizist Roland Harms (Warnweste) regelte hier vorbildlich den Verkehr.

Der 36-Jährige stand  also nun genau auf der Schlussgeraden und durfte nochmal mit dem Fingerchen ran. Er machte es extrem spannend, da er die Kugel bis ganz nach oben schob und dann mit dem Daumen zurück in die Straßenmitte beorderte. Roland Harms und Co. pöbelten schon kurz nach seinem Abwurf lauthals los, da sie vorschnell einen Aussteiger vermuteten, mussten ihr Genöhle aber revidieren, als das Schwarz tatsächlich bis über die Wende marschierte und die Umkehr somit fix machte. Aus einer Beschimpfung für den dusseligen Teamtöffel wurde somit ein Lob an den feinen Jensy.

Die Führung blieb tatsächlich weiterhin auf des Gegners Seite, weil sie sich erneut um wenige Meter an  der Westerender Kugel vorbeischlichen. Sven Frerichs hatte nun die Linkskurve vor sich, ein Stand, der ihm unter normalen Umständen perfekt liegt, doch heute war keine "Trüll-Time"für den im Anschluss stark frustrierten Svenniboy. Ihm fiel die Kugel förmlich aus der Hand und er blieb tatsächlich noch vor dem Scheitelpunkt der Kurve. Ein desaströser Wurf und Christian Smid freute sich schon diebisch auf seine Herausforderung.

Hagerwilde jagte die Kugel geradeaus in die Wicken, sodass zumindest keine Schötgefahr in der Luft lag.

Smiddiboy lief kurz an und zeigte dieselbe Performance wie Hartmut Smid eine Woche zuvor, nur, dass er der Kugel noch ein wenig mehr Druck mitgab und diese dadurch noch 40 Meter auf der Folgegeraden zurücklegte. Ein technisch wirklich tadellos ausgeführter Wurf vom personifizierten Rückenleiden.

Den Wurf kann man schon mal machen. Aber vermutlich nur bei einem von 30 Versuchen.

Am Sonntag klappte es glücklicherweise, als Christian Smid den Turbofinger auspackte.

Die Rot-Schwarzen standen am Beginn der Zwischengeraden und wussten, dass sie die Vorgabe Smids nicht erreichen würden. Taktisch clever, jagten sie die Kugel durch die Passage, um den nächsten Werfer zu stellen; dabei wurde selbstredend der Vorteil an Westerende überreicht.

Simon Hanssen stand also nun an der Stelle, an der er in der letzten Woche noch "geschötet" hatte. Sollte ihm dies auch bei diesem Wettkampf gelingen? Die auswärtigen Knaben hatten die Kugel nur bis kurz vor den Linksknick gebracht und Hanssen konnte also liefern.

Er setzte die Kugel mustergültig, doch stieg diese wieder etwas zu weit nach rechts und aufgrund des noch zu hohen Dampfes stieg sie nach der leichten Biegung oben aus. Der Wurf war solide und die Westerender Nummer 3 konnte nun frei mit dem Daumen auf der Gerade aufwerfen.

Zuerst legte aber Hagerwilde vor. Das einzige richtige Fahrtschwein in ihren Reihen machte sich bereit und schickte einen Gewaltwurf auf die Reise, der ewig bis ganz nach oben stieg und nur wenige Meter vor der Kurve zum Liegen kam.

Ufken fühlte sich an die Vorwoche erinnert, als er seinerzeit ebenfalls einen Knaller der Müggenkruger kontern musste, um die Führung nicht abzugeben. Damals scheiterte er nur knapp, doch heute sollte es anders kommen.

Mit der Macht seines Zauberdaumens lief er kurz hinter der Kurve an, warf gerade ab und drehte die Kugel langsam hoch. Sie erreichte zwar nur die Mitte der rechten Straßenseite, jedoch reichte der Dampf aus, um sich genau zwei Meter an dem 250-Meter-Geschoss seines Kontrahenten vorbeizuschieben. Dank dieser nervenstarken Tat verblieb die Führung in den Reihen der Westerender Boßelburschen.

Zeigten beide gute, aber nicht überragende Leistungen. Ufken (l.) haderte zeitweise mit seinem Finger, während der Daumen seinen Dienst zuverlässig wie immer verrichtete, bei Simon Hanssen war es genau umgekehrt.

Wichtig für die Holzköppe war jedoch, dass die nicht ganz tadellose Leistung aufgrund der höheren Wurfkraft ausreichte, um den Kampf über weite Strecken zu dominieren.

Hagerwilde-Halbemond brachte die Kugel dann relativ kurz in die Kurve, sodass Sven "Dampfmaschine" Frerichs nun die Chance hatte, die Führung auszubauen. Doch weit gefehlt: Erneut fiel ihm die Kugel förmlich auf dem Trüllstand aus der Hand und er gab gar die Führung ab. Das Team entschied sich daraufhin, den bis auf die Trüllstände vernünftig aufwerfenden Frerichs aus der Partie zu nehmen, um den knappen Vorsprung durch Opa Roland Harms' sichere Hand nach Hause zu bringen.

Der Kampf um Schöt Nummer 4 begann also von Neuem und Christian Smid stand richtig beschissen in der Kurve.

Doch der Tagesbeste löste auch diese Aufgabe gekonnt, als er der Kugel einen gehörigen Linksdrall mitgab und Simon Hanssen kurz vor Stine Uden platzierte. Hagerwilde konterte und kam nur um wenig Meter daran vorbei.

Hanssen hatte nun einen äußerst kniffligen Stand, im Übrigen den Stand, den er in der Vorwoche noch versaut hatte.

Aber dieses Mal hatte er aus seinen Fehlern gelernt und jagte die Kugel spitz unten durch den Scheitelpunkt der Kurve und weit auf die Gerade. Da Hagerwilde die Flachheit des Geläufs unterschätzte, knallte deren Kugel oben aus der Bahn und Westerende durfte sich wieder über die Führung freuen.

Jens Ufken und sein 2-Meter-Kontrahent, die sich nach ihren Raketen noch kurz zuvor anerkennend die Hand gereicht hatten, vergeigten ihre Stände dann im Nachgang vollends: Der Gastwerfer steuerte die Kugel mit zuviel Finger von der Strecke, der Videospielefan ließ die Kugel dagegen gegen den unteren Bock prallen, woraufhin sie nach ca. 110 Metern unten ausstieg. Er hatte zwar die Führung geringfügig ausgebaut, aber Mist war der Wurf trotzdem.

Sven Frerichs, der sich neuerdings darauf versteift hat, in seiner Freizeit Topflappen zu häkeln, war nach seiner einwöchigen Abstinenz wieder froh, an Bord zu sein.

Wie Smid lebt Frerichs unter der Woche einige hundert Kilometer entfernt von Westerende und reist extra zu den Wettkämpfen an, was ihm von seinen Teamkollegen auch hoch angerechnet wird.

Am Fahrtgeld wird sich jedoch nicht beteiligt, weil die Mannschaft nur aus armen Schluckern besteht.

Nachdem die Gäste souverän in die Kurve geworfen hatten, gab der Team-Opa seinen Einstand. Und dieser Wurf war alles andere als einfach für Harms: Ca. 80 Meter vorm Knick stehend, musste er die Kugel extrem hart durch den Knick drehen, um diese zum einen an der Vorgabe Hagerwildes vorbeizusteuern und zum anderen noch ein paar Meter auf der Geraden gutzumachen.

Er platzierte die Kugel vernünftig, doch sein Finger zündete geringfügig zu stark, sodass die Kugel sich über den Grünstreifen auf die Gerade rettete, dort aber nicht mehr die ganz großen Meter erzielte. Es war dennoch ein solider Start in den Wettkampf für den Methusalem im Team.

Hagerwilde schaffte es dann nicht, die Kanalgerade voll auszuwerfen, sondern produzierte gar ein ordentliches Vollei von rund 30 Metern, sodass Christian Smid die Chance hatte, mit einem ordentlich platzierten Wurf wieder Druck aufzubauen.

Er erfüllte die Pflichtaufgabe souverän und schob die Kugel genau in die gerade abgehende Straße.

Alle Augen richteten sich nun auf die Gäste. Man wusste, dass sich auf deren Seite ein Werfer bereitmachte, der nicht über die allerhöchste Wurfkraft verfügte und die Kugel somit optimal abfeuern musste, um den Kanal zu erreichen.

Am Ende fehlten ihm jedoch 20 Meter und Westerende konnte die erlösende Vorentscheidung bejubeln. Zudem stand das Auswärtsteam noch nicht auf der anschließenden Geraden, sodass der Kanal für Lütje Holt alle Trümpfe bereithielt.

Der 1. Vorsitzende Manfred Bents ließ es sich nicht nehmen, seine Männer I anzufeuern. Mit dem Rad pendelte er zwischen den Gruppen hin und her und versorgte die Teams mit den jeweiligen Zwischenständen.

Simon Hanssen musste, nachdem Hagerwilde die Pflichtaufgabe erfüllte, vorlegen. Er warf sicher am Strich entlang und stellte Ufken kurz vor die Mitte der Geraden. Leider fabrizierte er noch einen Baumabpraller, wodurch die Kugel quer über die Straße schoss und im Kanal versank. Dies sollte noch für spannende Minuten sorgen, da Hagerwilde genau bis zur ungefähren Weite Hanssens kam und beide Teams sich nun minutenlang fragten, ob das 5:1 gefallen war.

Mitnichten. Aufgrund von 10 cm blieb es beim bisherigen Spielstand und der 36-Jährige lief nun an und wollte den Rest des Kanals bezwingen.

Wie auch zuvor, zündete sein Finger jedoch nicht optimal. Er setzte den Wurf recht optimal, doch stieg die Kugel nur leicht über die Mitte und blieb dann ca. 15 Meter vor der Rechtskurve liegen. Sehr ärgerlich, denn ein Einwerfen in die Kurve hätte sicherlich das 5:1 bedeutet.

Aber es kam anders als erwartet: Hagerwildes Werfer setzte die Kugel zwar besser, doch reichte seine Fahrt nicht aus, um die Vorgabe zu erreichen. Gute 30 Meter blieb sie davor liegen und der Papa der Holztöffel hatte mit diesem "normalen" Wurf die Schötbilanz um einen Wurf verbessert.

Nach vorne, nach vorne: Roland Harms gab auf Seiten der Roten die klare Richtung vor. Er erlebt in den Reihen der Männer I aktuell seinen 14. Frühling und genießt die Wettkämpfe in vollen Zügen.

Er und Jens Ufken lassen es sich zudem nicht nehmen, sich des Öfteren auf offener Straße gegenseitig anzumotzen, wenn sie mal wieder nicht der gleichen Meinung sind.

Am Ende stützte Ufken den alten Mann aber gar, da er die Straßenmitte zum Anzeigen scheinbar nicht mehr aus eigener Kraft erreichen konnte.

Roland überbrückte das Stück zur Gerade und nach einem Lapsus der Hagerwilder hatte Christian Smid nun die Chance, die Führung geradezu gewaltätig auszubauen. Nach dem Kanal ist das Bushäuschen immer das erklärte Ziel der Holzbuben, doch dieses Mal verwarf der smarte Naturbursche seinen Wurf komplett und stellte Hanssen lediglich  kurz vor den Linksknick.

Die Chance war vertan, doch Westerende wollte den Spielstand weiter ausbauen, hatte man doch zwischendurch immer wieder gehört, dass es im Vergleich der Gummidivisionen heiß herging.

Simon Hanssen lieferte solide nach und "Daumen" Ufken stellte Roland Harms dann kurz vor die Linkskurve - nach wie vor änderte sich jedoch nichts am Gesamtstand.

Roland Harms hatte dann die erneute Chance, den Gesamtstand zu erhöhen, da die Gäste ihre Kugel recht ordentlich versenkt hatten, doch drehte er die Kugel  erneut ein wenig zu stark durch den Linksknick, sodass diese nur rund 70 Meter auf der Schlussgeraden zurücklegte.

Rot-Schwarz kam gerade daran vorbei und nun sollte Christian Smid zu seinem finalen Wurf ansetzen.

Er setzte die Kugel wiederum mustergültig und so lief sie bis in die Baustelle hinein. Er und seine Mannen erwarteten daraufhin die Antwort des Gegners. Dieser traf seinen Wurf ebenfalls sehr anständig, hatte aber deutlich weniger Fahrt. Die Kugel kam aber bedenklich nahe und hätte es vermutlich rollend an Smids Vorgabe vorbeigeschafft, doch fand der Ausflug des Kunststoffspielgeräts ein jähes Ende, da sich eine Baustellenbake in den Weg stellte. So fehlten fünf Meter zur Kugel Westerendes und das wichtige 6:1 war gefallen.

Enrico Rieken (schwarze Jacke) und Corinna Janßen (die Schwester von Frauen I-Werferin Ilka Hoffmann, blaue Jacke) wohnten dem Wettkampf ihres Schwagers Ragnar bei. Rieken wirft für Bockhorn und zeigte sich besonders von der Leistung der Holzgruppe beeindruckt.

Im nächsten Sommer soll es zu einem ostfriesisch-oldenburgischen Freundschaftskampf kommen.

Das Ding musste also nur noch nach Hause geschaukelt werden. Simon Hanssen hatte bereits die Chance, das Ziel mit einem konzentrierten Wurf zu erreichen. Zudem hatten die Gäste zum Ende des Wettkampfes gründlichst die Lust verloren und einen weiteren Aussteiger produziert. Doch was wäre ein Wettkampf der Westerender ohne einen Harakiri-Auftritt des sympathischen 22-Jährigen?

In seiner unnachahmlich bekloppten Art jagte er die Kugel einmal quer über die Straße und schaffte es gar, die sichere Führung mit diesem sehenswerten 50-Meter-Wurf abzugeben - ein Fauxpas, wie er im Lehrbuch steht.

Jens Ufken hatte Hanssen im Vorfeld zwar darum gebeten, genau einen Meter vors Ziel zu werfen, damit er noch einmal ran darf, doch das war natürlich überhaupt nicht nach seinem Gusto.

Der Zauberdaumen wurde also wieder rund 20 Meter entfernt zur Kugel der Hagerwilder Kugel ausgepackt und das Spielgerät konzentriert und mit Wucht in Richtung des Anwurfs katapultiert. Am Ende ergab sich eine Differenz von 168 Metern zur Kugel der Gäste und Ufken hatte die Führung zurückerobert.

Dieses erneut mit 9.3 Runden erworfene 5,018:0 bedeutete den vierten Gruppensieg in Serie für die Holzköppe. Hier darf durchaus von einem gelungenen Saisonstart gesprochen werden, liegt man doch nun mit 19:0 Schöts und 8:0 Punkten auf Rang 2 der Gruppentabelle.

Im Anschluss zeigte sich der Hagerwilder Mannschaftsführer derart von der Leistung der Westerender beeindruckt, dass er zu Protokoll gab, noch nie gegen eine so starke Holzmannschaft geworfen zu haben, um sie dann im selben Atemzug zur besten Holzgruppe der Liga zu ernennen. Ein Ritterschlag für die Westerender Holzköppe, der frenetisch bejubelt wurde.

Steffen Lengert (Mütze) hat sich vor kurzem als Bäcker selbstständig gemacht. Roland Harms und sein Filius Philipp bestellten bei ihm einen russischen Zupfkuchen und einen Frankfurter Kranz, dazu fünf Kilo Baiser, da sich der 15-Jährige noch im Längen- und sein Senior im Breitenwachstum befinden. Dass Lengert sich nur auf Weißbrot und Schokocroissants (der Blätterteig klappt auch nicht immer) spezialisiert hat, verschwieg er lieber.

Die Gummiburschen hatten sich zuletzt zwei Niederlagen in Folge eingehandelt und gelobten gegenüber ihren Holzköppen eine deutliche Leistungssteigerung im Vergleich zu den letzten Auftritten.

In der gewohnten Aufstellung Ragnar Hoffmann, Dirk „Sunglasses“ Tunder, Hendrik Bents und Steffen Lengert ging die Division auf die Reise. Philipp Harms, das 15-jährige Boßeltalent, das in der letzten Saison noch bei Neu-Ekels warf, lief erst einmal mit, sollte später im Wettkampf aber zum Zug kommen.

Der Vergleich zwischen den Team begann stark: Ragnar „The one and only Scheitel“  Hoffmann semmelte seinen Anwurf bis hinter die Birke, der Hagerwilder Starter traf seinen Wurf ebenfalls brillant, blieb aber nur wenige Meter zu kurz, sodass das Heimteam mit der Führung im Rücken loslegen konnte.

Dirk „Ick schmiet immer mit Finger“ Tunder und Hendrik Bents trafen ihre Würfe in der Folge perfekt und so lag der rote Verbund bereits vor dem Versuch Lengerts auf der Geraden nach der ersten Biegung.

Die gute Leistung war bislang aber ohne zählbaren Erfolg geblieben, da der Gast stets angemessen antwortete und ein rasches Erfolgserlebnis also noch ein wenig auf sich warten ließ.

Der Vize-Kapitän machte einen ordentlichen Job am Sonntag. Er erlaubte sich zwar ein paar kleinere Unzulänglichkeiten, jedoch war die Leistung insgesamt sehr ansprechend.

Der Mannschaftsführer komplettierte die erste Runde frei auf der Geraden stehend. Fingerwerfer Lengert musste also nur den Arm lang in Richtung Kanal schwingen und die Chance auf das 1:0 wäre größer denn je gewesen.

