Auswärtskampf gegen Langefeld, 25.3.18

"Der Mannschaft".

Da "Die Mannschaft" bereits für die Nationalelf vergeben ist, entschieden sich die Lütje Holter Meistermänner kurzum für die Bezeichnung "Der Mannschaft". Dies ist angesichts der fortschreitenden Bildungsoffensive von RTL 2 und Co. sicherlich auch absolut nachvollziehbar und in spätestens fünf Jahren auch gemäß Duden geduldet.

Von links nach rechts: Hendrik Bents, Ragnar Hoffmann, Simon Hanssen, Ingo "Harvey" Weber, Jens Ufken, Steffen Lengert, Christian Smid, Jan Lengert, Matthias Lottmann, Thorsten Wienekamp, Thilo Adomat. Vorne von links nach rechts: Dirk Tunder und Sven Frerichs. Es fehlt Harm Auts.

26.3.2018

 

Endlich war er gekommen, der letzte Spieltag der langen Kreisligasaison. Die Westerender Meisterbübchen hatten nochmals eine schwere Auswärtsaufgabe bei den heimstarken Langefeldern vor der Brust und gingen hochmotiviert und mit der Starting 8 in den Wettkampf, um mit einem Erfolgserlebnis auf die anschließende Feier gehen zu können. In der letzten Woche war die Stimmung nach dem Wettstreit mit den Bernuthsfeldern etwas gedämpft gewesen. Dies sollte auf jeden Fall dieses Mal vermieden werden. Zudem hatten sich die Mannen um Kapitän Steffen Lengert vorgenommen, der schönen Auswärtsbilanz noch weitere zwei Punkte hinzuzufügen.

"Der Mannschaft" traf sich um 12 Uhr beim Gasthof Germann, um die vorbereiteten Speisen für die anschließende Party abzuliefern und sich dann fluchs auf den Weg nach Dietrichsfeld zu begeben. Einige hundert Meter vor dem Anwurfpunkt der Dietrichsfelder hatte man sich bereits vor dem wichtigen Wettkampf gegen Dietrichsfeld eingeworfen und wollte das gute Omen für den Vergleich mit den Langefeldern nutzen.

Alle Burschen waren in den vom Mannschaftsführer angewiesenen Meistershirts erschienen und fast alle hatten sich an das strikte Alkoholverbot gehalten. Langefeld galt noch als Aspirant auf den Vizemeistertitel und Lütje Holt wollte sich nicht den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung gefallen lassen.

Ü-Eier-Figuren-Fan Simon Hanssen, der es in seinen 22 Lebensjahren tatsächlich schon auf neun Figuren gebracht hat, bekam von Jens Ufken ein Ei geschenkt. Hanssen hatte am gestrigen Tag Geburtstag und freute sich diebisch über das Plastiktier, das jedoch nicht einwandfrei in Art und Gattung bestimmt werden konnte. Man taufte es Klaus, die Esskastanie.

Holz startete in der gewohnten 4er-Konstellation Christian Smid, Simon Hanssen, Jens Ufken und Sven Frerichs. Ingo "Harvey" Weber, Thilo Adomat und Thorsten Wienekamp liefen mit, kamen aber nicht zum Einsatz, da es im Kräftemessen beider Teams auf dem tollen Geläuf bis zum Ende um den Sieg ging.

Die Langefelder legten einen soliden Anwurf vor und somit war der junge Tischlergott aus Aurich bereits bei seinem ersten Wurf ordentlich gefordert. Er behielt die Nerven, donnerte die schwarze Kugel am Strich entlang, ließ sie dann noch ein wenig mit dem Finger kommen und kurze Zeit später tanzte sie im Rechtsknick auf der obere Grasnaht, kam zurück auf die Straße und legte gute knappe 200 Meter zurück. Ein tolles Ding zum Start, das auf einen tollen Wettkampf der Holzburschen hoffen ließ und gleich die Führung einbrachte.

Das Geburtstagskind Mr. Blue-Eyes Simon Hanssen agierte - vermutlich auch aufgrund des durchaus hübschen Frauen I-Fanklubs - etwas übermotiviert und knallte die Kugel in einmal quer über die Straße in den benachbarten Straßengraben und die Führung ging an Blau-Schwarz.

Das Berufsgroßmaul Ufken stand nun ca. 100 Meter vor dem nächsten Rechtsknick und musste das 0:1 abwenden. Ca. 80 Meter trennten die beiden Kugeln, der 35-Jährige lief an und setzte die Kugel wie vom anweisenden Sven Frerichs gefordert kurz über den Strich, sie lief in die Kurve ein, legte noch 50 Meter auf der Geraden zurück und verschwand im Gras. Ein schöner Premierenwurf vom Routinier, der sogleich die Führung zurückbrachte, da Langefeld das schwarze Projektil viel zu hoch platzierte.

Das ist doch mal ein netter Fanklub: Die Landesliga-Aufsteigerinnen Christine Friedrichs, Imke Pupkes, Tanja Freudenberg, Maren Coordes und Sarah Hartwich (v.l.) jubelten ihr Bestes. Imkes kleine Schwester Tomke komplettierte das aus sechs Damen bestehende Septett.

Sven Frerichs und der Westerender Startwerfer ließen ihre Versuche dann aus zum Teil sehr schweren Positionen etwas zu tief und dann folgte eine lange Granate des Heimteams. Simon Hanssen stand noch ausgangs der Linkskurve auf keiner schönen Wurfposition und musste versuchen, rund 180 Meter zur Marke des Gegners wettzumachen, um die Abgabe der Führung zu vermeiden. Er lief mit dem Kurvenverlauf an und jauchzte das Schwarz an den oberen Straßenrand. Es gelang ihm nach diesem tollen Wurf tatsächlich um Haaresbreite, den Vorteil im Team zu halten und nun standen der Langefelder Werfer und Jens Ufken rund 180 Meter vor der nächsten Rechtskurve direkt nebeneinander. Der blau-schwarz gekleidete  Männer II-Werfer senzte die Kugel mustergültig an den oberen Straßenrand und landete genau im Kurveneingang. Ufken hatte nun die Wahl zwischen einem Risikowurf oder einer sicheren Nummer, die die Führung kosten könnte, aber zumindest keinen Anschlussschöt riskieren würde. Da die Führung in den eigenen Reihen lag, entschied er sich für Variante 2, ließ den Wurf nur ein kleines Stück über die Mitte blicken und final den Wurf etwa 10 Meter zu kurz und die Führung war passé.

Erwischte einen tollen Tag und legte gleich zwei Würfe mit über 300 Metern hin: Sven Frerichs.

Vor allem zu Beginn der Begegnung hielt er seine Farben zusammen mit Jens Ufken in der Partie, da Simon Hanssen und Chris Smid nicht so richtig auf Trapp kommen wollten.

Der Schlusswerfer der Roten gallerte die Kugel dann leider nach guter anfänglich Rollphase aus der anschließenden Kurve. "Smiddi" Smid stand nun in der extrem langgezogenen Rechtskurve und musste liefern. Er hat die Wahl zwischen einem gefühlvollen Wurf entlang der Mittellinie oder einem extrem harten, mit Daumen gekurbelten Wurf. Er befürwortete die harte Variante, setzte die Kugel aber leider zu hoch und dasTeil bretterte mit Hyperschall durch die Kurve und landete im Graben. Um genau 15 Meter konnte er das 0:1 verhindern.

Simon "So ward boßelt" Hanssen stellte Jens "Brüllhannes" Ufken dann auf die Schlussgerade in Richtung Wende. Es war für den Daumenfan der erste Stand auf seiner favorisierten Seite und mit entsprechender Freude schritt er zur Tat.

Nach seinem gewohntermaßen sehr kurzen Anlauf donnerte er die Kugel ca. 1 Meter über die Straßenmitte und überbrückte die gesamte Strecke bis zur Linkskurve. Dieses mächtige 230-Meter-Geschoss brachte die Führung zurück und es war nun an dampfenden Nummer 4 Westerendes, die Kugel aus der Wende zurückzuknallen.

Frerichs brachte die Kugel wunderbar über den Strich, sie fiel zum Ende der Rollphase an den rechten Straßenrand, hielt sich auf der oberen weißen Straßenmarkierung und lief noch ein gutes Stück mit der langgezogenen Kurve mit. Ein tolles Wurfexemplar hatte der Zeitsoldat da aus seinem Thermoshirt-Ärmeln geschüttelt und Lütje Holt bereitet sich bereits auf den ersten Schötschrei des Wettkampfs vor.

Zwei Westerender Granaten brachten die Führung und das 1:0.

Rot markiert ist der Wurf von Jens Ufken, gelb der Anschlusswurf Sven Frerichs. Man erkennt auf dem Foto auch sehr gut die Kugel der Langefelder, die ebenfalls mustergültig reagierten, jedoch ein paar Meter zurückblieben.

Auf dem Elektoroller nähert sich stilecht Maskottchen und Fotograf Eugen Pernak.

Der an diesem Tag sehr unglücklich agierende Anwerfer Christian Smid, der vor kurzem den Dübel zum Patent anmelden wollte und feststellen musste, dass er ein paar Jahre zu spät dran war, stand nun wiederum in seiner "Lieblingskurve" und hat erneut die Wahl zwischen der brutalen und der soften Variante. Dieses Mal sollte es die softe sein, doch dem 1,96-m-Schlacks fehlte an diesem Sonntag schlichtweg das Fortune. Er gab der Kugel ein wenig zu viel Dampf mit, sie lief  stark nach oben und landete im Graben. Leider wurde dabei sogar noch die Führung abgegeben. Simon Hanssen hatte nun einen ganz unanständigen Stand im Kurvenausgang und bekam von seinen Jungs die Anweisung, die Kugel mit viel Linkseffet in Richtung des mit Bordsteinen besetzten Radweges zu pfeffern, um so auf eine ordentliche  Rollweite zu kommen. Er tat dies mustergültig, traf den ersten Bordstein ideal, die Kugel rollte auf dem Radweg weiter, steuerte erneut auf die Kante zu, überwand diese aber aufgrund der hohen Restgeschwindigkeit und landete hinter den Bäumen. Der Stand war schwer und Hanssen hatte das Beste daraus gemacht - das musste ihm attestiert werden. Letztlich war es lediglich Pech, welches eine höhere Weite verhinderte.

Die Langefelder standen ähnlich bescheiden und wollten auf denselben Zug aufspringen. Deren Kugel erwischte das gleiche Los, blieb aber noch vor der Lütje Holter Kugel liegen. Somit wechselte der Vorteil erneut die Seiten.

Die Lokalmatadoren ließen den nachfolgenden Wurf etwas zu tief und erreichten eine Weite von rund 110 Metern, sodass die Nummer 3 Westerendes nun die Chance hatte, die Führung für seine Farben auszubauen.

Ufken nahm seine sechs bis sieben Schritte Anlauf und hämmerte die Kugel mit dem Daumen über den Strich auf Weite von knapp 200 Metern, das Heimteam konnte demgegenüber erneut kontern, sodass es beim 1:0 blieb.

Simon "So ward boßelt" Hanssen hat einen unheimlich energischen Wurfstil. Es bleibt für viele Beobachter ein Rätsel, wie er diesen Anlaufsprung unfallfrei stehen konnte. Das Geburtstagskind kam auf dem Langefelder Teilstück überhaupt nicht zurecht, war aber auf dem Dietrichsfelder Part wieder voll da.

Sven Frerichs legte einen ordentlichen Anschlusswurf nach und stellte den Startwerfer, der im Übrigen ob seiner verlorenen Wette und der damit einhergangenen Haupthaarfärbung am gestrigen Tage von seinen Teamkollegen wunderbar despektierlich "Pumuckl" gerufen wurde, sehr unglücklich in die Rechtskurve. Smid musste versuchen, mit vollem Speed unten durch die Kurve zu werfen, um dann auf der anschließenden Geraden noch Meter machen zu können. Er lief ganz oben an, setzte die Kugel ein bisschen zu tief und schon lag die Kugel im Graben und die Führung war wieder weg. Er war hohes Risiko gegangen und hatte verloren.

Simon Hanssen jagte seinen Versuch dann im Anschluss ebenfalls quer über die Straße, da er die Kugel deutlich zu hoch auf den Asphalt drapierte, konnte aber glücklicherweise den Ausgleich verhindern.

Der an diesem Tag bestens aufgelegte Jens Ufken, der des Öfteren aufgrund seiner Vorliebe für die Strecke "Ich liebe Didi, ich liebe Didi" im Beisein der Anderen trällerte, stand glücklichweise mit einem Daumenstand auf der Geraden.

Wie gewohnt lief er ganz unten am Straßenrand an, nach 100 Metern überquerte die Kugel den Mittelstrich und steuerte unaufhaltsam auf die anschließende Linkskurve zu. Doch anstatt sich irgendwann mal zu konsolidieren, stieg das schwarze Teil immer weiter und landete in der Biegung im oberen Straßengraben. Ein schöner Wurf von ca. 180 Metern, der aber bei einem etwas zaghafter eingesetzten Daumen zu einem Totläufer hätte werden können. Dennoch kam die Langefelder Antwort nur knapp daran vorbei und die lebende Dampfmaschine konnte nun befreit aufwerfen.

Sieht der schlimm aus. Und dazu auch noch diese grässliche Haarfarbe.

Christian "Smiddi" Smid wird sich künftig sicherlich zweimal überlegen, ob er irgendwelche Wetten abschließt.

Frerichs kopierte förmlich den Wurf seines Teamkollegen, nur mit dem Unterschied, dass dieser auf einer kompletten Gerade warf und die Kugel am unteren Straßenrand liegen blieb. Dieser sauber über dem Strich platzierte und mit einer schönen Prise Kraft ausstaffierte Wurf brachte den Jungs überdies die Führung zurück.

Dann trat Langefelds bester Werfer Michael, der schon im Hinkampf an der Holzlooger Straße alle Straßenkanten mitnahm und nach der Saison in die Männer II übergeht, auf den Plan.

Auf der Gerade vor dem finalen Linksknick stehend, haute er die Kugel knapp über den Strich, traf eine Rille und landete genau auf Höhe der Verkehrsinsel, bei der es rechts in Richtung Dietrichsfeld geht. Dieser Wurf maß mindestens 260 Meter und stellte Christian Smid vor eine kleine Herausforderung.

"Pumuckl" Smid war an diesem Tag aber vollkommen von der Rolle und setzte die Kugel noch in der Linkskurve in den Graben. Glücklicherweise hatte sie zuvor noch einige wertvolle Meter auf der Straße zurückgelegt, dennoch ging das Heimteam mit einer Führung von 166 Metern auf die Passage in Richtung Dietrichsfeld.

Simon Hanssen hatte bekanntermaßen an diesem Tag auch noch kein Scheunentor getroffen und hatte nun die angenehme Aufgabe, seine Kugel auf mindestens 166 Meter zu bringen.

Jens Ufken war vorausgeeilt und zeigte dem Hobbylandwirten sehr weit oben an, da die anschließende Rechtskurve eine ordentliche Neigung aufwies.

Hatte am Sonntag den vollen Durchblick, auch wenn es nicht immer so wirkt: Sven "Steam Machine" Frerichs gab Gas an der Holzkugel und am Verdampfer.

 

Hanssen musste liefern und er lieferte. Er ging volles Risiko, jagte das schwarze Rund an den oberen Straßenrand und im Anschluss lief dieses noch ein ordentliches Stück auf dem Fahrradweg bis es nach 183 Metern liegen blieb. Der Tausendsassa aus Bangstede hatte es also tatsächlich geschafft. Es stand weiterhin 1:0 für seine Jungs.

Doch die Gastgeber gaben nicht klein bei und der nachfolgende Werfer zimmerte die Kugel mustergültig an den Straßenrand. Nach ca. 170 Metern kam diese zum Stillstand. Der Oberbrüllmeister Ufken hatte also wiederum keine leichte Aufgabe und kopierte den Wurf der Langefelder haargenau. Der Abstand zwischen beiden Teams blieb weiterhin gleich und der Nervenkitzel wurde nicht geringer.

Jetzt patzte Langefeld aber mit einem 100-Meter-Wurf und Sven Frerichs haute nochmals ein richtiges Monster raus: Er knallte die Kugel genau in die legendäre Dietrichsfelder Rille, sie wollte dort partout nicht weggehen und landete nach 300 Metern im unteren Straßengraben.

Westerende hatte in Form des 25-Jährigen geliefert und konnte dem Treiben des Heimteams entspannt entgegensehen.

Die Schwarz-Blauen erreichten den tollen Wurf der Roten nicht und somit war die Führung wieder rotgefärbt.

Nun war es wiederum Langefeld, die die Rille für ihre Zwecke nutzten und die Kugel 200 Meter wegjagten.

Doch Christian Smid, der sich bei seinem vorangegangenen Wurf leicht an der Hand verletzt hatte, fasste sich nochmal auf dem für ihn so ungeliebten Daumenstand ein Herz und bombte die Kugel an den Straßenkamm. Aufgrund seiner enormen Wurfkraft schaffte es der Neurothaarige tatsächlich, die Vorgabe des Heimteams um 5 Meter zu überragen.

 

Nicht wenige attestieren ihm eine Geisteskrankheit und könnten damit vollkommen recht haben: Jens Ufken zeigte in Langefeld nur ein Vollei und gönnte sich den ein oder anderen tollen Wurf auf seiner Lieblingsstrecke.

Langefeld ließ die Kugel dann nach einem sehr kurzen Intermezzo von der Straße verschwinden und dann folgte der große "So ward boßelt"-Auftritt. Das personifizierte Undeert stand 150 Meter vor der nächsten Linkskurve und haute das Teil mit einem Affentempo auf die Straßenmitte. Kurz vor der Kurve erwischte die Kugel die Rille, fing wieder an zu steigen und lief noch ein sattes Stück auf der nachfolgenden Geraden. Ein toller Wurf und nun war Langefeld absolut gefordert.

Sie legten gut nach, kamen aufgrund des Fahrtnachteils jedoch bis auf 10 Meter nicht an den Wurf Hanssens und somit stand es 2:0 für Lütje Holt, nachdem Westerende minutenlang vorher das 1:1 verhindern musste. Der Fight zwischen den beiden Holzgruppen war immens, schon in der Hinserie hatte es beim Unentschieden der beiden Teams einen grandiosen Kampf gegeben. Damals führten die Langefelder bis kurz vor Schluss allerdings noch mit 4:0.

Bis zur Wende passierte dann nicht mehr viel, außer dass die Führung durch einen übermotivierten Daumenwurf Ufkens abgegeben wurde.

Es folgte im Nachgang eine Stafette von blödsinnigen Würfen auf Seiten der Roten, von denen keiner länger als 100 Meter war und die damit endete, dass Simon Hanssen die Vorgabe der Langefelder auf Höhe der Rechtskurve nach der Wende nicht erreichte und man plötzlich und völlig unnötig das 1:2 hinnehmen musste.

Kurz vor Ostern fand "Svenni" doch tatsächlich eine tolle Überraschung im Gebüsch.

Jens Ufken holte mit seinem Wurf erneut die Führung zurück, die Sven Frerichs mit dem nächsten Versuch allerdings postwendend wieder abgab - Konstanz war an diesem Tag nicht so das Thema auf Seiten der Westerender.

Die Nummer 1 und 2 der Roten ließen ihre beiden Würfe wiederum zu tief, ehe der 35-Jährige wieder einmal einen auspackte, dieser Wurf jedoch von den hellwachen Gastgebern gekonnt erwidert wurde.