Doch weit gefehlt: Lengert setzt die Kugel zu tief, sie stieß sich daraufhin ab und verschwand im Graben. Die perfekte erste Runde bekam einen Makel und da Hagerwildes Markierung noch nicht erreicht war, wechselte auch der Vorteil die Seiten.

Origami-Fan Hoffmann, der anlässlich seiner Hochzeit mit Ilka übrigens alle Einladungskarten in der Form des jeweiligen Gastes gefaltet hatte, wohlgemerkt mit Esspapier, sprang aber für seinen unglücklich agierenden Kapitän in die Bresche und bretterte die Kugel auf brutale Art und Weise über die gesamte Gerade, woraufhin sie mit der Kurve fiel und rund 60 Meter vor dem Kanaleingang zum Erliegen kam. Ein toller und wichtiger Wurf zugleich, da er die Führung postwendend zurückbrachte.

Tunder überbrückte souverän bis auf die Gerade und die Westerender Nummern 3 und 4 vollendeten den Kanal gekonnt.

Hoffmann ließ seinen Wurf nach dem Kanal dann aber ein Stückchen zu tief, sodass die Gerade zu Stine Uden noch nicht erreicht war.

Glücklicherweise passierte Hagerwilde-Halbemond dasgleiche Missgeschick und so verblieb die Führung weiterhin bei den Rot-Roten.

Dirk Tunder (Sonnenbrille) erwischte einen grandiosen Tag und agierte als Tagesbester.

Simon Hanssen  bückt sich derweil nach der Kugel, wohingegen Hendrik Bents sich durch sein Mobiltelefon ablenken lässt.

Lütje Holts Nummer 2 stand nun ungünstig vor dem Rechtsknick und ging volles Risiko, als er diesen extrem schwarf durchwarf und seine Kugel dadurch weit auf der Folgegeraden landete. Diese Vorlage konnte Hagerwilde nicht mehr nachahmen und somit klingelte es zum ersten Mal für die Gummiboys, nur rund 200 Meter vor der Stelle, wo ihre Holzkollegen kurz vorher zum Frohlocken angesetzt hatten.

Hendrik Bents und Steffen Lengert brachten ihre Mannen dann mit etwas unglücklichen Wurfaktionen hinter die Bushaltestelle:

Der Erstgenannte jagte die Kugel oben raus, nachdem diese auf der Straße einen unglücklichen Schlag bekommen hatte und Lengerts Wurf lief ein wenig zu weit rechts, sodass er aufgrund der hohen Geschwindigkeit nach der Bushalte aus der Bahn gedrückt wurde.

Da sich das Auswärtsteam aber als guter Imitator erwies, blieben die verpatzten Würfe der Lokalmatadoren ohne Bestrafung.

Erneut agierten die beiden Werfer etwas unglücklich auf der Geraden nach der bei Auswärtsteams so unbeliebten S-Kurven-Passage, als Bents zunächst seinen Wurf zu tief ließ und der personifizierte Brustmuskel seinem Versuch zuviel Daumendrall mitgab und ihn unten in den Knick semmlte.

Hendrik Bents und Steffen Lengert agierten leider oftmals sehr unglücklich, was dazu führte, dass das Team oftmals wieder von Neuem aufbauen und aufrappeln musste.

Die Holzburschen sprachen den Gummibuben in Person von Simon Hanssen (Rücksack), dem stretchenden Christian Smid und Opa Roland Harms (Warnweste) vor dem Wettkampf Mut zu, hatte doch das werferische Selbstbewusstsein in den letzten Begegnungen bei Steffen Lengert (grüne Jacke), Hendrik Bents (hochgekrempelte Hose) und Ragnar Hoffmann (auf der Straße laufend) arg gelitten.

Die Schluss-S-Kurve entwickelt sich aktuell zum roten Tuch für die Ortsansässigen. Hatte man doch bereits in der Vorwoche hier ordentlich trüllend Federn gelassen, tat man sich an diesem Sonntag wieder extrem schwer.

Nachdem Ragnar Hoffmann und Dirk Tunder ihre Aufgabe ordentlich erledigt hatten, stand Hendrik Bents nun auf der Höhe des Vorfluters, exakt am selben Punkt, wo er in der Vorwoche ein Ei fabrizierte hatte. Aber anstatt aus dem Fehler einen Lerneffekt gezogen zu haben, wiederholte er  den Vorwochenwurf exakt und brachte sein Team und vor allem Steffen Lengert damit in echte Verlegenheit.

Die Führung war futsch und Hagerwilde stand schon fast auf der Geraden.

Lengert musste also liefern und tat dies auch in trüllender Manier.

Der Vorteil war aber deutlich auf Seiten der Gäste, die nun frei in Richtung Wende warfen. Ragnar Hoffmann wollte nachziehen, setzte die Kugel aber einen Deut zu hoch und der bittere Ausgleich musste geschluckt werden.

Nachdem Dirk Tunder die Umkehr vernünftig erledigte und Hagerwilde sich bereits in der S-Kurven-Passage positioniert hatte, stand Hendrik Bents bereit, um sich mit seinem Lieblingsthema "Trüllen" auseinanderzusetzen.

Und diese Kurve avanciert allmählich tatsächlich zum Trauma des Sohnes vom 1. Vorsitzenden: Sein Versuch misslang komplett und innerhalb einer Runde hatte es Lütje Holt geschafft, ein 1:0 in ein 1:2 zu wandeln.

Diese "unforced  errors" schleichen sich leider in dieser Saison immer wieder in das Wurfgebahren der Westerender Gummigruppe ein und machte in diesem Falle einen tollen Wettkampfstart komplett zunichte.

Laut Steffen Lengert ist dies eindeutig auf einen Trainingsrückstand der Jungs zurückzuführen. Generell lässt sich attestieren, dass der Sommer nicht von allen Werfern im Team effektiv genutzt wurde, um die Heimstrecke vernünftig beherrschen zu lernen. Für den harten Spielbetrieb der Ostfrieslandliga rächt sich so etwas dann doch sehr schnell. Umso wichtiger wird es sein, in der Winterpause Defizite aufzuarbeiten, will man nicht wieder in der  1. Kreisliga aufschlagen.

Ragnar Hoffmann bereitet sich immer intensiv auf die Wettkämpfe vor. So absolviert vor jedem Wettkampf in der heimischen Turnhalle noch ein zweistündiges Zirkeltraininig, nachdem er zuvor im "De Baalje"  5 Kilometer Freistil im klimatisierten Nass zurückgelegt hat.

Spötter könnten seine Position auf dem Bild auch als Metapher für die aktuelle Situation der Gummidivision hernehmen. 

Macht aber natürlich keiner. :-)

Das Team reagierte und nahm den glücklosen Bents aus der Begegnung. Jungspund Philipp Harms erhielt somit eine Bewährungschance.

Die Gegenschötgefahr war jedoch nach wie vor akut, da Steffen Lengert sich noch gehörig strecken musste, um Hagerwildes Wurf zu erreichen. Er trüllte jedoch sehr ordentlich und Ragnar Hoffmann stand somit gut auf der Zwischengeraden.

Die Gäste zeigten dann aber, dass sie auch des Trüllens durchaus mächtig sind und packten dann richtig einen aus. Analog zum Zauberwurf Christian Smids durchwarfen sie die Rechtskurve und befanden sich anschließend bereits 30 Meter weit auf der Geraden.

Hoffmann hatte jetzt natürlich eine extrem schwere Aufgabe zu lösen und entschied sich für die sichere Variante, um nicht auch noch das 1:4 zu ermöglichen. Sein Wurf blieb folglich ein paar Meter zu kurz und die Gäste freuten sich über den 2-Schöts-Vorsprung.

Mr. Tunderstruck knallte die Kugel dann mit der vollen Wut im Bauch auf die nächste Gerade, woraufhin Harms zu seinem Premierenwurf ansetzte.

Der Youngster platzierte die Kugel gut, doch stieg und stieg sie, da sie sich weigerte, mit dem Hüpfen aufzuhören und somit nicht den Verlauf der Straße annahm. Nachdem sie dann bereits einige wertvolle Meter zurückgelegt hatte, verließ  sie die Fahrbahn doch noch am oberen Rand. Mit der anderen Gummikugelvariante wäre ihm dies sicherlich nicht passiert, dennoch sollte man seinen Einstand nicht als verkorkst einstufen.

Steffen Lengert verschloss die Augen nicht davor, dass er einen durchwachsenen Tag hatte. Er war  in diesem Moment einfach nur tierisch müde.

Jens Ufken guckte relativ konzentriert in die Kamera. Wer ihn kennt, weiß aber, dass dies bei ihm gar nicht möglich ist.

Hagerwilde warf nach wie vor mit der Führung im Rücken und stark in die S-Kurve hinein.

Allmählich avancierte der Westerender Schlusswerfer zum Schötverhinderer, als er erneut trüllend Ragnar Hoffmann gut auf die Zwischengerade brachte und einen höheren Rückstand abwenden konnte.

Die bestens aufgelegten Hoffmann und Tunder ballerten ihre Würfe dann bis weit in Richtung Linksknick, woraufhin Lütje Holt erst die Führung zurückeroberte und im Anschluss gar das 2:3 bejubeln durfte. Geht doch! Der Anschlussschöt war ein Wachmacher und das Team witterte etwas Morgenluft.

Harms junior überbrückte souverän das Reststück bis zur Biegung und stellte Steffen Lengert auf die Gerade.

Dieser konnte sich dann über das nötige Quäntchen Fortune freuen, als er seinen Wurf nämlich zu tief setzte, dieser aber den Bordstein der Bushaltestelle perfekt traf und mit dieser Schützenhilfe bis zur Kanalbrücke kam.

Nun war es erneut Ragnar Hoffmann, der stark aus der Kanalkurve warf und rund 200 Meter überbrückte. Dieser Granate konnte Rot-Schwarz nichts Adäquates entgegensetzen und somit fiel das 3:3 für Westerende nach einer tollen und vor allem konzentrierten Aufholjagd.

Vier der fünf Gummiburschen auf dem Weg nach Neu-Barstede: Hendrik Bents zeigte, dass die sogenannte Einbeinhose zum Toptrend im Winter werden könnte, Dirk Tunder, Steffen Lengert (verdeckt) und Philipp Harms (v.l.) bereiteten sich dagegen mental auf den Wettkampf vor.

Da Dirk Tunder den zweiten Wurf Hagerwildes am Kanal perfekt kontern konnte und den abschließenden Kanalrechtsknick perfekt mitnahm, konnte Westerende weiter mit der Führung im Rücken frei aufwerfen.

Doch das Team hatte die Rechnung ohne die Gäste gemacht. Diese bretzelten ihre Kugel perfekt durch die anstehende Linksbiegung und lagen nun auf Höhe der Bushaltestelle.

Der Westerender Nachwuchswerfer, der zum Wettkampf bei molligen Außentemperaturen passenderweise als einziger im T-Shirt erschienen war (O-Ton Harms zu seinem Vater: "Wenigstens habe ich eine lange Hose an.") und daraufin eine Jackenleihgabe seines Seniors erhalten hatte, musste  nun gewaltig nachlegen.

Doch die fehlende Wettkampfpraxis machte sich bei ihm bemerkbar und nachdem er der Kugel zuviel Finger mitgegeben hatte, fand sich Steffen Lengert nun in der Biegung stehend wieder und musste den neuerlichen Rückstand verhindern.

Aufgrund der außerordentlich guten Vorgabe der Gäste war dafür noch ein sehr ordentlicher Wurf notwendig, der ihm leider gar nicht gelang.

Der bekennende Fan langer Thermo-Unterhosen (auch und vor allem gerade im Hochsommer) lief zu tief an und jagte die Kugel wunderbar oben aus der Bahn. Aufgrund des hohen Drucks entwickelte sich in der Folge ein gefählicher Querschläger und nur der Geistesgegenwart Ilka Hoffmanns war es zu verdanken, dass an diesem Tag keine Kleinkinder zu schaden kam. Lengert entschuldigte sich im Nachgang bei der Frau seines Teamkollegen und war froh darüber, dass sie den Kinderwagen schnell genug zur Seite gezogen hatte. Zudem war ebenfalls ein "Sorry" in Richtung seiner Teamkollegen fällig, hatte er doch das 3:4 verursacht.

M II-Mannschaftsführer Detlef Tunder war bereits am Vormittag mit seinem Team aktiv und ließ es sich nehmen, der Truppe seines Sohnes Dirk motivierend beiseite zu stehen.

Ragnar Hoffmann behielt daraufhin aber die Nerven und setzte die Kugel stark oben an den Straßenkamm und erzielte damit eine hervorragende Weite. Da Hagerwilde jedoch immer eine passende Antwort bereithielt, verblieb die Führung in deren Reihen.

Der ansonsten so zuverlässige Dirk Tunder erlaubte sich ausgerechnet dann bei seinem letzten Wurf den einzigen Fehlversuch des Tages, als er die Kugel zu tief setzte, sein Naturfinger zum Vorschein kam und er damit nur ganz knapp hinter den Linksknick kam.

Leider hatten die Rot-Schwarzen zuvor etwas weiter geworfen und es stand auf der Schlussgeraden tatsächlich wieder 3:5 aus Sicht des Heimteams. Die Lokalmatadoren hatten sich erneut binnen einer Runde durch individuelle Fehler um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.

Nun ging es also um Schadensbegrenzung für das Team, insbesondere mit Blick auf das andere Gruppenergebnis. Würde das 3:6 fallen, könnte man am Ende noch ein Gesamtremis periklitieren.

Diese Angst verfestigte sich als Harms seinen Wurf aufgrund des zu hohen Daumendralls oben raus ballerte und Steffen Lengert nun ca. 130 Meter werfen musste, um eine Ausweitung des Vorsprungs zu vermeiden.

Die Holzgruppen waren bereits herbeigeeilt und der Druck unzähliger Augen lastete nun auf dem Westerender Mannschaftsführer.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Roland Harms gab seinem Sprössling Tipps, um in Hage eine noch bessere Leistung zeigen zu können.

Überdies setzten die beiden für Freitag kurzerhand ein Training an.

Steffen Lengert hatte bislang sicherlich nicht seinen besten Wettkampf gezeigt. Dementsprechend nervös warteten die Zuschauer, aber natürlich auch er darauf, was der ostfriesische Prachtbursche aus seinen Ärmeln schütteln würde.

Er rannte leicht unterhalb der Mitte an und der aufmerksame Betrachter konnte dabei eine ernorme Portion Verdruss die bis dato gezeigte Leistung in seinen Augen erkennen. Dies ist im Normalfall nicht der idealste Katalysator, um konzentrierte Leistungen abzurufen, doch in diesem Moment war es genau der richtige Treibstoff.

Sein Wurf stieg und stieg, blieb dann aber gut einen halben Meter unterhalb der oberen Grasnaht und spulte wertvolle Meter ab.

Der Westerender Mannschaftsführer hatte im richtigen Moment geliefert und Hagerwilde damit sogar unter Druck gesetzt, so kurz vor dem Wettkampfende nicht noch die Führung aus den Händen zu geben.

Doch die Hagerwilder Gummiabteilung war an diesem Nachmittag einfach das bessere, weil konstantere Team und überwarf die Kugel der Westerender mit einem ebenso tollen Wurf.

Ragnar Hoffmann hatte nun die Chance, den Kampf für seine Farben zumindest derart zu beenden, dass er die Kugel möglichst weit in Richtung Anwurfpunkt drischt und den Gästen damit keine Möglichkeit gibt, zu den 2 Schöts noch eine stattliche Meterzahl hinzuzufügen.

Wie auch in der Vorwoche blieb sein Wurf zu tief, zog aber über die Ziellinie und man wartete nun auf den finalen Wurf der Auseinandersetzung.

Hagerwilde machte es jedoch auch nicht deutlich besser und schob sich nur 16 Meter an der Kugel vorbei, sodass die von Ufken erworfenen 18 Meter noch einmal wertvoll wurden und der Wettkampf mit 5:2 (+3,002) noch relativ deutlich an Lütje Holt ging.

Steffen "De olle Fendt" Lengert kam nach seinem wichtigen Wurf sichtlich erleichtert herbeigeeilt und platzierte sich an die Seite seiner Freundin Venja.

Der Wettkampf war also vorbei und die Gummiburschen erleichtert, dass ihre Holzkollegen ihnen wieder aus der Patsche geholfen hatten.

Nach diesem dritten Heimsieg in Folge rangiert der Aufsteiger hinter Meisterschaftsfavorit Uplengen auf Rang 2. 21:13 Schöts und 6:2 Punkte könnten das Team zum Träumen anstiften, doch hat es nicht vergessen, dass es bislang nur ein einziges Mal auswärts ran musste und auch prompt verlor. Zudem wird sich das Team solange mit dem Nichtabstieg befassen bis die Gummigruppe die Konstanz aus dem Vorjahr zurückerlangt hat. Die Holzdivision wird nicht jedes Mal im Hurra-Stil 5 oder 6 Schöts erwerfen können und deswegen ist es essentiell, dass die Truppe wieder zurück in die Spur findet.

Am kommenden Sonntag wäre dies die beste Möglichkeit, wenn der Gruppentabellen-17. auf den 19. der Liga trifft. Hages Gummi steht bei 0:18 Schöts und 0:8 Punkten, hatte ergo einen noch miserableren Saisonstart als Lütje Holts Gummi.

Damit ist klar: Wenn die Fans des roten Riesenflummis in dieser Saison auswärts reüssieren wollen, wäre Hage die beste Möglichkeit, zumal die dortige Autobahn den werferischen Vorlieben der Westerender entgegenkommt.

Hages andere Gruppe scheint dagegen aus einem anderen "Holz" geschnitzt zu sein, konnte sie doch bislang die starken Altharlingersieler und Willener daheim besiegen. Umso mehr wird es also auf eine gute Gesamtleistung beider Gruppen ankommen, damit es mit dem ersten Auswärtssieg der noch jungen Saison klappt und sich Westerende in wenigen Wochen nicht mehr nach unten orientieren muss.

 

-ju- (Informationen zu Gummi: Steffen Lengert)


Ein Kraftakt im goldenen Oktober

Heimkampf gegen Müggenkrug, 21.10.2018

Einmarsch der Boßelbrüder: Bei angenehmen Außentemperaturen trafen sich die Westerende zum gemütlichen Kugelwerfen an der Holzlooger Straße.

Hier zu sehen: Christian "Smiddi" Smid, Ingo Aulig und dessen Tochter Fenja (verdeckt), Ragnar "Seitenscheitel" Hoffmann, Venja Lowack und ihr Freund Steffen Lengert (v.l.).

21.10.2018

 

Es stand der 3. Spieltag der noch jungen Saison an und Lütje Holt durfte wieder auf dem heimischen Geläuf ran.

Nachdem der Vorjahresdritte aus Willen in der ersten Partie zu Gast gewesen war, schaute nun der Vizemeister an der Holzlooger Straße vorbei. Die bisherigen Ergebnisse hatten gezeigt, dass man vor allem mit einer starken Gummimannschaft auf Seiten der Müggenkruger rechnen musste. Holz hatte also die Aufgabe, für Gummi zu fighten und einen gewissen Puffer zu erwerfen. Gummi durfte sich wiederum nicht kampflos ergeben und musste gut dagegen halten.

Entsprechend konzentriert ging es bereits im Vorfeld beim Einwerfen der beiden Gruppen zu. Die Spannung und die Galligkeit auf den Wettkampf waren spürbar.

Leider verlief das Einwerfen nicht so wie gewollt. Der ohnehin schon stark ausgedünnte Kader (es fehlten die beiden Harmsens, Sven Frerichs und Dirk Tunder) wurde vor eine arge Herausforderung gestellt, als sich Ingo Aulig beim Einwerfen übel auf das Gesicht legte. Beim Abwurf knickte sein Fuß um, er geriet aus der Balance und überschlug sich dreimal auf der Straße. Mit schmerzverzerrtem Gesicht blieb er im Gras liegen, während der Rest der Teams sichtbar schockiert herbeieilte.

Ingo Aulig (hier mit seiner Tochter Fenja) biss auf die Zähne und startete in den Wettkampf. Irgendwann musste er aber doch einsehen, dass es für ihn keinen Sinn mehr ergab, weiterzuwerfen und Detlef Tunder sprang für ihn ein. Angesichts der Dicke seines Knöchels muss man sich fragen, wie Aulig überhaupt werfen konnte. Eugen Pernak lieh ihn nach der Auswechslung den Roller, um nicht noch mehr kaputt zu machen.

Diese kurze Episode zeigt den aktuell großen Zusammenhalt im Verein und zwischen den einzelnen Teams.

Da sich Aulig im Gras vor Schmerzen krümmte, wurden Rufe nach einem Krankenwagen laut. Jedoch wurden diese schnell wieder verworfen und der 39-Jährige erst einmal von Christian Smid und Jens Ufken in das angrenzende Bushäuschen getragen. Parallel begann das nervöse Telefonieren von Steffen Lengert, da nun nur noch 7 einsatzfähige Werfer zur Verfügung standen.

Eilig wurde der Kontakt zu Stefan Coordes, der mit der M II in Westersander weilte, hergestellt. Die 45- bis 55-Jährigen beratschlugen sich kurz und Detlef Tunder machte sich auf den Heimweg - Westerende war also noch einmal mit einem blauen Augen davongekommen.

Ingo "Quad" Aulig gab nach einiger Zeit im Wartehäuschen sogar zu Protokoll, es noch einmal probieren zu wollen; Detlef Tunder lief also anfangs als Backup mit.

Nach dem Einwerfen klagten Simon Hanssen und Jens Ufken zudem über Probleme in der rechten Leiste, was von Ufken mit dem Spruch "Hier kommt heute keiner heile nach Hause" scherzhaft kommentiert wurde.

Die "Alten" mussten heute mal wieder in der Männer I ran: Detlef Tunder und Hartmut Smid (v.l.) wollten und konnten beweisen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Im Hintergrund beobachten Simon "Ü-Ei" Hanssen und Ingo "Dicker Fuß" Aulig die Szenerie.

Da nun 8 1/2 Werfer zur Verfügung standen, stellten sich die beiden Divisonen förmlich von alleine auf, nur die Reihenfolge musste noch definiert werden. In der Holzgruppe machte Christian "Wunder-Tischler" Smid den Anfang, es folgte Nachnamensvetter Harmut, Simon Hanssen ergriff die Startposition 3 und Jens Ufken nahm mit den vermeintlichen Kurvenständen auf der 4 vorlieb, da Frerichs und er dies in unzähligen Trainingssessions bis zum Erbrechen geübt hatten.

Die Gummibubenbande ging mit Ragnar "Hoffi" Hoffmann, dem Neu-Invaliden Aulig, Hendrik "linke Poot" Bents und Steffen "El Capitano" Lengert auf die Bahn. Wie bereits erwähnt, begleitete Detlef Tunder das Feld und heizte in bekannter Manier an.

In Sachen "Bölken" stand er dabei seinem  am heutigen Tag berufsbedingt verhinderten Filius Dirk in nichts nach.

Die Gäste aus Müggenkrug sorgten nach ihrem Auftauchen für einige Verwunderung beim Gastgeber, liefen sie doch am Feld vorbei und warfen sich erst einmal 200 Meter entfernt ein wenig ein.

Dies waren die Auricher aus ihrer Zeit im KV Aurich nicht gewöhnt und so kam es nach dem mehrmaligem Ankündigen, dass es losgehen solle, zu dem Kuriosum, dass Christian Smid vollkommen alleine am Anwurfpunkt stand, sich die Kugel nahm und in Richtung des Feldes donnerte. Der Müggenkruger Anwerfer war zu diesem Zeitpunkt noch 150 Meter vom Abwurfpunkt entfernt.

Welche Kugel darf es denn sein?

Simon Hanssen sondierte die Spielgeräte. Man entschied sich für eine geklebte Kugel, die den Wettkampf nicht überstehen sollte.

Später wurde dann auf die neue Kugel umgeschwenkt, die sich auf dem Bild in den Händen des Naturburschen befindet, der sich vor einigen Tagen im Auftrag seiner Firma noch in den Weiten Russlands aufgehalten hatte.

Als Souvenir brachte der Bangsteder eine ordentliche Bronchitis mit; immer noch besser als Chlamydien.

Der Westerender Anwerfer arbeitet mittlerweile an der eigenen Legendenbildung, hat er doch seit mittlerweile einem Jahr keinen Anwurf vor der berüchtigten Birke gelassen. Auch am Sontnag war es wieder soweit: Sein Wurf lief zwar nur leicht über dem Strich, zog sich aber aufgrund der Wurfkraft und landete zwischen Weg und Birke. Da der Gegner, und das ist in den letzten Wettkämpfen schon fast traditionell der Fall gewesen, den eigenen Anwurf zu tief ließ, war die Führung schon da.

Der Vizemeister legte aber gut nach, sodass Männer II-Ass Hartmut Smid nun ca. 80 Meter überbrücken musste, um die Führung zu behalten. Doch wider Erwarten misslang ihm dieses Unterfangen komplett, da ihm die leicht sandige Kugel aus der Hand rutschte, zuviel Linksdrall mitbekam und nach knapp 50 Metern oben aus der Bahn flog. Ein Ei, das man beim sympathischen Smid sicherlich eher selten zu sehen bekommt. Die Führung war passé und Hanssen musste nachlegen.

Doch "So ward boßelt" wirkte etwas übermütig und jagte seinen Wurf ebenfalls oben raus. Dies war ein Rückfall in alte Zeiten, gehört aber mittlerweile zu einem guten Omen für Wettkämpfe der Holzköppe. Der erste Wurf von Simon Hanssen gehört einfach oben raus - das ist Fakt und irgendwie auch schön.

Ufken ist hier bei seinem Premierenwurf zu sehen. Am Sonntag war er eher der Mann für die Trüllstände und konnte seinen geliebten Gewaltdaumen nur ganze dreimal einsetzen. Er wird froh sein, wenn Sven Frerichs wieder mit von der Partie sein und die Position 4 einnehmen wird.

Der Westerender Schlusswerfer stand nun in der "Baustelle" und wusste, dass diese Passage nur mit einem leicht über der Mitte gesetzten Wurf zu überbrücken ist, da die Kugel ansonsten schnell oben im Gras das Weite sucht.

Er setzte die Kugel gemäß Vorgabe, erzielte einen normalen 150-Meter-Wurf und brachte dem Team nach dem leicht verkorksten Start etwas Sicherheit zurück.

Christian Smid stand nun ca. 80 Meter vor dem Rechtsknick und warf schon die zweite Runde an. Seinen Wurf setzte er einen Tick zu hoch, sodass dieser 70 Meter nach der Kurve oben knapp rausschoss. Es war dennoch ein solider Wurf, hätte aber sicherlich noch besser für Lütje Holt laufen können.

Nun war es aber die Nummer 2 der Westerender, die ihren Anfangsbock ausmerzte und das Schwarz sehenswert über die Gerade fegte. Es landete gute 100 Meter vor dem Rechtsknick und brachte die Führung zurück, da Müggenkrug das eigene Spielgerät nicht über den Strich bekam.

Da der nächste Versuch der Gäste noch knapp vor der Kurve blieb, hatte Hanssen nun die Chance, die Vorarbeit Smids zu veredeln.

Energisch wie ein kastrierter Kalydonischer Eber: Simon Hanssen läuft nicht, sondern fliegt an. Im Hintergrund beobachtet ihn Detlef Tunder und sehnt seine Jugend zurück.

Der 22-Jährige rannte mittig an, visierte auf den ebenfalls auf der Mitte postierten Ufken und die Kugel nahm ihren Lauf. Anfangs sah es nach einem "Doppelkurven-Beater" aus, jedoch stieg das Spielgerät einen Ticken zu hoch, kam auf der Folgegeraden auf Grund des Drucks einen Tick zu weit nach oben und blieb gut 68,7 Meter vor der Linkskurve liegen.

Wieder hatte das Quäntchen Glück gefehlt, doch Rot bangte noch, weil man sich darüber im Klaren war, dass die kurze Gerade zum Kanal von vielen Gegnern falsch eingeschätzt wird.

So war es auch dieses Mal: Der Werfer setzte die Kugel auf die rechte Seite und sie verschwand schnell im Holzlooger Dickicht. Da war es also: Obwohl der Wurf nicht ganz gelungen war, klingelte es zum 1:0. Westerende musste heute das Glück erzwingen und fighten. Fortuna wollte keinen "leichten" Start durch Kantenglück oder Ähnliches ermöglichen.

Müggenkrug warf dann gegen die Kanalbrüstung und Jens Ufken tat ihnen dies aus dem Stand nach. Leider setzte er seinen Wurf einen Tick zu weit rechts, sodass er die Führung am Ende aufgrund von einem Meter abgab.

Da Christian Smid aber vernünftig auf die Kanalgerade einwerfen konnte, war dies nicht weiter tragisch und so machte sich der lange Schlaks bereit, um das nicht vorhandene Publikum zu begeistern.

Power-Smiddi bei der Arbeit. Der Neu-Hildesheimer schlachtet in seiner Freizeit übrigens mit Vorliebe Hühner - ein toller Ausgleich zum Boßelsport.

Er tat es aber nicht. Das Ding wurde gepflegt in den Kanal gejagt, glücklicherweise erst nach einer gewissen Rolldauer.

Die Gäste machten es besser und Hartmut Smid musste wieder nachlegen, um den Ausgleich zu vermeiden.

Sein Wurf lief aber ebenfalls nicht wunschgemäß, sodass Simon Hanssen die Linkskurve trüllend meistern musste, um "Brüllhannes" Ufken mustergültig auf die Gerade zu stellen.

Mit drei Werfern durch den Kanal - zu diesem Zeitpunkt konnte man noch von keinem guten Wettkampf sprechen, den Lütje Holts Holz ablieferte. Glücklicherweise taten sich ihre Kontrahenten ein ums andere Mal sehr schwer mit dem Geläuf, sodass es zumindest noch 1:0 stand, wenn auch nicht mit der eigenen Führung im Rücken.

Der 36-Jährige jagte die Kugel gerade auf die Straße, woraufhin sie sich auf der linken Straßenhälfte einordnete und dort bis zur Kurve nicht mehr wegging. Wie auch bei den Würfen zuvor hatte Westerende jedoch wieder nicht das nötige Glück, denn sie fiel ein wenig zu weit nach links und flog aufgrund der noch zu hohen Fahrt aus der Kurve und lief eben nicht auf die Folgegerade.

Müggenkrug konterte wiederum gut und kam um wenige Meter an der Markierung vorbei.

Altmeister Hartmut Smid kam - wie alle Westerender - erst nicht so richtig in den Wettkampf, steigerte sich in der Folgezeit aber gewaltig und wusste durchaus zu brillieren.

Die beiden Smiddis legten das Stück bis zu Stine Uden mit soliden Würfen zurück und Simon Hanssen  überbrückte anschließend gekonnt das Zwischenstück von der Bushaltestelle bis tief in die S-Kurve hinein. Da Müggenkrug die Kurve fatal einschätzte, blieben sie ein deutliches Stück vor der Markierung und die Führung war endlich wieder auf Seiten des Heimteams.

Da der nachfolgende Versuch nur um Haaresbreite an Hanssens Vorlage vorbeizog, entschied sich der noch in einem schlechten Winkel stehende Ufken dazu, seinen Wurf mit halber Fahrt auszuüben, um den Anwerfer möglichst weit auf die Gerade zu bringen. Mit etwas Kantenglück im Gepäck gelang dieses Unterfangen auch und das Auswärtsteam kam erneut nur um wenige Zentimeter an dieser Maßgabe vorbei. Das 2:0 lag in der Luft, es roch förmlich danach.

Christian Smid rannte auf Höhe der kleinen, auf der rechten Seite gelegenen Einfahrt an, entließ die Kugel in die Freiheit, doch sein sonst so zuverlässiger Daumen wollte nicht zünden. Da er sich aber - wie auch der Rest der Holzbagage - zumindest immer noch auf seine Wurfkraft verlassen kann, überbrückte die Kugel auf der unteren Straßenhälfte gute 150 Meter und setzte Müggenkrug weiter unter Druck.

Bis zur Stine-Uden-Kurve war ein wenig der Wurm drin bei Simon Hanssen und seinen Kameraden. Man warf nicht schlecht, jedoch gelangen keine absoluten Klassewürfe.

Lütje Holt musste sich schlichtweg ein wenig in Geduld üben. Zudem wusste das Team, dass es traditionell normalerweise auf der Rücktour noch einmal deutlich zulegen kann.

Und die tapfer kämpfenden Gäste gaben dem Druck endlich nach. Auch Smids Kontrahent ließ die Kugel zu tief und das wichtige 2:0 war gefallen. Ein ganz wichtiger Schöt für Westerende, der dem Team das richtig Signal gab, denn von nun an wurden die Leistungen deutlich stärker und sollten nicht mehr abfallen.

Das Trio Hartmut Smid, Simon Hanssen und Jens Ufken brachte Christian Smid dann binnen kürzester Zeit auf die Schlussgerade und jetzt sollte der absurdeste Wurf des Tages folgen. Nachdem Müggenkrug wieder einmal nur um ein paar Meter am Trüllversuch Ufkens vorbeigekommen war, lief Christian Smid in der Kurve an und brannte die  derart extrem spitzwinklig durch den Scheitelpunkt, sodass diese das Grün küsste. Alle Spektatoren rechneten schon mit einem grandiosen Rohrkrepierer des sympathischen Designers für Kartoffelsäcke, doch weit gefehlt: In bester "Steffen-Lengert"-Manier kroch die Kugel wieder auf die Straße und lief in kürzester Entfernung zur Grasnaht  auf der Geraden entlang. Nach 50 Metern zündete dann obendrein noch der Finger und die Kugel stieg nochmals ein paar Zentimeter in Richtung Straßenmitte. Auf diesem merkwürdigen Niveau verblieb sie dann aber und traf final genau den Pfahl auf Höhe der Wende.

Somit war klar, dass Müggenkrugs Werfer mit der eigenen Kugel im Gepäck auf die Reise gehen musste und keineswegs eine leichte Aufgabe vor der Brust hatte.

Eugen Pernak, 72-jähriges Mitglied der 2. M-I-Mannschaft Westerendes, portraitierte hier den Lütje Holter Ersatzwerfer Knut-Manfred Knutsen. Knutsen kam am Sonntag jedoch nicht zum Einsatz. Ursache: Migräne.

Da dem Müggenkruger ein wenig die Nerven durchgingen und er die Kugel einmal quer über die Straße ballerte, fiel das 3:0 für Westerende. Das Glück war also wieder an der Holzlooger Straße heimisch.

Der nachfolgende Werfer verhinderte wiederum denkbar knapp Schöt Nummer 3 für Christian Smid und so war es nun Hartmut Smid, der sich in der S-Kurve für einen Kunstwurf bereitmachte.