Chris Smid hatte dann auch noch Lust, einen guten Wurf zu zeigen und setzte diesen frommen Wunsch in die Tat um.

Leider gönnten sich die drei Schlusswerfer der Westerender in Reihe allesamt Würfe, die die Straßenmitte nicht übertrafen, wobei der finale Wurf von Sven Frerichs dann sogar 23 Meter vor der Kugel des sehr fairen Gastgebers liegen blieb und man tatsächlich noch das 2:2 hinnehmen musste.

Dieses Unentschieden war am Ende absolut leistungsgerecht. Auf Seiten der Westerender konnte nicht von jedem eine meisterliche Form abgerufen werden und Langefeld ließ sich nie komplett abhängen, sondern schöpfte nach der zweiten Wende neuen Mut, um noch etwas bewegen zu können. Sie gaben nicht auf und wurden mit dem letzten Wettkampfwurf belohnt. Ein dramaturgisch wertvolles Ende und man wartete nun gespannt auf das Eintrudeln der beiden Gummigruppen, die zwischenzeitlich über 20 Minuten Rückstand auf die Holzköppe hatten.

Auf geht's in den Kampf für die Gummigurken Lütje Holts. Jan Lengert, Hendrik Bents, Dirk Tunder, Steffen Lengert, Matthias Lottmann und Ragnar Hoffmann (v.l.) unterhalten sich gut gelaunt mit einigen Langefeldern am Anwurfpunkt.

Die Westerender Gummis traten in der Formation Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Steffen Lengert und Hendrik Bents auf der Powerstrecke an. Der Origami-Olympiasieger Hoffmann sah einen durchwachsenen Anwurf des Heimteams, das das rote Projektil in die Rechtskurve gebracht hatte. Er ahmte den Wurf seines Vorgängers nahezu nach, gab dem Wurf jedoch einen Ticken mehr Dampf mit und schon ging Team Rot mit 40 Metern in Führung. Kein wunderschöner Wurf, aber ein zweckdienlicher und vor allem risikoarmer.

Dirk "Tunderstruck" hatte dann  ein ordentliches Stück zur Vorlage der Gastgeber zu überbrücken, scheiterte aber leider an der Aufgabenstellung. Ähnlich wie auch Hanssen kurz zuvor, agierte der jüngste Vertreter der Westerender Tunderriege vollkommen übermütig vor dem zahlreich erschienenden Publikum und knüppelte die Kugel einmal quer über den Asphalt.

Die Führung war also futsch.

Dies sollte allerdings nicht der letzte Führungswechsel in der Auseinandersetzung gewesen sein, obschon bis zur langgezogenen Rechtskurve kurz vor der 1. Wende sich überhaupt nichts am Spielstand änderte. Beide Seiten hatten bis dato sehr anständige Würfe gezeigt.

Da lacht der Tunder-Dirk noch und schämt sich kein Stück für seinen Fauxpas zum Wettkampfstart.

So sind sie eben, diese jungen Leute von heute.

Der Langefelder Gummiwerfer startete einen wahnsinnigen Trüllversuch, der nahezu komplett durch die Kurve glitt. Mr. Tunderstruck hatte eine ordentliche Aufgabe gestellt bekommen und schickte sich an, entsprechend zu kontern. Sein Versuch sah gut aus, blieb aber ein wenig zu kurz, sodass die Führung zu den Blau-Schwarzen überging. Dann machte sich "El Capitano" dazu auf, eine grandiose Rakete abzufeuern. Er überbrückte zielgerichtet das letzte Ende der Rechtskurve, die Kugel stieg daraufhin auf der nachfolgenden Gerade sehenswert an und zog sich fast bis zur nachfolgenden und finalen Linkskurve. Da die erste Antwort der Langefelder sehr kurz ausfiel, keimte die Hoffnung, endlich in Führung zu gehen. Zum Glück schaffte es auch der darauffolgende Heimwerfer nicht, Steffen Lengerts Granate zu erwischen und so konnte Westerende das 1:0 bejubeln. El Capitano hatte seine Cojones aus der Hose geholt und einmal sichtbar in der Langefelder Landschaft drapiert - ein tolles Pfund Lengerts.

Hendrik "Unkünnig" Bents, der in Langefeld nicht richtig in seinen Wettkampfmodus fand und später gegen Matthias "Lotti" Lottmann ausgewechselt wurde, ließ die Kugel dann zu tief und kam gerade eben über die Wende. Da der Gegner aber ein ordentliches Ding gezeigt hatte, stand  Vizekapitän Hoffmann in einer extrem schwierigen Position dann vor der Aufgabe, die Führung in den eigenen Reihen zu halten. Er scheiterte am Ende aufgrund eines fehlenden Meters daran, aber sein Team hatte zumindest nicht allzu viel an Boden verloren.

"Wat kann de Fendt mall ut Waschke kieken!" So oder so ähnlich wird schon so manch einer gedacht haben, wenn er das Handtaschen-Model Steffen Lengert in der Konzentrationsphase beobachtet hat.

Sein Opa Gerhard "Undeert" Onnen, der wie auch die Eltern des Bruderpaars am Sonntag als Boßelrowdy mit dabei war, spendierte seinem Enkel im Übrigen zur Meisterschaft 5 Euro für ein bis zwei Malzbiere, da der leicht töffelig agierende Mannschaftsführer es tatsächlich vergessen hatte, mit dem Vorstand des BV Lütje Holt eine Meisterschaftsprämie auszuhandeln.

Die nun auf der Rücktour langgezogene Linkskurve wurde sehr schlecht von den Roten absolviert, da hier drei Werfer mithelfen mussten.

Der Westerender Anwerfer vermochte es dann aber, die Kugel aus dem Kurvenausgang ein ordentliches Stück auf die nachfolgende Gerade zu bringen, ehe "Mr. Sunglasses" Tunder dann ein feines Granätchen aus dem Ärmel schüttelte und den roten Flummi bis in den nachfolgenden Rechtsknick manövrierte. Diese Weite war des Guten zu viel für die tapfer kämpfenden Hausherren und die Führung war wieder bei den Kirchloogern.

Steffen Lengert verstand den darauffolgenden Stand in der Kurve dann nicht so richtig, harderte bereits vorher lautstark und donnerte die Kugel mit Ansage in den Straßengraben. Beim Verlassen des Arms konnte bereits ein frusterfülltes "Ich wusste das" von den Anwesenden vernommen werden. Die berühmten drei Ks - Kopf, Körper und Kloot - sollten in diesem Moment schlichtweg nicht von ihm in einen Einklang gebracht werden.

Der neunfache Auricher Meister im Hallenhalma hatte nicht nur die Kugel unsauber im Graben versenkt, sondern auch die Führung leichtfertig aus den Händen gegeben.

"Henne" Bents gab sich dann aber doch noch einmal richtig Mühe und jagte die Kugel wunderbar in Richtung Vereinslokal, sodass die Führung abermals wechselte.

Durch und durch Beamter. Die ehemals gescheitelte Persönlichkeit Ragnar Hoffmann schnürt ihre Schuhe nach DIN-Norm. Mr. Origami war auch der einzige Werfer auf Seiten der Gäste, der sein Meistershirt sauber und ordentlich auf einem Bügel im Auto transportierte. Der Hohn und Spott seiner Kameraden war ihm damit auf jeden Fall schon einmal sicher.

Es folgten ein kleinerer Wurf vom Vizekapitän und eine Granate von der Westerender Nummer 2, ehe der Mannschaftsführer die ehrenvolle Aufgabe hatte, die Kugel über den "Aufnahmepunkt zu schieben". Unmittelbar vor dem Linksknick stehend, drosch er die Kugel mit ordentlich Dampf in Richtung Verkehrsinsel. Aufgrund der mächtigen Wurfkraft stieg das buntbemalte Spielgerät aber tatsächlich noch nach 150 Metern aus, sodass die Gäste mit einer soliden Führung von 99 Metern im Gepäck rechts in Richtung Dietrichsfeld einbogen.

Der Startwurf der Langefelder missriet dann aber völlig, sodass der Mann mit den berühmten Cojones tatsächlich auch das 2:0 besorgt hatte.

Hendrik Bents semmelte die Kugel dann völlig von Sinnen in den unteren Bereich der Straße und man entschied sich daraufhin zum bereits erwähnten Wechsel. Die Gummiboys ärgerte zu diesem Zeitpunkt vor allem, dass sie den bunten Wurfmix des Heimteams, bestehend aus langen und dann wieder sehr kurzen Würfen, nicht konsequent für sich nutzen konnten und man mit einem neuen Werfer auf eine gewisse Konsolidierung des eigenen Wurfgebahrens hoffte.

Matthias "Tanne" Lottmann kam auf dem Dietrichsfelder Teil in die Begegnung und zeigte eine gute Leistung.

Am Ende zeigte er eine große Geste, als er sich für den 70-jährigen Eugen Pernak auswechseln ließ, um auch ihm einen Wurf zu ermöglichen und ihn damit ebenfalls zu einem Kreisliga-Meister zu machen.

Gerade weil Lottmann selbst  in dieser Saison nicht allzu oft zum Einsatz kam, ist dieser Schritt als noch viel  wertvoller einzustufen.

Entsprechend deutlich konnte man das Zollen des Respektes von allen Zuschauern und Werfern vernehmen.

Ragnar Hoffmann konnte die Scharte gerade noch auswetzen und kam um 50 Meter an der Kugel der Gastgeber vorbei, sodass der Gegenschöt abgewendet werden konnte.

Auf Höhe des Möbelhauses Evers trafen die Langefelder dann aber zweimal mustergültig die Rille, Westerende konnte nicht adäquat kontern und somit stand es nur noch 2:1.

Beim folgenden Linksknick schoss der Vizekapitän Hoffmann die Kugel dann stumpf geradeaus und blieb noch vor der Vorgabe des Heimteams, sodass binnen weniger Minuten aus einem 2:0 ein Remis geworden war.

Westerende ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und fand kurz vor der Wende nochmals zurück in die Spur: Steffen Lengert knallte das rote Projektil vor der abschließenden Linkskurve einmal mit ordentlich Schmackes auf den Asphalt und konnte die zwischenzeitlich gewonnene Führung in den eigenen Reihen halten. Die Aufgabe war nicht einfach, da sein Kontrahent zuvor ebenfalls einen grandiosen Wurf gezeigt hatte, doch behielt der Kapitän die Nerven und legte 210 Meter auf das teerige Parkett.

Dieser Wurf sollte aber erst der Auftakt gewesen sein, denn Matthias Lottmann donnerte die Kugeln nochmals 40 Meter weiter zurück und im Anschluss gab Ragnar Hoffmann den Langefeldern dann den Rest, als er seinerseits nochmals 200 Meter zum Glücklichsein beisteuerte. Die Konsequenz war, dass Langefeld nicht mehr folgen konnte und die Roten wieder mit einem Schöt in Führung lagen.

 

Ragnar Hoffmann ehrte Steffen Lengerte nach dem Wettkampf auf dem Parkplatz der Vereinskneipe Langefelds für seine überragende Mannschaftsführung. Das komplette Team bejubelte das hübsche Pärchen und forderte Küsse der beiden Sportler. Diese Forderungen blieben jedoch ungehört.

Mr. Tunderstruck, der in seiner Freizeit gerne Volksmusikkonzerte besucht und auf ein Date mit Stefan Mross hofft, da er dessen größter Fan ist, wollte nicht als Spielverderber gelten und eiferte dem rotgekleideten Trio in bester Dirk-Tunder-Manier nach. Wie von der Tarantel gestochen jagte er die Kugel an den oberen Straßenrand, wo sie auch für eine ordentliche Weile verblieb und nach gut 250 Metern wieder im Straßengraben verschwand. Blau-Schwarz fand wieder keine passende Antwort und der alte Abstand war wiederhergstellt.

Der Wahnsinn hatte aber noch kein Ende, denn "El Capitano" holte nochmals alles aus seinem Körper und fetzte das rote Ding mit Speed über die Strecke. Erneut blieb die Kugel nach gut einem Viertelkilometer am Rand der Straße liegen und auf der imaginären Anzeigetafel leuchtete es 5:2.

Auf dem anschließenden Stück zeigte sich Langefeld nach diesem Dreifachschlag sichtlich schockiert und Lütje Holt begnügte sich nun auf das Verwalten des Ergebnisses. Kein Team traf die Rille und plätscherte die Begegnung dahin, ehe zum Ende des Wettkampfes nochmals ein ganz besonderes Highlight folgen sollte.

Wie bereits angedeutet, hatte Matthias Lottmann die Ehre, den letzten Wurf der Saison zu absolvieren, doch verzichtete er grandios und überließ Eugen Pernak, dem 70-jährigen Ehrenmitglied der Männer I, den letzten Wettkampfwurf und machte ihn somit auch zum "Kreisliga-Meister".

Männer V-Werfer Eugen Pernak durfte auch noch ran. Der 70-jährige Golfbegeisterte ist  im Übrigen der einzige Werfer Lütje Holts, der zwei Jahre in Folge einen Meistertitel feiern konnte (letztes Jahr holte er zusammen mit der Männer V  den Titel).

Pernak, der hauptsächlich als Maskottchen und Fotograf in der Saison agiert hat und sich dadurch auszeichnet, cool auf seinem Elektro-Scooter durch den Wettkampf zu cruisen, musste nach dem Wurf zugeben, dass es für ihn schon eine ordentliche Drucksituation gewesen sei, unter den Eugen-Eugen-Rufen aller Anwesenden die Aufgabe zu erfüllen, an der 105 Meter entfernten Kugel Langefelds vorbeizugelangen. Doch er blieb eiskalt, setzte die rote Kugel wunderbar auf die Straße, wo sie bis zur Hälfte der oberen Seite stieg und bereits jedem vor Ort schnell klar wurde, dass er niemanden enttäuschen würde.

Im Gegensatz: Insgesamt brachte er es auf 131 Meter, sodass sich Lütje Holts Gummi final über einen soliden 3,026:0-Auswärtssieg freuen konnte. In Addition mit dem Ergebnis aus Holz hieß es am Ende 3,003:0 für Lütje Holt. Das Ziel, mit einem Erfolg auf die eigene Meisterschaftsfeier zu fahren, war also erreicht worden.

Westerende hat es also tatsächlich geschafft und nach einem unglaublich verkorksten Saisonstart den Titel nach einer sehr langen Saison mit starken Gegnern und engen Fights geholt. Rückblickend waren es viele Siege des Willens wie in Dietrichsfeld oder auch Moordorf, die dieses Märchen ermöglichten. Aber auch scheinbare Enttäuschungen wie das 1:1 in Georgsfeld oder das 0:0 in Wiesens sollten sich schnell als Erfolge herausstellen, da auch andere Teams dort Federn ließen.

Bei der Meisterfeier im Gasthof Germann brachen alle Dämme. Es wurde von 17.00 - 1.30 Uhr gefeiert, was die Boxen von DJ Jann Tunder hergaben. Auf diesem Wege vielen Dank an die tollen Glückwunschkarten und Geschenke. Insgesamt sollen bis zu 170 Gäste auf der Meisterfeier gewesen sein - ein gewaltiger Erfolg.

Westerende hatte davon profitiert, zwei enorm starke und ausgeglichene Gruppen zu haben, die in engen Matches immer wieder den Unterschied ausmachen konnten. In vielen Begegnungen wurde ein eher schwächeres Ergebnis der einen Division durch einen deutlichen Sieg der anderen Gruppe in einen Gesamtsieg gewandelt - die Meisterschaft war tatsächlich eine grandiose Teamleistung, zu der insgesamt 14 Werfer der Männer I und 8 "Aushilfen" aus den anderen Männermannschaften Lütje Holts beigetragen haben.

Der Verein hat den Meistertitel ergo gemeinschaftlich an die Holzlooger Straße geholt.

In der Abschlusstabelle thronen die Roten nun mit 103:26 Schöts an der Spitze und können sich über starke 33:11 Punkte freuen. Auswärts konnten 14:8 Punkte eingefahren werden - ein wahrlich meisterlicher Wert.

Vizemeister wurde Bernuthsfeld nach einem engen Finish. Das Team kam auf 84:47 Schöts bei 28:16 Punkten.

Am 22.4.18 geht es in Willmsfeld um den Aufstieg in die Ostfriesland-Liga. Die dortige Strecke ähnelte dem Georgsfelder Geläuf sehr stark und wird sicherlich kein Spaziergang für Rot werden. Aber sicherlich wird die Kirchlooger U-45-Mannschaft dann auch wieder auf den starken Support der anderen Vereinsmitglieder zählen können.

 

-ju- (Informationen zu Gummi: Ragnar Hoffmann)

Fotos: Eugen Pernak


Auswärtskampf gegen Bernuthsfeld, 18.3.18

Der Anteil der Sonnenbrillen stieg beim Kampf in Bernuthsfeld rapide an. Der eisigen Kälte gepaart mit starken Windböen stellten sich Jan Lengert, Matthias Lottmann, Thilo Adomat, Christian Smid, Harm Auts, Jens Ufken, Sven Frerichs, Ragnar Hoffmann (kniend), Steffen Lengert und Dirk Tunder (v.l.).

18.3.2018

 

Der bereits feststehende Meister aus Westerende musste sich eine Woche vor dem herbeigesehnten Saisonende der Auswärtsaufgabe "Bernuthsfeld" stellen. Es hatte auf Seite der Roten bereits im Vorfeld die Absprache gegeben, Werfern mit einer bislang geringeren Anzahl an Einsätzen eine Chance zu geben, zudem fehlten Hendrik Bents und Ingo "Harvey" Weber krankheitsbedingt, Simon Hanssens letztes Bier am gestrigen Abend stellte sich als schlecht heraus und Thorsten Wienekamp betrieb Brutpflege.

Die Holzbuben begaben sich mit Christian Smid, A-Jugendwerfer Thilo Adomat, Sven Frerichs und Harm Auts auf die Hintour, zur Wende kam Dauerinvalide Jens Ufken, der sich morgens noch mit einer Iboprofen 800er in Wettkampfstimmung gebracht hatte, für den an Nummer 4 gestarteten Landwirten in die Partie.

Für Thilo Adomat war der Auftritt in Bernuthsfeld ein ganz besonderer, da er nach zwei sehr kurzen Einsätzen zum ersten Mal in seiner Boßelkarriere über die gesamte Wettkampfdistanz gehen durfte und sich nach Kräften mühte, seinen Teamkameraden eine Unterstützung zu sein.

Ein erheblicher Teil des Teams litt ferner an Schlafmangel, weil eine Abordnung am gestrigen Abend auf der Meisterschaftsfeier der Frauen II zugegen war und der Gegenpart mit den Damen der Frauen I-Vertretung den Aufstieg in die Landesliga begossen hatte.

Enge Betreuung für den Boßellehrling: Sven Frerichs zeigt Thilo Adomat, wie er die Kugel halten und setzen muss. Im Hintergrund trottet Christian Smid heran, dessen Wurf leider ein wenig zu tief geblieben war.

Modisch  gesehen sind die Westerender auf jeden Fall ganz vorne mit dabei.

 

Bei starkem Gegenwind setzten die Hausherren ihren Anwurf bis kurz vor die 140-Meter-Marke. Der wildgewordende Tischlerlehrling Smid, der nach wie vor stark darunter leidet, den entscheidenden Wettkampf in Osterloog verpasst zu haben, drehte die Westerender Wurfpremiere leider mit dem Daumen in Richtung Straßenrand und so konnte sich der Gastgeber zum Start über eine 30-Meter-Führung freuen.

Der A-Jugendliche Adomat schaffte die Aufgabe und setzte die Kugel souverän vorbei, ehe Sven Frerichs das Wurfgerät mustergültig über den Finger steigen  und diese an der oberen Straßenkante einige Zeit lang ziehen ließ. Harm Auts setzte seinen Wurf ordentlich vor die Kurve und sorgte ebenfalls dafür, dass die Führung der Hausherren eher kleiner als größer wurde.

Smid lieferte in der folgenden Rechtskurve souverän nach und knallte ein ordentliches Geschoss in den Asphalt, wurde jedoch nicht mit der Führung belohnt.

Die Westerender brachten sich dann allerdings wieder selbst in die Bredouille als der Nachwuchsboßler seinen Versuch unter den Strich setzte und nur knapp an der Kugel des Gegners vorbeikam.

Die Dampfmaschine Frerichs holte erneut die Kastanien aus dem Feuer und bot auch einen zweiten, sehr ordentlichen Wurf an. Der Westerender Schlusswerfer tat es ihm nach und Lütje Holt war wiederum drauf und dran, die Führung erstmalig zu erobern.

Versucht direkt nach dem Abwurf durch ein Stoßgebet in Richtung Himmel noch Einfluss auf den Wurf zu nehmen: Tischlergott Christian "Smiddi" Smid.

Doch Runde 3 sollte sich zu einer absoluten Katastrophenrunde für die Roten entwickeln, generell zeigten beide Teams auf der Hintour - auch ob des extremen Windes -  des Öfteren boßlerische Magerkost par excellence.

"Smiddi" Smid donnerte die Kugel kurz vor der Kurve stehend oben raus, Thilo Adomat legte einen 80-Meter-Wurf nach, Sven Frerichs kurbelte zu stark  und versenkte das Projektil im oberen Straßengraben und der 19-jährige Auts ließ die Kugel einfach fallen. Es kam einem Wunder gleich, dass das 0:1 aus Lütje Holter Sicht erst nach dem vierten Versuch in dieser komplett aus dem Gedächtnis zu löschenden Runde fiel. Bernuthsfeld musste sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, geradezu fahrlässig mit den eigenen Chancen umzugehen. Gleich mehrfach sensten sie die Würfe über die Straße oder ließen diese zu tief. Das Niveau war auf beiden Seiten extrem schlecht und verbesserungswürdig.

Dann kam es zu einer Premiere für Thilo Adomat: Der Boßelnovize, dessen Vater schon bei Lütje Holt aktiv war, setzte die Kugel sehenswert über den Strich, hatte ihr auch ein wenig mehr Schmackes mitgegeben und konnte damit die Führung für seine Farben besorgen. Überglücklich ließ er sich dafür von seinen Teamkameraden feiern; zurecht, denn immerhin war dies die Führungspremiere für die Gäste im gesamten Wettkampf.

Ereignislos schleppte sich das Feld dann in Richtung Wende, wo es von einem Sandsturm erwartet wurde. Das Auswärtsteam schaffte es überdies aufgrund seines konsequent inkonsequenten Wurfverhaltens, die Führung abzugeben.

Auf der Wende bekamen alle Beteiligten noch ein bisschen Sand ins Getriebe. Die nahegelegene Kieskuhle litt unter plötzlich auftretender Erosion und sorgte  dadurch für schlechte Sichtverhältnisse.

Auf der Wende entschied man sich dazu,  den 35-jährigen Ufken für Harm Auts in die Partie zu nehmen.

Christian Smid hatte gut 130 Meter aufzuholen und traf seinen Wurf wunderbar, sodass er Gegenschöt Nummer 2 abwehren konnte.

Die Blauen knallten nun aber ein richtiges Geschoss in Richtung Linkskurve und Thilo Adomat stand jetzt vor der unschönen Aufgabe, kontern zu müssen.

Er lief an und setzte die Kugel ordnungsgemäß, diese legte ca. 100 Meter zurück, nahm noch ein bisschen Straßenkante mit und kam dennoch noch ein kleines Stück vor der Bernuthsfelder Markierung zum Stillstand. Die Gastgeber bejubelten das 2:0 entsprechend lauthals.

Der 25-jährige Bundeswehrsoldat war es dann, der die schwierige 90°-Grad-Kurve grandios durchwarf. Er lief kurz unter dem Strich an und drückte das Schwarz kurz darüber mit Speed nahezu durch die gesamte Biegung. Leider folgte auch hier ein anständiger Konter der Blauen.

Jens Ufken hatte seinen Premierenwurf und stand recht bescheiden im Kurvenausgangsbereich. Er versuchte, die Kurve beim Anlauf zu begradigen, setzte die Kugel aber zu tief, sodass diese nach ca. 100 Meter auf der Eisfläche des naheliegenden Grabens verschwand.

Men in Black: Bevor es für die drei Charakterdarsteller zu den Dreharbeiten des vierten Teils geht, ließen sich Dirk Tunder, Sven Frerichs und Jens Ufken (v.l.) nochmal ordentlich diverse Gliedmaßen abfrieren - natürlich stilecht mit Sonnenbrille.

Bernuthsfeld legte einen 150-Meter-Wurf und alles sah danach aus, dass sich nichts am Zwischenergebnis ändern würde, doch das Undeert Smid hielt die Kugel zu lang fest, verriss den Wurf und konnte die Vorgabe der Lokalmatadoren nicht erreichen. 0:3 aus Sicht der Gäste. Klar, es war keiner so richtig geschockt ob des Zwischenstandes, schließlich hatte man im Vorfeld schon ein wenig damit gerechnet, dennoch erwuchs in den Köpfen des Teams noch ein wenig der Restehrgeiz und fortan wurde die werferische Qualität der Rotgekleideten um Längen besser.

Der junge Adomat überwarf die Kugel der Gastgeber und nachdem diese sich einen schwächeren Wurf gegönnt hatten, zauberte der Zeitsoldat in den Reihen der Roten einen schönen Daumenwurf aus dem Ärmel und konnte die Führung der Kontrahenten durchaus schmälern.

Jens Ufken feuerte dann auf seiner heißgeliebten Daumenseite einen ansprechenden rund 200 Meter in Richtung der Dornumer Straße und konnte damit die Führung erobern, da die Gegner mindestens 100 Meter davor blieben. Um ganze fünf Meter konnten die Gastgeber dann nur das 1:3 verhindern, doch war es wenig später der Kirchlooger Anwerfer, der den Wurf Ufkens komplett kopierte und seine Jungs erstmals jubeln ließ.

Das Gewaltschwein Smid gönnt sich ein kurzes Päuschen.

Er belegte vor kurzem übrigens einen Kochkurs  an der Volkshochschule und kann nun selbstständig Nudelwasser erwärmen.

So schlecht geworfen und dennoch existierte noch die Chance auf den Ausgleich - Westerende hatte eindeutig Blut geleckt.

Zwar gab der Mannschaftsjüngste die Führung sofort ab, jedoch sprangen erst Sven Frerichs und dann der neue Schlusswerfer für ihn mit tollen Würfen in die Bresche und die Führung war wieder zurück.

Chris Smid haute daraufhin noch eine richtig Bombe durch den Linksknick, nichtsdestotrotz änderte sich der Spielstand erst einmal nicht.

Das Boßelküken war dann wiederum etwas übermotiviert und schoss die Kugel mal so richtig quer über die Straße, glücklichweise konnte er dennoch die Führung in den eigenen Reihen halten.

Sven Frerichs ließ seinen Wurf dann leider auch zu tief, sodass an einen Ausbau der Führung nicht zu denken war. Dann war es aber erneut Jens Ufken, der den dritten Wurf in Folge mit ordentlich Dampf auf die Reise schickte und eine sehenswerte Schötvorlage für seinen Anwerfer lieferte.

Vor der finalen Kurve stehend, ließ sich Christian Smid nicht zweimal bitte und platzierte das schwarze Kunststoffteil grandios am Strich, hielt mit Finger gegen und gelangte auf diese Art und Weise noch gute 120 Meter auf die Schlussgerade.

Nachdem kurz geklärt werden musste, welcher Partei die weiter geworfene Kugel gehörte, da diese sehr eng beeinander auf dem Eis lagen und keiner der Beteiligten aufgrund der guten Wurfweiten die Rollphasen verfolgen konnte, setzte Team Rot zum Schötjubel an. Kurz vor Schluss war das Remis für die Holzdivision also zum Greifen nahe.

Doch man hatte die Rechung ohne den Bernuthsfelder Anwerfer gemacht, der das Kunststoffprojektil mustergültig an den oberen Straßenrand knallte und die Kugel sich auch dank des starken Rückenwindes dort nahezu festbiss. Nach einer gefühlten Ewigkeit fiel sie in den unteren Straßengraben und hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Zielmarkierung überschritten.

Nachdem die Meter gezählt worden waren, stand fest, dass das Heimteam nicht nur die Führung, sondern auch einen weiteren Schöt geholt hatte. Um genau 301 Meter wurde die Kugel Lütje Holts übertroffen - ein grandioser Schlusspunkt auf eine teilweise erbärmlich geführte Partie, bei der die Rück- ein komplettes werferisches Spiegelbild zur Hintour darstellte.

So macht das Kugelsuchen Spaß: Thilo Adomat fischt das Rund von der dicken Eisfläche.

Die Gräben boten mit ihren Eisflächen zum Teil großartige Auslaufflächen für die Würfe der Akteure.

Die Holzköppe hatten also verdient mit 0:2,001 verloren und trugen ihr Schicksal mit Fassung.

Bei den Gummigurken starteten Dirk Tunder, Matthias Lottmann, Steffen Lengert und sein Bruder Jan. Stammanwerfer Ragnar Hoffmann gönnte sich ein Päuschen und ersetzte zur Wende "El Capitano" Steffen Lengert.

Mr. Tunderstruck legte bei den widrigen Bedingungen einen tollen Anwurf hin und da der Versuch der Gastgeber kurz zuvor einmal quer über die Straße gegangen war, konnte sich Lütje Holt gleich über die Eroberung der Führung freuen. Das ganze Feld musste dabei förmlich vor der Bernuthsfelder Kugel fliehen, hatte man sich doch noch gar nicht richtig positioniert, als das Gummigeschoss in Richtung Pulk geflogen kam. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Beim zweiten Wurf machte es Bernuthsfeld deutlich besser, sodass ein möglicher Gegenschöt durch das Heimteam abgewendet werden konnte. Matthias "Lotti" Lottmann und die Gebrüder Lengert brachten das rote Projektil dann durch die erste Rechtskurve mit soliden Würfen.

Nach der besagten Biegung begannen jedoch beide Teams teilweise starken Würfen äußerst schwache folgen zu lassen. Der Wettkampf wurde zerfahrener, jedoch mit leichten Vorteilen für die ortskundigen Werfer.

"El Capitano" Steffen Lengert läuft an und lässt den Wurf leider zu tief. In Bernuthsfeld erwischte er keinen guten Tag und zeigte gleich mehrfach kurze Würfe.

Für die Roten ging es folglich darum, das 0:1 zu verhindern, was auch noch eine ordentlich Weile klappte. Vor dem sandsturmgeplagten Gebiet bei den Kieskuhlen war es dann aber soweit: Kurz vor der langen Rechtskurve blieb ein Wurf Westerendes zu kurz und Bernuthsfeld konnte sich über den ersten Schöt freuen.

Wenig später fiel dann kurz nach der Kurve sogar Schöt Nummer 2, sodass Lütje Holt mit einem 0:2 über die Wende marschierte.

Der enttäuschend agierende Steffen Lengert wurde gegen Ragnar Hoffmann, der dann eine ordentliche Leistung zeigte, getauscht und die Roten versuchten ab sofort Schadensbegrenzung zu betreiben. Leider konnte dieses so wichtige letzte Quäntchen Konzentration vom Team nicht abgerufen werden und so blieben diverse Chancen zum Anschlussschöt reihenweise ungenutzt.

Dirk "Die gebrochenen Rippe" Tunder kam zwar auf der Rücktour immer besser in die Begegnung, doch zeigte die Formkurve von Jan Lengert, der die Fingerstände hinwärts noch gut gemeistert hatte, jetzt deutlich nach unten, da er sämtliche Daumenwürfe unter dem Strich platzierte. Matthias Lottmann fehlte an diesem Tag die Feinjustierung. Reihenweise donnerte er seine Würfe oben aus der Bahn oder setzte diese unter den Strich - so richtig war keiner der Gummiathleten in Wettkampflaune.

Erster Wurf der Rücktour: Dirk Tunder knallte die Kugel mit viel Finger und der Kraft seiner Ohrpuschel an den oberen Straßenrand, diese verließ die Bahn, kehrte dann aber wieder zurück und erreichte eine ordentliche Gesamtweite.

Mr. Tunderstruck nahm sich dann aber doch nochmal ein Herz und packte ein ordentliches Donnerwetter auf die Bahn. Die Konsequenz daraus war, dass er neben der Führung sogar das 1:2 markieren konnte und die Gäste wieder Morgenluft witterten.

Doch diese Hoffnung blieb unbegründet, da sich schlichtweg nicht die Konstanz im Wurfgebahren des Kreisligameisters einstellen wollte.

Die Führung wechselte munter hin und her und so ging es in Richtung der letzten Linkskurve.

Mit der Führung im Rücken knallten die Bernuthsfelder die Kugel mit vollem Elan durch den Knick und da Westerende diese Vorgabe nicht erreichte, war der alte Abstand wiederhergestellt.

Es folgte  ein weiterer guter Wurf des Heimteams, der überdies das Ziel überschritt und dem Team zu den 2 Schöts noch 116 Meter einbrachte.

Der Wettkampf ging für Lütje Holt also mit 0:4,117 verloren. Angesichts der Tabellensituation sicherlich kein Beinbruch, doch trauerte manch einer der schönen Serie von 17 Partien ohne Niederlage hinterher, die nun gerissen war.

In der Tabelle logiert das Team nun mit 100:26 Schöts bei 31:11 Punkten auf dem Spitzenplatz, gefolgt von Schirum-Ostersander und Langefeld mit jeweils 27:15 Zählern.

Da Langefeld somit noch um den zweiten Platz kämpft, der zur Teilnahme an den Aufstiegskämpfen berechtigt, wird sich Westerende am kommenden Sonntag also auf einen weiteren heißen Tanz einstellen müssen, ehe es im Anschluss zur Meisterschaftsfeier in der Gaststätte Germann geht.

 

-ju- (Informationen zu Gummi: Ragnar Hoffmann)

Fotos: Eugen Pernak

Konnten trotz Niederlage nach dem Wettkampf lachen: Steffen Lengert, Sven Frerichs und Dirk Tunder (v.l.).


Auswärtskampf gegen Middels-Osterloog, 11.3.18

Betrübte Gesichter bei den Lütje Holtern: Jens Ufken hatte neben den Boßelkugeln und dem "Kraber" die schlechte Kunde im Gepäck, dass Stammanwerfer Christian Smid aufgrund einer akuten Erkrankung seiner Freundin Lena Mudder nicht am Wettkampf wird partizipieren können - ein herber Schlag vor dem richtungweisenden Wettkampf.

Dennoch machte man sich mit einer "Jetzt-erst-recht-Mentalität" auf den Weg nach Middels und vertraute darauf, dass auf der schmalen Strecke eher Präzision denn Kraft den Unterschied ausmachen würde.

11.3.2018

 

"Noch ein Punkt und wir sind rein rechnerisch Meister. Meine süßen Burschen, ihr wisst, was zu tun ist!" Mit diesen aufmunternden Worten schickte Kapitän Steffen Lengert, der sich unter der Woche den Innenmeniskus oberhalb des Axiswirbels beim Müll raustragen unglücklich gezerrt hatte, seine Jungs gen Middels-Osterloog.

Zuvor hatte sich der designierte Meister um 8.40 Uhr zum Einwerfen im Idem getroffen, weil man dort die Osterlooger Bedingungen  perfekt simulieren konnte.

Jäh unterbrochen wurde die gute Laune der Roten, als Jens Ufken aus seinem Wagen stieg und den entsetzten Mannschaftskollegen die Abstinenz von Christian "Smiddi" Smid mitteilte. Er hatte auf Geheiß des Jungtischlers bereits die Kugeln und das Boßelsuchgerät aus dem Stammsitz der Familie Smid besorgt, um zumindest einen reibungslosen Wettkampfablauf garantieren zu können.

Die Holzköpfe hingen tief  und man sah die Felle bereits vor dem geistigen Auge davon schwimmen, doch die Gummigruppe in Person von Dirk Tunder und Ragnar Hoffmann munterten die verbliebenen vier Holzburschen auf, dennoch alles zu geben. Gummi würde alles daran setzen, heute die nötigen Schöts zu holen, um ein etwaiges negatives Ergebnis der Holzdivision gegebenenfalls auszugleichen.

Der Tross begab sich also langsam in Richtung Diskothek Rahmann und Ingo "Harvey" Weber und Simon "Ü-Ei"Hanssen lasen noch unterwegs Männer III-Kapitän Jakob Penning auf, um zumindest einen sicheren Ersatzwerfer in petto zu haben.

"Noch ein paar Würfe auf der Strecke der Gastgeber machen." Dies war die Devise einiger Westerender, die sich hier in Person von Jens Ufken noch die letzte Sicherheit holten.

Timon Menkens, Hendrik Bents, Jan Lengert, Dirk Tunder, Gerhard "Vollgas" Onnen, Steffen Lengert, der Boßeltourist Felix und Sven Frerichs beobachten den Wurf des 35-Jährigen.

Um 9.30 Uhr schlug man auf der Wende des heutigen Gastgebers auf und entschied sich,  ein paar schnelle Würfe zu machen, da man noch auf die Ankunft von Simon Hanssens Audi warten musste.

Eine Viertelstunde später parkten die Westerende Jungs dann ihre Autos bei der Gaststätte Badberg ein und begaben sich in Richtung des Anwurfpunktes.

Zum  Entsetzen aller wirkte die Strecke noch um einiges schmaler als auf dem unter der Woche von Ingo "Harvey" Weber gedrehten Video - eine Tatsache, die den Gewaltwerfern im Team der Roten nicht unbedingt eine Freude bereitete.

Da besonders das erste Stück einem etwas breiteren, runden Fahrradweg glich, entschied man sich dazu, den überwiegend sehr sicher agierenden Alterspräsidenten auf der 1 zu platzieren. Im Anschluss folgten Simon Hanssen und Sven Frerichs, Jens Ufken ging ausnahmsweise auf die 4, weil er hoffte, bereits auf dem etwas breiteren Stück nach der Kreuzung zum Zuge zu kommen.

Auf jeden Fall war spätestens nach der visuellen Betrachtung der kompletten Strecke jedem im Team der Roten klar, dass diese Begegnung sicherlich nicht zu einem angenehmenen Vormittagsspaziergang verkommen würde.

Alle bereit zum Start: Jan Lengert, Hendrik Bents, Gerhard "Undeert" Onnen, sein Enkel Steffen Lengert, Simon Hanssen, Jens Ufken, Dirk "Mr. Sunglasses" Tunder, Jakob Penning, Ingo "Harvey Weber, Sven Frerichs, Ragnar Hoffmann und Timon Meenkens  (v.l.) stellen sich den schweren Bedingungen in Middels-Osterloog.