Der Linkshänder lief ganz oben an, setzte die Kugel etwas über der Mitte und nach einer gewissen Zeit griff dann sein extremer Daumen. Dadurch rollte diese wieder in Richtung Straßenmitte, verlor an Fahrt und fiel auf die rechte Straßenseite herunter. Da Fortunas Wagschale wieder für das Heimteam ausschlug, biss sich die Kugel jedoch auch durch die Rechtskurve und platzierte Simon Hanssen butterweich auf der Geraden.

Das Auswärtsteam stand nun in nahezu aussichtsloser Position und entschied sich gegen einen Trüllversuch und für die sichere Variante. Der Werfer drosch die Kugel über die Gerade und traf das Gebüsch am oberen Straßenrand der Rechtskurve. Am Ende fehlten 5 Meter zur Westerender Kugel und Smid hatte mit diesem Zauberwurf das 4:0 besorgt.

Hartmut Smid vor seinem Zauberwurf in der S-Kurve. Das nennt man mal Gelassenheit.

Und es kam noch besser. Nachdem das Auswärtsteam die Kugel erneut über die Straße in  den linken Graben drosch, machte sich das Bangsteder Bübchen bereit und stand nun genau an der Stelle, wo er im Freitagstraining schon einen perfekten Wurf gesetzt hatte.

Hanssen setzte die Kugel genau auf die Mitte, sie fiel ein wenig auf die rechte Seite, zog über die Gerade und fiel dann im richtigen Winkel mit der Linkskurve mit, sodass sie auf der Geraden noch 30 Meter zurücklegte. Ein toller Wurf und Müggenkrug musste sich nun strecken, um das 0:5 zu verhindern.

Sie taten dies auch, nur fehlte ihrem Wurf ein wenig die Fahrt, sodass er in der Kurve abfiel und genau drei Meter vor der Westerender Kugel zur Ruhe fand. Westerende hatte mit 1.3 Zauberrunden aus einem 1:0 ein 5:0 gemacht. Der Wettkampf war also so gut wie entschieden und es ging in der Folge nur noch um die Höhe.

Doch nun endete die Wurfmisere der Gäste, als sich deren Werfer dazu entschied, die Kugel oben an den Straßenkamm zu nageln und damit von der einen bis kurz vor die nächste Kurve zu werfen. Dieser 250-Meter-Wurf war eine feine Aufgabenstellung für Jens Ufken, der sich nun bewusst dazu entschied - wie es das Holzteam bereits in den vergangenen Wettkämpfen immer wieder erfolgreich getan hat - Sicherheit walten zu lassen, um seinen Nachfolger gut zu stellen.

Er gab der Kugel ordentlich Druck und ein wenig Daumen mit, sodass sie kurz über die Mitte stieg und dort ordentlich zog. Am Ende fehlten lediglich 30 Meter zur Kugel des Gegners und Smid konnte ohne Druck in die S-Kurve einwerfen.

 

Ein spannender Wettkampf, der keinen Schlüpfer trocken ließ: Jens Ufken, Imke Pupkes, Jan Lengert und Christian Smid (v.l.) besprechen den Verlauf der Auseinandersetzung.

Dies tat er auch wunderbar, sodass Hartmut Smid nach einem sehenswerten Kurbelwurf in Richtung Stine Uden die Führung zurückerobern konnte. Doch Simon Hanssen drückte seine Kugel dann oben aus der Bahn und der gerade gewonnene Vorteil war wieder zerronnen. Doch wiederum stand an diesem Tag ein Holzkopp für den anderen ein und Jens Ufken machte sich auf der langen Gerade für einen Gewaltwurf bereit. Er knüppelte die Kugel ganz nach oben und stellte Christian Smid 50 Meter vor die Linkskurve. Der aus einer ähnlichen Position abwerfende Müggenkruger ließ die Kugel daraufhin viel zu tief und somit stand es erneut 5:0 für die einheimische Töffelbande.

Auf dem Kanalende hielten sich beide Teams schadlos, wobei keine extrem brillanten Leistungen gezeigt und wieder drei Würfe benötigt wurden, ehe sich Hartmut Smid und sein Kontrahent nach der Rechtskurve bereitmachten.

Der Müggenkruger traf die Gerade optimal, durchschritt die Linkskurve haarscharf und legte die Kugel ca. 80 Meter weit auf die nachfolgende lange Gerade. Smid warf nun mit der Führung im Rücken, musste aber natürlich ein sattes Ding auspacken, um mithalten zu können.

Kugelwart Johann Jürgens wird die Männer I vermutlich bald verfluchen: Glücklicherweise war es aber dieses Mal Männer-II-Werfer Hartmut Smid, der die von Simon Hanssen präsentierte Holzkugel vor dem Kanal am Bordstein in zwei Hälften teilte.

@ Johann: Wir kommen dann demnächst mal wieder bei dir vorbei. :-)

 

Doch das ließ Smid vollkommen kalt. Er warf so, wie man diesen Stand werfen muss: Er drückte die Kugel traumhaft durch den Knick und rund 5 Meter am Gegner vorbei. Dieser nervenstarke Wurf war extrem wichtig, vor allem mit Blick auf den  Verlauf der Gummibegegnung.

Simon Hanssen baute die Führung im Nachgang wieder um knappe 100 Meter aus, sodass Jens Ufken jetzt gute 100 Meter vor dem finalen Linksknick stehend einen potentieller Schötwurf vor sich hatte, zumal Müggenkrug nur rund 50 Meter an Hanssens Wurf vorbeigekommen war.

Der 36-Jährige hatte als einziger im Team noch keinen Schöt erzielt und wollte dies unbedingt ändern. Er lief mittig an, platzierte das Ding auf dem Strich und die Kugel marschierte los. Nach dem Knick ging es hoch auf die rechte Straßenseite und nach weiteren 100 Metern war dann Endstation. Da Müggenkrug sehr unglücklich vor dem Linksknick stand und viele Gegner die Flachheit des oberen Straßenteils unterschätzen, näherte sich der Westerender Schlusswerfer süffisant grinsend seinen Kameraden.

Und er sollte recht behalten: Sein Kontrahent setzte die Kugel zu weit nach oben und schon war das 6:0 passiert. Dies war sicherlich ein recht komfortabler Vorsprung, der nur noch ins Ziel gebracht werden musste.

Wie bereits eingangs erwähnt: Gesund kam keiner heim. Christian Smid musste sich auf Höhe der Wende stretchen, da er unter starken Rückenschmerzen litt.

Das Team hatte aber die Rechnung ohne Christian "Kleimors" Smid gemacht, der kurz vor der "Baustelle" nur gerade abwerfen wollte, seinem Wurf aber ordentlich Finger mitgab und die Kugel sehenswert in den unteren Straßenrand semmelte. Das war äußerst ärgerlich, weil damit auch die Führung verloren ging.

Hartmut Smid setzte nun ebenfalls zu seinem finalen Wurf an und legte glücklicherweise einen sicheren und sehr langgezogenen Wurf auf den Asphalt. Müggenkrug musste nun knappe 150 Meter liefern und schaffte dies nicht, da deren Werfer den vorausgegangenen Wurf des Westerender Anwerfers perfekt kopierte. Die Führung war zurück und die Nummer 3 der Holzköppe durfte somit nochmal gewaltätig werden.

Simon "De olle Fendt" Hanssen setzte die Kugel knapp über den Strich, wo er sich ein wenig stieß und dann genau bis zur Birke kam. Der Wettkampf war somit beendet und Lütje Holts Holzbuben konnten sich nach den 9.3 Runden neben den 6 Schöts über weitere wertvolle 51 Meter freuen.

Wie in den zwei Wettkämpfen zuvor, hatten die Kunststoffkugel-Freaks geliefert und nach einem fairen Shakehands mit den Gegner lief das Feld eilig in Richtung der Mannschaftskameraden.

Auf die "Gummis" wartete eine ganz ungemütliche Aufgabe. Steffen Lengerts Blick war bereits im Vorfeld die Anspannung zu entnehmen. Jens Ufken, Hendrik Bents, Ingo Aulig, Simon Hanssen, Christian Smid und Imke Pupkes (v.l.) lungerten auch wieder beschäftigungslos an der Holzlooger Straße herum.

Die Anhänger des Gummiboßelns starteten recht ordentlich, da Ragnar Hoffmann  die Kugel zur Birke brachte. Sein Wurf blieb dabei aber die ganze Zeit unter der Mitte und zog sich aber aufgrund des Drucks entsprechend. Da Müggenkrug jedoch noch ein Stückchen weiter kam, weil sie die Kugel oben an die Straße setzten, lag die Führung erst einmal auf Seiten der Gäste.

Ingo Aulig wollte trotz seiner Verletzung beginnen und beim ersten Wurf merkte man ihm an, dass etwas nicht stimmte. Er lief recht verhalten an und verwarf die Kugel total, sodass er nur knapp an des Gegners Markierung vorbeikam.

Da Müggenkrug auch den zweiten Wurf an die obere Straßennaht knallte, stand Hendrik Bents nun vor der Aufgabe, mindestens 180 Meter zu erzielen, um das 0:1 zu verhindern. Jeder, der den Straßenabschnitt kennt, weiß, dass dies keine leichte Aufgabe ist.

So warf Bents zwar recht ordentlich, doch blieb er 20 Meter vor der Kugel des Auswärtsteam zurück. Das frühe 1:0 für die anderen Roten hatte sich somit bereits nach dem dritten Wurf Lütje Holts manifestiert.

Steffen "El Capitano" Lengert, der seit neuestem Base-Jumping praktiziert, sich jedoch bei den ersten Sprüngen vom Schaukelgerüst im Garten seiner Eltern tierisch mit dem Fallschirm verhedderte, wollte seinem Team analog zu seinem Holzpendant Ufken Sicherheit geben und schob die Kugel seriös am Strich entlang. Müggenkrug imitierte sein Verhalten und behielt die Führung knapp.

Entweder schüttet sein Körper im Wettkampf Unmengen an Adrenalin aus oder er muss unter unfassbaren Schmerzen geworfen haben: Trotz der schlimmen Überdehnung seiner Bänder gab Ingo Aulig alles und warf zudem auch noch sehr ordentlich.

Sein Ausfall wird das Team in den nächsten Wochen sicherlich hart treffen und äußerte sich glücklich über die Tatsache, dass es  im November die gewohnten zwei spielfreien Wochenenden geben wird. Spätestens danach sollte er wieder einsatzbereit sein.

Auf diesem Wege alles Gute für dich und deinen Fuß, Ingo!

Ragnar Hoffmann stand nun vor dem Rechtsknick und warf bereits die zweite Runde an - die beiden Gruppen des Heimteams waren sich also in punkto Startperformance durchaus einig. Der Mann, der am heutigen Tag beinahe zu spät gekommen wäre, da er sich den Scheitel aus Versehen beim ersten Versuch auf die falsche Kopfseite gesetzt hatte, platzierte den roten Flummi aber ein wenig zu hoch, sodass dieser nach einiger Rolldauer oben ausstieg.

Müggenkrug tat es ihm nach, blieb aber noch vor der Kugel der Gastgeber, sodass die Führung wieder die Seiten wechselte.

Die Nummer 2 auf Seiten Westerendes nutzte nun ihren Zauberfinger und zwirbelte die Kugel an den oberen Straßenkamm. Sie lief dort ein ordentliches Stück und blieb dann 80 Meter vor dem Rechtsknick zum Kanal liegen. Man wartete zu diesem Zeitpunkt aber vergebens auf den Ausgleich, da die anderen Roten erneut um zehn Meter an der Markierung vorbeikamen.

Hendrik Bents hatte dann eine veritable Chance, den Sack zuzumachen, warf die Kugel dann aber noch vor dem Rechtsknick oben raus.

Müggenkrug hatte natürlich mittlerweile bis zum Kanal vorgelegt und nun lag es an Steffen Lengert, aus einer extrem bescheidenen Position die neuerliche Führungsabgabe zu verhindern.

El Capitano rannte an, drapierte die Kugel mustergültig, sodass sie auf der Straßenmitte in Richtung Kanalbrüstung zog. Es schepperte einmal laut und über den kleinen, gepflasterten Fußweg schob sich Westerende wieder am Auswärtsteam vorbei - Glück gehabt, aber dennoch ärgerlich, da man noch kurz zuvor mehrfach am Ausgleich geschnuppert hatte.

Bis zur Wende hielten seine Mannen noch gut mit, doch dann erfolgte ein kleiner Leistungseinbruch. So richtig zufrieden war Mannschaftsführer Steffen Lengert nicht nach dem Wettkampf mit dem werferischen Geschick seiner Gummitruppe.

Doch dann kam der Wunderscheitel des Teams, namentlich Ragnar Hoffmann, und zimmerte die Kugel aus der Kurve anlaufend oben an die Kanaltrasse. Die Kugel geriet dabei in die oben kaum noch vorhandene Rille und stieg nach rund 220 Metern zur Verwunderung aller noch oben aus. Lediglich 80 Meter fehlten jetzt noch, um den Kanal zu komplettieren.

Dieser Aufgabe stellte sich Ingo Aulig, der dem Rot noch ordentlich Fingerdrall mitgab, sodass sie enorm knapp am unteren Straßenrand entlangzog und entsprechend weit auf die Folgegerade rollte. Müggenkrug wurde vor eine hehre Aufgabe gestellt und konnte dieser nicht entsprechen. Zwar traf das Team ebenfalls die Straße, jedoch schlug die Kugel weiter rechts ein und somit wurde der Ausgleich durch den Unglücksraben des Tages herbeigeführt.

Beide Teams blamierten sich in der Folge auf der Geraden nach dem Kanal, da weder Hendrik Bents, noch sein Kontrahent das Stück überbrücken konnten und sich die beiden nachfolgenden Werfer komplett unbefriedigend vor dem Rechtsknick wiederfanden.

Während Müggenkrug alles auf eine Karte setzte und die Kugel wunderbar unten durch den Knick zimmerte, ging Steffen Lengert auf Nummer "Sicher" und drapierte das Spielgerät ein wenig höher auf der Straße, um Ragnar Hoffmann einen guten Abwurfpunkt zuzusichern; natürlich gab er dadurch aber die Führung aus den Händen.

Hendrik Bents erlebte einen wechselhaften Nachmittag. Einige Würfe liefen brillant, andere versemmelte er wiederum auf absurde Art und Weise. Beim nächsten Heimkampf gegen Hagerwilde wird er alles daran setzen, um mehr Konstanz in seine Leistung zu bringen. Das er dies kann, hat er glücklicherweise schon mehrfach unter Beweis gestellt.

Auf Anwerfer Hoffmann war dann aber wieder Verlass, als er die Kugel mittig nach vorheriger Absprache mit Steffen Lengert auf der Straße platzierte, die Kugel daraufhin ganz nach oben stieg und er den am Ende gar den Lärchenweg erreichte. Dies löste er derart technisch gekonnt, dass die Müggenkruger sogar lauthals in Richtung der Westerender fragten, "ob er denn eigentlich alles könne".

In der Folge packten es beide Teams nicht, die S-Kurve von der Geraden aus zu meistern, sondern fanden sich beide noch ein kleines Stück vor der Rechtskurve wieder; Gott sei Dank hatte Aulig die Kugel aber ein wenig weiter geworfen und die Führung in den eigenen Reihen halten können.

Es folgte eine tolle Wurfstaffette auf Seiten der Hausherren: Hendrik Bents trüllte und stellte seinen Teamkapitän gekonnt auf die Gerade. Dieser knallte die rote Kugel am Strich entlang und stellte seinen Stellvertreter kurz vor den Rechtsknick. Der gut aufgelegte zweifache Familienvater, der neuerdings seltene Hibisken sammelt und Auszüge seiner Sammlung beim nächsten Heimwettkampf gegenüber seinem Team präsentieren möchte, ging volles Risiko, indem er oben anlief, Maß nahm und die Kugel unten durch die Kurve bombte. Nur wenige Meter fehlten ihm dabei, um gar bis in die S-Kurve zu werfen.

Aber egal, wie gut die Westerender vorlegten: Die Gäste hielten dagegen und schoben ihr Wurfgerät immer ein paar Meter vorbei, sodass es weiterhin 1:1 stand. Es war zum Mäuse melken.

Ragnar Hoffmann machte seinem Ruf alle Ehre und mimte wieder Mister Zuverlässig. Er zauberte an so manchem Stand hervorragende Würfe aus dem blauen Ärmel, so wie in dieser Szene in der S-Kurve nach der Wende. Detlef Tunder wies ihm dabei die Richtung.

Nach der Serie von guten Würfen kam es aber zu einem Kompletteinbruch im Team der Lütje Holter, der sich sofort rächen sollte:

Hendrik Bents versuchte die Gerade zwischen den Kurven trüllend zu überwinden, brachte die Kugel aber zu weit nach rechts und schon war die Führung weg. Kapitän Lengert musste dann den Rest bis zur Gerade ebenfalls kegelnd überwinden und dabei gleichzeitig den neuerlichen Rückstand verhindern - zwei Unterfangen, die ihm gut gelangen.

Nun komplettierten aber Ragnar Hoffmann und Ingo Aulig die miese Runde mit zwei Aussteigern und schon stand es 2:1 für die Gäste.

Da Müggenkrug die Chance am Schopfe packen wollte und nun auch noch gute 100 Meter über die Wende, hatte Hendrik Bents nun eine ordentliche Aufgabe vor der Brust, um das 1:3 zu verhindern. Er platzierte die Kugel sehr anständig und souverän und konnte demzufolge eine Veränderung des Zwischenstandes abwenden.