Die Gastgeber legten mit der Holzkugel los und trüllten den Anwurf sehr eigenwillig nach 35 Metern in den rechten Straßenrand. Ingo "Harvey" Weber hatte also gleich die Möglichkeit, die Führung zu erobern und tat dies auch in brillanter Manier. Er setzte die Kugel schön auf den Bock, sie zog daraufhin knapp durch die leichte Biegung und legte noch ein ordentliches Stück auf der folgenden Gerade zurück. Der Start war geglückt, die Führung bei den Gästen.

Simon Hanssen kam mit dem überdimensionierten Fahrradweg nicht ganz so gut klar und schob die Kugel einmal quer über die Straße, glücklichweise machte er dabei aber einige wertvolle Meter und hielt die Führung in den Reihen Lütje Holts.

Middels konterte gut und stellte Sven Frerichs vor eine unangenehme Herausforderung, der er knapp nicht nachkommen konnte, sodass die Führung aufgrund von wenigen Metern auf die Seite der Schwarzen wechselte.

Der Brüllhannes der Holzgruppe stand entgegen seiner Annahme noch immer auf dem schmalen Teil und entschied sich angesichts der Tatsache, dass er beim Einwerfen im Idem dazu tendiert hatte, alle mit Anlauf geworfenen Daumenstände zu weit nach oben zu drehen, zu einer extrem ungewöhnlichen Variante. Er stellte sich auf die Mitte der Straße und warf aus dem Stand. Dabei traf er den Bock auf der Straßenmitte ideal und holte die Führung für seine Farben zurück.

Sven Frerichs hatte - wie auch der Rest des Teams - seine liebe Mühe mit der Strecke, zog sich aber insgesamt achtbar aus der Affäre und war froh, als man nach 4,55 Kilometern Laufweg die Gaststätte Badberg erreichte.

Ingo "Harvey" Weber mustert seinen Wurf.

Der einzige bekannte Schizophrene im Team der Roten überwarf dann souverän die Kreuzung und stellte Simon Hanssen mustergültig. Der 21-Jährige, der am letzten Spieltag seinen Geburtstag feiert, nagelte seinen Wurf leider ein wenig zu daumenlastig nach 80 Metern Laufweite in den rechten Straßenrand und gab daraufhin die Führung wieder ab.

Die Dampfmaschine Frerichs, dessen Rauchgerät im Übrigen beim Einwerfen von Grobian Ufken mit der Holzkugel ordentlich demoliert wurde, erledigte seine Aufgabe exakt nach Vorgabe, Jens Ufken tat es ihm - erneut aus dem Stand - nach.

Ingo "Harvey" Weber hatte dann eine der vielen leichten Biegungen vor sich, setzte die Kugel aber scheinbar etwas zu tief, traf dann aber eine Treckerfahrrinne, woraufhin die Kugel wieder ein gutes Stück in Richtung Straßenmitte lief und sich ein mittelmäßiger Wurf mit der Unterstützung von Fortuna zu einem grandiosen entwickelte.

Es kam, wie es kommen sollte: Der Wurf der Schwarzen blieb zu kurz und die Führung wechselte zum wiederholten Male die Seiten.

Kurze Zeit später stand Jens Ufken vor einer langgezogenen Rechtskurve und setzte das schwarze Spielgerät stehend mustergültig leicht rechts versetzt von der Straßenmitte. Die Kugel machte sich auf die Reise, traf urplötzlich eines der vielen Schlaglöcher, veränderte komplett ihre Laufrichtung und verschwand auf der rechten Straßenseite im Gras. Neben der versprungenen Kugel stand dem Team dann noch der nächste Ärger ins Haus, weil die schwer erkämpfte Führung dadurch erneut passé war.

Die beiden Alten diskutieren den nächsten Wurf des Teamältesten.

Wie sich herausstellen sollte, hatten sich die Hausherren genau zum richtigen Zeitpunkt die Führung zurückerkämpft. Jetzt ging es nämlich in eine fürchterliche S-Kurven-Passage, in der absolutes Feingefühl gefragt war.

Ingo "Havey" Weber legte einen soliden Wurf vor und stellte Simon Hanssen vor eine ultrascharfe Rechtsbiegung, die er nur trüllend durchdringend konnte. Das Gewaltschwein gab seinem Wurf leider zu viel Dampf mit und die Kugel lief steil durch die Kurve in den gegenüberliegenden Graben. Da der Gegner die nun folgende Passage über einen kleinen Düker mit nachfolgender Linkskurve perfekt gelöst hatte, musste Sven Frerichs jetzt aus einem extrem schweren Stand liefern.

Die sympathischen Lokalmatadoren hatten zuvor bereits angekündigt, dass das Team mit der Führung im Rücken meistens einen Schöt erhält, wenn es die S-Kurve vernünftigt meistert. Sie sollten recht behalten: Der junge Zeitsoldat setzte die Kugel mittig, sie lief dann aber ein wenig zu weit auf die rechte Seite und schlug anschließend im Wall ein. Daraufhin überbrückte sie noch einige Meter in Richtung der gegnerischen Markierung, blieb dann aber genau 40 cm zu früh liegen und Middels-Osterloog konnte zum ersten Mal in dieser bislang sehr offen gestalteten Begegnung den Schötschrei ausstoßen.

Simon Hanssen bei seinem Trüllversuch, dem er leider etwas zu viel Dampf mitgab.

Mit dem knappen Rückstand ging es in Richtung Wende. Simon Hanssen hatte zwischenzeitlich eine ordentliche Rakete gezündet und nachdem der Osterlooger ein feines Pfund über die Wende gesetzt hatte, machte sich der 25-Jährige Sven Frerichs auf die Reise in Richtung Westerloog, um die Kugel zurückzuschleudern.

Er musste mindestens 120 Meter überbrücken, um einen Ausbau des Rückstandes zu verhindern - auf dem schwierigen Geläuf sicherlich keine Aufgabe, die im Vorbeigehen erledigt werden kann. Frerichs lief an und setzte die Kugel sehenswert mittig auf die Straße, die Kugel lief einige Zeit auf dem Buckel mit, rutschte dann leicht nach rechts rüber und überbrückte die letzten, essentiellen Meter auf dem Grünstreifen. Ein toller Wurf, der sicherlich unter erhöhtem psychischen Druck passierte und  deswegen umso bemerkenswerter war.

Osterloog semmelte die Kugel dann ca. 90 Meter weit in den anschließenden langgezogenen Rechtsknick. Kein besonders auffälliger Wurf, der dennoch Konsequenzen für Lütje Holt bereithalten sollte.

Jens Ufken versuchte es jetzt wieder aus dem Stand und wurde bestraft: Er gab dem Wurf einen übertriebenen Finger mit, die Kugel donnerte ordentlich über die schmale Straße, traf den Wall auf der linken Seite, kehrte noch für ein paar Meter auf die Straße zurück und blieb am Ende doch um wenige Meter zu kurz. Die Folge: Das 0:2 aus Sicht der roten Holztruppe.

Hier zündet Simon Hanssen eine Rakete. Sven Frerichs und Jakob Penning (v.l.) zeigen an, Jens Ufken notiert am Straßenrand das aktuelle Spielgeschehen im Handy.

Das war ein ordentlicher Schlag in die Magengegend des ambitionierten Auswärtsteams. Der Traum von der Realisierung der Meisterschaft am heutigen Tag geriet plötzlich in weite Ferne, zumal die Ergebnislage bei der Gummidivision auch nicht immer ganz klar war.

Nach einem extrem gekurbelten und anspruchsvollen Wurf seines Teamkollegen Sven Frerichs um die scharfe Rechtkurve stand wiederum der Mittdreißiger Ufken vor der üblen Linkskurve und hatte eine knackige Aufgabe vor sich. Das Heimteam hatte seinerseits einen satten Wurf in den Kurvenscheitelpunkt gejagt und die Kugel war schon ein erhebliches Stück in Richtung Linksneigung gefallen.

Die einzige Möglichkeit, die Kugel des Gegners zu erreichen, war vom Abwurfpunkt des Routiniers in diesem Moment ein geglückter Trüllversuch. Ufken warf aus dem Stand, gab der Kugel einen schwachen Armschlag mit, setzte sie mustergültig unterhalb der Straßenmitte, woraufhin sie sich leicht nach oben zog und mit der Kurve mitzufallen begann. Wie bereits einige Runden zuvor, hatte er aber wieder kein Glück auf seiner Seite, als die Kugel plötzlich eine Unebenheit oder eine etwas flachere Stelle im oberen Straßenbereich erwischte, zu weit nach oben abdriftete und im Straßengraben landete. Tatsächlich fehlte wiederum nur ein knapper Meter zur Kugel des Gegners und Lütje Holt musste sich jetzt mit einem 0:3 anfreunden. Dreimal bekamen die Roten nun schon einen Gegenschöt aufgrund weniger fehlender Meter oder Zentimeter. Das Quäntchen Glück  wollte sich auf Seiten der Gäste heute nicht so richtig einstellen.

Boßling for Dummies: In dieser Folge sehen Sie "Fahrradwegboßeln mit Jens Ufken".

Im Hintergrund nahen die Gummigruppen von Osterloog und Westerende.

Man kam danach wieder in nettere Gefilde mit langgezogenen Biegungen und Geraden, die auch einigermaßen schadlos von den Westerender Holzbuben überstanden wurden. Leider Gottes zimmerten die Osterlooger dann eine satte Granate über ordentliche 170 Meter in den Asphalt und Sven "Steam Machine" Frerichs stand nun vor einer wirklichen Herausforderung.

Er platzierte die Kugel sehenswert auf dem Kamm der Straße, daraufhin lief sie gemäß der Osterlooger Vorgabe an den rechten Straßenrand, konnte dort jedoch nicht die Rille aufnehmen, die noch wenige Minuten zuvor vom Heimteam genutzt wurde und blieb ca. 40 Meter vor der Kugel der Gastgeber liegen. Nun war es also gefallen, das 0:4 aus Sicht der Gäste; allmählich wurde es unangenehm.

Der 35-jährige Schlusswerfer Westerendes hatte nun die Schnauze gestrichen voll und einen schönen Fingerstand vor sich. Da er sich mit dem Finger an diesem Tag sehr sicher fühlte, entschied er sich dazu, zum ersten Mal aus vollem Anlauf zu werfen. Er setzte die Kugel ideal auf die Mitte, sie lief in der Folgezeit schön in der langen Rechtskurve mit, rotierte langsam in Richtung des unteren Straßenrandes, erwischte dort eine Treckerreifenspur und machte so die 200 Meter komplett.

Dieser Gewaltwurf 2,5 Runden vor Schluss des Wettkampfes brachte den Lütje Holtern nochmal die wichtige Führung zurück, womit man nur noch 3 Schöts und Meter zurücklag.

Begeisterung sieht anders aus: Simon Hanssen (vorne), Hendrik Bents, Felix und Sven Frerichs (v.l.) begutachten skeptisch die Boßelstrecke in Middels.

Jakob Penning kam jetzt für Ingo "Harvey" Weber in die Auseinandersetzung und zeigte zwei sehr ordentliche Würfe, die ebenso wie eine Granate Simon Hanssens, der sich zum Ende des Wettkampfes noch mit der Strecke anfreunden konnte,  dafür sorgten, dass die Führung bis zum Schluss in den Reihen der Gäste blieb.

Mit dem letzten Wurf des Wettkampfs musste Simon Hanssen dann kurz vor der  Kreuzung in den schmaleren Zielbereich der Strecke einwerfen. Ein schwieriger Stand, da er das Projektil so setzen musste, dass es auf der "Fahrradwegpassage" genau auf den Straßenkamm trifft, noch ein gutes Stück dort verbringt und dann über die Zielmarkierung rollt.

Genau wie befohlen, führte er den Wurf mit voller Kraft aus und überwarf die Zielmarke um einige Meter.

Der Wettkampf war für die Holzsparte Lütje Holts beendet und es folgte nur noch die Antwort des Heimteams.

Der Osterlooger Werfer stand bereits auf dem schmalen Stück und traf die Straße gut. Die Kugel rutschte dann aber ins Grün ab und rollte aufgrund des Drucks noch 8 Meter an der Markierung des Hobbylandwirts vorbei. Damit war es entschieden: Die Gäste sollten ohne eigenen Schöt bleiben und mussten nach dieser 0:3-Niederlage auf einen guten Lauf ihrer Gummikameraden hoffen, damit der Traum vom Titel weiter leben konnte.

Die West-Wittmunder hatten im Übrigen auf Anraten des Westerender Gummiwerfers Ragnar Hoffmann ihre Teams neu zusammengestellt, sodass die Gastgeber nicht in dem Team warfen, das es bislang nur auf den vorletzten Tabellenplatz des Gruppentableaus gebracht hatte. Vielmehr gaben die Lokalmatadoren zu, am heutigen Tag eine exzellente Leistung gezeigt zu haben - zum Leidwesen der Gäste.

Letztlich war die Niederlage aber vollkommen verdient, da kein Werfer Lütje Holts eine gute Leistung auf der schweren Strecke zeigen konnte. Die Holzgruppe Westerendes fühlt sich doch eher auf autobahnartigen Straßen wohl und musste heute jede Menge Lehrgeld zahlen.

"Kann losgehen!" Dirk "Tunderstruck" Tunder, der nach wie vor an den Folgen seines Rippenbruchs laboriert und Ragnar  "Origami" Hoffmann, der unglücklichweise in den letzten Tagen seinen liebgewonnenen Scheitel verloren hat, haben sich genug im Idem eingeworfen und begeben sich in Richtung der geparkten Autos.

Nun musste also Gummi die Kastanien aus dem sprichwörtlichen Feuer holen. Vizekapitän Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Hendrik Bents und "El Capitano" Steffen Lengert hatten sich einiges vorgenommen und ließen sich anfangs auch von der guten Stimmung der Holztruppe anstecken, da sich diese bekanntermaßen bereits mit dem ersten Wurf die Führung sichern konnte.

Nachdem der Anwerfer der Gastgeber die Kugel oben aus der engen Bahn gejagt hatte, ging der Lütje Holter Startwerfer mit breiter Brust an den Anwurfpunkt und entschied sich dazu, den roten Flummi sicher und mit etwas Dampf auf die Straße zu bringen, aber dabei den aufkommenden Rechtsknick zu vernachlässigen. Gedacht, getan und so lief die Kugel mit Volldampf auf der zuvor ersonnenen, imaginären Spur, schoss gerade aus der Bahn und holte nach einigen Metern Laufweg im Grün die Führung für Westerende.

Die Burschen mit den roten Jerseys gaben in der Folgezeit weiter Gas, erfuhren jedoch immer wieder geschickte Konter vom Heimteam, sodass es zunächst noch bei einem Remis bleiben sollte.

Interessanterweise vermochten die Osterlooger nicht so recht den Heimvorteil auszunutzen, da schwächere Würfe der Gäste ohne eine passende Antwort blieben, sondern in der unmittelbaren Folge ebenfalls ein schlechter Wurf von ihnen produziert wurde.

Es verhielt sich im Übrigen gleichermaßen bei guten Würfen. Legte Westerende tollkühn vor, ahmten die Osterlooger dies mustergültig nach. Kein Team ließ sich in der Anfangsphase so recht aus der Ruhe bringen.

Gute Stimmung zum Start: Steffen Lengert, Dirk Tunder, Jan Lengert und Hendrik Bents (v.l.) konnten nach der frühen Führung auf dem schmalen Stück zufrieden sein.

Die Folge des ausgeglichenen Boßlings: Es gab bis zur Wende diverse Führungswechsel, nichtsdestotrotz konnte kein Team den temporären Vorteil in einen zählbaren Erfolg ummünzen.

Dann packte aber der Sohn des 1. Vorsitzenden mit der eigenen Führung im Rücken einen richtigen Brüller aus, warf mit Verstand sehr kontrolliert über die Wende und da die Gäste ihren Versuch unten ins Gras manövrierten, fiel endlich das erlösende 1:0 aus Sicht der Westerender Werfer.

Um der Holzgruppe, die mittlerweile mit 0:1 hinten lag, neuen Mut mit auf den Weg zu geben, fielen die Schötschreie der Jungs noch einen Tick lauter aus als sonst. Die Gummigruppe wusste an diesem Tag, dass es auf sie ankommen würde und Holz Schadensbegrenzung betreiben müsse.

Die Truppe warf weiterhin gut weiter, wohingegen Osterloog sich den ein oder anderen kleineren Wurf leistete und die Führung der Roten eher größer denn kleiner wurde.

Nach der S-Kurve packte das Heimteam dann aber einen gewaltigen Hammer aus, der am unteren Schnitt der Straße langzog und um die 180 Meter zurücklegte. Mr. Tunderstruck stand nun vor einer extremen Herausforderung, wusste aber zumindest noch die Führung auf der Seite seines Teams, sodass er ohne übertriebenen Druck werfen konnte.

Die Faust des Willens. Origami-Champ Hoffmann kam sehr gut mit der Straße zurecht und pushte seine Kollegen in der gewohnten lautstarken Art immer wieder nach vorne.

Mr. Sunglasses weigerte sich aber, auch nur irgendwas zu verschenken und zimmerte die Kugel in seiner unnachahmlichen, energischen Art und Weise haargenau wie sein schwarzgekleideter Vordermann in den Asphalt. Der einzige Unterschied war, dass in dem Wurf noch mehr Energie steckte und die Kugel somit tatsächlich an der Vorgabe der Middelser vorbeizog und die Führung weiterhin einen roten Touch behielt.

Wie wichtig dieser Wurf für das Team war, zeigte die unmittelbare Folgesequenz: Der heimische Werfer leistete sich einen kürzeren Wurf und erneut war es Hendrik "Frauenversteher" Bents, der das rote Hartgummigeschoss mit  seiner unorthodoxen Weise ein respektables Stück nach vorne jauchzte. Die Gegner zeigten daraufhin erneut Nerven und Westerende und konnte sich über das 2:0 freuen.

Plötzlich verlor das Heimteam ein wenig den Faden und donnerte die Kugel im direkten Anschluss  auf Höhe der Kirche quer über die Straße, woraufhin der Zusammenprall mit einem geparkten Auto nur durch das beherzte Eingreifen der anderen Teammitglieder verhindert werden konnte als man die Kugel abstoppte.

Der 29-jährige Mannschaftsführer der Westerender kam nicht allzu gut mit dem Geläuf vor Ort zurecht und packte wieder einen seiner berühmten Harakiri-Würfe aus - dieses Mal aber mit einem glücklichen Verlauf.

Steffen Lengert und Hendrik Bents (v.l.) sehen die Straße vor lauter Werfern nicht.

Lengert lief an, holte alles aus seinem voluminösen Oberkörper, setzte die Kugel mit geschätzten 367 km/h auf den Asphalt, wo sie nur wenige Sekunden verblieb, dann ein beachtliches Stück auf dem Grünstreifen zurücklegte, wieder auf die Straße zurückkehrte und im Affentempo nach weiteren 90 Metern Laufstrecke im Graben verschwand.

Die Führung war wieder bemerkenswert groß und konnte nur um Haaresbreite durch die tapferen Gastgeber egalisiert werden.

Man hatte jedoch nicht die Rechnung ohne den bis in die kurzgeschorenen Haarspitzen motivierten Ragnar Hoffmann gemacht, der vor den Augen seiner Frau Ilka direkt danach ein ordentliches Pfund durch den Linksknick ballerte und Lütje Holt damit das 3:0 besorgte. Nach Schöts war das Match also ausgeglichen. Jetzt hieß es: Das Ergebnis über die Ziellinie retten und dann wäre das Märchen vom Titel tatsächlich in Erfüllung gegangen.

In der Folge gab es in beiden Reihen eher unauffällige Würfe, die keine Konsequenzen zur Folge hatten, sodass das Remis rund 300 Meter vor dem Ziel schon zum Greifen nahe war.

Middels-Osterloog witterte dann aber nochmals Morgenluft als deren Werfer das rote Gummiteil perfekt setzte und ca. 160 Meter in Richtung Ziel bugsierte - und dies vor den Augen der eilig herbeigelaufenen Holzgruppen.

Wurde noch nie sehnlicher herbeigewünscht als in Middels-Osterloog: Das Ziel.

Ragnar Hoffmann stand nun vor der netten Aufgabe, so kurz vor dem Ziel bloß nicht die Nerven und vor allem die Führung zu verlieren.

Seniorenwerfer Gerhard "The Power" Onnen gab dem zweifachen Familienvater vorher noch folgende weise Worte mit auf den Weg: "Es ist egal wie du wirfst, Hauptsache weit." Der Erfinder der Trittleiter für Fußleisten war an diesem Tag in blendender Verfassung, nahm diese Lebensweisheit in sich auf und setzte die Kugel genau auf den Straßenkamm. In der Folge lief sie ideal mit der Rechtsbiegung und wäre sicherlich noch 40 bis 50 Meter weitergerollt, wenn nicht eine Familie ihre Fahrräder mitten auf der Straße geparkt hätte und der Lauf der Kugel abrupt durch einen Anhänger abgebrochen wurde. Dennoch hatte Hoffmann die Weite seines Gegners übertrumpft und die Führung blieb bei Rot.

Der ebenfalls in grandioser Verfassung agierende Dirk Tunder alias "Die gebrochene Rippe" stand nun genau dort, wo Simon Hanssen vorher zum letzten Wurf seines Holzteams angesetzt hatte. Die Osterlooger hatten die Kugel bereits über die kleine Kreuzung gejagt und Tunder nun den Wunsch, das rote Ding einfach nur noch über die Ziellinie zu ballern, um den Meistertitel für seine Jungs klarzumachen.

Er lief an und ahmte den Wurf Simon Hanssens genau nach. Um wenige Meter überschritt die Kugel die Ziellinie und auf Seiten der Westerender brach grenzenloser Jubel nach dem vorzeitigen Titelgewinn aus. Weil er die Kugel der Gegner 50 Meter hinter sich gelassen hatte, konnte Lütje Holt nach diesem 3:3 sogar noch 42 Meter dem eigenen Schötkonto zuschreiben.

Der ärgste Konkurrent Schirum-Ostersander musste zwar erst am Nachmittag in Georgsfeld werfen, da sie jedoch aufgrund eines Schötabstandes von 39 bei drei ausstehenden Wettkämpfen nur noch theoretische Chancen auf den Titelgewinn hatten, entschieden sich die Westerender nach kurzer Absprache dazu, die von Jens Ufken designten Meister-Shirts überzustreifen.

So sehen Meister aus!

Jakob Penning, Jan Lengert, Hendrik Bents, Steffen Lengert, Simon Hanssen, Jens Ufken, Sven Frerichs, Ragnar Hoffmann, Timon Menkens und Ingo "Harvey" Weber (v.l.) feiern Dirk Tunder und sich selbst nach dem vorzeitigen Gewinn des Titels.

Interessanterweise verpasste Tunder im Trubel seinem Mannschaftskapitän mit dem Fuß einen Tritt am Kinn, woraufhin dieser den Rest des Abends mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung auf dem Sofa verbrachte.

Ein Punkt war zum Titelgewinn nötig gewesen und genau dieser eine Punkt wurde es auch nach einem äußerst harten, spannenden und stets fair geführten Wettkampf.

Entsprechend ausgelassen fiel die Stimmung anschließend im Vereinsheim der Osterlooger aus, zu der auch die Gastgeber mit einer launigen Rede von Vizekapitän Ingo beitrugen.

Nachdem noch gemeinschaftlich die ein oder andere Bratwurst vertilgt wurde, begab sich ein Teil des Teams in die heimische Gaststätte Germann, während der Rest sich gedanklich auf die Meisterfeier am 25.3. vorbereitete und den Sonntag im Kreise der Familie ausklingen ließ.

Am Nachmittag kam dann die definitive Bestätigung des Meistertitels, da Schirum-Ostersander sage und schreibe mit 0:9 in Georgsfeld verloren hatte. Lütje Holts Männer hatten sicherlich auf einen Punktverlust des Tabellenzweiten gehofft, weil man dort ebenfalls nur Remis geworfen hatte, jedoch war dieses Ergebnis sicherlich sehr überraschend. Somit hat kein Team der Liga zwei Spieltage vor Saisonschluss mehr die Chance, Westerende von der Tabellenspitze zu stoßen und die Entscheidung zum Überstülpen der Meister-Shirts hatte seine vollkommende Berechtigung erhalten.

Ingo ist zwar Kapitän von Middels-Osterloog, hat aber keine Lust, nach den Wettkämpfen etwas zu sagen und lässt deswegen seinen Schwager Ingo ran (den mit der Wurst).  Dieses Phänomen kennen die Roten nur zu gut.

Die Truppe Osterloogs war ein sehr sympathischer Gastgeber und Westerende freut sich auf die gemeinsame Meisterfeier in der Gaststätte Germann.

Neben dem Titel konnte sich Lütje Holt zudem über Saisonschöt Nummer 100 freuen. 21 kassierten sie und liegen nun bei 31:9 Punkten.

Hinter den Roten entbrennt an den letzten beiden Spieltagen ein spannender Kampf um Rang 2, der zur Teilnahme an den Aufstiegskämpfen berechtigt. Von Schirum-Ostersander auf Rang 2 (25:15 Punkte) bis Pfalzdorf auf Rang 7 (22:16 Punkte, ein Nachholkampf steht noch aus) haben noch alle Vereine eine veritable Chance, sich den begehrten Rang zu angeln.

Interessanterweise wird Lütje Holt noch bei den Fünftplatzierten Bernuthsfeldern und Drittplatzierten Langefeldern antreten und alles daran setzen, die Wettkampfspannung weiter oben zu halten, da man das Negativpunktekonto zum einen auf einem einstelligen Niveau halten möchte und die Serie von 17 Partien ohne Niederlage weiter ausgebaut werden soll.

 

-ju- (Informationen zu Gummi: Ragnar Hoffmann)

Fotos: Eugen Pernak, der beide Gruppen wieder eifrig und dankenswerterweise mit der Kamera auf seinem E-Roller begleitete.

Die Jungs feiern den Titel. Kapitän Steffen Lengert verteilt die Shirts.

MEISTER!!!


Heimkampf gegen Georgsfeld, 4.3.18

Gummi und Holz vereint vor dem Wettkampf: Kapitän und Vollgummi-Experte Steffen Lengert genießt mit dem Hartholz-Wurfveteranen Simon "Sugar" Hanssen (v.l.) die Ruhe vor dem letzten Heimkampf der Saison.

4.3.2018

 

Zehnmal waren die Westerender Lausbuben in dieser Saison schon an ihrer so geliebten Holzlooger Straße aufmarschiert und hatten dort sage und schreibe 59:5 Schöts und 17:3 Punkte erbeutet. Es bleibt zu konstatieren, dass sich die schnuckeligen Burschen wahrlich in dieser Spielzeit zu einer Heimmacht gemausert hatten und vor dem Vergleich gegen den Tabellenvorletzten aus Georgsfeld jeder der Rotgekleideten absolut gewillt war, die gute Bilanz um weitere zwei Punkte anschwellen zu lassen.

Vor dem offiziellen Einwerfen hatte man sich überdies um 12 Uhr im Idem eingetroffen, um den diesjährigen Vereinsmeister zu erkiesen. Der ursprüngliche Termin war vor einigen Wochen wegen Eisesglätte ausgefallen und konnte am heutigen Tag kurzerhand nachgeholt werden.

Auf dem im Monat April stattfindenden Saisonabschlussfest des Vereins wird Sven Frerichs dann erfahren, ob er seinen Titel verteidigen konnte. In der Gummiwertung wird es dagegen definitiv einen neuen Sieger geben, da Vorjahreschamp Jens Ufken zum einen weiterhin krankheitsbedingt fehlte und zum anderen mittlerweile mit der Kunststoffkugel tätig ist.

Am Anwurfpunkt trafen die Jungs auf die Vertreter der Männer II Lütje Holts, die ihrerseits eine wichtige Nachholpartie gegen Plaggenburg zu bestreiten hatten und diese, soviel kann bereits vorweggenommen werden, auch knapp mit 1:0 für sich entscheiden konnten. Beide Teams machten sich nochmals heiß für ihre Begegnungen und schworen sich gegenseitig, dass alle vier Punkte definitiv in den eigenen Reihen bleiben werden. Auch dieses bilaterale Aufeinandertreffen der Vereinsmannschaften zeigte, dass die Chemie im Verein mehr denn je intakt ist.

In der nächsten Wochen wird das Team sich übrigens schon wieder im Idem treffen. Dieses Mal wird aber die bevorstehenden Partie bei Middels-Osterloog der Anlass sein, denn auf dieser schmalen Straße lassen sich die schwierigen Bedingungen vor Ort am besten simulieren.

Männer II-Ass Hemme Rieken wirft sich ein, Sven Frerichs aus der Männer I krackselt unbehände in der kargen Winterlandschaft umher.

Die Westerender Holzbubenbande begab sich in der Konstellation Christian Smid, Simon Hanssen,  Sven Frerichs und Ingo "Harvey" Weber auf den nicht mehr so winterlichen Track gen Westen. Der Alterspräsident musste die personifizierte Lungenentzündung namens Jens Ufken ersetzen und versteifte sich auf das, was er besonders gut kann: Solide, sicher gesetzte Würfe, die definitiv keine 300 Meter erreichen, aber auch nicht nach 40 Metern gegen den nächsten Baum knallen. Diesen soliden und wertvollen Part füllte er absolut zufriedenstellend aus und gab den anderen drei Jungs damit  die nötige Sicherheit in ihrem Wirken.

Thorsten Wienekamp lief die gesamte Begegnung über mit, verzichtete aber trotz der Nachfrage seiner Mannen auf eine Einwechslung, um den Spielfluss seiner Jungs nicht unnötig zu stören. Ehrenmitglied Eugen Pernak war auch wieder mit von der Partie, nachdem er einen langgedehnten Urlaub im europäischen Süden genossen hatte. Er begleitete abwechselnd beide Gruppen und machte fleißig Fotos, die in diesem Bericht teilweise zu sehen sind.

Christian "Smiddobald Smidberger Smiddi" Smid warf an und knallte die schwarze Kugel wieder einmal unnachahmlich in die Einfahrt. Ein toller Wurf und fast schon folgerichtig gab es die Führung für die Rotgekleideten.

Simon Hanssen konnte die Führung darauf leicht ausbauen, doch was dann kam, war Slapstick vom Allerfeinsten: Sven Frerichs lief auf der rechten Seite an, warf ab, die Kugel flog im hohen Bogen durch die Luft und verschwand hinterher für die nächsten Sekunden im gefrorenen Morast abseits der Fahrbahn. Die Dampfmaschine in den Reihen der Westerender, die die Kugel scheinbar zu lange festhielt, hatte das Blut in den Adern der Jungs gefrieren lassen. So einen Start hatte sich sicherlich keiner gewünscht. Die Führung war futsch.

Sieht aus wie eine Selbsthilfegruppe auf Wanderschaft: Simon Hanssen, Ingo "Harvey" Weber (v.l.) und diverse gegnerische Werfer müssen eine lange Autokolonne in der Nähe der Wende durchlassen.

Weber und Smid brachten nachfolgend ein wenig Ruhe in das Spiel und sorgten mit sicheren Würfen dafür, dass der Abstand zu den Georgsfeldern zumindest nicht größer wurde, sondern allmählich schmolz. Auf der Geraden zum Kanal war es dann Simon "So ward boßelt" Hanssen, der ein ordentliches Gewaltwürfchen aus dem Ärmel schüttelte und damit die Führung auf die rote Seite der Macht zurückbeorderte.

Christian Smid kegelte danach am Kanal seine Kugel knapp oben raus, woraufhin diese noch einige wertvolle auf dem gefrorenen Nass zurücklegen konnte - dies hatte hingegen weder negative noch positive Auswirkungen.

Generell waren die Westerender sehr nervös, vermutlich lag es daran, dass sie sich durchaus darüber im Klaren waren, dass ein heutiger Sieg ein weiterer Sieben-Meilen-Stein auf dem Weg zum langersehnten Titelgewinn wäre. Vernachlässigt werden sollte ferner auch nicht,  dass der schwere Auswärtskampf in Moordorf noch nicht allzu lange zurücklag und sicherlich noch in den Knochen einiger Werfer steckte.

Auf der Geraden in Richtung Stine Uden fackelte das ü-ei-liebende Wurfmonster Hanssen hernach nicht lange und langte richtig hin. Sein Wurf war für den Gegner nicht erreichbar und so war es endlich da: Das erlösende 1:0.

Die Schnellstarter waren äußerst lahm aus den Startlöchern gekommen und wollten nun dringend Boden wiedergutmachen, ergo die Führung kontinuierlich ausbauen.

Voller Einsatz für das Team: Thorsten Wienekamp angelt die Holzkugel aus einem Abflussrohr.

 

Foto: Eugen Pernak

Gesagt getan: Sven Frerichs stand wenige Minuten später ausgangs der Stine-Uden-Kurve, setzte die Kugel mustergültig und schob diese noch ca. 100 Meter weit auf die Gerade. Da Georgsfeld die eigene schwarze Murmel einmal salopp in den Straßengraben beamte, konnte die imaginäre Anzeigetafel auf 2:0 gestellt werden.

Ingo "Harvey" Weber stellte Christian Smid dann mit links in den Rechtsknick und nun sollte der Anwerfer seinen großen Auftritt haben:

Im Knick stehend ballerte er die Kugel sehenswert in Richtung rote Hütte, die Kugel fiel wunderbar mit der Linkskurve mit und blieb kurz vor dem Düker liegen. Ein absoluter Bombenwurf, bei dem schon vorher klar wurde, dass es sicherlich neuerlich für Lütje Holt klingeln würde.

Und so kam es auch: Die Blauen setzten die Kugel zu ungenau, woraufhin sie bereits kurz vor der Kurve auf der Geraden zum Stillstand kam. Schöt Nummer 3 wurde frenetisch  umjubelt, sollte aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, da die Georgsfelder jetzt kurz vor der Linkskurve stehend zum Trüllversuch ansetzten, dieser aber komplett misslang und die Kugel noch immer nicht in Smids Sphären vordrang. Smid hatte also das Kunststück fertig gebracht, in zwei aufeinanderfolgenden Heimkämpfen einen Doppelschöt zu erzielen. Zuvor war dieses Kunststück der gesamten Lütje Holter Holzfraktion in der gesamten Saison überhaupt nicht gelungen und Smid nun innerhalb von zwei Wochen zweimal - eine beachtliche Leistung.

Dieses 4:0 beflügelte und Mister "Cold Blue Eyes" Simon Hanssen schepperte die Kugel nun mit aller Gier durch die verbliebene Rest-S-Kurve und aufgrund seiner schieren "So ward boßelt"-Gewalt überbrückte das Schwarz nach Verlassen der Strecke noch rund 30 Meter auf dem Eis in Richtung Schlussgerade. Ziemlich unorthodox, aber der 25-Jährige Soldat Frerichs konnte nun zumindest frei in Richtung der Wende werfen.

Ingo "Harvey" Weber, der auf der diesjährigen Meisterfeier zwei taugliche Männer aus anderen Vereinen anwerben will, die ihn fortan bei seiner beruflichen Tätigkeit als Bodenleger unterstützen sollen,  warf wie ein schweizer Uhrwerk und zahlte das Vertrauen zurück, das das Holzteam in ihn gesetzt hatte.

Sein Alterego Harvey konnte heute nicht am Wettkampf teilnehmen, da die Bundesrepublik Deutschland bei ihm eine Zwangsvasektomie angeordnet hatte.

Foto: Eugen Pernak

Doch wider Erwarten hatte die "Steam Machine" schon wieder einen Aussetzer und quälte die Kugel unvermittelt in den Graben, wodurch die Führung wieder auf Seiten der Gäste zu finden war.

Ingo "Harvey" Weber schob die Kugel darauf über die Wende und so war es erneut Christian Smid, der sich rund 50 Meter hinter der Wende befand und einen schötbringenden Stand vor sich sah.

Bedingung dafür wäre, die Kugel so zu platzieren, dass sie mit der Linkskurve fiele und dann noch ein ordentliches Stück auf der Gerade in Richtung Rechtskurve zurückläge. Zudem müssten die Georgsfelder mit zwei Versuchen nicht zur Kugel Smids kommen, da die Führung bekanntermaßen bei den Gästen lag.

Der hochgewachsene Jungtischler jubelte die Kugel vorbildlich entlang der Straßenmitte, wodurch diese dann tatsächlich erst wieder kurz vorm Düker zum Liegen kam. Da Georgsfeld es tatsächlich mit zwei Würfen nicht schaffte, die Kugel zu erreichen, waren die 5  Schöts komplett.

Zwar gab Ingo "Harvey" Weber die Führung dann nach der Rechtskurve direkt ab, doch holte der Anwerfer der Lokalmatadoren diese wenig später mit seinem Wurf in Richtung Stine-Uden-Kurve zurück. Heute ließen die Lütje Holter einfach nichts anbrennen.

Da musste Simon "So ward boßelt" Hanssen tief in die Knie, weil er genau werfen musste. Normalerweise fällt der 21-Jährige eher durch gröberes und zerstörischeres Boßling auf.

 

Foto: Eugen Pernak

Das lange Elend Smid stand nun auf Höhe der Holzlooger Straße 43 mit Blick auf den Linksknick. Er setzte die Kugel fein sachte über den Strich und das Teil lief wunderbar bis zur Bushaltestelle. Dies war neuerlich zu weit für die Gäste und Lütje Holt hatte das halbe Dutzend vervollständigt.

Simon Hanssen schaffte es dann sogar, die Kugel aus der schwierigen Position rund 10 Meter auf die Kanalgerade zu bringen, was aber ohne Ertrag blieb.

Da es am Kanal dann zu einigen werferischen Schwierigkeiten kam, wurden untypischerweise drei Werfer benötigt, ehe nochmalig der junge Hanssen die Chance hatte, nach der Kanalausgangskurve frei in Richtung Linksknick zu werfen.

Hanssen war wieder in seinem Element, lief mit seinen breiten Schritten an und jubelte die schwarze Kunststoffkugel sehenswert über die Gerade, nahm den Linksknick und auf der Höhe des Bushaltestellenhäuschen kam die Kanonenkugel endlich zum Stillstand.

Klar, dass dies das wohlverdiente 7:0 zur Folge hatte.

Mit diesem gewaltigen Vorsprung ging es auf die Zielgerade, auf der die liebgewonnenen werferischen Schlampereien der letzten Heimwettkämpfe fortgesetzt wurden: Gleich drei Würfe verließen die Straße am oberen Rand, jedoch konnte dabei immer die Führung in den Reihen der Roten gehalten werden.