Der Mannschaftsführer warf nun von der Wende aus ab und stellte den Vize-Kapitän daraufhin in die S-Kurve. Er kopierte den wenige Minuten alten Wurf seines Holzkollegen Hartmut Smid perfekt und konnte die Führung damit wieder für seine Farben zurückerobern. Die Partie stand auf des Messers Schneide, jederzeit konnte das 1:3 oder aber auch der Westerender Ausgleich fallen.

Ragnar Hoffmann agierte am Sonntag als Scheitel- und Warnwestenträger. Beide Funktionen erfüllte er mit der für ihn so über alle Maßen bekannten Zuverlässig- und Nachhaltigkeit.

Die Führung solte aber erneut nicht lange in den Händen der Lokalmatadoren bleiben, da Ingo Aulig seinen Wurf auf der Folgegerade zu fingerlastig ausführte, wohingegen Müggenkrug die Durchführung aus ähnlicher Position perfekt gemeistert hatte und bereits 80 Meter nach dem Linksknick stand.

Hendrik "Beim-Abwurf-bauchfrei" Bents musste ein ordentliches Brett nachlegen, um einen höheren Rückstand zu vermeiden und tat dies auch äußerst angemessen.

Nun standen Steffen Lengert und sein Gegenüber in ähnlicher Position auf der Gerade in Richtung S-Kurve und Müggenkrug musste vorlegen.

Der Gästewurf gelang dabei perfekt, da sich die Kugel am Straßenbuckel abstieß, zusehends abfiel und dabei in einem idealen Winkel in die Kurve einlief und dort noch ein paar ordentliche Meter zurücklegte.

Steffen Lengert wusste, dass die Verhinderung des 1:3 einem Vabanque-Spiel ähnelte; zu sehr war die Kugel bereits in die Kurve eingelaufen. Er entschied sich, die Kugel flach und mit Druck unter der Mitte zu werfen, was ihm optimal gelang. Sein Kalkül: Aufgrund des Fahrtüberschusses auf dem Grün oberhalb der Kurve noch wertvolle Meter gutmachen. Leider hatte der 30-Jährige die Rechnung ohne den Baum gemacht, der knapp 5 Meter vor der gegnerischen Markierung stand und den geplanten Botanikausflug des Spielgeräts jäh stoppte.

War das der Genickbruch im Spiel der heimischen Gummigurken?

 

Nach dem Wettkampf gab der Arzt die Diagnose für "Humpelstilzchen" Ingo Auflig: 2 Wochen gelber Schein - ein herber Verlust für das Team, weil der Rückkehrer bislang einen tollen Saisonstart hingelegt hat und zudem mit beiden Kugeln agieren kann.

Mitnichten. Der noch relativ ungünstig stehende Ragnar Hoffmann zwirbelte die Kugel technisch anspruchsvoll durch die Linksbiegung, sodass diese bis zum Haus des 1. Vorsitzenden lief und Westerende sofort die Chance auf das 2:3 zurückbrachte.

Die angeschlagene Nummer 2 der Westerende sah sich nun einem grandiosen Wurf der Müggenkruger ausgesetzt, die es schafften,  von der Bushaltestelle aus mittels Mitnahme der Grasnaht den Ringkanal zu erreichen.

Steffen Lengert guckte ganz verdattert, dass auch andere Boßler so dreist waren, sämtliche Objekte entlang der Heimstrecke für die eigenen Zwecke zweckzuentfremden, war dann aber zeitgleich auch froh, dass Hoffmann zuvor die Führung ergattern konnte.

Man konnte davon ausgehen, dass Aulig es im Normalfall nicht schaffen würde, den Vorteil zu verteidigen.

So kam es auch, obwohl er einwandfrei warf.

Im Anschluss war nach einem tollen Kampf aber Schluss für den Wiesenser, der sich seiner Verletzung geschlagen geben und nun die Manege frei für Männer-II-Werfer Detlef Tunder machen musste. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ihm eine tolle Wettkampfleistung attestiert werden.

Energiebündel Tunder kam relativ spät in die Auseinandersetzung, zeigte dann aber, dass auch 50-Jährige noch in der Männer I mitwerfen könnten.

Der Westerender Vorschlusswerfer überbrückte die Distanz bis zum Linksknick tadellos, sodass Lengert dann einwandfrei in Richtung Kanal werfen konnte.

Steffen Lengert gab seinem Wurf jedoch einen zu starken Linksdrall mit, sodass er die Gerade nicht erreichte und er sein Team damit um eine ädaqute Chance brachte. Wie ärgerlich dieser Fehlversuch war, zeigte sich dann im Nachgang, weil Müggenkrug die Kugel ebenfalls in die linksliegenden Wicken semmelte, es also ein Leichtes gewesen wäre, zumindest die Führung zurückzuerobern.

Trüllenderweise begaben sich die Truppenteile auf die Kanalgerade, wo Detlef Tunder seine Wurfpremiere feiern sollte.

Sein Wurf hielt sich extrem lang unterhalb der Mitte und nach den 180 Metern konnte man von einem durchaus adäquaten Einstand sprechen - leider blieb die Belohnung in Form eines Rückgewinns der Führung erneut aus.

Hendrik Bents brachte Steffen Lengert dann in die Rechtskurve, wo er jedoch noch nicht ganz optimal anlaufen konnte.

Sein Wurf sah zunächst gut aus, fiel dann aber nach unten ab und verschwand im Knick im Gras. Müggenkrug hatte nun also den Matchwinner in der Hand.

Gute Stimmung sieht anders aus. Eine sichtlichlich geknickte Gummibubenbande kommt der Holzdivision entgegen.

Vorne zu sehen: Venja Lowack und Detlef Tunder.

Und der Vorjahreszweite zeigte nun, aus welchem "Gummi" er geschnitzt ist: Der Kanalknick wurde perfekt ausgeworfen und nach 300 Metern konnten sich die Gäste über eine 180-Meter-Führung freuen, der sich Ragnar Hoffmann nun gegenüber sah.

Der Tagesbeste im Gummiverbund konnte das 1:4 aber auch nicht verhindern, da ihm knappe 10 Meter fehlte, nachdem sich sein solider Wurf an der Straßenmitte unglücklich gestoßen hatte.

Detlef Tunder zeigte dann seinen zweiten, tollen Wurf und stellte Hendrik Bents bereits auf die Zielgerade.

Und dann passierte es tatsächlich doch noch: Müggenkrug fabrizierte das einzige Ei des Wettkampfes, indem sie das rote Geschoss aus dem Knick in die ostfriesische Walachei jagten.

Hendrik Bents, der in dieser Auseinandersetzung ein ums andere nervenstark als Schötverhinderer auftreten konnte, hatte nun die Chance, die Führung für sein Team zurückzuerobern, um letztlich auch den Gesamtsieg in Sack und Tüten zu bringen.

Doch der 24-Jährige produzierte einen kapitalen Bock und ahmte den Wurf der Müggenkruger einfach nach.

So sehen nicht ganz fitte Sieger aus: Hendrik Bents, Ragnar Hoffmann, Simon Hanssen, Steffen Lengert, Ingo Aulig, Christian Smid, Jens Ufken, Fenja Aulig, Detlef Tunder und Hartmut Smid (v.l.).

Steffen Lengert und Ragnar Hoffmann brachten die Partie dann ins Ziel, ohne weiteren Schaden anzurichten und so handelte sich Lütje Holts Gummi mit dem 0:3,075 die zweite Niederlage in Folge ein.

Das diese jedoch ohne Folgen blieb, merkten die Jungs mehrfach auf dem Weg und in der Kneipe gegenüber ihren Holzkollegen an. Ragnar Hoffmann sprach demgemäß von einer starken Holzleistung, die den Gummis glücklicherweise den Arsch gerettet hat.

Und das ganze Team einigte sich unisono darauf, dass es beim 8er-Boßeln nun mal um einen Mannschaftssport geht, bei dem der eine Part dem anderen eben auch mal aus der Patsche helfen muss. Auf Seiten der Holzbuben war keiner sauer darüber, dass Gummi das eigene Wurfvermögen nicht zu 100% auf die Straße gebracht hatte.

Letztlich erfreute man sich gemeinschaftlich an dem knappen 6:3-Erfolg (2,126:0), der in der noch jungen Saison tatsächlich Platz 3 für den Aufsteiger bedeutet. Dabei profitierte man von einem kapitalen Ausrutscher der punktgleichen Marxer, die sich mit einem 0:17 in Hagerwilde - im Übrigen der nächste Heimgegner der Westerender - gründlich die Schötbilanz verhagelten. Die bisherigen Ergebnisse in der Liga zeigen, dass jeder jeden schlagen kann, nur Uplengen-Hollen scheint aktuell stramm mit 6:0 Punkten in Richtung Titel zu marschieren. Diese Ambitionen gibt es an der Holzlooger Straße sicherlich nicht, dennoch möchte man so schnell wie möglich alles dafür tun, um das Thema "Abstieg" in weite Ferne zu rücken.

Daheim geht es am Sonntag also gegen das Team aus Hagerwilde, die in dieser Saison recht unterschiedliche Auftritte abgeliefert haben. So verlor man bereits einmal auf der Heimstrecke und denkbar knapp in Willen, konnte aber eben auch  diesen Kantersieg gegen Marx feiern. Aktuell steht das Team mit einem irrsinnigen Schötverhältnis von 19:4 bei 2:4 Punkten auf Rang 6.

Lütje Holts letzte Heimniederlage liegt im Übrigen bereits über ein Jahr zurück (am 1.10.2017 0:2 gegen Pfalzdorf II). Ligaübergreifend gingen somit die letzten 13 Heimkämpfe nicht verloren. Entsprechend selbstbewusst wird das Team also am Wochenende in die Begegnung gehen.

 

Die Tabelle nach dem dritten Spieltag. Sicherlich ein bisher starker Auftritt der Westerender.

In der Gruppentabelle rangiert die Holzgruppe  mit 14:0 Schöts bei 6:0 Punkten auf Rang 3.

Gummi muss sich aktuell noch mit Rang 15 zufrieden geben (1:11/2:4).

-ju- (Informationen aus Gummi: Steffen Lengert, Fotos: Eugen Pernak und Jens Ufken)


Tag der Gegensätze, 1. Akt

Auswärtskampf gegen Marx, 14.10.2018

Jens Ufken und Ingo Aulig (v.l.) kamen bei bestem Sonnenschein und gut 25° C sehr gut auf dem schwierigen Geläuf in Marx zurecht. Hier grinsen sie gemeinschaftlich grenzdebil in die Kamera.

Die schönste Person auf dem Foto ist eindeutig der schlacksige, leicht silbrige Herr in der Mitte, der  zudem eine schwarze Kopfbedeckung trägt.

14.10.2018

 

Marx du mich noch? Mit diesem töffeligem Spruch begrüßte Holzwerfer Jens Ufken seinen Teamkollegen Sven Frerichs am heutigen Tage im schönen Marx. Neben den beiden Hobbymodels für Schneeanzüge hatten sich in Holz noch Roland Harms und Ingo Aulig frohen Mutes auf den Weg in den Friedeburger Vorort gemacht. Die Holzbengels hatten folglich keinen Ersatzwerfer dabei; alle waren demgemäß dazu verpflichtet, eine ordentliche Leistung zu erbringen.

Steffen Lengert, der zusammen mit Vize-Kapitän Ragnar Hoffmann so weise wie weitsichtig vor dem Wettkampf feststellte, dass das Schwierige an den Auswärtskämpfen die Tatsache sei, dass sie nicht auf der Heimstrecke stattfänden, konnte auf der Gummiseite einen Burschen mehr aufbieten: Zu der Führungscrew des Teams gesellten sich das Nachwuchsmenschenkind Philipp Harms sowie Dirk Tunder und Hendrik Bents.

Christian Smid und Simon Hanssen fehlten an diesem schönen Sonntagnachmittag. Smid kommt nicht für jeden Wettkampf aus Hildesheim heim und Hanssen weilt aktuell berufsbedingt in Russland. Westerende betreibt in dieser Saison eine Art "Job-Sharing", lässt sich feststellen.

Und los geht's! Manni Fass (langjähriges Vorstandsmitglied in Marx und mittlerweile Männer III-Werfer), Hendrik Bents, Steffen Lengert, Ingo Aulig und Steffen (Pimo) Renken (ruhige Seele des MarxerTeams und konstante Größe in der Gummigruppe) (v.l.) erwarten die Anwürfe in Holz.

Die Division Holz reiste mit einer ordentlichen Portion Respekt ins Friedeburger Hinterland, hatten die Hausherren doch die Holzgruppe des Vorjahresvizemeisters aus Müggenkrug am ersten Spieltag mit 4:0 abgefertigt.

Doch die Fans der Kunststoffkugel kamen toll aus den Startlöchern: Backup Roland Harms, der aufgrund seines biblischen Alters bereits in der M2 aktiv sein könnte, legte einen feinen Anwurf hin und holte gleich die Führung. Jens Ufken setzte einen zweiten, sehenswerten Wurf hinterher und baute diese wieder um ein paar Meter aus. Nach ordentlichen Würfen von Ingo Aulig und Sven Frerichs lag das Team in der ersten Kurve. Lediglich um Haaresbreite, nämlich aufgrund der besseren Lage zum Peilpunkt, konnten die Blauen zu diesem Zeitpunkt das 0:1 verhindern.

Opi Roland Harms löste den schwierigen Wurf dann exzellent. Er musste dabei noch in der Kurve anlaufen, setzte die Kugel mustergültig auf den Bock und stellte das Holz-Großmaul Ufken ganz knapp vor die nächste Kurve.

Marx konterte perfekt und schob sich erneut um ein paar Meter vorbei.

Ufken hatte nun die Aufgabe, die scharfe Rechtskurve möglichst gewinnbringend zu bestreiten, setzte seinen Wurf aber ein wenig zu weit nach links und jagte die Kugel ca. 50 Meter weit in den Dreibrückenweg, die Einfahrt zum etwas weiter rechts liegenden Land an der Hopelser Straße wäre sicherlich die bessere Alternative gewesen und hätte angesichts der besseren Lage zum Peilpunkt das 1:0 bringen können.

Marx schlich sich um ein paar Meter an der Vorgabe Ufkens vorbei und somit blieb es beim Remis.

Ingo Aulig machte sich bereit für seinen Wurf. Roland Harms kämpfte sich derweil im Feld nach vorne. Hinten im grünen Shirt gab Sven Frerichs die Richtung vor.

Aulig lieferte eine sehr ordentliche Leistung ab. Er zeigte keine Eier und konnte die Kugel ein ums andere Mal schön auf dem berüchtigten Bock platzieren. Dafür nahm er  sehr clever seine Wurfkraft und die damit verbundene Finger-Kurbelei ein wenig zurück.

Erstmalig ging die Führung aber dann mit Beginn der 3. Runde verloren. Marx hatte ein souveränes Teil auf den Asphalt gebrannt und Roland Harms versuchte nun, Schadensbegrenzung zu betreiben. Er gab zwar die Führung ab, stellte Jens Ufken aber bis auf 40 Meter an die gegnerische Kugel. Dies hätte deutlich schlechter für Rot ausgehen können.

Von da an gab es eine zwischenzeitliche Druckphase der Hausherren, die dem 1:0 deutlich näher schienen.

Ufken, der auf der Strecke als einziger alle Würfe mit Daumen warf und sich darüber einen Keks freute, wusste dann ebenso wie auch Ingo Aulig, der im Nachgang eine weitere Granate nachlegte, gekonnt zu kontern.

Doch an den Blauen bissen sich die Roten weiterhin die Zähne aus, denn die Führung wechselte nicht die Seiten.

Insbesondere, als Sven Frerichs und Anwerfer Harms im Nachgang kürzere Wurfexemplare lieferten, ging es weiterhin um das bloße Verhindern des Rückstands.

Doch jetzt kamen die Auftritte vom 36-jährigen Ufken und dem 39-jährigen Aulig:

Der Werfer mit Haaren hatte mächtig Wut in der kleiner gewordenen Plauze und zimmerte die Kugel 180 Meter am unteren Straßenrand entlang; das Spielgerät stieg dabei merkwürdigerweise nur maximal 30 Zentimeter zur Straßenmitte hoch. Diesem Zauberwurf konnten die Lokalmatadoren gerade noch Folge leisten.

Wenig später wechselte die Führung dann aber zurück, als der Mann ohne Haare die Kugel sehenswert auf dem Bock drapierte und der Vorteil endlich wieder auf Seiten der Westerender lag.

Aufmunterung für den kleinen Svenni: Jens Ufken versuchte Frerichs aufzubauen, da er als einziger Holzwerfer nicht so gut in Marx zurechtkam.

Sven Frerichs' Blick ist deutlich zu entnehmen, dass er sich in diesem Moment vermutlich keine bessere Motivation hätte wünschen können.

Deutlich sichtbar: Die verengte, geschwungene Ader an Ufkens Schläfe, die sich für die schlechte Versorgung seines Gehirns mit Sauerstoff verantwortlich zeichnet.

Roland Harms und Sven Frerichs lieferten solide nach, sodass die Startnummer 2 volle Führung werfen konnte und sein Däumchen bereits frohlockend zu zucken begann. Kurz vor der Wende setzte er im Getümmel der entgegenkommenden anderen Teams aus Mullberg und Umgebung zu einem Gewaltwurf an, brachte die Kugel genau auf den Bock und legte erneut knappe 200 Meter aufs teerige Parkett. Der Bann war endlich gebrochen, als die Marxer ihr Spielgerät lang über die Straße schoben und die Markierung nicht erreichten.

Endlich das 1:0 und Rot brüllte sich die Seele aus dem Leib.

Es ging ein Ruck durch die zum Teil schon recht modrigen Körper der Lütje Holter. Nachdem Quadfan Aulig adäquat nachgelegt hatte (mit dem auf der Strecke so häufigen "Lang-rüber-Wurf"), fasste sich der etwas unglücklich agierende Sven Frerichs, der sich aufgrund seiner recht eigenwilligen Kurbeltechnik eher auf breiteren Straßen wohlfühlt, ein Herz und produzierte einen grandiosen Wurf, der genau die Straßenmitte traf und die Wende überwand. Das waren sehenswerte 170 Meter, die das Team jubeln ließen.

Das Heimteam musste jetzt ca. 60 Meter überbrücken, um das 0:2 abzuwenden. Und sie taten es bravourös in Person ihres A-Jugendlichen Dominik Dannehl. Dannehl, ein großgewachsener, stämmiger Bursche, nahm das in seinen Pranken murmelhaft wirkende Spielgerät und jagte es angenehme 220 Meter in Richtung Marx. Eine nette Vorgabe, der sich Routinier Harms nun stellen musste; glücklicherweise mit der eigenen Führung im Rücken.

Roland Harms, der in dieser Szene seine Cannabis-Plantage in der Marxer Grabenlandschaft überprüfte (O-Ton Jens Ufken: "Bei uns werden die Alten und Schwachen in die Gräben gejagt. Manchmal kommen sie nicht mehr zurück. Das ist dann eben so!"), spielte auf dem anspruchsvollen Geläuf all seine Boßelerfahrung aus. Er traf zwar eher selten den Bock, kurbelte die Würfe aber immer wieder zum Erstauen der Marxer gekonnt von ganz unten langsam mit dem  Finger hoch, sodass sie extrem lange auf der Straße verweilten und dann auf der anderen Straßenseite im Graben verschwanden. Totalausfälle gab es bei ihm nicht zu verzeichnen.

Harms wusste, dass er die Vorgabe des Marxer Holz-Goliaths im Normalfall nicht erreichen würde und warf wieder auf "Nummer Sicher", um Jens Ufken zumindest wieder vernünftig zu platzieren. Es fehlten knapp 40 Meter und Marx war dem 1-1 plötzlich wieder näher als Lütje Holt dem Ausbau des Vorsprungs.

Doch Jens Ufken hatte einen Sahnetag und zimmerte die Kugel genau auf die Mitte, woraufhin sie durch die entgegenkommenden Gummi-Teams schoss und nach gut 180 Metern rechts im Graben liegen blieb. Marx hatte wieder die Bringschuld und scheiterte um ein paar Meter an der Markierung, sodass es wieder "Vorteil Westerende" hieß.

Und dann kam Ingo Aulig. Er drehte am Gashahn und das Schwarz gekonnt mit Finger auf die Straßenmitte, von wo sie nicht mehr weg wollte. Nach knappen 200 Metern verschwand diese im Dickicht auf der rechten Straßenseite und Rot bangte frohlockend.

Die Vorfreude stieg beim Anlauf des Marxer Werfers und die Gäste sollten recht behalten: Am Ende fehlten den Blauen fünf Meter und das erlösende 2:0 konnte notiert werden.

Da wussten die drei Knaben noch nicht, ob das Ding am Ende positiv ausgeht. Das 2:0 stand nach wie vor auf sehr wackeligen Boßlerbeinchen.

v.l.: Sven "Warnweste" Frerichs, Roland  "Opa" Harms und Jens "Neon" Ufken.

Sven Frerichs geriet dann ein wenig ins Schlingern und gab zweimal die Führung ab, einmal gar mit einem 30-Meter-Vollei, als er die Kugel komplett neben die Straße setzte, doch Ingo "Mr. Safety" Aulig gelang es jedes Mal, dessen Schnitzer wenig später auszubügeln und den Vorteil für seine Seite zurückzuholen.

Aulig war es auch, der Frerichs dann wunderbar in die scharfe Linkskurve stellte, sodass dieser die Gerade bis zur Rechtskurve komplett vor sich einsehen konnte. Auf diesem klaren Fingerstand zeigte der Bundeswehrsoldat, was in ihm steckt und packte mal richtig einen aus. Die Kugel stieg bis an den oberen Straßenrand und dann genau in der Kurve oben aus - Gerade überbrückt, Job erstklassig erledigt.

Der Marxer warf ungefähr vom gleichen Punkt ab, setzte die Kugel aber deutlich zu hoch und prompt hatte Frerichs doch noch sein Erfolgserlebnis und konnte zusammen mit seinen Holzköppen die Vorentscheidung bejubeln.

Nachdem Roland Harms die Holzkugel, die intelligenterweise aus Plastik besteht, vernünftig und kraftvoll durch die Kurve auf die Gerade geschleudert hatte und die Marxer nur um 20 - 30 Meter daran vorbeiwarfen, machte sich der Neonfan auf Seiten der Roten wieder wurfbereit. Da man sich bereits auf der Zielgeraden befand und er damit rechnen musste, nun seinen Schlusswurf zu erledigen, nahm der extrem zierliche 1,93-Meter-Mann nochmal alles an Kraft aus seinem labil-klapprigen Körper und senzte die Kugel erneut gute 200 Meter gen Marx.

In Sachen Verkehrsbelastung punktet die Querverbindung zwischen Marx und Wiesmoor gewaltig. Zudem liegt der Ort in einer wunderbaren Klimazone, die noch Mitte Oktober sommerliche Temperaturen ermöglicht.

Alles bestens, wenn die Strecke nicht so verdammt anspruchsvoll wäre.

Dominik Dannehl hatte nun eine undankbare Aufgabe vor sich, wollte er sein Team doch vor noch mehr Schaden bewahren. Er warf von der Fingerseite, setzte die Kugel einen Tick zu hoch und wenig später landete sie auf der anderen Seite in der langen Auslaufzone.

Westerende erhöhte somit also kurz vor Toreschluss noch auf 4:0.

Ingo Aulig legte mit einem normalen Wurf nach und dann war es an Sven Frerichs, einen vernüntigen Nachfolger zu konstruieren.

Doch Frerichs misslang dieser Wurf komplett: Auf der Daumenseite anlaufend, zog er die Kugel vor dem Körper entlang, hoffte dann auf das Einsetzen des Daumens, doch blieb dies aus und nach 40 Metern war Endstation im Gras und die Führung wieder bläulich eingefärbt.

Das war natürlich ein herber Rückschlag, denn Team Rot hatte insgeheim noch auf einen 5. Schöt gehofft, um Gummi ein wenig Erleichterung zu verschaffen, da man bereits im Laufe des Wettkampfes immer wieder Schötrufe auf der "falschen" Seite vernehmen konnte.

Das Ding war also entschieden und Roland Harms und Jens Ufken brachten die Kugel dann genau bis zum Marxer Ortsschild. Ein toller 3,113:0-Teilerfolg, der zeitgleich den  Saison-Rundenrekord auf der Strecke bedeutete, stand somit bereits für die Westerender fest und die Teams liefen den Gummigruppen entgegen.

Kurz vor der Wende Stimmung wie auf einer Beerdigung: Die Westerender Gummis konnten sich in Marx nicht den Ruf erwerben, Experten für schmale Strecken zu sein.

Hier im Bild zu sehen: Frauen I-Werferin Imke Pupkes, die für ihren Auftritt von Gucci eingekleidet wurde sowie Ragnar Hoffmann, Hendrik Bents, Dirk Tunder und Philipp Harms (v.l.).

Die Gummigurken waren in der Reihenfolge Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Hendrik Bents und Steffen Lengert in den Wettkampf gestartet. Youngster Philipp Harms, der sich von Beginn an gegen die schmale Strecke wehrte, lief erst einmal mit, kam aber später zum Einsatz.

Das Team kam gut weg, da der Marxer Kapitän Michael Dirks seinem Wurf etwas zuviel Drall mitgab und sein Wurf somit quer über die Straße schoss, Ragnar "Origami" Hoffmann jedoch die Mitte anpeilte und einen stattlichen Wurf herbeizauberte. Rot hatte somit die Führung inne - ein Umstand, den sie vermutlich noch intensiver genossen hätten, wenn sie den weiteren Verlauf des Wettkampfs bereits gekannt hätten.

Dirk Tunder gab den Vorteil dann aber sofort aus den Händen, da Marx ordentlich vorlegte und er dort nicht hinkam.

Das werferische Niveau fiel bereits früh deutlich im Vergleich zu den Holzgruppen ab, machte Rot doch bereits den fünften Wurf noch vor der Linkskurve. Dirks hatte bereits vorher gegenüber Hoffmann ausgesagt, dass vier Würfe bis zur Kurve als Pflichtveranstaltung gesehen würden und man alles darüber als bedenklich einstufen müsse.

Jan Lengert (rechts) tat den Gummijungs zwei riesige Gefallen: Zum einen hatte das Team beim Einwerfen eine Gummikugel verloren, sodass man nun mit nur einer Kugel in den Wettkampf gehen musste. Zum anderen ging bei der Suchaktion der "Pornosucher" zu Bruch.

Lengert, der bereits am Vormittag in der 2. Mannschaft in Fahne aktiv war (Die Partie ging 0:2 verloren) setzte sich nach einem Hilferuf seines Bruders Steffen sofort ins Auto und lieferte die entsprechenden Ersatzgeräte.

Ein toller Einsatz, der nochmals besonders hervorgehoben werden sollte.

Im Hintergrund nähern sich Philipp Harms und Ragnar Hoffmann  (akkurater Scheitel) (v.l.).

Im anschließenden Verlauf vermieden Tunder, Lengert und Bents immer haarscharf den frühen Rückstand, speziell die Würfe der Nummer 3 und 4 gingen immer nur wenige Meter an der Marxer Kugel vorbei, sodass sich die Roten schon in Runde 2 zwei satte blaue Augen eingefangen hatten.

Der taumelnde Boxer namens Westerende bekam dann aber den ersten Schlag in die Magengrube als Vizekäpitän Hoffmann seinen Wurf komplett versaute, indem er ihn säuberlich und mit Bedacht in den unteren Straßengraben zimmerte, da er die Steilheit der Strecke vollkommen unterschätzt hatte und die gute Vorgabe der Marxer nicht erreichte.

Dirk Tunder und Hendrik Bents machten ihren Sachen dann sehr ordentlich, jedoch wuchs die Führung der Marxer mit jedem Wurf kontinuierlich an und gipfelte schließlich wenig später im 0:2.

Der Wurm war nun komplett drin im Wurfgebahren der Westerender, sodass man sich bis zur Wende  der Wiesederfehner noch weitere 3 Gegenschöts einfing. Entweder baute Marx die Führung Zug um Zug aus oder es klingelte wieder auf Seiten der Blauen. Es war nicht gerade die absolute Zufriedenheit, die sich auf Seiten Lütje Holts breitmachte. Das Team agierte komplette unter seinen Möglichkeiten.

Ragnar Hoffmann (r.) ist einfach eine gescheitelte Persönlichkeit. Auch wenn es mal nicht beim Vizekapitän läuft, kann er sich zumindest immer auf die korrekte Teilung von westlicher und östlicher Kopfhemisphäre verlassen.

Übrigens weicht der Scheitel im Frühjahr, wenn die Motorradsaison beginnt.

Jan Lengert begutachtet ungläubig das trostlose Geschehen der Westerender.

 

Westerende war zudem schlichtweg nicht dazu in der Lage, die Straße zufriedenstellend zu lesen.

Ein Hoffnungsschimmer blitzte zwar auf, als der Mannschaftsführer kurz vor der Wende Gewalt walten ließ und erstmal seit langem wieder die Führung für sein Team besorgen konnte. Ragnar Hoffmann eiferte ihm nach und prompt stand es 1:5 aus Sicht der Gäste.

Der verhaltene Jubel wollte aber nicht lange anhalten, denn ihre Teamkollegen gaben prompt die Führung wieder ab und das Spielchen begann von Neuem.

Der Anwerfer der Marxer, namentlich Michael Dirks, der zusammen mit Jens Ufken früher gemeinschaftlich in Upschört auf Titeljagd ging, zündete dann kurz vor der Wende ein Unding und jagte die Kugel über die Bachbrücke bis fast in den Hopelser Wald hinein.

Dirk Tunder musste Schadensbegrenzung betreiben, schaffte dies aber eher semioptimal, sodass mit dem 1:6 der alte Abstand wiederhergestellt war.

Michael Dirks zeigte an und erwischte gegen die Roten einen tollen Tag. Die Marxer Boßelbrigade erwies sich als toller Gastgeber und zwischen beiden Teams, die sich bereits von den Aufstiegskämpfen aus Willmsfeld kannten, wurden kurzerhand Pläne für einen Freundschaftskampf im Zuge der nächsten Saisonvorbereitung geschmiedet.

Für Hendrik Bents war es dann aus schwieriger Position schier unmöglich, das 1:7 abzuwenden. Doch wider Erwarten gelang ihm dieses Unterfangen, jedoch spielte Westerende nur auf Zeit, da Marx nun wieder befreit "volle Führung" werfen konnte und dies auch bestens zu nutzen wusste. Zack, schon war Rot nach dem nächsten Wurf sechs Würfe im Rückstand. Allmählich galt es für Lütje Holt darum, eine zweistellige Klatsche zu vermeiden.

Glücklicherweise schwand bei den Hausherren dann ein wenig die Konzentration, denn obwohl Rot weiterhin fleißig Gastgeschenke verteilte, konnten diese nicht vollumfänglich genutzt werden und die Begegnung verflachte zusehends.

Insgesamt gestaltete sich die Auseinandersetzung dadurch auch ausgeglichener und die Roten beratschlugen sich dann, dem 15-jährigen Roland-Harms-Spross eine Chance zu geben.

Ragnar Hoffmann erklärte sich folglich kurzerhand dazu bereit, seinen Posten für ihn zu räumen.

Festtagsstimmung beim Mannschaftsführer Steffen Lengert.

Harms riet vor seiner Einwechslung nochmals davon ab, ihm eine Chance zu geben, da er bereits beim Einwerfen eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, sich auf diesem Terrain sehr unwohl zu fühlen. Ursächlich dafür war  sicherlich der aktuelleTrainingsrückstand des Youngsters, der dazu führte, dass er beim Abwerfen oftmals den Arm verriss und das Spielgerät dadurch entweder quer über die Straße schoss oder fluchs im unteren Graben verschwand.

Nichtsdestotrotz musste er nun ran und dieses Unterfangen ging leider Gottes grandios in die Hose und es klingelte zum 1:8.

Da auch der nächste Versuch des großgewachsenen Schülers fehlschlug, stand es alsbald 1:9.

Der 15-Jährige wusste seine Leistung im Nachgang aber sehr erwachsen einzustufen und wird in den nächsten Wochen vor allem auf der Heimstrecke immer wieder seine Chancen erhalten, um langsam ans Werfen im Seniorenbereich herangeführt zu werden. Dass er boßeln kann, hat der mehrfache LKV- und FKV-Meister schon in der Vergangenheit eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Die Begegnung fühlte sich für die Westerender gemäß Aussage von Ragnar Hoffmann und Steffen Lengert zwischenzeitlich schon wie ein 1:13 an, sodass man im Grunde froh war, als Dirk Tunder mit dem Schlusswurf nochmal die Führung zurückeroberte und die Niederlage mit einem 0;7,106 ein Stückchen erträglich machte. Zudem war endlich Schluss auf einer Marxer Strecke, die die Gäste-Gummis sicherlich nicht zu ihren Lieblingen erkiesen werden.

Versuchte noch ein Coaching bei seinem Filius, doch an diesem Tag sollte es einfach nicht klappen.

Roland Harms (r.) sprach seinem Jungen aber, ebenso wie auch die restlichen Mitglieder des Teams, Mut zu.

Was am Ende blieb, war die Erkenntnis, dass die Gummidivision bereits mit einem Magengrummeln nach Marx gereist war, da man sich darüber im Klaren war, auf kleinen Strecken eher weniger gut klarzukommen. Und so war es nicht überraschend, dass man am Ende ganze zwei Runden schlechter als Holz war.

Dieser Fluch der schmalen Strecken begleitet  das gesamte Westerender Team dabei  aber schon seit längerem, konnte man in der Meistersaison doch auf den drei schmaleren Geläufen in Middels-Osterloog, Wiesens und Schirum-Ostersander nur zwei Unentschieden und eine Niederlage einfahren.

Wie Michael Dirks aber im Anschluss treffend zu verstehen gab, gibt es nur eine schmale Strecke in der Liga, sodass Westerende sich darauf spezialisieren wird, auf anderen, breiteren Geläufen zu punkten.

Nach dieser 3:7-Niederlage (-3,143) rangiert Lütje Holt aufgrund des Schötverhältnisses von 9:7 auf Rang 5 in der Liga - ein Platz, über den man am Jahresende sicherlich froh sein würde. Liga-Primus sind die Männer von Uplengen-Hollen mit 12:1 Schöts und 4:0 Punkten, gefolgt von Neuling Marx (12:6 Schöts), die mit zwei Heimkämpfen in die Saison gestartet sind.

Zumindest gab es zum Schluss nochmal die Führung für Lütje Holt. Dirk "Sunglasses" Tunder semmelte den Flummi in Richtung Ortskern.