Sven Frerichs machte dann mit einem sicheren Daumenwurf den Deckel drauf und gönnte seiner Herrengang noch angenehme 117 Meter. Dieses 7,117:0 stellte gleichzeitig den zweithöchsten Saisonsieg der Holzbuben dar, knapp getoppt vom 8,055 gegen die Bernuthsfelder am 10. Spieltag. Ein toller Erfolg für die Holzköppe, die sich nach einem verkorksten Start erst wahrlich in den Wettkampf beißen mussten und sicherlich auch von einigen Unkonzentriertheiten der Gäste profitierten.

Eben die Büx richten und dann wieder ran an die Kugel: Ingo "Harvey" Weber würde sicherlich der ein oder andere Cheeseburger mehr auf den Rippen gut tun.

 

 

Foto: Eugen Pernak

Die Gummibuben erlitten unmittelbar vor der Begegnung den Verlust von Werfer Hendrik Bents. Der 24-Jährige Student hatte sich im Auricher Nachtleben in der Nacht zuvor die Birne weggeknallt und war folglich nicht dazu in der Lage, um 13 Uhr (!) nüchtern zum Wettkampf zu erscheinen. Da er eigentlich von Beginn an werfen sollte, entschied sich Steffen Lengert kurzerhand dazu, auf der 3 seinem Bruder Jan die Bewährungschance zu geben.

Ragnar Hoffmann warf wie gewohnt an, es folgte Dirk Tunder und Steffen Lengert nahm traditionell die Rolle des Schlusswerfers ein.

Der Anwurf ging fast bis zur Einfahrt und besorgte Westerende gleich die Führung. Mr. Tunderstruck nahm dann all seine Kraft zusammen und rammelte den roten Flummi oben an die Straßennaht. Diese verließ er tatsächlich erst 140 Meter vor dem Rechtsknick - ein unfassbarer Wurf, der folgerichtig das frühe 1:0 für die Hausherren einbrachte.

Jan Lengert setzte daraufhin seinen Wurf optimal mittig und die Kugel kam genau nach dem Rechtsknick zum Liegen.

Dies war wiederum zu viel für die Georgsfelder, die die Kugel oben ausstiegen ließen und folglich hatte sich der erzwungene personelle Wechsel schon bezahlt gemacht, da Westerende bereits mit 2:0 in Front lag.

Jan Lengert zeigte eine tolle Wettkampfleistung. Gerade auf der Holzlooger Straße fand sich "Janni", der in dieser Saison als einziger Lütje Holter ausnahmslos aktiv und passiv jedem Wettkampf beiwohnte, immer besonders zurecht und konnte einige gute Darbietungen zeigen.

 

Foto: Eugen Pernak.

Steffen Lengert hatte hierauf bereits eine Rekordrunde bis zum Kanal vor Augen, lief noch leicht in der Kurve stehend an, holte voll aus und rammelte die Kugel mit vollem Karacho gegen den Buckel und von dort flog sie in hohem Bogen in die rechte Hecke. Er hatte ein Vollei fabriziert und das Team durfte somit die Träume von einem neuen Startrekord begraben. Zudem war die Führung erst einmal weg.

Ragnar Hoffmann zündete dann auf seinem neuen Lieblingsstück eine Bombe und überbrückte die gesamte Gerade bis hinter den Rechtsknick. Dirk Tunder hatte wenig später nur noch die Aufgabe, die Kugel auf die Kanalgerade zu schieben, was er souverän tat und schon stand es 3:0 für das Heimteam.

Jan Lengert legte hernach einen Zuckerwurf am Kanal nach, sodass Steffen Lengert keine Probleme hatte, das Rot vernünftig in der abschließenden Linkskurve zu drapieren.

"Origami" Hoffmann, der für den Rest der Saison nur noch mit der linken Hand Papier falten möchte, um das Verletzungsrisiko zu minimieren, testete im Anschluss den Bordstein der Bushaltestelle und gab damit die Führung ab, da die Georgsfelder ihre Kugel doch deutlich weiter gesetzt hatten.

Jan Lengert holte diese dementgegen  zurück, als er die Kugel nach der Rechtsbiegung langsam über die Mitte steigen ließ und so eine ordentliche Weite überbrückte.

Diskussionen während des Wettkampfes: Matthias Lottmann, Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder und Steffen Lengert (v.l.).

Zur Freude aller gaben die plüschigen Ohrwärmer Tunders wieder ihr vielumjubeltes Comeback.

 

Foto: Eugen Pernak.

Eben dieser Jan Lengert war es wiederum, der ca. 120 Meter vor dem Rechtsknick in Richtung Abschluss-S-Kurve stehend, erneut einen schönen Wurf auspackte, indem er die Kugel leicht über die Mitte setzte, ihr für seine Verhältnisse viel Druck mitgab und diese dann durch geschicktes Mitfallen ein ordentliches Stück in Richtung rote Hütte zurücklegte und Steffen Lengert am Ende nur noch 80 Meter bis zum Eingang der Kurve zu überbrücken hatte. Sein eben genannter Bruder ballerte die Kugel dann einmal in Richtung Kurve und stellte Ragnar Hoffmann somit perfekt.

Der Vizekapitän machte die S-Kurve "gerade" und aufgrund dessen hatte Sonnenbrillen-Dirk die Chance, bereits über die Wende zu werfen.

Der Lichtjockey und begnadete Hallenhalma-Spieler fabrizierte jedoch einen boßlerischen Zonk und so war es doch noch der VW-Mitarbeiter Lengert, der die Hürde "Wende" nehmen musste.

3:0 zur Wende, die Führung in den eigenen Reihen. Dies war sicherlich eine solide Basis vor Begehung der Rückrunde.

Steffen Lengert hatte im Nachgang die Aufgabe, den ersten Wurf der Rückrunde zu absolvieren. Er schleuderte das rote Projektil fast an den oberen Straßenrand und blieb nur wenige Meter vor dem Eingangsbereich der S-Kurve liegen. Ragnar Hoffmann stellte die Nummer 2 dann kurz vor den Düker und Tunder entschied sich dafür, volles Mett in Richtung Rechtskurve zu werfen, damit der nachfolgende Werfer wieder einen guten Abwurfwinkel zur nachfolgenden Gerade haben würde. Leider verlor das Team dabei die Führung, da die Kugel der Georgsfelder nach einem Trüllversuch sehenswert durch die Rechtkurve zog und schon einige Meter auf der Geraden zurücklegen konnte.

Gut, dass er nicht umgekippt ist.

Ragnar "Origami" Hoffmann macht seine fehlende Körpergröße durch einen enorm explosiven Wurfstil wett. Was andere Werfer im Team aus den langen Armen und dem Oberkörper holen, zieht er aus dem kompletten Körper und seinem energischen Anlauf.

 

Foto: Eugen Pernak.

Der jüngere Lengert-Bruder konterte vorzüglich, ließ langsam den Finger kommen und überbrückte das Stück bis zum Linksknick. Die Kugel stieg dann nochmal ansprechend auf der Geraden an und blieb nach ungefähr 80 Metern liegen. Dieser schöne Wurf hatte zur Folge, dass nicht nur die Führung zu den Roten zurückkehrte, sondern die Georgsfelder, die ein ums andere Mal durchaus von der Rolle wirkten und sich denkwürdige Eier leisteten, auch mit dem zweiten Wurf nicht die gesetzte Markierung erreichten und der 25-Jährige somit bereits Schöt Nummer 2 und das 4:0 für seine Mannen erzielte.

Sein Bruder Steffen setzte dann sauber mit Vollstoff nach und blieb kurz vor der Stine-Uden-Kurve  liegen. Dies war wiederum ein Spur zu weit für die Gäste und schon stand es 5:0 für Rot. Ragnar Hoffmann meisterte die Kurve im  Anschluss mit einem gekonnten Armschlag und stellte Dirk Tunder mustergültig auf die Gerade.

Der oftmals nach Wochenenden sehr heisere Sparkassenazubi ließ seinen Wurf dann etwas zu tief auf Höhe der  Bushaltestelle, was in Kombination mit dem nachfolgenden Aussteiger Jan Lengerts den Verlust der Führung zur Folge hatte.

An dieser Stelle entschied sich das Team dann, Matthias Lottmann noch ein bisschen Wettkampferfahrung zu geben. Er kam für Ragnar Hoffmann in die Begegnung.

Steffen Lengert setzte auf der Gerade auf Höhe des Lärchenwegs nachfolgend wieder zu einer seiner berühmten komödiantischen Einlagen an, als die daumengeschwängerte Kugel die Bahn nach ca. 100 Metern verließ, eine Hecke mitnahm, in den Graben sprintete, irgendwie auf die Straße zurücksprang, auf der anderen Straßenseite einen Pfahl traf und dann noch ein kleines Stück geradeaus rollte. Ein irrsinniger Wurf, der durchaus den ein oder anderen Zuschauer mit einem Fragezeichen im Gesicht zurückließ und bei "Der lustigen Pannenshow" sicherlich einen Chance auf den Sieg gehabt hätte. Glücklichweise blieb dieser Irrsinn  aber ohne Konsequenzen.

Matthias "Lotti" Lottmann wird von Ragnar Hoffmann, der im Rahmen des Wechsels  in der Rückrunde für ihn Platz machte, in dieser Szene angezeigt.

 

 

Foto: Eugen Pernak.

Matthias Lottmann und Dirk Tunder brachten den Trupp dann sicher an den Kanal, wo Jan Lengert gut aus den Startlöchern kam und sein Bruder schaffte es dann mit freundlicher Unterstützung des gefrorenen Eises auf dem rechten Graben in die Rechtskurve, sodass der junge Maschinenbaustudent dann schon auf die Gerade nach dem Rechtsknick werfen konnte und dabei die Führung im Rücken wusste.

Er erledigte seine Aufgabe gut, ehe Dirk Tunder sich dann einen gewaltigen Fauxpas erlaubte und die Kugel nach 30 Metern gegen einen Baum zimmerte, diese daraufhin mindestens genauso hoch in die Vertikale aufstieg und wenig später zum Erliegen kam. Zu allem Überfluss hätte er dabei beinahe noch den filmenden Eugen Pernak getroffen und vermutlich ins Krankenhaus befördert.

Da Jan Lengert es dann auch nicht schaffte, es zusammen mit seinem Vorgänger Dirk auf eine Gesamtweite von 100 Metern zu bringen, war die Führung wieder einmal weg.

"El Capitano" Lengert, der privat auch gerne mal ein schickes Ballkleid trägt, war dann etwas übermotiviert und wollte einer ordentlichen Vorlage der Gäste den Riegel vorschieben, ließ seinen Wurf aber nicht wie sein Gegner langsam ansteigen, sondern feuerte ihn nur gerade aus der Hand und blieb somit hinter der Weite der Blauen, wodurch das gesamte Georgsfelder Team sich an diesem Nachmittag zum ersten Mal über einen Schöt freuen durfte, nämlich den Anschluss zum 1:5.

Matthias Lottmann holte in der Folge auf Höhe des Linksknicks die Führung zurück, bevor Dirk Tunder 200 Meter vor dem Ziel  abermals einen völligen Totalausfall produzierte und somit Jan Lengert nochmals die Aufgabe bekam, die Ziellinie zu überwerfen.

Er tat dies überlegt und ruhig und konnte sehr gute 135 Meter für seine Farben erwirtschaften, womit sich das Gesamtergebnis auf den dritten zweistelligen Saisonsieg und  konkret auf ein 12,102:0 hochkatapultierte.

Die Westerender Gummigurken wussten in diesem Wettkampf wiederholt, ihren Fahrtvorteil auszuspielen und nutzten dafür auch mit Vorliebe jede sich anbietendene gefrorene Fläche abseits der Strecke. Somit war ihr Sieg nie gefährdet.

Strahlende Sieger nach einem tollen Wettkampf: Jan Lengert, Matthias Lottmann, Dirk Tunder, Ragnar Hoffmann, Ingo "Harvey" Weber, Christian Smid, Thorsten Wienekamp Simon Hanssen (v.l.).

 

 

Foto: Eugen Pernak.

Dieser 13. Saisonsieg lässt Lütje Holt weiterhin an der Tabellenspitze mit nun 97:18 Schötsbei 30:8 Punkten thronen, was einem Schötschnitt von 5,1 pro Partie entspricht. Überdies kam es am heutigen Sonntag zu einigen unerwarteten Ergebnissen.

Schirum-Ostersander verlor zu Hause gegen Pfalzdorf mit 0:2 und steht jetzt auf Platz 2 mit 80:39 Schöts und 25:13 Punkten. Dietrichsfeld verlor ebenfalls mit dem gleichen Ergebnis daheim gegen Bernuthsfeld und rutschte im Tableau auf 22:16 Punkte ab. Neuer Tabellendritter ist jetzt Langefeld mit einem Schötverhältnis von 73:64 bei 24:14 Punkten. Bei drei ausstehenden Spieltagen reicht Lütje Holt dadurch tatsächlich rein rechnerisch nur noch 1 Punkt, um den Titel fest zu machen, da sie ein um 38 Schöts besseres Wurfverhältnis als Schirum-Ostersander aufweisen. Gewinnen die Schirumer eine der letzten drei Partien nicht, wäre der Drops ebenfalls gelutscht. Langefeld hat nur noch Chancen auf den Vizemeistertitel, da sie ganze 69 Schöts schlechter als Westerende sind.

In der Gruppentabelle konnten sich die Lütje Holter Teams ebenfalls klammheimlich nach vorne schleichen und stehen jetzt mit jeweils 26:12 Punkten auf Rang 4 (Holz, 55:7 Schöts) und 5 (Gummi, 41:10 Schöts). Hier zeigt sich wieder, was das Team so stark gemacht hat: Die enorme Ausgeglichenheit über die gesamte Saison. Ebenfalls kann das Team sehr stolz auf die Saisonheimbilanz von abschließend 71:5 Schöts bei 19:3 Punkten sein.

Die Serien leben ebenfalls weiter: 16 Partien wurde nicht mehr verloren und am heutigen Tag gab es den 11. Sieg in Folge - eine mittlerweile schon fast unheimliche Reihe.

Am Sonntag in Middels-Osterloog soll mit einer konzentrierten Mannschaftsleistung der noch fehlende Punkte auf dem schwierigen Geläuf geholt werden. Dieses Unterfangen wird gelingen, wenn die Jungs Ruhe bewahren und ihren Stiefel locker runterwerfen.

 

-ju- (Informationen für Holz: Christian Smid, für Gummi: Steffen Lengert)


Auswärtskampf gegen Moordorf, 2.3.18

Hier tagt der Rat aus Vizekapitän und Kapitän. Ragnar Hoffmann und Steffen Lengert (v.l.) stecken beim enorm wichtigen Auswärtskampf gegen den Tabellenfünften die Köpfe zusammen.

3.3.2018

 

Es war angerichtet zum nächsten heißen Tanz der Saison in der Kreisliga der Männer I: Ostfrisia Moordorf, die sich vor der Nachholpartie gegen die Nachbarn aus Lütje Holt durchaus noch berechtigte Chancen auf den begehrten zweiten Tabellenplatz machen durften, da ihr Verlustpunktekonto bei nur 13 lag, wohingegen der aktuelle Tabellenzweite aus Schirum-Ostersander auf 11 Negativzähler kommt. Bei einem Sieg Moordorfs wäre die Spitze extrem zusammengerutscht, denn Westerende hätte sich dann bei 10 Minuszählen eintarifieren müssen. Zudem muss Moordorf noch am 21. Spieltag in Schirum antreten, hätte es also noch selbst in der Hand, Platz 2 von den Hausherren zu ergaunern.

Für Lütje Holt hätte ein Sieg bedeutet, Ostersander ganze drei Punkte hinter sich zu lassen und den Vorsprung auf Rang 3 bei noch vier ausstehenden Wettkämpfen auf ganze 6 Zähler anwachsen zu lassen. Aufgrund ihres prächtigen Schötverhältnisses von +62  hätte das Team dann bereits am 4.3. die Chance, beim Heimkampf gegen Georgsfeld Rang 2 fix zu machen.

Um 13 Uhr fanden sich beide Teams am Anwurfpunkt auf der starkbefahrenen Strecke bei -1° Celsius ein und beide Teams entschieden sich dazu, dass die Gummigruppen zuerst auf die Strecke nach Wiegboldsbur wandern werden.

Augenscheinlich hätte es den Eindruck erwecken können, dass sich der gesamte Verein "Lütje Holt Westerende" auf der Straße befände. Aus allen Teilen der anderen Mannschaften hatten sich Mitglieder auf den Weg zum Nachbarn gemacht, um ihre Jungs weiter in Richtung Meisterschaft anzufeuern - eine wirklich tolle Geste, die vor allem zeigt, was sich mittlerweile für ein grandioser Zusammenhalt bei den Roten entwickelt hat. Lütje Holt ist wieder zum Leben erweckt worden.

Es herrschte Volksfeststimmung in Moordorf. Ganz Westerende war auf den Beinen und fieberte mit der Männer I.

Im Vordergrund zu sehen ist Männer III-Werfer Waldemar Suntken, der zusammen mit seinem Kollegen Erich Tirrel vor einigen Wochen selbst noch einen grandiosen Wettkampf für die MI gegen Bernuthsfeld abgeliefert hatte.

Die Westerender Gummiboys stellten sich in der Formation Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Hendrik Bents und Steffen Lengert der großen Herausforderung. Jan Lengert und Matthias Lottmann liefen mit und kamen aufgrund des doch sehr engen Wettkampfverlaufes bis zum Ende nicht zum Einsatz.

Der Vizekapitän und Origami-Champ zündete eine Anwurfgranate in den Moordorfer Nachmittagshimmel, die so sicherlich nicht alltäglich zu bestaunen ist: Er setzte die Kugel so optimal, dass sie in die erste Kurve einfiel und sich bravourös auf dem folgenden Stück nach oben zog und am Ende auf eine beachtliche Weite von ca. 400 Metern zurückblicken konnte. Die Moordorfer, die ihren besten Werfer Jens Feldmann überraschenderweise in Holz einsetzten, wischten sich verwundert die Augen und wähnten sich jetzt bereits ca. 120 Meter im Rückstand. Gerade erst in den Wettkampf gestartet, ging es für sie darum, bereits den ersten Gegenschöt zu verhindern. Dies hatte man sich auf Seiten der Blauen im Vorfeld sicherlich anders ersonnen.

Der Wurf des Heimteams blieb zu kurz und Hoffmann hatte seinen Herzbuben bereits mit dem ersten Wurf das schnuckelige 1:0 beschert. Die Jubelschreie der Westerende waren bis in ihren Heimatort zu vernehmen.

Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein. "Mr. Tunderstruck" hatte auch ordentlich Bock und zimmerte den roten Flummi mit großer Wucht in den Asphalt, woraufhin dieser ebenfalls sagenhafte 400 Meter zurücklegte. Einen derartigen Start eines Auswärtsteams hatten die Moordorfer sicherlich lange nicht mehr hinnehmen müssen.

Die Blauen wehrten sich mit Händen und Füßen, doch kam auch der nächste Versuch nicht bei der Lütje Holter Markierung an. Die Konsequenz: Die Spätstarter hatten sich zu absoluten Blitzstarten gemausert und führten nach zwei Würfen mit 2:0.

Die Gummigruppe erwartet die nächste Granate eines ihrer Teamkollegen. Hier sehnen Hendrik Bents, Matthias Lottmann, Ragnar Hoffmann und Jan Lengert (v.l.) den nächsten guten Wurf für ihre Farben herbei.

Moordorf war bedient und Hendrik Bents und Steffen Lengert ließen weitere gute Würfe folgen, die aber folgenlos blieben.

In der Folge gab das Team dann auch schnell einmal die Führung ab, konnte diese aber relativ schnell wieder zurückerobern. Auffällig war  gemäß Kapitän Steffen Lengert, dass seinem Team besonders im ersten Ekelser Teilstück mit den Kurven ein wenig die Erfahrung fehlte und der ein oder andere sich beim Anlauf doch ab und an verschätzte und somit ein Ausbau des 2:0-Vorsprungs ein ums andere Mal leichtsinnig vergeben wurde.

Auf dem langen Stück in Richtung Wiegboldsbur ging die Führung hin und her, es fielen hüben und drüben sehr ordentliche aber zum Teil auch schwächere Würfe. Exemplarisch hierfür steht der Wettkampfverlauf direkt vor der Wende: Die lange Rechtskurve meisterte Hendrik Bents dann perfekt und konnte die Führung für seine Jungs zurückholen, doch war es dann wiederum Steffen Lengert, der diese wenige Minuten später leichtfertig herschenkte.

Ragnar Hoffmann warf dann dahingegen einen sehenswerten Versuch über die Wende und die Führung war postwendend zurück in den Reihen der Westerender.

Lütje Holt versteifte sich dann zunehmend darauf, auf Fehler des Gegners zu lauern und diese Fehler kamen dann auch.

Steffen Lengert zeigt an, Dirk Tunder wirft. Die Szenerie wird beobachtet von Hendrik Bents (Stirnband) und Jan Lengert (dahinter).

Der Start in die Rücktour verlief so wie die Hintour geendet hatte: Beide Teams hatten dieses Mal ihre liebe Mühe mit der langgezogenenen Kurve, doch auf dem nachfolgenden langen Stück wechselte die Führung dann wieder fast minütlich zwischen den Reihen.

Dirk Tunder zauberte wenig später eine tolle Granate auf Höhe der Kreuzung, wo man einen Blick auf die  Wende der Lütje Holter erhaschen kann. Die Roten hatten die Führung  inne und Moordorf nun die herausfordernde Aufgabe, diesen tollen Wurf zu kontern.

Um genau einen Meter schafften die Hausherren dies, sodass der Spielstand erst einmal gleich blieb.

Es lag zwar in der Luft, doch ließ das 3:0 noch bis zum Wurf Ragnar Hoffmanns auf sich warten. Dieser stand nun vor der langgezogenen Linkskurve und traf diese optimal, sodass alle schon im Hinterkopf hatten, was folgen sollte. Nach 200 Metern Rollweg wurde die Jubelarie des roten Trosses jedoch jäh in Form eines Autos unterbrochen. Da die Weite dennoch bereits als ausreichend empfunden wurde, entschied man sich gegen eine Wiederholung des Wurfes. Und diese Entscheidung wurde belohnt: Moordorf donnerte die rote Kugel oben aus der Straße und Schöt Nummer 3 war endlich da.

Mit dieser Führung im Rücken wurde der Ringkanal von Hendrik Bents und Steffen Lengert solide überworfen und man arbeitete sich allmählich in Richtung 4:0 vor. Die Lokalmatadoren waren jedoch nicht kleinzukriegen und verhinderten immer wieder den wohl spielentscheidenden Rückstand um meist wenige Meter oder gar Zentimeter.

Es ist immer gut, weibliche Unterstützung zu haben: Hier jubeln Teile der Lütje Holter Frauen I ihre männlichen Kollegen frenetisch nach vorne.

Die Verkehrsinsel wurde von beiden Teams gut gemeistert, ehe dann der sonnenbebrillte Tunder, der ansonsten die beste Tagesleistung in einem guten Team zeigte, ein ordentliches Ei fabrizierte, die Führung jedoch weiterhin in den Reihen Westerendes verblieb.

Hendrik Bents warf dann recht ordentlich, aber als sich "El Capitano" Steffen Lengert, der sich laut eigener Aussage von seiner Meisterprämie ein Malzbier gönnen und eine 1-tägige Weltreise antreten würde, auch noch einen etwas verunglückten Wurf gönnte, war die Führung endgültig auf Seiten des Heimteams.

Der röhrende Sparkassenazubi, der nach wie vor mit einem Rippenbruch seine Wettkämpfe bestreitet, stand dann 200 Meter vor dem Ziel und donnerte die Kugel schick oben an den Straßenkamm und schaffte es, die magische Linie zu überwerfen. Da Moordorf bereits zuvor geworfen hatte, musste nun die Diskrepanz zwischen den beiden Kugeln genommen werden. Es kam, wie es kommen sollte: Am Ende fehlte genau 1 Meter und Lütje Holt trug einen dennoch tollen Erfolg von 2,149:0 davon. Angesichts der Tatsache, dass das Team bei der drittstärksten Gruppe der Liga angetreten war, war dies sicherlich ein sehr hoch einzuschätzender Erfolg für die vier rotgekleideten Burschen, der dementsprechend frenetisch gefeiert wurde. Der Erfolg kam auch dadurch zustande, dass die Westerender sich auf ihren Fahrtvorteil verlassen konnten. Ein ums andere Mal mussten gefrorene Felder und Eisflächen als Auslaufzonen herhalten und diverse Würfe wurden dadurch länger und länger.

Ragnar Hoffmann brüllte seine Farben wieder eindrucksvoll nach vorne. Seine Lokalreden nach den Wettkämpfen haben es bereits in der Liga zu einiger Berühmtheit gebracht.

Die Holzgruppe musste auf der Powerstrecke in Moordorf auf den an einer Lungenentzündung laborierenden Gewaltschmieter Jens Ufken verzichten. Als adäquater Ersatz wurde schnell Stefan Coordes aus der Männer II verpflichtet und angesichts des späteren, sehr engen Spielverlaufs sollte sich diese Maßnahme als goldrichtig herausstellen, zumal Moordorfs etatmäßiger Gummiwerfer Jens Feldmann mit der Kunststoffkugel eine exzellente Leistung zeigte.

Folglich ging man in der Formation Christian Smid, Simon Hanssen, Stefan Coordes und Sven Frerichs in die Begegnung, eine Holzformation, die es sicherlich mit jedem Team der Liga aufnehmen kann.

Blanke Bewunderung kam von Seiten der Moordorfer, als auch Christian Smid seinen Anwurf durch die erst Kurve zimmerte. Laut Aussage des Heimteams hatte es bislang noch kein Gegner zustande gebracht, die Biegung mit beiden Gruppen komplett zu durchwerfen.

Simon "So ward boßelt" Hanssen legte einen tollen Wurf nach, ehe Stefan Coordes die Kugel oben an die Straßenführung jagte, das schwarze Geschoss einige Meter zurücklegte und am Ende nach einer kurzen Zeit des Bangens, bedingt durch den dichten Verkehr, konnte man sich tatsächlich über das 1:0 freuen. Die Männer II-Leihgabe hatte also einen blitzsauberen Einstand gefeiert und wurde von den Teamkollegen und Zuschauern dementsprechend frenetisch mit Jubel bedacht.

Top Start in den Wettkampf: Stefan Coordes erzielte das frühe, essentielle 1:0. Es war sehr wichtig, dass er gegen Moordorf an Bord war, sorgte er mit seiner guten Wettlkampfleistung für Ruhe und Konzentration bei der ansonsten doch sehr jungen Holztruppe, die ohne seine väterliche Ruhe unter Umständen sicherlich stärker ins Wanken hätten geraten können.

Dampfmaschine Sven Frerichs komplettierte mit einem guten Kurvenwurf die hochklassige erste Runde und in den Gesichtern des Heimteams konnte man zu diesem Zeitpunkt ablesen, dass man der guten Leistung Lütje Holts durchaus Tribut zollte.

Auf Höhe der Verkehrsinsel jagte Christian Smid die Kugel dann aber übertrieben oben raus, sodass der gute Start einen spürbaren Bruch erlitt, Moordorf sich wieder berappelte und fortan gut mitwarf.

Die folgende S-Kurve wurde von beide Teams schadlos gemeistert und der Wettkampf entwickelte sich allmählich zu einem Ringen auf Augenhöhe.

Nach einem missglückten Wurf von Simon Hanssen, der das schwarze Geschoss ein gutes Stück nach der Westerender Kreuzung viel zu tief ließ, nutzten die Moordorfer ihre Chance und jagten eine Rakete in Richtung Wiegboldsbur. Stefan Coordes traf seinen Wurf zwar vernünftig, konnte aber nicht ganz zur Kugel der Moordorfer kommen, sodass am Ende die Führung die Seiten wechselte.

Die anschließende Zwischengerade verlief ereignislos, ehe Jens Feldmann vor der langgezogenen Rechtskurve ein Riesending auspackte und Simon Hanssen nun vor eine mehr als schwierige Aufgabe stellte. Der süße Landbursche mit den himmelblauen Augen, der vor kurzem ein verwundetes Nashornbaby am Bangsteder Straßenrand entdeckt hat und es seitdem mit der Flasche aufzieht, traf seinen Wurf zwar nicht optimal, doch zog dieser sich noch unter dem Strich ein ordentliches Stück hin und knallte am Ende genau gegen die Vorlage von Jens Feldmann. Der Ausgleich war dadurch also um  Haaresbreite verhindert worden.

Der Anwurf des Tischlergroßvesirs Smid lief perfekt in die erste Kurve ein und besorgte Lütje Holt gleich die Führung im Wettkampf.

Die letzte Passage bis zur Wende war dann gezeichnet von vielen Führungswechseln: Es folgten auf beiden Seiten kleinere Würfe und am Ende drehte man auf Höhe der Wiegboldsburer Grundschule mit der Führung auf Seiten der Moordorfer, da Stefan Coordes diese abgegeben hatte.

Sven Frerichs zauberte wiederum einen sehenswerten Wurf auf die Rücktour, der vom Heimteam nur knapp erreicht wurde. Christian Smid, der seiner Freundin Lena zum Jahrestag ein Herz aus grünen Kartoffelscheiben gebastelt hatte, legte im Anschluss aber nochmal ordentlich nach und die Führung war wieder auf Seiten der Roten.

Im nachfolgenden Kurvenabschnitt war es demgegenüber Sven Frerichs, der die Führung nach einem guten, aber zu kurzen Versuch abgab, sodass Moordorf frei auf die nun folgenden Zwischengerade werfen konnte.

Der junge Bundeswehrsoldat, der gerne ausgedehnte Waldspaziergänge in der Sahara macht, war es dann auch, der auf der Geraden völlig sinnentleert extrem stark kurbelte und die Kugel oben aus der Straße jagte. Niemand konnte diesen Wurf so richtig nachvollziehen, doch das war den Moordorfern recht egal und schon stand es 1:1, da er hinter der Kugel der Blauen geblieben war.

Erwischte in Moordorf keinen Glanztag und will es im Heimkampf gegen Georgsfeld wieder ausbügeln: Sven "Dampfmaschine" Frerichs.

Es war also wieder alles offen im Kräftemessen der beiden Teams. Holz wusste vom knappen Vorsprung der Gummigruppe, aber wollte natürlich selbst für einen eigenen doppelten Punktegewinn sorgen.

Mit einer gewissen "Jetzt-erst-recht-Mentalität" schickte Christian Smid die Kugel dann auf die Reise in Richtung der kleinen Brücke und holte prompt die Führung zurück. Simon Hanssen und Stefan Coordes legten ordentlich  nach und nun befand man sich erneut auf Höhe der Holzlooger Straße, als Sven Frerichs zu seinem Wurf ansetzte, diesen toll traf, doch nach 120 Metern ein Auto für ein abruptes Ende des Wurfvorgangs sorgte. Die Kugel wäre sicherlich durch die gesamte Kurve gelaufen und hätte vermutlich zum 2:1 für das Auswärtsteam geführt.

Umso ärgerlicher war es dann, dass die Wurfwiederholung misslang, die Kugel auf Höhe der Bushaltestelle die Straße verließ und ziemlich genau dort zum Stillstand kam, wo das Auto vorher in den Wettkampf eingeriffen hatte.

Es folgte zwei nicht ganz zufriedenstellende Würfe von Christian Smid, Simon Hanssen, die die Führung verloren, wiederholt war es Stefan Coordes, der seinen Wurf zwar etwas zu tief ließ, aber ordentlich Power mitgab und die Führung für Rot zurückeroberte.

Sven Frerichs warf dann bis in die nächste Kurve ein, weil sich die Kugel günstig an der vorgelagerten Brücke stieß und nun warteten alle gespannt auf die Moordorfer Reaktion. Denkbar eng scheiterten die Hausherren an dieser Vorlage des 25-Jährigen, selbst das Ausnutzen der angrenzenden Eisfläche brachte letztlich nicht die entscheidenden Zentimeter, sodass die Gäste tatsächlich und unfassbar knapp auf 2:1 erhöhen konnten.

Der Fight der beiden Teams war an diesem Tag sicherlich nichts für schwache Nerven. Der per Liveticker von Imke Pupkes und Lena Mudder auf dem heimsichen Sofa mitfiebernde Brüllhannes Jens Ufken stand an diesem Nachmittag nicht nur einmal vor einem Herzinfarkt. Die zahlreichen Führungswechsel im Vergleich der Holzteams waren sicherlich nichts für Zartbesaitete.

Ingo "Harvey" Weber zeigt an und die Gummigruppe plus zahlreiche Zuschauer erwarten den Einmarsch der Holzathleten.

Christian Smid erwischte heute auch keinen Glanztag und gab - auch aufgrund seiner zu starken Wurfkraft, in der nachfolgenden Kurve die Führung wieder ab, da der Gegner die Kugel schön durchwarf, er die Kugel mit Vollstoff zwar unten setzte, diese aber im Kurvenausgang steil oben rausflog und am Ende zwei Meter fehlten.

Der Schöt war also wieder kaputt, doch konnte Stefan Coordes  diese wenig später  wieder zurückerobern.

Coordes war es auch dann, der den letzten Wurf des Wettkampfes zu tätigen hatte. Moordorf hatte ein respektables Projektil in die Schlusskurve gesetzt, der Vater der Frauen I-Werferin Maren Coordes legte gut nach, doch wies sein Wurf am Ende ein wenig zu viel Finger auf, sodass am Ende 15 Meter zur Kugel der Moordorfer fehlten und dieser packende Wettkampf mit einem Unentschieden entdete, Westerende sich aber zumindest über wertvolle 135 Meter freuen konnte, die ein Gesamtergebnis von 3,134:0 für Lütje Holt zur Folge hatten.

Die Gastgeber hatten es also tatsächlich geschafft und zwei enorm wichtige Punkte bei den starken Nachbarn ergattern können. Die Zuschauer und Werfer feierten überschwänglich und spätestens nach diesem Wettkampf lebt der Traum von der Meisterschaft mehr denn je.

Mit 84:18 Schöts und 28:8 Punkten steht man jetzt mit einem Puffer von 3 Punkten auf Rang 1 der Kreisliga. Zudem ist man nun seit unfassbaren 15 Partien ungeschlagen und konnte wahnsinnige 10 Partien in Serie erfolgreich gestalten.

Am Sonntag kommt nun der Tabellenvorletzte aus Georgsfeld zum letzten Heimkampf der Saison, der sicherlich nicht unterschätzt werden wird. Auskommen muss das Team in Holz dann nach wie vor ohne Jens Ufken, der seiner Lunge noch eine Woche Schonung geben muss. Für ihn wird Ingo "Harvey" Weber seine Einsatzzeit erhalten.

 

-ju- (Informationen für Gummi: Steffen Lengert, für Holz: Christian Smid)


Heimkampf gegen Middels II, 25.2.18

Vor dem  Wettkampf noch ein kleines Schläfchen bei Minusgraden: Simon Hanssen tankte noch ein wenig Kraft in ungemütlicher Atmosphäre. Die Hüttenkonstruktion scheint ergonomisch perfekt an den Nackenbereich des Hobbylandwirts angepasst zu sein.

28.2.2018

 

"Ein Thermotanga reicht heute nicht. Deswegen habe ich zwei an", teilte Simon Hanssen vollmundig vor dem Wettkampf gegen Middels mit. Eine fürchterliche Eiseskälte wartete am Sonntag auf die Westerender Boßelbuben als diese sich zum vorletzten Mal in dieser Saison auf ihrer Heimstrecke einfanden.

Diese Holzlooger Straße ist mittlerweile zu einer richtigen Festung mutiert, entgegen der Vergangenheit, wo die Heimbilanz schon mal ausgeglichen oder gar negativ ausfiel. 15:3 Punkte hat das Team bis dato bereits daheim erbeuten können, wobei die 3 Verlustpunkte mehr als vermeidbar gewesen sind, betrachtet man die Tatsache, dass sie die Revanchepartien in Pfalzdorf (0:7) und Dietrichsfeld (0:1) doch für sich entscheiden konnten.

Der Tabellenvorletzte aus Middels II war also nun zu Gast und entgegen der letzten Heimpartie gegen Wiesens, wo es im Vorfeld in den Köpfen mancher Werfer nur noch um die Höhe eines möglichen zweistelligen Erfolges ging - ein leichtfertiges Denken, das sich in einer großen Startnervosität widerspiegelte und glücklicherweise nicht bestraft wurde - gab es im Vorfeld keinerlei Gerede über derlei Ergebnisse. Im Gegenteil: Der Gegner wurde stark geredet, um die Spannung hochzuhalten.

Dass die Middelser boßeln können, wusste vor allem die Holzgruppe Westerendes zu bezeugen, konnte man in der Hinserie doch nur obsiegen, weil Christian Smid den letzten Wurf des Wettkampfes optimal platzierte. Vorher war es ein Kräftemessen auf Augenhöhe gewesen.

Einfach nur schweinekalt, aber im Windschutz der Hütte herrscht dennoch gute Stimmung vor der Partie. Imke Pupkes, Sven Frerichs und Ingo "Harvey" Weber (v.l.) machten das, was sie am besten können: Dummes Zeug labern.

Die Wooden Boys gingen in der Formation Christian Smid, Simon Hanssen, Jens Ufken und Sven Frerichs auf den Eisparcour. Begleitet wurden sie von Thilo Adomat und Thorsten Wienekamp. Ingo "Harvey" Weber lief auch mit, kam aber zwei Runden vor Schluss für den fieberkranken Jens Ufken in die Partie, der zuletzt nicht mehr die notwendige Konzentration für seine werferischen Aufgabenstellungen aufbringen konnte.

"Smiddi" Smid hatte wieder einen schönen Anwurf bis kurz vor die Einfahrt gepfeffert und Simon Hanssen einen soliden Nachfolger geliefert, der die Führung ein wenig ausbaute. Jens Ufkens Versuch blieb dann ein wenig zu tief, wodurch er die Führung wieder abgab, da der sympathische, aus Nordrhein-Westfalen stammende Middelser namens Roger seinen Wurf zuvor voll getroffen hatte.

Sven Frerichs fabrizierte daraufhin ebenfalls einen Aussteiger, sodass der Startwerfer der Westerender nun genug Wut im Bauch hatte und unbedingt die Führung zurückhaben wollte.

Er stand kurz vor dem Rechtsknick, traf den Wurf optimal und brachte Simon Hanssen schon ein gutes Stück auf die nachfolgende Gerade. Der Wurf der Gegner blieb tatsächlich zu kurz und die Führung war wieder rotgefärbt.