In der Gruppentabelle der Ostfrieslandliga dominieren aktuell die Gummiteams. Gerade Altharlingersiel grüßt mit 16:0 Schöts von der Spitze. Die Holz-Gruppe Lütje Holts hält sich bislang auch noch schadlos und steht als beste Holzgruppe mit 8:0 Schöts und 4:0 Punkten auf Rang 4. Westerendes Gummi rangiert mit 1:7 Schöts auf Rang 14, wird diesen Umstand beim nächsten Heimkamf aber sicherlich ändern wollen.

Dass dieses Unterfangen nicht einfach werden wird, ist jetzt schon absehbar. Mit Müggenkrug reist ein wurfkraftstarkes Team nach Aurich, dessen Gummigruppe bislang ebenfalls auf 8:0 Schöts kommt. Die Holz steht aktuell bei 1:4 Schöts und 2:2 Punkten.

Es wird also ein harter Fight um den zweiten Heimsieg und einen gelungenen Saisonstart für die Westerender, die dabei auf Sven Frerichs, Roland und Philipp Harms sowie Dirk Tunder verzichten müssen.

Dafür kehren Simon Hanssen und Christian Smid ins Team zurück und Westerenders Allstar-Werfer Hartmut Smid (Männer II) gibt sein Saisondebüt in Holz. Ingo Aulig rutscht dagegen wieder zurück in die Gummigurken-Bande.

Haben in ihrer Jugend bei "Freya" Upschört gemeinsam diverse LKV- und FKV-Titel gewonnen und trafen sich nach all den Jahren in der Ostfrieslandliga wieder:

Jens Ufken und Michael Dirks erkannten sich erst nach einiger Zeit, genossen dann die Zweisamkeit und waren nach gut 20 Jahren gleich wieder ein Herz und eine Seele.

Klar, dass heimlich Handynummern getauscht wurden.

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)


Ein Auftakt nach Maß

Heimkampf gegen Willen, 30.9.2018

War die Lässigkeit vor dem Wettkampf gespielt oder Tatsache? Vor ihrem ersten Auftritt in der höchsten 8er-Liga waren die Burschen Westerendes doch sehr gespannt, was Willen ihnen alles abverlangen würde. Hier zu sehen: Simon Hanssen (Zigarette), Sven Frerichs (grünes Polo), Dirk Tunder (ohne Sonnenbrille), Steffen Lengert (Cappy mit Prinzessin-Lilifee-Emblem) und Hendrik Bents (blaues Shirt, roter Tanga).

1.10.2018

 

Nun war es also endlich soweit: Die Westerender Boßelbuben fanden sich am gestrigen Sonntag um 12:45 an der Holzlooger Straße ein, um weitere gar lustige Boßelgeschichten zu schreiben. Kapitän Lengert hatte ein ausgedehntes Warmwerfen ohne gegnerische Anwesenheit befohlen und seine 9 Boßelsklaven waren seinem Anliegen gefolgt. Allein Holzwerfer Jens Ufken musste sich nach einem ausgedehnten Besuch des Auricher Oktoberfests eingestehen, dass er nicht mehr der Jüngste ist und konstatierte mit kreidebleicher Visage, dass es ihm unmöglich wäre, eine Kugel in eine vorgegebene Richtung zu bewegen (O-Ton Jens Ufken: "Das Schnitzel am Vorabend muss schlecht gewesen sein. Soooo  viel hatte ich gar nicht.")

Da die Westerender aber gestern über einen Luxuskader mit 10 gleichwertigen Werfern verfügten und bei künftigem Bedarf sogar noch auf die zweite Mannschaft zurückgreifen können, stellte dies kein großartiges Problem dar. Dennoch, vermutlich auch um sein Gewissen zu beruhigen, stellte Ufken nach dem Wettkampf klar, dass er der Mannschaftskasse für seine Untat 20 €  spenden würde.

Mit Willen kam nicht gerade Laufkundschaft in den KV Aurich, sondern immerhin der Tabellendritte des Vorjahres, der sich im letzten Jahr auswärts nur sechs Verlustpunkte eingehandelt hatte. Die Roten waren also gewarnt und wollten hochkonzentriert zu Werke gehen.

"Wenn wir heute gewinnen, starten wir mit einem Sieg in die Saison", stellte man nicht ganz ernstgemeint und leicht töffelig im Vorfeld fest.

Man könnte Christian Smid vermutlich nachts aufwecken, an den Abwurfpunkt stellen und er semmelt das Ding 180 bis 250 Meter in Richtung Hinter-Theene. Obwohl er aufgrund seines Umzugs nach Hildesheim nur wenige Trainingseinheiten machen konnte, behielt er die Nerven und zimmerte die Kugel  vor den Augen seiner Freundin Lena (leicht verdeckt) und Detlef Tunders bis hinter die rechtsliegende Einfahrt.

Durch den Ausfall Ufkens und die Tatsache, dass "Holz" den Allrounder Ingo Aulig nach dessen starker Gummiwurfleistung im Ossi-Pokal an Gummi abgegeben hatte, stellte sich die Mannschaft von alleine auf, nur die Reihenfolge musste noch festgelegt werden. Da Simon Hanssen seinen "Den-zweiten-Wurf-baller-ick-mal-mui-as'n-Töffel-boben-rut"-Stempel ablegen wollte, ging er fluchs auf die 3, Dampfmaschine Sven Frerichs folgte Anwerfer Christian "Smiddi" Smid auf der 2 und Mannschafts-Opa Roland Harms, der als Männer II-Werfer in dieser Saison als Backup fungiert und somit bereits über die volle Distanz gehen musste ("Mir tun jetzt die Waden weh, weil du Penner gestern saufen musstest." Freundschaftliche Ansage von Harms an Ufken nach dem Wettkampf), beschloss das Viererfeld.

Die beiden Personalverschiebungen - ob bewusst oder unbewusst passiert sei mal dahingestellt - sollten sich im Laufe des Wettkampfes noch als Glücksfälle herausstellen.

Kurbelkönig Frerichs legte einen tollen ersten Wurf auf die Trasse. Er hatte ein wenig Pech, als das neugemachte Teilstück seine Kugel verschluckte und im Graben wieder ausspuckte. Dennoch konnte er mit dieser Leistung zufrieden sein. Christian Smid schaffte es in der Zwischenzeit aufgrund des starken Verkehrs herbeizueilen, um "Smiddi in der Grube" zu spielen.

Die Holzburschen starteten keineswegs nervös in den Wettkampf, sondern hervorragend. Christian Smid hatte bereits die Führung per Anwurf erkämpfen können, da die Willener ihren Wurf nach ca. 80 Metern im Graben verschwinden ließen.

Es folgten Frerichs guter Wurf auf der 2 und ein toller Versuch Hanssens, dem man regelrecht ansehen konnte, dass er auf Wurfkraft zugunsten von Richtung verzichtete und die Führung weiter ausbaute. Ein sehr besonnener Start vom jungen Bangsteder.

Nach 3 tollen Würfen stand Roland Harms schon 30 Meter vor dem Rechtsknick und konnte bereits mit einer guten Führung im Rücken frei aufwerfen. Er setzte den Wurf zwar unter die Mittellinie, doch griff der Finger dann ein wenig zu stark, wodurch das schwarze Rund nach ca. 80 Metern auf der nachfolgenden Gerade oben ausstieg. Die Chance auf das 1:0 vertan, dachten sich die Lokalmatadoren, doch weit gefehlt: Willen unterschätzte ebenfalls die Flachheit der Kurve und ließ die Kugel sogar noch ein paar Meter vor Harms' gesetzter Weite. Die Folge: Der verdiente Schötjubel nach einem gelungenen Start für Rot.

Simon "So ward boßelt" Hanssen knallt die Kugel mustergültig auf die Fahrbahn. Zusammen mit Roland Harms legte er gestern die beste Leistung hin, trat vor allem als grandioser Vorbereiter in Erscheinung und musste viele schwierige Stände meistern.

Das wichtige 1:0 war also gefallen. Eigentlich ein Umstand, der Sicherheit bringen sollte.

Doch in diesem Jahr wirft Westerende eine Liga höher und das macht sich auch an den unmittelbaren Reaktionen der Gegner bemerkbar. Auf Seiten der Willener schickte sich ein junges, hochtalentiertes Leichtgewicht an, einen auszupacken. Der junge Thole lieferte generell einen bemerkenswerten Wettkampf ab und kurbelte seinen zweiten Wurf an den oberen Straßenkamm, wodurch er die gesamte Gerade abwarf.

Christian Smid guckte nun leicht verdattert aus der Wäsche und hatten nun die Aufgabe, Schadensbegrenzung zu betreiben. Und das tat er auch ganz wunderbar: Zwar haderte er bei vielen Würfen damit, dass er die Kugel nicht vollständig über die Mitte bekam, doch reichte seine Fahrt dennoch aus, um auf diese Art und Weise eine repektable Weite zu erzielen. So lief es auch bei seinem zweiten Wurf, den er nur am Strich platzierte, sich aber bis auf 50 Meter an die Kugel der Gäste annäherte. Es war also nichts passiert, lediglich die Führung abgegeben.

Thole Garrelts zeigte auf Seiten der Willener eine sensationelle Leistung. Von diesem Abwurfpunkt jagte er die Kugel bis kurz vor die Bushaltestelle auf der Geraden zum Kanal. Getreu dem Motto "Kann man mal machen". Christian Smid "freute" sich im Hintergrund bereits auf die bevorstehende Aufgabe. So eng wie hier lagen die Wurfmarkierungen der Teams sehr oft beieinander.

"Dampfmaschine" Frerichs war nun an der Reihe und hatte den schönen Stand ca. 60 m vor der Rechtskurve, von wo aus man wunderbar bis zur Kanalkurve werfen könnte. Die Betonung lag in diesem Fall aber auf dem Konjunktiv, denn der Soldat setzte die Kugel zwar mittig, drehte sie aber zu stark mit dem Daumen ein, sodass er Simon Hanssen gerade einmal kurz hinter den Rechtsknick stellte. Da starken Gäste sich nach kleineren Anlaufschwierigkeiten warm geworfen und ihre Kunststoffkugel bis in die Kanaleingangskurve gesetzt hatten, musste Hanssen jetzt recht ordentlich werfen, um den Ausgleich zu verhindern.

Leider machte er beim Abwurf einen Schritt nach rechts, der dazu führte, dass die Kugel die rechte Straßenseite traf und nicht bis zur Vorgabe der Grünen ging. Die Partie war wieder offen und es sollte der einzige Fehlversuch des überaus übereifrigen Ü-Eierfiguren-Fans bleiben, der einen Sahnetag erwischte.

Es folgte ein Wechselspiel der Emotionen und Führungen. Lütje Holt erkämpfte die Führung, das Team aus dem KV Wittmund konterte stark und gewann diese zurück. In diesem spannenden Zustand des Hin- und Herschwappens ging es mit der Führung Westerendes auch über die Wende und zurück bis zur S-Kurve, ehe Simon Hanssen und Roland "graue Eminenz" Harms ihre großen Auftritte hatten.

Schötszählen mit Roland Harms. Mannschaftskamerad Sven Frerichs herzte den alten Mann, natürlich immer griffbereit: Sein Rauchutensil. Simon Hanssen, Lena Mudder und Christian Smid (v.l.) freuten sich einen Ast.

Nachdem der an Nummer 3 gestartete Werfer die S-Kurve mit etwas Risiko schön gemeistert und Roland Harms optimal auf die Gerade gestellt hatte, packte der Teamsenior mit der Führung im Rücken an seinem Lieblingsstand einen aus. Am Strich langziehend überwindete die Kugel schnell die Strecke bis zum Linksknick, ehe sie im Nachgang bis an den oberen Straßenkamm stieg und noch etwa 80 Meter in Richtung Stine-Uden-Kurve zurücklegte. Ein schöner und zu diesem Zeitpunkt, sehr wichtiger Wurf.

Wie wichtiger dieser Wurf sein würde, zeigte sich in der Folge. Die bis dato so stark gegenhaltenden Willener verlor hier für ein paar Minuten komplett die Fassung und schafften es mit drei (!) Würfen nicht, die Kugel des Heimteams zu erreichen. Klar, dass dieses 4:1 eine Vorentscheidung darstellte. Der Jubel, aber auch die Überraschung auf Seiten der Roten fielen entsprechend groß aus und es durfte davon geträumt werden, das erste Ostfrieslandliga-Match positiv gestalten zu können.

Willen fasste sich auf der Gerade dann aber wieder ein Herz und hämmerte die Kugel bis kurz vor die Kurve. Diesem Gewaltwurf hatte der Ausnahmetischler Smid, der seinen Daumen an diesem Nachmittag nie so richtig unter Kontrolle bekam, nicht genügend entgegenzusetzen, sodass die Führung wieder grün eingefärbt war.

 

War auch dabei und feuerte seine Jungs unermüdlich an, obwohl er sich jetzt vermutlich nicht mehr daran erinnern wird.

Jens Ufken musste ab der Wende nicht mehr von seinen Kameraden gestützt  respektive getragen werden. Dies konnte er sicherlich als großen persönlichen Erfolg für sich verbuchen.

Lena Mudder beobachtete hier amüsiert den torkelnden Schreihals.

Simon Hanssen ging, nach dem ihn Sven Frerichs trüllendenweise noch nicht ganz gerade gestellt hatte, im Scheitelpunkt der brüchtigten S-Kurve volles Risiko und jagte die Kugel unten an der Straßennaht entlang und traf am Ende einen der Steinblumenkübel auf Höhe der Kneipe. Der starke Roland Harms zündete von dort wieder ein Rakete und eroberte die Führung zurück, ehe erneut Christian Smid, der seit kurzem Blauwale im heimischen Teich züchtet, diese abgab, da Thole Garellts die Kugel extrem gut platzierte und Smiddi ein paar Meter davor blieb.

Sven Frerichs stand jetzt auf der Gerade zum Kanal und äußerte schon vor dem Wurf gegenüber Jens Ufken seine Bedenken über die Machbarkeit der Distanz. Doch auch das gute Zureden Ufkens brachte nichts, da Frerichs die Kugel mittig platzierte und dann mit Daumen nach unten drehte, somit noch ca. 20 Meter vor der Rechtskurve blieb. Frerichs hatte sich den Wurf also bereits vorab schlechtgeredet.

Doch den Grünen geschah dieses Missgeschick ebenfalls, sodass beide Seiten sich mit einem extrem blöden Stand abgeben mussten.

Somit war es wieder der 22-Jährige Hobbylandwirt, der volles Risiko gehen musste, das Schwarz unten durch die Kurve knallte, die Leitpanke traf und so noch ein paar wertvolle Meter mehr erzielte.

Da das Gästeteam mit etwas Pech genau gegen ein Pfosten warf und die Kugel nicht mehr nach vorne, sondern quer über die Straße in Richtung Graben lief, war die Führung nach einer von vielen Entscheidungen im Meterbereich wieder zurück auf Seiten der Roten.

War nach dem Wurf Hanssens am Kanal so euphorisiert, dass er als einziger laut "Schöt" rief. Leider hatte Lütje Holt aber gerade nur die Führung zurückerobert. Alle Beteiligten schoben es auf das schon fast methusalemartige Alter des Ehrgeizlings. Nach einer kurzen Entschuldigung ging es mit 4:1  für Rot weiter. Hier drischt er die Kugel  ca. 170 Meter am Kanal entlang.

Nach dem Wurf der Nummer 4 Lütje Holts, dessen Sohn Philipp gestern vom Team spielfrei bekam und in Marx wieder mit dabei sein wird, hatte der Traum aller Schwiegermütter nun die Aufgabe, den Kanal zu vollenden. Smiddi setzte die Kugel souverän und wenig später schepperte es im Wäldchen neben der Einbuchtung. "Aufgabe gelöst, abwarten was Willen macht", dachten sich die Kirchlooger, die nun dem Wurf  entgegenfieberten.

Hartwig Siefken warf und traf genau eines der Kurvenhinweiszeichen, sodass er tatsächlich dahinter blieb und der Anwerfer der Roten mit dem Schöt zum 5:1 noch einen Erfolg für sich verbuchen konnte.

Da war der Deckel drauf. Die Kugel traf genau das Verkehrsschild. Dennoch gaben die ebenbürtig werfenden Gäste nicht auf und holten in Person von Rainer Garrelts, Tholes Onkel, postwendend die Führung zurück, da Sven Frerichs seine Kugel nach der kurzen Geraden oben ausstiegen ließ.

Bis zum Ende wechselte die Führung noch einmal hin und zurück, doch passierte nicht mehr etwas Nennenwertes, sodass Simon Hanssen der Schlusswurf des Wettkampfes gebührte, nachdem seine Teamkollegen ihn gut 150 Meter vor das Ziel gebracht hatten.

Er bestätigte seine tolle Tagesform, indem er sich nicht mehr aus der Ruhe bringen ließ, die Kugel 10 Meter über das Ziel bugsierte und er letztlich noch 90 Meter zu dem tollen 4:0 der Holztruppe addieren konnte.

Die Jungs hatten einen sehr ordentlichen Start in die Saison hingelegt und feierten sich direkt nach dem Ende der Partie für ihre tolle Leistung, die sich vor allem auch auf dem unbedingten Siegeswillen des Teams gründete.

Frohen Mutes und gut gelaunt begab man sich in Richtung der beiden Gummigruppen, um die eigenen Kameraden von der Vorschlussgeraden bis ins Ziel zu brüllen.

So sehen Sieger aus: Die Holzköppe Roland Harms, Jens Ufken, Jan Lengert (warf bereits vormittags in der 2. Mannschaft) und Simon Hanssen (v.l.) freuen sich ebenso wie Lena Mudder, Christian Smid und Sven Frerichs (v.l.) im Hintergrund, als sie sich zu ihren heißgeliebten Gummigurken begaben.

Die Starting-4 der Gummigurken bildeten Ragnar "der personifizierte Scheitel" Hoffmann, Ingo Aulig, Dirk Tunder und Steffen Lengert. Hendrik Bents, der auch nicht unbedingt "frisch" aussah, lief erst einmal mit und machte in der letzten Wettkampfrunde noch seinen Ehrenwurf.

Ragnars Anwurf verlief analog zum Geschoss Christian Smids bis zur bereits erwähnten Weg, womit er die Führung erobern konnte.

Die Gummigurken mussten sich vor allem zu Beginn des Wettkampfes noch dringend finden.

Ingo Aulig drehte die Gummi mit einem Überfinger oben raus, Dirk Tunder konnte dann mit einem sicheren Wurf über der Mitte Schaden abwenden, doch dann knallte "El Capitano" die Kugel mit Daumen in den unteren Straßengraben, weil ihm die Kugel aus der Hand rutschte. Da Willen mit der eigenen Boßelkunst ebenfalls etwas geizte und selbst nur unmerklich weiter als die Roten kam, lag die Führung  dank eines ordentlichen Quäntchen Glücks auch nach Runde 1 noch auf Seiten des Heimteams.

Die vier lustigen Fünf aus Gummi: Steffen Lengert, Dirk Tunder, Warnwesten-Ragnar Hoffmann, Hendrik Bents und Ingo Aulig  (v.l.) schickten sich an, Partie Nummer 1 für Rot mit Rot erfolgreich zu gestalten.

Die Gummiburschenbande stand vor der zweiten Runde also noch auf der ersten Gerade und konnte wahrlich froh sein, dass Willen dies nicht härter bestraft hatte.

Und Ragnar Hoffmann setzte die Misere fort, weil er dem roten Flummi zu viel Finger mitgab und diesen nach dem Rechtsknick oben in den Graben beförderte. Da Ingo Aulig und Dirk Tunder ihre Aufgaben dann aber sehr gut erledigten - der VW-Mitarbeiter nutzte seinen Zauberfinger und drehte die Kugel an den oberen Straßenrand, wohingegen der 25-jährige Sohn des M II-Kapitäns seinen Wurf ultraknapp durch den nächsten Rechtsknick zischen ließ - konnte die Führung auch nach dem erfolgreichen Trüllversuch Steffen Lengerts, der das Rot schon ein gutes Stück auf die Kanalgerade legte, in den eigenen Reihen gehalten werden.

Dann war aber das Glücksreservoir Westerendes aufgebraucht, denn sowohl der rotgekleidete Anwerfer als auch der nachfolgende Werfer, namentlich Ingo Aulig, wollten der Gummikugel ein Badevergnügen im Kanal ermöglichen. Problematisch an der Sache war lediglich, dass Willen nahezu den gesamten Kanal mit einem Wurf bestritten hatte und die Führung somit erstmals auf Seiten der Grünen war.

Ein Brustkorb wie ein kongolesischer Nebelwald-Gorilla: Der Kapitän der Roten, der in seiner Freizeit gerne lange Wortketten aus den Lettern in seiner Buchstabensuppe bildet, um diese voller Stolz bei Instagram zu posten, wirkte vor dem Anpfiff sehr nachdenklich. Es stellte sich schnell heraus, dass er in Anbetracht des schwachen Starts auch allen Grund dazu hatte.

Nachdem der Kanal mit unglaublichen 4 Würfen absolviert wurde, standen Steffen Lengert und sein Willener Namensvetter nun auf der Gerade, ca. 30 Meter voneinander entfernt.

Der grüne Steffen legte vor und traf die Kugel optimal, sodass sie mit dem Rechtsknick fiel und noch ein gutes Stück auf der Geraden absolvierte. Der näher vor dem Knick postierte rote Steffen brachte Kugel ebenso auf die Straße, hatte aber aufgrund der höheren Fahrt bei Ankunft in der Kurve das Pech, dass diese die Straße oben verließ und ca. 3 Meter vor der Markierung Willens liegen blieb.

Es war also passiert: Willen hatte das 1:0 erzielt und Westerende konnte wahrlich von einem Albtraumstart sprechen.

Dann trat Origami-Champ Hoffmann auf den Plan, der scheinbar mit Fortuna eine Affäre zu haben schien: Schon auf der Geraden stehend warf er die Kugel oben aus der Bahn, diese kam aber in typischer Steffen-Lengert-Manier über die Grasnaht zurück und lief noch bis zum anthrazitfarbenen Neubau. Da Fortuna schon an Hoffmann vergeben war, ging die Führung auf diese Art und Weise an Westerende über, da Willen die Kugel ebenfalls stark nach oben donnerte, diese aber vom Graben vereinnahmt wurde.

So richtig gute Stimmung wollte zum Beginn der Begegnung bei Rot nicht aufkommen. Dirk Tunder, der sich auch ohne Sonnenbrille prima orientieren konnte, beschreibt hier mit seinem Gesichtsausdruck perfekt die Wurfleistung seiner Gummigruppe bis zur Stine-Uden-Kurve.

Im Hintergrund bereitete sich der stark aufwerfende Bernhard Garrelts, der als Tholes Vater den Familienclan der Willener komplettierte, auf seinen Wurf vor.

Was nun folgte, war sicherlich ein Moment, der den Beteiligten lange in Erinnerung bleiben wird: Die Holz-Ausleihe Aulig machte sich wurfbereit, drapierte die Kugel eben über die Mitte, sodass die Kugel  in einem perfekten Winkel in die S-Kurve eintrat, diese komplette durchquerte und beim 50er-Schild auf der nachfolgenden Gerade liegen blieb. Vermutlich wird dieser Wurf nur bei einem von hundert Versuchen gelingen, wichtig war aber für Lütje Holt, dass er Ingo Aulig genau im richtigen Moment gelang; zum Leidwesen der aufopferungsvoll kämpfenden Grünen. Die Führung betrug somit also knapp 250 Meter auf schwierigem Terrain.

Willens erster Wurf ging nach 40 Metern oben raus und der Ausgleich war da. Der zweite Versuch landete ebenfalls rechts im Graben nach der Bushaltestelle und es stand 2:1 für das Heimteam. Da Willen jetzt nicht komplett ins Hintertreffen geraten wollte, nahm man nochmals alle Konzentration zusammen und startete einen beherzten Trüllversuch, der sehr gut gesetzt war, aber wiederum ein wenig zu kurz blieb. Der VWler hatte mit einem Wurf also aus einem 0:1 ein 3:1 gemacht.

Was in diesem Kontext aber unbedingt Erwähnung finden sollte, ist die Tatsache, dass es einem Boßler nur sehr selten gelingt, mit einem Wurf drei Schöts zu erzielen. Umso fantastischer ist es dann aber, wenn dies gleich zwei Werfern in einem Wettkampf gelingt und diese Werfer unter normalen Umständen (siehe oben) eigentlich nicht diese Würfe ausgeübt hätten. Die Sterne standen an diesem Tag also mehr als gut für Westerende.

Ingo Aulig, Sternzeichen Jungfrau mit Aszendent Kaulquappe, orderte gleich nach dem Wettkampf mehrere Wertpapiere bei seiner Hausbank. Zudem instruierte er seine Frau, fluchs einen Lottoschein auszufüllen. Natürlich nur ein Kästchen, da bei VW aktuell Kurzarbeit ansteht.

Ein Wurf hatte also die gesamte Begegnung gedreht und die Roten wieder zurück in die Spur gebracht. Nach einem soliden Wurf vom Lightjockey Tunder, mit dem er aber die Führung knapp abgab, stand Steffen Lengert ca. 110 Meter vor dem Rechtsknick, sodass er das Gummigeschoss aufgrund seiner Fahrt unten durch die Kurve drücken musste. Aufgrund des Fahrtüberschusses verließ die Kugel die Straße am oberen Rand, traf aber in der traditionellen Lengert-Manier einen Baum, kehrte auf die Straße zurück und lief noch weitere 60 Meter, sodass der Kapitän ungefähr 210 Meter hinlegte. Der Willener Werfer machte es Steffen Lengert nach, traf jedoch keinen Baum und somit hatte Westerende wieder die Führung zurück.

Ragnar Hoffmann und Ingo Aulig stellten Dirk Tunder dann auf die Schlussgerade in Richtung Wende, Willen tat es ihnen souverän nach. Der Willener Kapitän Holger Brosig traf dann mit einem sehr gut platzierten Wurf die obere Rille, landete aber ganz knapp vor der Wende.

Dirk Tunder tat es ihm nach, jedoch stieß sich das rote Rund' an einer Kante und blieb kurz davor liegen, sodass sein Team nicht nur die Führung abgab, sondern der Mannschaftsführer der "Local Heroes" noch einmal in Richtung Kreuzung werfen musste.

 

Es war nicht unbedingt der beste Tag von Vize-Kapitän Ragnar Hoffmann, der hier mit Frauen I-Mannschaftsführerin Imke Pupkes flanierte. Hoffmann, ansonsten "Mister Zuverlässig", hatte zwar seine guten Momente, leistete sich aber auch den ein oder anderen Patzer.

Im Hintergrund sind Detlef Tunder, Hendrik Bents und Steffen Lengert zu sehen (v.l.).

Der Wahl-Oldenburger mit dem Hang zur ausufernden Wurfgewalt fasste sich nochmal ein Herz und bombte das Spielgerät an die obere Straßenrand. Dort hielt sie sich eine gefühlte Ewigkeit und alle waren sich darüber einig, dass sich die Willener für die Umkehr in ein paar Minuten in der Kreuzung wiederfinden werden, doch nach ca. 200 Metern erwischte es eine Unebenheit und stieg oben aus. Ein schöner Wurf, der aber für die Roten noch viel schöner hätte enden können, aber immerhin die Führung holte.

Ragnar Hoffmann und Ingo Aulig stellten Dirk Tunder dann mitten auf die Gerade in der S-Kurve. Nachdem Willen seinen Wurf auf dergleichen Höhe stehend recht ordentlich und unnötig im unteren Graben versenkt hatte, hatte der charmante Nicht-mehr-Sonnenbrillenträger nun die Chance, auf 4:1 zu erhöhen. Nach einer schier unendlichen, durch den dichten Verkehr bedingten Wartephase fand er jedoch nicht mehr die nötige Konzentration und semmelte das rote Geschoss ebenfalls in den unteren Graben, sodass beide Teams nun auf die Gerade trüllen mussten.

Da Steffen Lengert etwas weiter trüllte als der Willener, wechselte die Führung glücklicherweise nicht und Ragnar Hoffmann sah nun die komplette Gerade vor sich liegend.

Sieht zwar nicht so aus, aber Detlef Tunder (links) hatte auf der Wende allen Grund zu guter Laune. Hendrik Bents zwingt sich zumindest zu einem Lächeln.

Im Hintergrund betrachten die Holzburschen mitsamt Anhang die Szenerie.

Die Grünen hatten extrem gut vorgelegt, die Kugel schön durch den Linksknick gedrückt, wonach diese noch ein gutes Stück auf der Geraden marschiert war. Der stellvertretende Mannschaftsführer Westerendes setzte die Kugel ebenfalls mustergültig, hatte aber das Pech, bei seinem Abwurf ein wenig zu nah vor dem Linksknick zu stehen, sodass sein Wurf oben den Asphalt verließ und die Führung abermals die Seiten wechselte.

Ingo Aulig, der bis kurzem eine schicke Dauerwelle trug, aber morgens nicht mehr soviel Zeit im Bad verbringen wollte, gelang an diesem Tag scheinbar alles, denn obwohl er auf der anschließenden Geraden ein Vollei herbeizauberte, schaffte er es, die Führung zurückzuerobern, da die Willener ebenfalls im Oktober auf Eiersuche gegangen waren.

Da Steffen Lengert sich wenig später für Gewalt statt Trüllerei entschied, war diese aber schnell wieder weg. Die individuellen Fehlleistungen auf beiden Seiten waren zeitweise schon enorm.

Fortunas Liebhaber hatte dann zusammen mit Dirk Tunder die interessante Idee, die Kugel auf Höhe der Bushaltestelle von oben kommend unten durch den Rechtsknick zu quetschen und setzte dies derart irrsinnig um, dass die Willener laut bekundeten, bei dem Kantenglück der Roten allmählich die Lust am Werfen zu verlieren.

Mehr Glück als Verstand: Ragnar Hoffmann drückte die Kugel derart eng durch den Rechtsknick bei Stine Uden, dass diese die Straße verließ, ein Stück auf dem Grünstreifen und im Graben zurücklegte, auf die Straße zurückkehrte und dann bis oben an den Straßenkamm zurückkehrte. Absolutes Harakiri vom zweifachen Familienvater.

Die Führung wechselte permanent die Seiten, lag aber am Kanaleingang auf Seiten der Westerender. Ragnar Hoffmann packte dann noch mal ein "Undeert" aus und absolvierte damit 2/3 der Geraden. Willens Wurf blieb etwas zu kurz und endlich konnte man auf ein beruhigendes 4:1 stellen. Nachdem der Kanal dann mit zwei Würfen souverän absolviert wurde, ließ Dirk Tunder die Kugel jedoch mit einem Daumen zu weit nach oben steigen, sodass er die gute Vorlage der Willener nicht erreichte und die Führung letztmalig im Wettkampf die Seiten wechselte.

Fortan ging es für die Westerender also darum, den zweiten Schöt der Gäste zu vermeiden, was auch mit guten Würfen gelang. Insbesondere Hendrik Bents ist hier hervorzuheben, da er kurz vor Schluss für Dirk Tunder in die Begegnung kam und seine Aufgabe in dieser Drucksituation hervorragend löste.

Abschließend, wie sich wenig später jedoch herausstellen sollte "vermeintlich abschließend", hatte Steffen Lengert die Aufgabe, den Wettkampf nach Hause zu bringen. Aussichtsreich, knapp 150 Meter vor dem Ziel stehend, musste die Kugel von ihm lediglich am Strich entlanggeworfen werden, um das Ende der Auseinandersetzung herbeizuführen.

Doch Lengert schien vor den versammelten Spektatoren etwas übermotiviert zu sein und donnerte den Gummiball einmal quer über die Straße und traf einen Baum, der glücklichweise stehen blieb.

Somit kam Willen tatsächlich kurz vor dem Ziel noch zum 2:4 und Ragnar Hoffmann, der seinen Autoschlüssel bereits gezückt hatte, musste nochmals ran.

Zwei Würfe, die direkt aufeinander folgten und unterschiedlicher nicht sein könnten: Der gute Versuch von Hendrik Bents (in blau) und der "Haaaa-wat'n-Töffel-Wurf" von Steffen Lengert, der die Niederlage für Willen noch einmal niedriger ausfallen ließ.

Da der Motorrad-Fan seine Aufgabenstellung souverän erledigte, stand am Ende auf der Habenseite ein 1,083:0-Sieg für die Gummigurken. Steffen Lengert fasste die Leistung seiner Gummidivision wie folgt zusammen: "Alle hatten ihre schwächeren Würfe, aber auch Glanzlichter dabei. Sicherlich war dies nicht der stärkste Wettkampf, den wir auf der Heimstrecke bisher gezeigt haben."

Dennoch konnten alle Beteiligten zufrieden damit sein, sich schadlos gehalten zu haben.

Wie wichtig dieses tolle 6,023:0 am Ende war, zeigte ein Blick auf die erste Tabelle der Saison, die extrem knappe Ergebnisse bereithielt und offenbarte, dass Lütje Holt nicht nur die Tabellenführung übernommen hatte, sondern auch das einzige Team stellte, das in beiden Gruppen Siege einfahren konnte. Allein die Holzgruppe haderte ein wenig scherzhaft mit dem eigenen Ergebnis, belegen sie in der Gruppentabelle nur Platz 2 hinter den Marxern, die im ersten Wettkampf genau einen Meter mehr erringen konnten.

Angesichts der noch langen Saison ist dies sicherlich eine Momentaufnahme und die Roten freuen sich über die ersten beiden Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Nahezu blasphemisch wäre es, den Blick schon in andere Tabellengefilde zu richten.

Bereits in zwei Wochen steigt die Spitzenbegegnung auf dem extrem schweren Geläuf in Marx, die den Vorjahresvizemeister Müggenkrug mit 4:2 besiegen konnten und sich gleich auf Platz 2 schoben.

Um "Marx" ein bisschen zu trainieren, treffen sich die Westerender Boßelbuben in den nächsten Tagen immer mal wieder bei den Nachbarn aus Rahe (Vielen Dank  auf diesem Wege an Arno Penning für dessen Erlaubnis!), um den nächsten Auswärtskampf zu simulieren. Denn dort wird es nur darauf ankommen, wer die Kurbellei aus seinen Händen bekommt und die Kugel möglichst geradeaus werfen kann.

Die Sprecher Ragnar Hoffmann und Willens Holger Brosig hielten nach dem Wettkampf erstaunlich lange Reden. Jetzt schon legendär: Hoffmann begrüßt Willen mit dem Spruch "Wie Willen ji hier  begröten!" Die Tagessieger posierten im Anschluss vor der Kamera von Eugen Pernak. Zudem findet sich hier der ganze Stolz der Truppe. :-)

-ju- (Informationen zu Gummi: Steffen Lengert, Fotos: Eugen Pernak und Jens Ufken)