Simon Hanssen knallte die Kugel dann bis in den Rechtsknick, sodass Jens Ufken jetzt vor der wichtigen Aufgabe stand, das Teilstück zum Kanal zu überbrücken.

Zwei Schöts mit einem Wurf. Das Tischlergenie Smid hatte zugeschlagen. In Dietrichsfeld kündigte der süße Naturbursche im Übrigen großspurig an, sich im Falle der Meisterschaft die Haare rot färben zu wollen.

Das will eigentlich keiner sehen. Den Meistertitel dagegen schon.

Ein schlimmes Dilemma für alle.

Er setzte die Kugel optimal und folglich legte sie via Leitplanke noch ein paar Meter in Richtung Kanalgerade zurück. Die Middelser konterten nichtsdestotrotz mustergültig und schoben die eigene Kugel um wenige Meter am Schwarz Lütje Holts vorbei.

Sven Frerichs ließ seinen schwierigen Wurf aus der Kanalkurve dann ein wenig zu tief, doch zog er sich noch beachtlich lang am unteren Straßenrand und konnte erneut nur um einige Meter von den Middelsern übertroffen werden.

Jetzt folgte der große Auftritt von Christian Smid, der die Kugel sauber über die Straßenmitte setzte, ihr einen feinen Daumen mitgab wodurch sie sich nach langsamen Anstieg regelrecht am oberen Straßenrand festbiss und am Ende sogar in der anschließenden Linkskurve mitfiel. Ein 250-Meter-Geschoss, bei dem sofort klar war, dass jetzt das 1:0 folgen müsste.

Die Gäste reagierten überhastig und knallten die Kugel einmal quer über die Straße in Richtung Kanal, sodass Westerende sich über den ersten Erfolg im Wettkampf freuen konnte. Dies sollte aber noch nicht alles gewesen sein, denn der nachfolgende Werfer stand nun so bescheiden, dass es ihm nahezu unmöglich war, des Gegners Kugels zu übertrumpfen.

Das Auswärtsteam entschied sich für die sichere Variante und warf die Kugel gerade in Richtung Linkskurve, blieb dadurch allerdings erneut hinter der Vorgabe Smids, wodurch dieser sich zusammen mit seinen Compadres über einen äußerst seltenen Doppelschöt freuen konnte. Ein toller Wurf zur richtigen Zeit - so konnte es nach dem Geschmack der Hausherren weitergehen.

Thorsten Wienekamp war auch mal wieder mit von der Partie, kam aber nicht zum Einsatz. Er ließ es sich trotz Eiseskälte aber nicht nehmen, seine Farben nach vorne zu peitschen.

Jens Ufken hatte Sven Frerichs auf die Gerade nach dem Rechtsknick gesetzt und der 25-Jährige packte dann einen äußerst konzentrierten Daumenwurf aus. Die Kugel stieg und stieg und legte dabei natürlich eine stattliche Weite zurück. Auf Höhe des Lärchenwegs war dann Schluss und man erwartete die Middelser Antwort. Doch die kam nicht oder nur verzögert: Sie ließen den Wurf zu tief und so fiel binnen einer Runde auch schon das 3:0.

Es war wiederum der Anwerfer der Roten, der dann anlief, das Spielgerät schön mittig setzte und am Ende nur aufgrund von wenigen Zentimetern daran scheiterte, dass die Kugel  die komplette Biegung durchlief, sondern kurz vor dem Scheitelpunkt der Rechtskurve zum Stillstand kam. Auch so war es ein toller und sehenswerter Wurf, aber gerade die Herren in Rot hätten sich natürlich eine "Mitnahme" der gesamten Kurve gewünscht.

Auch so blieb der Versuch Smids nicht ohne Folgen: Der Gegner kam nur bis zur Bushaltestelle und nach diesem enormen Zwischenspurt des Heimteams hatte man plötzlich ein beruhigendes Polster von vier Schöts auf dem Konto, das sogleich via WhatsApp an die Gummigruppe übermittelt wurde.

Bis zur Wende schlichen sich dann einige Unkonzentriertheiten auf Seiten der Westerender ein, die sich glücklichereise nicht auf das Gesamtergebnis auswirkten.

Merkwürdige Szene auf der Wende: Ein Trecker blockierte die linke Fahrspur. Sven Frerichs schön gekurbelter Fingerwurf lief sogar mustergültig durch die ersten zwei Achsen, blieb dann aber irgendwo am Anhänger stecken. Glücklichweise bedeutete dies nicht den Verlust der Führung.

Christian Smid und Simon Hanssen positionierten Jens Ufken dann ungefähr auf Höhe des Dükers. Seine Aufgabe bestand also darin, Sven Frerichs auf die Gerade zu stellen, damit dieser frei aufwerfen kann.

Der 35-Jährige Oberbrüllmeister, der mit Vorliebe seine eigene Gesundheit zerstört, hatte sich für einen Trüllversuch entschieden, setzte die Kugel aber einen Deut zu weit links, sodass sie nicht mit der Kurve fiel.

Dem anfänglichen Ärger über den missglückten Wurf folgte dann aber die Freude über das 5:0, da der Gegner ihm nacheiferte und am Ende 15 Zentimeter bis zur Weite Ufkens fehlten. Ein merkwürdiger Schöt, über das sich im Team niemand so recht freuen konnte.

Da die Middelser ihr Projektil optimal aus dem Rechts- in den nachfolgenden Linksknick jagten, hatte Sven Frerichs nun eine ordentliche Aufgabe vor sich. Leider platzierte er die Kunststoffkugel falsch und gab ihr überdies noch eine äußerst starke Portion Finger mit. Folglich erreichte er die gesetzte Markierung nicht und die Führung war futsch.

Es schlichen sich, auch bedingt durch die Kälte und die zum Teil langen Wartezeiten zwischen den Autokolonnen, nun immer wieder Ungenauigkeiten in das Boßling der Westerender ein. Zwar holte sich Christian Smid die Führung kurz nach Christine Udens Gaststätte zurück, doch konnte erst einmal nichts Zählbares mehr verbucht werden.

Ingo "Harvey" Weber kam für Jens Ufken in die Partie und macht sich hier bereit für seinen ersten Wurf, den er auch dank der Zuarbeit eines Schlaglochs sehenswert bis in die Kurve brachte.

Durch eine Unachtsamkeit Jens Ufkens, der seinen letzten Wettkampfwurf kurz vor dem Linksknick stehend zu tief setzte und sehenswert im Graben versenkte, ging die Führung schon wieder verloren. Sven Frerichs kurbelte wiederum zu heftig am Kunststoffgeschoss und so verließ es noch vor der Bushaltestelle die Straße.

Die Gegner hatten dagegen Glück und warfen sehenswert bis in die Kanalkurve, da sie nach der Bushaltestelle eine der dicken Frostkanten mitnahmen, wodurch die Kugellaufbahn tatsächlich noch extrem verlängert wurde.

Da das Spielgerät der Ost-Auricher nun schon ein kleines Stück auf der Kanalgeraden lag, war es für Christian Smid, der den gesamten Wettkampf im Übrigen tapfer trotz einer starken Dehnung seiner Unterhose durchzog, nahezu unmöglich, das 1:5 zu verhindern.

Infolgedessen verzichtete er auf Experimente und donnerte die Kugel gegen die Bordsteine der Kanalbrücke. Wie befürchtet, durfte sich Middels in diesem Moment also über Schöt Nummer 1 freuen.

Simon "So ward boßelt" Hanssen, der seinen Glücksbringer Hans-Dieter übrigens wieder in seiner rechten Jackentasche platziert hatte, legte dann wiederum alles in seinen Versuch, setzte ihn zwar nur mittig, doch zog dieser sehenswert am unteren Straßenrand entlang.

Alterspräsident Weber konnte dann bereits "Führung" rufen und setzte seinen Wurf mustergültig mit Tuchfühlung zur Grasnaht neben dem Kanal, kurz vor der Rechtskurve fiel die Kugel hinwieder, erwischte aber ein Schlagloch und zog sich somit wunderbar bis in die Krümmung.

Ein bisschen "slicht" muss man sein, dann klappt es auch mit den Schöts. Holte zweimal mustergültig den Daumen raus und konnte damit punkten: Dampfmaschine Sven Frerichs, der demnächst als Nebelmaschine in der Diskothek Galaxy tätig sein wird.

Nur wegen wenigen Metern blieb Weber auch der Schötruf versagt, doch der sollte nicht lange auf sich warten lassen: Sven Frerichs kurbelte die schwarze Murmel mit einem immensen Daumen um die Rechtsbiegung, überbrückte die Gerade bis zum Linksknick und nahm dabei noch ein Schlagloch mit, das glücklicherweise nicht die Richtung der Kugel veränderte. Letztendlich landete er mit diesem schönen Wurf 80 Meter nach dem Linksknick und da das Auswärtsteam erneut nicht folgen konnten, war der alte Abstand wiederhergestellt: 6:1 für Lütje Holt.

Scheinbar hatte das Heimteam dann aber keine sonderliche Lust mehr, das Ergebnis hochzuschrauben, denn es folgten weitere Unzulänglichkeiten im Wechsel mit ordentlichen Würfen. Glücklichweise wurden die Eier der Hausherren jedoch nicht mehr von den Middelsern genutzt.

Ein Geschenk für die Gäste gab es dann aber doch noch mit dem letzten Wurf der Partie: Die Gäste hatten bereits das Ziel überworfen und nun lief Simon Hanssen zu einem Gewaltwurf an. Wie von Sinnen knallte er die Kugel einmal quer über die Straße und schaffte es tatsächlich, die von Middels vorgelegte Weite nicht zu erreichen. Sven Frerichs hatte vorher scherzhaft zu ihm gesagt, er solle die ca. 300 Meter entfernt liegende Rechtskurve nicht bei der Planung seines Wurfs berücksichtigen. Hätte er die Straße getroffen, wäre die Kugel vermutlich auch dort angekommen und sogar bis Rahe gelaufen.

So fehlten leider dann doch fünf Meter, um die Führung über das Ziel zu retten. Lütje Holt durfte sich dennoch über einen niegefährdeten 4,145:0-Erfolg freuen. Ein wahrer Arbeitssieg, der einige schöne Würfe hervorgebracht hatte, aber auch einiges an boßlerischen Blödsinn. Glücklichweise blieb Letzterer ungesühnt.

Übertraf mit einem Jahrhundertwurf die 400-m-Marke: Ragnar Hoffmann war on Fire.

Ragnar Hoffmann, Dirk Tunder, Hendrik Bents und Steffen Lengert stellten sich als Vertreter der Gummibubenfraktion der Eiseskälte. Jan Lengert wich seinen Mannen in der Eiseskälte nicht von der Seite und kam für den vorletzten Wettkampfwurf in die Partie, ersetzte seinerseits Hendrik Bents.

Der Anwurf des Mannes, der aktuell an wunden Händen aufgrund permanenter Papierfaltereien leidet, ging bis zur Birke und brachte die Führung, doch gab Hendrik Bents diese nach einer ordentliche Vorlage des Gegners wieder ab.

"El Capitano" Steffen Lengert war es dann, der mit breiter Brust voranschritt, ca. 150 Meter vor dem Rechtsknick stehend einen Gewaltwurf auspackte und damit nicht nur die Führung holte, sondern seinem Team auch das 1:0 bescherte.

Diese frühe Führung brachte aber keine Sicherheit, besonders Dirk Tunder und Hendrik Bents zeigten immer wieder kleinere Schwächen in ihrer Wurfperformance und die in der Gruppenrangliste auf dem letzten Platz der Liga rangierenden Middelser hielten zudem sehr gut dagegen.

Außer diversen Führungswechseln änderte sich fortan für lange Zeit nichts mehr am Spielstand, die Wende wurde genauso ereignislos überwunden wie auch die Stine-Uden-Kurve auf der Rücktour.

Doch dann drehte die Gummitruppe, vermutlich weil sie ihren Holzkollegen in nichts nachstehen wollte, urplötzlich und nahezu explosiv auf. Dass die Truppe entgegen der Holzdivision, die oftmals bereits früh komfortabel in Führung liegt, eher zu den Spätstartern zählt, ist bereits seit einigen Wettkämpfen zu sehen, doch der nachfolgende Vorgang setzte dem Ganzen dann noch einmal die Krone auf.

Dirk Tunder musste seine Sonnenbrille  mit Frostschutz besprühen und hatte dann den besten Durchblick.

Zudem auf dem Bild zu sehen: Ragnar Hoffmann, Steffen Lengert, Sven Frerichs, Hendrik Bents, Imke Pupkes und Thilo Adomat (v.l.).

Den Anfang machte Hendrik Bents dann auf der Höhe von Stine Uden. Der sympathische Mittzwanziger, der den mannschaftsinternen Rekord im Bankdrücken mit gewaltigen 25 Kilo hält, traf seinen Wurf zwar nicht ganz hunderprozentig, doch da bei seinem Gegner die Nerven durchgingen, konnte aus einem wackligen 1:0 endlich ein 2:0 gemacht werden.

Es ging neuer Mut durch das Team, die Würfe wurden besser und die Teamleistung vor allem auch deutlich stabiler.

Steffen Lengert und Ragnar Hoffmann überbrückten die lange Gerade bis zum nachfolgenden Linksknick mit sehenswerten Würfen, doch fand Middels II zu diesem Zeitpunkt noch immer die richtige Antwort.

"Mr. Tunderstruck" stand nun also auf der Geraden in Richtung Kanal und musste die Nerven behalten, um den nächsten Werfer wieder vernünftig zu stellen.

Er zündete die rote Kugel mustergültig an der Mittellinie entlang, sodass diese gegen den Bordstein knallte und der nächste frei in Richtung Kanal werfen konnte - Mission abgeschlossen. Die Mission lief dann sogar noch deutlich erfolgreicher als erwartet, denn plötzlich stand es 3:0 für Westerende, da das Auswärtsteam die eigene Kugel nicht zur gesetzten Markierung bringen konnte.

Mit dieser jetzt so kurz vor Schluss doch sehr beruhigenden Führung im Rücken ging es also in den letzten guten Kilometer des Wettkampfes.

Wenn er so grummelig guckt, ist er konzentriert. Steffen Lengert zeigte eine ordentliche Vorstellung gegen Middels II. Hendrik Bents schaut sich die Beschaffenheit der Strecke an.

Der Kanal wurde zwar mit zwei Werfern absolviert, doch brachte man es dennoch fertig, die Führung kurzerhand herzugeben.

Vizekapitän Ragnar Hoffmann stand in der Ausgangskurve des Kanals und jetzt folgte der vermutlich schönste, weil längste Wurf der gesamten Saison auf der Heimstrecke Lütje Holts im Bereich der Männer I.

Er lief auf der linken Straßenseite an und semmelte das rote Ding mit voller Power an der Mittellinie entlang. Die Kugel lief perfekt, fiel mit dem leichten Linksknick und geriet anschließend in die Rille unterhalb der Straßenmitte.

Diese Rille wurde komplett mitgenommen und am Ende stieg der Riesenflummi sogar nochmal an und blieb sage und schreibe im Linksnkick vor der Schlussgeraden liegen. Dem Gegner und auch seinen Sportkameraden blieb schier die Spucke weg. So etwas hatten sie auch noch nicht gesehen.

Interessanterweise hatte er sich vor dem Wurf mit Steffen Lengert besprochen, der ihm dazu geraten hatte, mal auf der linken anstatt auf der rechten Seite anzulaufen, weil er den Stand zuvor in anderen Heimkämpfen schon öfter über rechts  versaut hatte.

Dieser absolute Irrsinnswurf war der definitive Genickbruch für Middels und so kam, was kommen musste: Erst gab es die Führung für Westerende, es folgte Schöt Nummer 4 und dann sogar noch das 5:0. Das Match war entschieden und plötzlich lockte sogar noch die Chance auf ein zweistelliges Ergebnis in der Gesamtwertung, zumal auch die Moral des Gegners am Boden lag.

Diese Strecke legte Ragnar Hoffmann mit seinem Gewaltwurf zurück. Sicherlich kein alltäglicher Vorgang an der Holzlooger Straße.

Dirk Tunder lief nun im Linksknick an und schleuderte gleich eine weitere Granate in Richtung Ziellinie, sodass die tapferen und sehr sympathischen Middelser nun sogar noch das 0:6 schlucken mussten. Der Spielverlauf war mit diesem Ergebnis binnen kürzester Zeit komplett ad adsurdum geführt worden, auf Seiten der Westerender interessierte dies aber niemanden mehr.

Jan Lengert kam dann noch zu einem Kurzeinsatz und meisterste seine Aufgabe sehr ordentlich, ehe sein Bruder und Kapitän Steffen mit einem völlig irrsinnigen Wurf den Schlussakkord setzte.

Ähnlich wie sein Holzkollege Hanssen donnerte er die Kugel kurz vor der Ziellinie stehend quer über die Straße und diese hatte zwar den Gegner schon hinter sich gelassen, aber die magische Linie beim Verlassen der Straße noch nicht überquert. Folglich wären also das Auswärtsteam und dann Ragnar Hoffmann nochmal an der Reihe gewesen. Urplötzlich knallte der rote Ball jedoch gegen einen harten Gegenstand, kehrte wieder auf die Straße zurück und lief im stumpfen Winkel in Richtung des unteren Straßenrands.

Jetzt war das Auswärtsteam mehr als bedient. Gerade Lengert ist im Team dafür bekannt, öfter mal die Kugeln in die Böschung zu jagen und dann nach zehn Sekunden wieder auf der Straße auftauchen zu lassen. Auf andere Teams kann dies aber natürlich schon mal befremdlich wirken.

Neben den 6 Schöts konnte sich Lütje Holt am Ende noch über 59 Meter freuen. In Addition mit dem Ergebnis der Holzgruppe steht am Ende also tatsächlich der zweite zweistellige Saisonerfolg auf dem Spielbericht, konkret ein 11,054:0.

Damit bleibt Westerende an der Tabellenspitze, jetzt mit 80:18 Schöts und 26:8 Punkten. Der Vorsprung auf die Verfolger konnte dabei tatsächlich nochmal ausgebaut werden, da Schirum-Ostersander in Ludwigsdorf beim 3:3 stolperte, Langefeld zu Hause sensationell mit 0:11 gegen Moordorf unterging und Dietrichsfeld in Osterloog ein 0:4 hinnehmen musste.

Ostersander auf Platz 2 steht jetzt bei 25:11 Punkten, Dietrichs- und Langefeld dahinter kommen beide auf 22:14 Punkte.

Überdies leben die Rekordserien der Roten weiter: Mittlerweile ist man seit 14 Partien ungeschlagen und hat die letzten 9 Partien allesamt gewonnen.

Angesichts der noch geringen Anzahl an restlichen Spieltagen wirkt der Vorsprung sicher, jedoch muss Lütje Holt noch nach Moordorf, Langefeld, Bernuthsfeld und Middels-Osterloog. Dies sind allesamt Teams, die auf ihrer Strecke bisher wenig anbrennen lassen haben. Gerade das kommende Wochenende wird entscheidend, wenn es am Samstag zu den starken Nachbarn nach Moordorf geht und am Sonntag Georgsfeld zum Tanz bittet. Nach dem Unentschieden aus der Hinserie hat Westerende sicherlich auch gegen den neuen Tabellenvorletzten noch eine Rechnung offen.

 

-ju- (Informationen aus Gummi: Ragnar Hoffmann)